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Mächtige Frauen im Nibelungenlied

Ein Vergleich von Brünhild und Kriemhild unter machttheoretischer Perspektive

Bachelorarbeit 2020 44 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Soziologische Machttheorien als Analysekategorien
2.1 ‚Macht‘ nach Popitz
2.2 ‚Gewalt‘ nach Reemtsma

3 Die Darstellung von Brünhild und Kriemhild im Vergleich

4 Brünhilds Machtbeziehungen
4.1 Brünhild und Gunther
4.2 Brünhild und Siegfried
4.3 Brünhild und Hagen

5 Kriemhilds Machtbeziehungen
5.1 Kriemhild und Siegfried
5.2 Kriemhild und Hagen

6 Brünhilds und Kriemhilds Machtbeziehung

7 Brünhilds und Kriemhilds Macht im Vergleich
7.1 Brünhild und ihre Macht
7.2 Kriemhild und ihre Macht
7.3 Vergleich

8 Fazit

9 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Wenn eine Frau aus der Rolle der hilfreichen Begleiterin des Mannes heraustritt und selbstständig agiert, hat das schreckliche Folgen.“1 Dies vermittelt das Nibelungenlied, in welchem die mächtige und autonome Königin Brünhild als ungewöhnliches Phänomen, ja sogar als ein Störfaktor, auftritt. Ihre Macht soll von einem Mann überwunden werden, um die gesellschaftliche Ordnung in der Erzählwelt wiederherzustellen. Denn eine mächtige Frau ist für das Narrativ des Nibelungenlied es eine gefährliche Frau. Kriemhild wird im Gegensatz zu Brünhild als höfische Dame eingeführt. Durch die zunehmende Macht, die Kriemhild gewinnt und einsetzt, handelt sie jedoch nicht mehr nach dem Idealbild einer tugender îohen vrouwe, im Gegensatz, sie entwickelt sich zu einer blutrünstigen Rächerin. Während sich Brünhild im Laufe des Liedes der Rolle der höfischen Dame annähert, entwickelt Kriemhild ‚unerwünschte‘ Handlungsweisen und entfernt sich immer weiter von dem im Nibelungenlied beschriebenen Prototyp einer adligen Frau. Diese quasi-chiastische Struktur im Auftreten der beiden Frauen wird in der Forschung erwähnt.2 In der vorliegenden Bachelorarbeit möchte ich das Thema vertiefen, indem ich diese Struktur herausarbeite, um herauszufinden, ob die Macht der beiden Frauen sich ebenfalls quasi-chiastisch verhält. Dabei analysiere ich was nach dem Verschwinden von Brünhild aus dem Text mit ihr und ihrer Macht geschieht: Übernimmt Kriemhild Brünhilds Rolle, indem sich Brünhilds Macht in die von Kriemhild umwandelt?

Um das Machtverhältnis der beiden Frauen vergleichen zu können, ist es relevant, die Entwicklung ihrer Mächte separat zu betrachten. Diese sind in den Beziehungen zu den anderen Figuren sichtbar. „Macht ist omnipräsent, eindringend in soziale Beziehungen jeden Gehalts: Sie steckt überall drin.“3 Folglich lässt sich Macht anhand von Beziehungsverhältnissen herausarbeiten, was die Aufgabe dieser Bachelorarbeit sein wird. Für diese Betrachtungen sind folgende Fragen von zentraler Bedeutung: Welcher Macht- und Gewaltformen bedienen sich Brünhild und Kriemhild? Hat eine der beiden Frauen mehr Macht oder ist die Macht je nach Form unterschiedlich verteilt? Auf welche Art und Weise und mit welchen Mitteln führen sie die unterschiedlichen Machtformen aus? Wie wirkt sich Brünhilds und Kriemhilds Macht auf die Figuren aus und wie verändert sich diese Macht im Laufe der Zeit? Existiert in der Gesellschaftsordnung des Nibelungenliede s eine vom Mann unabhängige Macht der Frauen? Dabei lautet meine Arbeitshypothese, dass die quasi-chiastische Struktur in den Beziehungen und Machtformen der beiden Frauen sichtbar ist. Je mehr Kriemhild an vom Mann unabhängiger Macht gewinnt, desto mehr verliert Brünhild diese Machtform. Eine weitere Hypothese ist, dass sich das Machtpotenzial einer adligen Frau unabhängig vom Mann in dem Narrativ des Nibelungenlied es besser entfalten kann.

Im zweiten Kapitel stelle ich jeweils eine soziologische Macht- und eine Gewalttheorie vor, die für meine Arbeit als Analysekategorien fungieren. Die erste Theorie ist „Phänomene der Macht“ von Popitz und die zweite „Vertrauen und Gewalt“ von Reemtsma.4 Im Zuge des dritten Kapitels vergleiche ich, wie die beiden Frauen einführend beschrieben werden. Das vierte Kapitel betrachtet Brünhilds Machtbeziehungen zu Gunther, Siegfried und Hagen. Im fünften Kapitel analysiere ich Kriemhilds Machtbeziehungen zu Siegfried und Hagen. Während sich das sechste Kapitel mit der Machtbeziehung zwischen Brünhild und Kriemhild beschäftigt, wird im Verlauf des siebenten Kapitels die Macht von Brünhild und Kriemhild zusammenfassend dargestellt und anschließend verglichen. Insgesamt wird das Phänomen ‚Macht‘ unter den Aspekten gender,5 Stand und physische Stärke betrachtet.

