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Erziehung zur Kritikfähigkeit? Über Aufgabe und Ziel der Erziehung bei Kant und Adorno

Seminararbeit 2004 12 Seiten

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wozu überhaupt Erziehung? Aufgaben und Ziele der Pädagogik
2.1. Allgemein
2.2. Kant
2.3. Adorno

3. Erziehung zur Kritikfähigkeit?
3.1. Allgemeines
3.2. Adorno

4. Fazit

5. Anhang
5.1. Quellenverzeichnis
5.2. Literaturverzeichnis
5.3. Internetadressen

1. Einleitung

Diese Arbeit behandelt ein bestimmtes philosophisches Problem der Erziehungswissenschaft, nämlich welche(s) Aufgabe bzw. Ziel Erziehung in unserer Gesellschaft überhaupt zu verfolgen hat. Zunächst werden zur Auseinandersetzung mit dieser Frage die Vorlesungen zur Pädagogik von Immanuel Kant herangezogen, um die Bedeutung und die Ziele der Erziehung in unserer modernen demokratischen Gesellschaft aus ihrer aufklärerischen und humanistischen Tradition heraus zu erklären. Die Grundlagen und Notwendigkeiten der heutigen Erziehung begründen sich in dieser philosophischen Tradition, die die Grundbedingungen unserer Gesellschaft und damit auch die der Erziehung überhaupt erst gelegt hat. Doch welches Ziel soll die Erziehung überhaupt verfolgen? In einer demokratischen Gesellschaft stellt das höchste eines jeden Erziehungsziels die Erziehung zur Kritikfähigkeit bzw. zur Mündigkeit dar, denn dieses ist die Grundbedingung der Demokratie überhaupt: „Der öffentliche, demokratische Diskurs hängt entscheidend davon ab, ob eine Gesellschaft und die Einzelnen in ihr gewillt und fähig sind, sich im Leben durch Selbstdenken statt durch autoritäre Vorgaben zu orientieren“.[1] Aus diesem Grund folgt also auf das allgemeinere Kapitel über die Aufgaben und Ziele der Pädagogik bei Kant und Adorno (als Vertreter für die moderne Erziehungstheorie) ein Abschnitt, welcher dieses in einer Demokratie so wichtige Erziehungsziel der Kritikfähigkeit genauer beleuchtet. Doch nicht nur die Gesellschaftsform Demokratie erfordert eine Erziehung zur Mündigkeit und Autonomie. Der Wissenschaftsphilosoph Jürgen Mittelstrauß betont, daß es in unserer rationalen Kultur darauf ankommt, „sich im Denken und durch das Denken zu orientieren“[2], diese rationale, also durch Verstand und Vernunft geprägte Kultur erfordert zudem die Fähigkeit zum Denken in einem besonderen Maße.

Diese Arbeit folgt der alten Rechtschreibung.

2. Wozu überhaupt Erziehung? Aufgaben und Ziele der Pädagogik

2.1. Allgemein

Bevor über die Frage der Erziehung zur Kritikfähigkeit nachgedacht werden soll, ist es nötig, zunächst einmal den Inhalt dieses Begriffs zu analysieren. Erziehung ist etwas Selbstverständliches, etwas, über dessen Sinn und vor allem über dessen Aufgaben und Ziele nicht näher eingegangen wird. Eltern erziehen ihre Kinder je nach ihrer Fasson, wünschen vielleicht, daß ihre Sprößlinge kluge, glückliche Menschen werden, die mit Erfolg ihren Mann bzw. ihre Frau in ihrem späteren Leben stehen mögen. Dies stellt eine Intention von Erziehung dar, wir erziehen unsere Kinder, weil wir sie auf ihr späteres Leben als Erwachsene in unserer Gesellschaft vorbereiten wollen. Es gibt

