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Zeit und Veränderung in der Transzendentalen Ästhetik in Kants Kritik der reinen Vernunft

Seminararbeit 2004 13 Seiten

Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts

Leseprobe

I. Inhalt

1. Einleitung

2. Die Zeit
2.1 Die Apriorität der Zeit
2.2 Die Notwendigkeit der Zeit
2.3 Der Anschauungscharakter der Zeit

3. Veränderung

4. Zusammenfassung und Ausblick

II. Quellen

1. Einleitung

Immanuel Kant (1724-1804) begründet mit seinem ersten Hauptwerk „Kritik der reinen Vernunft“ ein neues Denken in der theoretischen Philosophie. Die Metaphysik seiner Zeit befindet sich in einer Krise: Rationalismus und Empirismus stehen sich erbittert gegenüber. Keiner der Vertreter dieser philosophischen Strömungen vermag in Kants Augen die Fragen der Metaphysik - Fragen nach der Unsterblichkeit der Seele, nach der Existenz Gottes, nach der Freiheit etc. - hinreichend zu beantworten. Beide Wege sind für Kant problematisch.

Den Rationalisten, deren Ansicht nach sämtliches Wissen der Menschen einzig und allein der Ratio, unabhängig von jeglicher Erfahrung entspringt, kommt Kant entgegen, indem er angeborene Erkenntnis-Bedingungen zugesteht. Den Empiristen, in deren Augen sämtliches Wissen einzig der Erfahrung entnommen wird, gesteht er zu, dass der Mensch einzelne Erkenntnis erst in Ansehung der Dinge um ihn herum gewinnt, allerdings nur mit Hilfe der Einordnung dieser in die Verstandeskategorien als Erkenntnis-Bedingungen.

Kant konzipiert eine kritische Philosophie, die auf einer Zweistämmelehre basiert: Erkenntnis beginnt in seinen Augen zwar erst mit der Erfahrung, „wenn aber gleich alle unsere Erkenntnis mit der Erfahrung anhebt, so entspringt sie darum doch nicht eben alle aus der Erfahrung.“ (KrV: B1)[1] Neben den empirischen Erkenntnissen, muss es Erkenntnisse a priori geben, d. h. solche, die von aller Erfahrung unabhängig erlangt werden. Kennzeichen solcher Erkenntnisse a priori sind „Notwendigkeit und strenge Allgemeinheit“ (KrV: B4), sie zeigen sich in Begriffen und Urteilen. So ist dem Begriff „Körper“ notwendig und allgemein Ausgedehntheit, sprich Substanz, inhärent. Das Urteil „Alle Veränderung hat eine Ursache“ könnte nicht als notwendig und allgemeingültig formuliert werden, würde es sich auf Erfahrung gründen und somit a posteriori getroffen sein – es könnte jederzeit auch durch Erfahrung widerlegt werden.

Der Frage nach dem Umfang, dem Wert und der Gültigkeit der Erkenntnisse a priori ist für Kant die Frage, „wie denn der Verstand zu allen diesen Erkenntnissen a priori komme“ (KrV: B7) vorangestellt. Dies muss der Grund, die erste Frage der Philosophie sein.

Kant unterscheidet nun bei den apriorischen Urteilen die analytischen von den synthetischen. Ein analytisches Urteil – „Alle Körper sind ausgedehnt“ – bringt keine wirklich neue Erkenntnis, da Subjekt und Prädikat in ihren Begriffsinhalten bereits miteinander verbunden sind, und wir diese lediglich zergliedern, nicht aber erweitern. Wahrlich neue Erkenntnisse sind aber durch synthetische Urteile möglich: hier wird einem Subjekt ein neues Prädikat zugeordnet. Zum Beispiel liegt das Prädikat „einen Anfang haben“ nicht zwangsläufig im Subjekt „Welt“, somit wäre das Urteil „Die Welt hat einen Anfang“ ein synthetisches Urteil, und zwar a priori, da es nicht aus der Erfahrung gewonnen sein kann. Wir kennen laut Kant solche synthetischen Urteile a priori aus der Mathematik, der Geometrie und anderen Naturwissenschaften, aber eben auch die Metaphysik besteht „wenigstens ihrem Zwecke nach aus lauter synthetischen Sätzen a priori“ (KrV: B18). Und so kommt Kant nun auf die Kernfrage seiner „Kritik der reinen Vernunft“: „Was ist das Unbekannte = x, worauf sich der Verstand stützt, wenn er außer dem Begriff von A ein demselben fremdes Prädikat B aufzufinden glaubt, welches er gleichwohl damit verknüpft zu sein erachtet?“ (KrV: B13) oder „Wie sind synthetische Urteile a priori möglich?“ (KrV: B19)

Auf seinem Weg dieser Frage nachzugehen und dafür ein „System aller Prinzipien der reinen Vernunft“ (KrV: B27), welches nämlich seine Transzendental-Philosophie ist, aufzubauen, begegnen Kant wiederum die zwei Stämme Sinnlichkeit und Verstand, „durch deren ersteren uns Gegenstände gegeben, durch den zweiten aber gedacht werden.“ (KrV: B29) Wenn nun die Sinnlichkeit auch apriorische Vorstellungen enthält, die Bedingungen des Gegebenseins der Gegenstände sind, so muss sich laut Kant allererstens mit diesen beschäftigt werden, „da die Bedingungen, worunter allein die Gegenstände der menschlichen Erkenntnis gegeben werden, denjenigen vorgehen, unter welchen selbige gedacht werden.“ (KrV: B29)

Die beiden Grundkonstanten unserer Sinnlichkeit sind für Kant Raum und Zeit. In seiner „Transzendentalen Ästhetik“ widmet er sich der Erörterung beider Begriffe in analoger Art und Weise. Es stellt sich die Frage nach der Natur von Raum und Zeit, der im weiteren Verlauf der Arbeit am Beispiel der Zeit systematisch nachgegangen werden soll. Im Sinne Kants wird der Begriff „Zeit“ zunächst metaphysisch, d.h. als a priori gegeben dargestellt (vgl. KrV: B38), um danach anhand des Beispiels der Veränderung transzendental erörtert, sprich als Prinzip möglicher synthetischer Erkenntnis a priori dargestellt zu werden.

Ist Kants Argumentation nachvollziehbar, an welchen Stellen ergeben sich Probleme, wo erscheint sie völlig unzureichend? Welche Fragen muss man sich am Ende einer Interpretation stellen? Diese Fragen werden am Ende der Arbeit ins Zentrum gerückt werden.

[...]


[1] Im Folgenden zitiert nach der im Quellenverzeichnis angegebenen Ausgabe der „Kritik der reinen Vernunft“

Details

Seiten
13
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638527217
Dateigröße
469 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v58565
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – Institut für Philosophie
Note
2
Schlagworte
Zeit Veränderung Transzendentalen Kants Kritik Vernunft Kant

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Titel: Zeit und Veränderung in der Transzendentalen Ästhetik in Kants Kritik der reinen Vernunft