Mit meiner Analyse schränke ich mich auf den Figurenkreis ein, mit dem sowohl Brünhild als auch Kriemhild in Verbindung stehen. Gunther, Siegfried, Hagen und Kriemhild gehören zu den zentralen Figuren des Nibelungenliedes und interagieren am häufigsten mit Brünhild. Deshalb ist meine Analyse der Machtverhältnisse von Brünhild auf diese Figuren begrenzt. Die Betrachtung der Machtverhältnisse von Kriemhild schränke ich auf Siegfried und Hagen ein. Diese Auswahl treffe ich, da die Beziehung zwischen Siegfried und Kriemhild, den Ausgangspunkt für ihre spätere Machtwandlung kennzeichnet. Denn die Beziehung zwischen den beiden entsteht zu der Zeit, als Kriemhild noch eine ‚idealtypische‘ Frauenfigur darstellt und eine dementsprechende Ehe führt. Die Beziehung zwischen Kriemhild und Hagen wird im Nibelungenlied erst näher beleuchtet, als Kriemhilds Verhalten sich wandelt. Diese Beziehung stellt ein idealtypisches Beispiel für einen Machtkampf und somit unter meiner Fragestellung ein sehr fruchtbares Phänomen, dar. Folglich wird von mir darauf ein größerer Fokus gelegt.

Der Fokus meiner Bachelorarbeit liegt in der Betrachtung der Machtverhältnisse der Frauenfiguren aus dem Nibelungenlied. Mit dem Thema Gender und Macht haben sich ebenfalls zahlreiche Literaturwissenschaftler*innen beschäftigt. Hufnagel bietet einen Literaturüberblick, welcher die Nibelungenforschung hinsichtlich der weiblichen Darstellung unter den Gesichtspunkten Körper, Macht und Kommunikation in komprimierter Form zusammenfasst.6 Nolte gibt einen ausführlichen Überblick über die Rezeptionsgeschichte der Kriemhildfigur und analysiert in dem Kapitel 4.3 die Kommunikation der beiden Frauenfiguren Brünhild und Kriemhild bezüglich derer politischer Machtsituation.7 Sowohl Schausten als auch Renz befassen sich mit Ähnlichkeiten und Differenzen körperlicher Eigenschaften männlicher und weiblicher Figuren im Nibelungenlied. Dabei spielt in beiden Untersuchungen der Zusammenhang zwischen gender und Macht eine zentrale Rolle.8 Schaustens Analyse fokussiert sich auf die sechste Aventiure, während Renz das gesamte Nibelungenlied betrachtet. Frank untersucht ebenso wie Lienert das Nibelungenlied unter den Gesichtspunkten Geschlecht und Gewalt.9 Schulze behandelt in ihrem Artikel die Darstellungen der beiden Figuren Brünhild und Kriemhild und ihren Bezug zu Amazonen und Teufelinnen.10

2 Soziologische Machttheorien als Analysekategorien

Die Anwendung der machttheoretischen Analyse dient einer präzisen Arbeit an den von mir ausgewählten Aventiuren im Nibelungenlied. Für die Untersuchung der Machtphänomene verwende ich die Unterteilung nach Popitz, welche er in seinem Kapitel „Anthropologische Grundformen der Macht“ vornimmt.11 Für die Betrachtung der Gewaltphänomene benutze ich die Kategorisierung aus dem Kapitel „Eine Phänomenologie körperlicher Gewalt“ von Reemtsma.12 Macht und Gewalt stehen in einem engen Bezug zueinander. Wer Gewalt ausübt hat auch gleichzeitig Macht über das Opfer. Wer Macht ausübt übt ebenfalls physische und/oder psychische Gewalt aus.

In Popitz Machttheorie werden anthropologische Grundformen von Macht aufgezeigt, die sich auf jegliche Gesellschaftsformen beziehen. Durch die Unabhängigkeit dieser Theorie von Raum und Zeit ist sie historisch anwendbar und lässt sich ebenfalls auf fiktive Gesellschaftsformen, wie die im Nibelungenlied, anwenden. Popitz unterscheidet vier Grundformen der Macht: Die verletzende Aktionsmacht, die instrumentelle, die autoritative und die objektvermittelte Macht. Er teilt die verletzende Aktionsmacht in drei Kategorien von Machtaktionen: „Aktionen zur Minderung sozialer Teilhabe (gesellschaftlicher Integrität), zur materiellen Schädigung und zur körperlichen Verletzung.“13 Popitz definiert Gewalt als eine „Machtaktion, die zur absichtlichen körperlichen Verletzung anderer führt, gleichgültig, ob sie für den Ausführenden ihren Sinn im Vollzug selbst hat [...] oder, in Drohungen umgesetzt, zu einer dauerhaften Unterwerfung [...] führen soll.“14 Bei der Unterteilung der Gewaltformen nach Reemtsma spielt im Gegensatz zu Popitz die Intention keine Rolle.15 Reemtsma konzentriert sich auf den Körper und nicht auf die Beweggründe der Gewalttat. Dies macht diese Kategorisierung für die Analyse von Gewaltformen in mittelalterlichen Texten anwendbar. Bezogen auf das Nibelungenlied betrachte ich diese Einteilung als sinnvoller, da meine Arbeit keine psychologischen Aspekte betrachtet. Gewalt nach Reemtsma ist der „Übergriff auf den Körper eines anderen ohne dessen Zustimmung“.16 Reemtsma unterscheidet „drei Formen physischer Gewalt phänomenologisch nach ihrem speziellen Körperbezug"17: Die lozierende, die raptive und die autotelische Gewalt.