weitere Gründe, warum wir Kinder erziehen, also pflegen, formen und bilden. Die Vorbereitung auf das Leben als erwachsener, für sich selbst verantwortlicher Mensch in einer mit bestimmten Werten und Normen versehenen Gesellschaft ist nur ein Grund unter vielen. Seit der Bekanntgabe der Ergebnisse der Pisa-Studie vor einigen Jahren wird in den Medien verstärkt über Bildung diskutiert. Welche Ziele soll Erziehung, zum Beispiel in der Schule, verfolgen? Was muß ein Kind können, wenn es die Schule verläßt? Ist der Erziehungsauftrag der Schule erschöpft, wenn sie Kenntnisse, die im Berufsleben nützlich sein könnten, vermittelt oder sollte Erziehung darüber hinausgehen? Welchen Erziehungsauftrag haben die Eltern? Erziehung erstreckt sich nicht nur auf die Vermittlung von Wissen, von Fähigkeiten und Fertigkeiten. Das stellte eine pure Ausbildung dar, die zwar ein elementarer Teil von Erziehung ist, jedoch nicht der einzige und meiner Ansicht nach auch nicht der wichtigste. Welche Inhalte Erziehung noch verfolgen kann, wird anschließend am Beispiel der pädagogischen Zielsetzungen Kants und Adornos auseinandergesetzt.

2.2. Kant

Das berühmte Zitat aus Kants Schrift „Was ist Aufklärung?“: „Sapere aude! Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“![3] kann nur für erwachsene, im Sinne von „erzogene“, Menschen gelten. Eine Andeutung dafür, daß dem so ist, macht Kant in derselben Schrift, nur einige Zeilen weiter: „Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung frei gesprochen [...], dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben [...]“.[4] Doch bevor ein Mensch überhaupt von irgendeiner „Leitung frei gesprochen“ werden kann, muß er sich zunächst einmal unter einer solchen befinden. Kants Ansicht nach gilt dies für Kinder „bis zu dem Zeitpunkt, da die Natur selbst dem Menschen bestimmt hat, sich selbst zu führen; da der Instinkt zum Geschlechte sich bei ihm entwickelt“[5], denn bei Kindern muß ein „richtiger Verstand“ erst vorbereitet werden.[6] Kant schreibt, daß „der Mensch [ist] das einzige Geschöpf“ sei, „das erzogen werden muß“.[7] Ein Kind ist noch kein richtiger Mensch, da es noch nicht über eine eigene Vernunft und einen eigenen Verstand verfügt. Erst durch Erziehung lernt das Kind, seine Tierheit zu überwinden und zum eigenständig denkenden Menschen zu werden.[8] Das aber kann ihm nur beigebracht werden von Menschen, die bereits erzogen sind: „Der Mensch kann nur Mensch werden durch Erziehung. Er ist nichts, als was die Erziehung aus ihm

[...]


[1] Martens, Ekkehard: Methodik des Ethik- und Philosophieunterrichts. Philosophieren als elementare Kulturtechnik. Hannover, 2003. S. 36.

[2] Martens: Methodik des Ethik- und Philosophieunterrichts. S. 35.

[3] Kant, Immanuel: Was ist Aufklärung? In: Zehbe, Jürgen (Hrsg.): Immanuel Kant. Aufsätze zur Geschichte und Philosophie. Göttingen, 41994. S. 55.

[4] Ebd.

[5] Rink, Friedrich Theodor (Hrsg.): Immanuel Kant über Pädagogik. In: Vorländer, Karl (Hrsg.): Immanuel Kant. Sämtliche Werke. Band 8, Leipzig, 1922. S. 205.

[6] Rink: Immanuel Kant über Pädagogik. S. 228.

[7] Rink: Immanuel Kant über Pädagogik. S. 193.

[8] Ebd.

Details

Seiten
12
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638526098
ISBN (Buch)
9783638802574
Dateigröße
485 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v58406
Institution / Hochschule
Universität Rostock – Philosophisches Institut
Note
Gut
Schlagworte
Erziehung Kritikfähigkeit Aufgabe Ziel Kant Adorno

Autor

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