2.1 ‚Macht‘ nach Popitz

Laut Popitz ist Macht „etwas, was der Mensch vermag: das Vermögen sich gegen fremde Kräfte durchzusetzen.“18 Er unterteilt den weiten und schwammigen Begriff ‚Macht‘ in vier Grundformen und bietet damit ein Instrumentarium, um dieses Phänomen an Beispielen erläutern zu können und somit transparenter zu machen.19 Die erste Grundform ist die verletzende Aktionsmacht. Es ist das Vermögen, ein anderes Lebewesen verletzen oder gar töten zu können. Diese Macht ist auf Einzelaktionen beschränkt und somit keine dauerhafte Manipulation.20 Dies unterscheidet sie von der zweiten Form, der instrumentellen Macht. „Sie steuert […] das Verhalten des Unterlegenen [langfristig].“21 Das Lebewesen wird durch Belohnungen und Strafen konditioniert, indem mit dessen Ängsten und Hoffnungen gespielt wird. Dabei spielt die verletzende Aktionsmacht in Form von Strafen eine Rolle. Mit Drohungen und Versprechungen kann dieser Effekt nach einiger Zeit ebenfalls erreicht werden. Die dritte Form ist die autoritative Macht. Diese Machtform wirkt ohne die Anwesenheit des Machthabers und ist im Gegensatz zur instrumentellen Macht eine ‚innere Macht‘. Der Unterlegene sieht den Machtausübenden als überlegen, als eine maßsetzende Instanz, von der er anerkannt werden will. Der Machthaber benutzt dieses Bedürfnis nach Anerkennung, kann dabei mit dem Geben und dem Entziehen von Anerkennung autoritative Macht ausüben und damit den Unterlegenen an sich binden.22 Die vierte und letzte Form ist die objektvermittelte Macht. Es ist die Macht des Menschen über die Natur. Indem der Mensch die Natur zerstört oder ‚in‘ und ‚aus‘ der Natur etwas baut, herstellt oder in jeglicher anderen Art und Weise für seinen Nutzen verändert, entsteht etwas Neues. Diesem, neu entstandene Objekt, wohnt eine Macht inne, die wiederum rückwirkend den Hersteller und andere Menschen beeinflusst.23 Die objektvermittelte Macht ist für die Betrachtungen dieser Arbeit nicht relevant, da sie von Brünhild und Kriemhild nicht ausgeübt wird. „Alle vier Machtformen [treten] in der empirischen Wirklichkeit zumeist kombiniert auf[] […].“24

2.2 ‚Gewalt‘ nach Reemtsma

Da im Nibelungenlied die verletzende Aktionsmacht eine relevante Rolle spielt, ist es sinnvoll, diese näher zu bestimmen. Wie bereits in der Einleitung vom Theoriekapitel erwähnt, bietet die Unterteilung nach Reemtsma eine differenziertere Sichtweise auf das Phänomen. Damit lässt sie sich gezielt auf die von mir zu betrachteten Aventiuren anwenden. Reemtsma unterscheidet drei Formen der Gewalt: Die lozierende, die raptive und die autotelische Gewalt.

Das Ziel der lozierenden Gewalt ist es „den Körper aus dem Weg oder an einen anderen Ort [zu] schaffen“25. Der Körper selbst oder dessen Zerstörung ist dabei nicht von Bedeutung da dieser nur „als verschiebbare Masse“26 betrachtet wird und entweder als Hindernis oder Werkzeug fungiert. Die lozierende Gewalt wird in dislozierende und captive Gewalt unterteilt. Während die Intention der dislozierenden Gewalt ist, den Körper mit jeglichen Mitteln von dem Ort zu entfernen, an dem er stört, ist das Ziel der captiven Gewalt, den Körper an einen anderen Ort zu bringen, wo dieser bleiben soll und benutzt wird. Militärische Gewalt ist repräsentativ für die lozierende Gewaltform. Der Gegner stellt für den Angreifer in einer kriegerischen Auseinandersetzung ein Hindernis dar und muss daher vom Schlachtfeld entfernt werden. Die Mittel, mit welchen dies bewerkstelligt wird, bestimmen nicht die Gewaltform. Das Ziel den Feind nachhaltig von dem Ort zu entfernen, an dem er stört, ob durch Verletzen, gefangen Nehmen oder sogar durch Töten ist der entscheidende Punkt.27 „Dislozierende Gewalt stellt m. E. den ,Normalfall' kriegerischer Gewalt im Heldenepos dar […].“28 Wird der Gegner jedoch mit der Intention gefangen genommen, als Sklave zu dienen, um zum Beispiel Nahrung herzustellen, ist das primäre Ziel ihn als ‚Werkzeug‘ zu benutzen und folglich captive Gewalt. Hier wird der Körper des Gegners von einem Ort entfernt und an einen anderen gebracht, wo er dem Gewaltausübenden zu dienen hat.

Im Gegensatz zu lozierender Gewalt zielt sowohl die raptive Gewalt als auch autotelische Gewalt auf den Körper des Anderen. Die raptive Gewalt „benutzt den Körper, um an ihm irgendwelche (meist sexuelle) Handlungen zu vollziehen.“29 „Diese Form der Gewalt liegt mit nicht einverständlichem Geschlechtsverkehr oder sexuellen Übergriffen vor, wie sie auch in mittelalterlichem Erzählen mehr oder weniger explizit dargestellt werden.“30 Sexuelle Gewalt wird, sowohl im Mittelalter als auch in dem Narrativ des Nibelungenliedes, von Männern an Frauen verübt. Demzufolge wird diese Form im Folgenden als genderspezifisch betrachtet.

Lozierenden und raptive Gewalt sind, im Vergleich zu autotelischer Gewalt, nicht primär am Zerstören des Körpers interessiert. Bei autotelischer Gewalt werden Praktiken vollführt, die den Körper maßgeblich schädigen oder gar vernichten, wie zum Beispiel Folter, Menschenopfer, Martyrium. Die Menschen haben Schwierigkeiten, autotelische Gewalt nachzuvollziehen, denn sie wirkt auf uns verstörend und hat in unserer Zeit keinen kulturellen Ort.31 Im Mittelalter wird diese Gewaltform dem Teuflischen zugeordnet und in der Hölle verortet.32 Diese Verhaltensweisen werden im mittelalterlichen Erzählen unhöfischen, unmenschlichen Figuren und/oder Gegnern zugeordnet, jedoch auch als Strafen für ebendiese Gegner verwendet.33

3 Die Darstellung von Brünhild und Kriemhild im Vergleich

Brünhild wird als eine unvergleichbare Königin eingeführt, welche übermäßig schön und außergewöhnlich stark ist:

Ez was ein küneginne gesezzen über sê,

ir gel îche enheine man wesse ninder mê.

diu was unm âzen sc Ane, vil michel was ir kraft.

sie sc ôz mit snellen degenen umbe m inn e den scaft. (NL 326)34

Diese Beschreibung ist untypisch für die Charakterisierung einer Frau im Mittelalter, sowohl im historischen als auch im literarischen Sinne. Denn physische Stärke ist zu dieser Zeit eine männliche Zuschreibung. Brünhilds Alleinherrschaft und die Kämpfe mit ihren Werbern sind ebenfalls ungewöhnlich für eine Frau.35 „Konventionelle Weiblichkeit bedeutet […] zunächst Schönheit, Anpassung, Repräsentation ohne oder mit nur vom Ehemann abgeleiteter Macht.“36 Brünhild ist sowohl durch ihre Schönheit als auch durch ihre körperliche Kraft und ihre Herrschaft über Isenstein eine mächtige Königin. Folglich ist schon in der Einführung der neuen Figur ein Bruch zu erkennen, denn sie vereint in sich sowohl weibliche als auch männliche Eigenschaften.37 Kriemhild hingegen wird als eine höfische Dame eingeführt:

Ez wuohs in B urgonden ein vil edel magedîn,

daz in allen landen niht sch A ners mohte sîn,

Kriemhilt geheizen: si wart ein sc A ne wîp.

dar umbe muosen degene vil verl iesen den lîp.

Der minneclîchen meide triuten wol gezam.

ir muoten küene recken, niemen was ir gram.

âne m âzen sch A ne sô was ir edel lîp.

der juncvrouwen tugende zierten and eriu wîp. (NL 2f.)

Bereits in der ersten Beschreibung wird ihre Schönheit mehrmals betont: Sie wird als das schönste Mädchen aller Länder beschrieben (NL 2:2), die sich später zu der schönsten Frau entwickelt.38 „In der Gegenwart wie in der Zukunft ist Schönheit […] das dominierende Merkmal Kriemhilds.“39 Außerdem werden ihre adlige Abstammung (NL 2:1) und Tugendhaftigkeit (NL 3:4) hervorgehoben. Als Schwester des regierenden Königs hat Kriemhild eine vom Mann abgeleitete Macht. Sie erfüllt folglich das oben beschriebene Bild der ‚konventionellen Weiblichkeit‘. Zudem verleiht ihr ihre unvergleichbare Schönheit potenziell autoritative Macht. Beide Frauen werden als übermäßig schön beschrieben.40 Kriemhilds Schönheit wird jedoch im Verlauf des Nibelungenliedes viel häufiger betont,41 während Brünhilds herausragende Eigenschaft ihre Kraft ist. Als Siegfried zum ersten Mal von Kriemhild hört, wird sie als sc Aniu meit und unm âzen sc Ane beschrieben (NL 44:2, 45:1). Als Gunther zum ersten Mal von Brünhild hört wird Brünhild ebenfalls als unm âzen sc Ane dargestellt (NL 326:3). Die Schönheit der beiden Frauen wird an diesen Stellen mehrfach hervorgehoben (NL 44:2, 45:1, 49.1f, 326:3, 328:3). Brünhilds physische Stärke und ihre Gewaltbereitschaft wird ebenfalls stark betont (NL 326:3f., 327), während bei Kriemhilds Beschreibung außer ihrer Schönheit nur einmal ihr h ô hgemüete erwähnt wird. Als die Männer die beiden Frauen zum ersten Mal erblicken, fällt beiden nur ihre Schönheit ins Auge (NL 281-283, 392). An der äußeren Erscheinung ist Brünhilds außergewöhnliche Kraft dementsprechend nicht sichtbar. Als sich die Burgunden Isenstein nähern,

[d] ô sprach der herre S îvrit: «nu sult ir tougen spehen

under den juncfrouwen, und sult mir danne jehen,

welhe ir nemen woldet, hetet irs gewalt.». (NL 391:1-3)

Gunther wählt, ohne es zu wissen, Brünhild aus (NL 392). Durch diese Geste wird ihre Schönheit gegenüber den anderen Frauen am Hof hervorgehoben. „Ihr schönes Äußeres löst das Begehren des Wormser Herrschers aus, und dieses betont im Gegenzug ihre Schönheit und Attraktivität und stellt letztlich in der reziproken Logik des heterosexuellen Begehrens die Weiblichkeit der Isensteiner [sic!] Königin sicher.“42 Sie ist nicht nur besonders mächtig, sondern ebenfalls besonders schön und deshalb in doppelter Hinsicht begehrenswert.43

Bereits in der zweiten Strophe des Nibelungenliedes gibt es eine negative Prolepse: [D]ar umbe muosen degene vil verliesen den lîp (NL 2:4). Diese deutet Kriemhilds Gefährlichkeit an, welche in den ersten Aventiuren noch nicht sichtbar wird. Der Erzähler setzt Kriemhild schon bei der ersten Beschreibung mit Gewalt in Verbindung.44 „Schönheit und Gewalt sind korreliert und, über Schönheit und Minne, auch Weiblichkeit und Gewalt.“45 Diese und die vielen weiteren negativen Prolepsen, die im Verlauf des Nibelungenliedes im Zusammenhang mit Kriemhild auftauchen, beeinflussen die Sicht des Lesers auf Kriemhild.46 Bei Brünhilds erster Erwähnung bindet der Erzähler ebenfalls eine negative Vorausdeutung an: dar umbe muosen helede s ît verliesen den l îp (NL 328:4). Dieser folgen, wie schon bei Kriemhild, im gesamten Nibelungenlied viele mehr. Den Frauen wird in dem Text, sowohl von dem Erzähler als auch von den männlichen Figuren, die Schuld an der Katastrophe gegeben.47

4 Brünhilds Machtbeziehungen

Anhand der Beziehungen zwischen Brünhild und den Hauptfiguren Gunther, Siegfried, Hagen und Kriemhild können und sollen Machtverhältnisse deutlich gemacht werden. Die Entwicklung der Beziehungen zeigt auf, wie sich der Einfluss von Brünhilds Macht auf die Handlungen der Figuren auswirkt. Durch ihre übermäßige Stärke verkörpert Brünhild eine scheinbar unbesiegbare Figur, die eine Herausforderung für die Männerwelt darstellt . Zu diesen Männern gehört auch Gunther. Mit welchen Mitteln und mit wessen Hilfe Gunther es dennoch schafft Brünhild zu besiegen, werde ich im Kapitel 4.1 und 4.2 darstellen. Im Kapitel 4.3 veranschauliche ich wie sich Brünhilds Macht auf Hagen auswirkt und welche Konsequenzen das mit sich führt. Im Kapitel 6 zeige ich den Machtkampf zwischen Brünhild und Kriemhild auf. Insgesamt möchte ich aufzeigen, wie sich Brünhilds Macht innerhalb der Beziehungsverläufe wandelt und welche Rollen dabei gender, Stand und physische Stärke spielen.

Die Entscheidung Brünhild und ihre Machtbeziehungen an erster Stelle zu betrachten, fiel aus dem Grund, dass Brünhild nach dem Königinnenstreit als handelnde Figur aus dem Nibelungenlied verschwindet. Um zu betrachten, ob ihre Macht sich in die von Kriemhild ‚umwandelt‘, muss daher als erstes Brünhilds Macht analysiert werden. Da der entscheidende Machtwandel Brünhilds durch die Begegnung und Interaktion mit Gunther und Siegfried stattfindet, ist eine Analyse dieser Beziehungen für meine Arbeit obligatorisch. Die Interaktion zwischen Brünhild und Gunther sind viel weitläufiger, als die mit Siegfried. Aus diesem Grund wird die Beziehung zu Gunther als erste betrachtet. Dieser folgt die Beziehung zwischen Brünhild und Siegfried, da Siegried als Gunthers Werbungshelfer auftritt. Seine Taten beeinflussen, ohne Brünhilds Wissen, erheblich ihre Macht. Als Letztes betrachte ich die Beziehung zwischen Brünhild und Hagen. Bis zum Königinnenstreit haben die beiden Figuren keine großen Berührungspunkte. Erst nach dem Königinnenstreit spielt die Beziehung zwischen Brünhild und Hagen eine entscheidende Rolle. Meine Bachelorarbeit bearbeitet das Nibelungenlied in chronologischer Reihenfolge, somit ist die Betrachtung von Brünhilds und Hagens Beziehung an letzter Stelle plausibel.

4.1 Brünhild und Gunther

Gunther will Brünhild minnen, obwohl er von den aussichtlosen Kämpfen der Werber um Brünhild weiß (NL 329).48 In der mittelalterlichen Dichtung gebührt dem besten Mann stets die schönste Frau.49 Wenn Gunther die mächtigste Königin besiegt und sie zur Frau nimmt, lässt ihn dies zum mächtigsten Mann aufsteigen.50 Gunther will für diese Machtdemonstration sein Leben aufs Spiel setzen (NL 329:3) und entschließt sich für eine Brautwerbungsfahrt nach Island (NL 329). Brünhild verkörpert eine Frau, die bis jetzt jeden Mann besiegt hat. Sie ist überzeugt, auch über Gunther zu siegen, denn sie ist sich ihrer Kraft bewusst (NL 425). Körperlich ist sie Gunther überlegen und folglich mächtiger als er. Gunthers ursprünglich positives Bild von Brünhild wandelt sich, sobald er sich ihrer Kraft bewusst wird (NL 392, 393:4, 441:4). Brünhild droht, Gunthers Leben zu beenden, wenn er mit ihr in den Kampf treten möchte (NL 423:4). Zugleich verspricht sie ihm ihre Hand als Preis für den Sieg gegen sie (NL 423:3). Die Mischung aus Drohen und Versprechen ist die Äußerung ihrer instrumentellen Macht. Gunther lernt, Brünhild zu fürchten und bereut die Fahrt nach Isenstein (NL 442). Er setzt Brünhild sogar in Bezug zum Teufel (442:1f.), was seine starke Furcht vor ihr betont. Der Sieg über Brünhild wäre, ohne Siegfrieds Hilfe, für Gunther nicht möglich (NL 452:1f.). Hier entsteht ein Bruch, denn der ‚schönsten Frau‘ wird nicht der ‚beste Mann‘ zugeordnet, was später zu Problemen führt. Als Brünhild im Dreikampf besiegt wird, akzeptiert sie ihre Unterlegenheit (NL 466) und fügt sich scheinbar schnell ihrer Rolle als Ehefrau eines Königs (NL 510; 511:3). Obwohl die beiden noch keine Hochzeit gefeiert haben, ist mit Gunthers Gewinn des Kampfes die zukünftige Ehe besiegelt. Folglich fühlt sich Brünhild nun Gunther unterlegen, denn von diesem Moment an hat Gunther autoritative Macht über sie.51 Brünhild teilt ihrem Gefolge mit, dass diese ab jetzt Gunthers Untertanen sind (NL 466). Dennoch will Brünhild auf die ihr zustehende Macht nicht verzichten. Trotz der Bemerkung von Hagen, es gebe genug Reichtum in Worms (NL 519), tritt sie selbstbewusst auf und entscheidet sich, ihr Gold mitzunehmen:

«Nein, durch m îne liebe», sprach diu küneg în.

«l âzet mich erfüllen zweinzec leitschr în

von golde unt von s îden, daz geben sol m în hant,

s ô wir komen übere in daz Guntheres lant.» (NL 520)

Außerdem nimmt sie zweinzic hundert man (NL 524:1) mit nach Worms, womit sie sich ihre alleinige, von Gunther unabhängige Macht, sichert.52

Auf dem doppelten Hochzeitfest in Worms beweint Brünhild die Vermählung zwischen Kriemhild und Siegfried. Sie kann es nicht verstehen, wie Gunther seine Schwester mit seinem eigenholden (NL 620:3) vermählen kann. Als sie diese Bedenken äußert, fordert Gunther sie zum Schweigen auf (NL 620f.). Das seine Entscheidung Kriemhild mit Siegfried zu vermählen in Frage gestellt wird, zeigt auf, dass seine autoritative Macht bei ihr nicht wirkt, ganz im Gegenteil, sie widersetzt sich sogar seiner Aufforderung zu schweigen (NL 622). Sein Argument, Siegfried sei genau so mächtig wie er selbst (NL 623), entfaltet keine Wirkung bei Brünhild, da die durch den Steigbügeldienst kommunizierten Machtverhältnisse zwischen Siegfried und Gunther für Brünhild unbestreitbar sind.53 Brünhild hat Angst um den Verlust ihres Status54 und verweigert Gunther die Hochzeitsnacht (NL 634:3f., 635). Sie will Gunther damit zwingen, die wahren Machtverhältnisse zwischen ihm und Siegfried zu offenbaren. Dafür bedient sie sich der Sexualität als Machtmittel.55 Ihr bleibt kein anderes Mittel übrig, da ihre Macht nun eine vom König abhängige ist.56 Die einzige Möglichkeit ihre eigene weibliche Macht zu demonstrieren, funktioniert nur durch die Verweigerung des Geschlechtsaktes.57 Gunther versucht, sie mit Gewalt zu bezwingen, woraufhin Brünhild ihn an die Wand hängt (NL 637:2). Sie übt dabei die dislozierende Gewalt aus. Gunther soll sich nicht an Brünhilds Körper vergreifen, deshalb hängt Brünhild Gunther an die Wand, wo er ihr nichts mehr antun kann . Ganz im Gegenteil: Nun hat sie die Macht über ihn und seinem Körper. Sie lässt ihn über Nacht dort hängen (NL 639), als Abschreckung vor einer Wiederholungstat. Obwohl sie sich in der Öffentlichkeit dem König als seine Gemahlin unterwirft, behält sie ihre ursprüngliche Machtstellung im Privaten. Sie ist stärker als Gunther und somit mächtiger. Ihrer Ansicht nach ist jedoch Gunther der Stärkere, da er sie auf Isenstein bezwungen hat. Als Gunther am Nagel hängt, bettelt er sie an, ihn herunterzunehmen und gibt ihr dafür das Versprechen, sie nicht mehr anzurühren (NL 638, 641:2-4). „Die Hinwendung an die Ehefrau, die die Macht, über die Ehre des Ehemannes zu verfügen, in die Hand genommen hat, stellt eine […] Facette seiner Erniedrigung dar.“58 Um diese Schande zu überwinden, zeigt Gunther Brünhild, dass ihr Ansehen von ihm abhängt.59 Er sagt zu ihr, dass es nicht nur seinem, sondern auch ihrem Status schaden würde, würde man ihn so vorfinden (NL 640). Hiermit demonstriert er seine Überlegenheit. Brünhild ist ihr Ansehen sehr wichtig, weshalb sie ihn daraufhin vom Nagel herunternimmt . In der folgenden Nacht droht sie ihm, diese Strafe zu wiederholen (NL 666:2f.) . Hier ist Brünhild wieder von ihrer Überlegenheit überzeugt, da sie diese beim Machtkampf in der letzten Nacht unter Beweis stellen konnte (NL 670:3f.). Um Brünhild zu überwältigen und entjungfern zu können, benötigt Gunther abermals die Hilfe von Siegfried. Dies geschieht jedoch nicht, ohne dass Siegfried und Gunther um Siegfrieds Leben bangen müssen (NL 673f.).

Die in Brünhild verkörperte weibliche Gewalt wird als Bedrohung der männlichen Weltordnung wahrgenommen und im solidarischen Handeln der Männer gender -typisch beseitigt: Während männliche Gegner getötet oder, wie Liudeger und Liudigast, großzügig befriedet werden, reagieren die Männer auf weibliche Gewalt mit körperlicher Mißhandlung und sexueller Überwältigung.60

Durch diese sexuelle Überwältigung übt Gunther verletzende Aktionsmacht über Brünhild aus. Nach Reemtsa stellt diese Handlung die raptive Gewalt dar. Schließlich muss Brünhild Gunther anflehen, ihr Leben zu verschonen (NL 678). Damit überzeugt Gunther sie erneut von seiner Überlegenheit und stellt die in der fiktionalen Nibelungenwelt als normal betrachtete Weltordnung wieder her. Nach der Deflorierung verliert Brünhild ihre körperliche Kraft (NL 681:4), nachdem sie schon durch die offizielle Hochzeit ihre Autonomie verloren hat. Ihre neue Macht ist die vom Ehemann abgeleitete und somit eine weibliche Machtform.61 Die Entjungferung Brünhilds stellt den Wendepunkt in der Beziehung zwischen ihr und Gunther dar. Ab diesem Punkt ist sie Gunther vollkommen unterlegen.

[...]


1 Schulze 2004: 106.

2 Vgl. Frakes 1994: 19f.; Frank 2004: 115; Lienert 2003: 14; Nolte 2004: 41f.; Schulze 2004: 112; Seitter 1987: 177.

3 Popitz 1992: 20.

4 Popitz 1992; Reemtsma 2009.

5 Bis zur Veröffentlichung von Judith Butlers „Gender Trouble: Feminism and the Subversion of“ wurde zwischen sex (biologisches Geschlecht) und gender (Geschlechtsidentität, die wir im Laufe unserer Sozialisation erwerben) unterschieden: „Tatsächlich wird sich zeigen, daß das Geschlecht (sex) definitionsgemäß immer schon Geschlechtsidentität (gender) gewesen ist.“ (Butler 1991: 26) „Das, was umgangssprachlich vereinfachend als »Geschlecht« bezeichnet wird, umfasst dabei ideologische Aspekte, Sexualitäten, körperliche Erfahrungen und Materialitäten, Identitäten, Subjektivationsprozesse, Diskurse, Politik, Macht, Geschichte. Das Geschlecht kann aufgrund seiner Vielschichtigkeit gar nicht rein natürlich im Sinne von vor-sozial sein, es kann auch nicht auf ein natürliches Substrat zurückgeführt werden. Butler lehnt die Trennung zwischen sex und gender ab, die einige Teile der feministischen Theorie bzw. Geschlechterforschung bis in die 1990er Jahre hinein geprägt hat. Denn auch der sex (als der vorgeblich natürliche Geschlechtskörper) wird Butler zufolge konstituiert durch Normen, z. B. von gender und durch den Diskurs der (Zwangs-)Heterosexualität.“ (Villa 2012: 59). Wegweisend für die Gender Studies war „Le Deuxième Sexe“ (deutscher Titel: „Das andere Geschlecht“) von Simone de Beauvoir (1949). Genderforschung ist eins der zentralsten Themen in der Soziologie unserer Zeit und kann nicht in einer Fußnote zusammengefasst werden. Da jedoch eine ausführliche Erläuterung dieses Themas den Rahmen dieser Bachelorarbeit sprengen würde, kann ich an dieser Stelle nur auf weitere Literatur verweisen.

6 Vgl. Hufnagel 2008.

7 Vgl. Nolte 2004.

8 Vgl. Schausten 1999; Renz 2012.

9 Vgl. Frank 2004; Lienert 1992.

10 Vgl. Schulze 2004.

11 Popitz 1992: 22-39.

12 Reemtsma 2008: 104-123.

13 Popitz 1992: 44.

14 Popitz 1992: 48.

15 Ebd. S. 44.

16 Reerntsma 2008: 104.

17 Ebd. S. 106 [Hervorhebung im Original].

18 Popitz 1992: 22.

19 Die Unterteilung orientiert sich an Handlungsfähigkeiten und Abhängigkeiten, die nach seiner Definition von ‚Macht‘ mit dem Durchsetzungsvermögen verbunden sind. Ebd. S. 23.

20 Vgl. ebd., S. 24f.

21 Ebd., S. 25.

22 Vgl. ebd., S. 25-29.

23 Vgl. ebd., S. 29-31.

24 Pohlmann 2005: 10.

25 Reemtsma 2009: 113.

26 Ebd.

27 Vgl. ebd. S. 108.

28 Spreckelmeier 2019: 51.

29 Reemtsma 2009:106.

30 Spreckelmeier 2019: 51.

31 Vgl. Reemtsma 2009: 117.

32 Ebd. S. 119.

33 Vgl. Spreckelmeier 2019: 51.

34 Das Nibelungenlied. Nach der Ausgabe von Karl Bartsch. Hrsg. von Helmut de Boor. Wiesbaden 199622. Im Folgenden zitiert als NL.

35 Vgl. Renz 2012: 69; vgl. Schulze 2004: 108. „Die Fähigkeit zu kämpfen jedoch und insbesondere die physische Stärke erscheinen als körperliche Charakteristika ausschließlich männlicher Figuren, und ihre Anwesenheit oder Abwesenheit ist damit – zumindest in den ersten Aventiuren des Nibelungenliedes – zentral für die Markierung geschlechterspezifischer Differenzen.“ (Renz 2012: 55). „Männlichkeit ist (auch) im 'Nibelungenlied' fast ausschließlich durch hohes Gewaltpotential und ständige Gewaltbereitschaft gekennzeichnet. Zunehmend zählt nur diese sehr spezielle Männlichkeit, die heroische, die formelhaft rehter heldes muot (2268,3 u.6.) heißt. Alternative Modelle von Männlichkeit werden allmählich verabschiedet, assimiliert oder lächerlich gemacht.“ (Lienert 2003: 5). „Auf Reichsebene ist in ganz Europa um diese Zeit keine Frau bekannt, die unverheiratet aus eigenem Recht die Regierung ausübt, […]“ Kellermann – Haaf 1986: 243.

36 Lienert 2003: 5.

37 Vgl. Renz 2012: 69f.

38 Vgl. ebd.

39 Ebd. S. 39.

40 Schönheit bedeutet nicht nur, dass der Körper schön ist, sondern dass der Charakter ebenfalls ‚schön‘ ist: „Schönheit ist ein Synonym für Vollkommenheit“ Assunto 1963: 39. Schönheit löst darüber hinaus Begehren aus (vgl. Renz 2012: 40f., 47, 71).

41 Renz verweist auf Laubscher und Freche, welche herausgefunden haben, dass „das Attribut schAne im ersten Teil des Nibelungenliedes rein numerisch die aller anderen Eigenschaften Kriemhilds […] übertrifft [.]“ (Renz 2012: 39, Anm. 76), Vgl. Laubscher, Annemarie: Die Entwicklung des Frauenbildes im mittelhochdeutschen Heldenepos, Diss. Würzburg 1954, S. 14 ff. und Freche, Katharina: „Von zweier vrouwen bâgen wart vil manic helt verlorn“. Untersuchungen zur Geschlechterkonstruktion in der mittelalterlichen Nibelungendichtung, Trier 1999.).

42 Renz 2012: 71.

43 Vgl. Lienert 2003: 8; Renz 2012: 71.

44 Frank 2004: 116.

45 Lienert 2003: 7.

46 Vgl. Frank 2004: 116. Frank verweist auf Beyschlag, welcher eine Übersicht aller Prolepsen des Nibelungenliedes aufführt.

47 Vgl. Göhler 2001: 77.

48 Diese Kämpfe konnte Brünhild durch ihre unermessliche Stärke ausnahmslos für sich entscheiden.

49 Seitter 1987: 177; Strohschneider 1997: 43.

50 „Die Heirat Gunthers und Brünhilds trägt zum Prestige des Könighauses bei […]“ Brandt 1997: 154. Gunther strebt bei der Werbung um Brünhild mitunter nach Macht (vgl. Lienert 2003: 8).

51 In der mittelalterlichen Ehe war die Frau dem Mann unterlegen (vgl. Lienert 2003: 6f.; vgl. Rösener 1990: 176).

52 Vgl. Brandt 1997: 104.

53 Vgl. Schausten 1999: 42.

54 „Durch die Verbindung mit einem wenn auch noch so reichen und mächtigen Unfreien wird die freie Königstochter geschändet. Brünhild als Gunthers Frau empfindet die Schmach der ganzen Familie lebhaft mit.“ NL Anm. 620: 3. Kriemhild ist durch die Heirat mit Gunther für Brünhild eine Verwandte. Wenn Kriemhild nun einen Lehnsmann heiratet, gefährdet dies Brünhilds Status.

55 Vgl. Lienert 2003: 9.

56 Vgl. Frank 2004: 45, 96.

57 Ebd. S.45.

58 Renz 2012: 96.

59 Brünhilds „Ehre und ihr Status [sind] an die Ehre des (Ehe-)Mannes gebunden“ (Lienert 2003: 9).

60 Ebd. S. 10 [Hervorhebung im Original].

61 Vgl. ebd. S. 5, 19.

Details

Seiten
44
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783346174499
ISBN (Buch)
9783346174505
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v585130
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Institut für Germanistik
Note
1,0
Schlagworte
Nibelungenlied Kriemhild Brünhild Macht Frauen

Autor

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Titel: Mächtige Frauen im Nibelungenlied