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Risikogesellschaft und Journalismus - Leistungen, Funktionen, Interdependenzen

Diplomarbeit 2005 104 Seiten

Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung: die Risikogesellschaft

2. These

3. Methode

4. Risiko
4.1 Leitdifferenz von Risiko
4.2 Riskanter Konflikt: Entscheider vs. Betroffener
4.3 Risiko: ein paradoxes Instrument
4.4 Sicherheit: die sichere Illusion
4.5 Entscheidungsdruck und Sicherheit
4.6 Selbstreferenz des Risikos

5. Ansätze in der Risikoforschung: R= W x S ?
5.1 Formal-normativer Ansatz
5.2 Psychologisch-kognitiver Ansatz
5.3 Kulturell-soziologischer Ansatz
5.4 Risiko als soziales Konstrukt

6. Risikojournalismus als System
6.1 Grundlagen der Systemtheorie
6.1.1 Exkurs: Beck vs. Luhmann
6.1.2 Autopoietische Systeme
6.1.3 Umwelt und Sinngrenzen
6.1.4 Kommunikation
6.1.5 Strukturelle Kopplung
6.1.6 Interdependenzen, Irritationen, Interpenetrationen
6.2 Funktionen von Journalismus und Risikojournalismus
6.2.1 Binärer Code
6.2.2 Primärfunktion und Leistungen
6.2.3 Kritik an den Funktionen
6.3 Struktur von (Risiko)-Journalismus
6.3.1 Organisationen
6.3.2 Programme
6.3.3 Rollen
6.4 Zwischenresümee

7. Risiko und Moral

8. Risiko und Angst

9. Risiko und Politik

10. Risiko und Protestbewegungen

11. Neue soziale Bewegungen

12. Risiko und Wissenschaft

13. Risiko und Wirtschaft
13.1 Risikotransformator Bank
13.2 Informationen sind Geld
13.3 Riskante Abhängigkeit: Journalismus und Wirtschaft
13.4 Marktchancen von Risikojournalismus

14. Individualisierung in der Risikogesellschaft
14.1 Folgen von Individualisierung
14.2 Inklusion
14.3 Chancen von Individualisierung

15. Individualisierung, Lebensplanung, Arbeit
15.1 Riskante Freiheiten
15.2 Risikojournalismus: neue Aufgaben

16. Familie in der Risikogesellschaft
16.1 Funktionen und Leistungen
16.2 Riskante Rollen: Kampf der Geschlechter

17. Zwischenresümee

18. Gewalt in der Risikogesellschaft
18.1 Formen von Gewalt
18.1.1 Reflexive Gewalt
18.1.2 Expressive Gewalt
18.1.3 Instrumentelle und regressive Gewalt
18.2 Risikojournalismus und Gewalt

19. Zersplitterte Gesellschaft? Risiko und Virtualisierung

20. Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung: die Risikogesellschaft

“If there is freedom, there must also be uncertainty.“

Talcott Parsons[1]

Die moderne Gesellschaft wandelt sich. Sie wird komplexer, Entscheidungen auf politischer, wirtschaftlicher und sozialer Ebene undurchsichtiger. Der Fortschritt der westlichen Welt bringt nicht nur Erleichterungen mit sich, sondern auch Risiken. Die möglichen Gefahren gerade technischer Entwicklungen sind in den letzten Jahrzehnten stark ins öffentliche Interesse gerückt und ein vorrangiges Thema gesellschaftlicher Kommunikation geworden. Menschen in entwickelten Industrienationen wird stärker bewusst, dass sie in einer Welt leben, die nicht nur von Sicherheit, Wohlstand und Überfluss geprägt ist, sondern zunehmend von Risiken und Gefahren. Die Gesellschaft entwickelt ein Bewusstsein dafür, „dass die Zukunft von Entscheidungen abhängt, die in der Gegenwart getroffen werden müssen, deren Folgen man aber weder im Guten noch im Schlechten überblicken, geschweige denn steuern kann“ (Bechmann 1993: 7). Jedes System unserer Gesellschaft basiert darauf, Entscheidungen zu treffen. Jede Entscheidung beinhaltet ein Risiko. Und auch eine Nicht-Entscheidung ist eine Entscheidung.

In der Risikokommunikation gibt es verschiedene Ansätze, wie Risiko kommuniziert werden sollte und mit welchen Medien. Dabei ist es der Risikoforschung bislang noch nicht gelungen, einen einheitlichen Risikobegriff oder eine zusammenhängende Risikotheorie zu entwickeln. Jede Risikotheorie hat ihren Ausgangspunkt in einer Reihe von Ansätzen und Versuchen unsere Gesellschaft zu beschreiben. Wir leben je nach Beobachterperspektive in einer Risikogesellschaft (Beck 1986), einer Katastrophengesellschaft (Sloterdijk 1989), einer Informationsgesellschaft (Tauss/ Kollbeck/Mönikes 1996), einer Erlebnisgesellschaft (Schulze 1992), einer Möglichkeitsgesellschaft (Beck 1994), einer Sinngesellschaft (Bolz 1997) und mit zunehmender Entwicklung und Verbreitung neuer Medien auch in einer virtuellen Gesellschaft (Bühl 1996).[2] Alle Gesellschaften verbindet bei genauerer Betrachtung die Gemeinsamkeit, Risiken zu bergen; jedes Modell beinhaltet eine Konstante: Risiko. Die Risikogesellschaft beansprucht die Nachfolge der Industriegesellschaft, da sie in „erster Linie nicht durch technologische und industrielle Innovation, sondern durch die Produktion von technologischen Risiken irreversibel geprägt ist“ (Görke, 1994: 16). Die Erlebnisgesellschaft kennzeichnet sich dadurch, Erlebnisorientierung als „unmittelbarste Form der Suche nach Glück“ zu haben, wobei diese Charakteristika auch automatisch ein „Enttäuschungsrisiko“ birgt (vgl. Schulze, 1992: 14). In der Informations- und virtuellen Gesellschaft besteht das Risiko zunehmender Differenzierung darin, dass Individuen aus demokratischen Prozessen ausgegrenzt werden und sie den Bezug zur Gesamtheit ihrer systemischen Umwelt verlieren. Gerhard Schulze findet es nichts weniger als „absurd, eine absolute Charakterisierung unserer Gesellschaft zu finden“ (Schulze, 1992: 15). Alle Ansätze können nur Teile einer komplexen Beschreibung eines komplexen Gebildes wie unsere postmoderne Gesellschaft sein.

Ulrich Beck hat sich intensiv mit dem Wandel der Sicherheits- und Wohlstandsgesellschaft zur Risikogesellschaft in seinem Buch „Die Risikogesellschaft“ (1986) und in nachfolgenden Arbeiten beschäftigt und den Begriff der Risikogesellschaft nicht nur soziologisch nachhaltig geprägt. Er erörtert Verhältnisse moderner Industriegesellschaften auf der Basis neuartiger zivilisatorischer Gefährdungen durch moderne Produkte des wissenschaftlich-technischen Fortschritts und übt scharfe Kritik an einer zunehmend von Wissenschaft und Technik abhängigen Zivilisation. Dabei stellt er eine durchgehende Verbindung zwischen Modernisierungsrisiken und gesellschaftlichen, politischen und soziokulturellen Risiken her, die zuvor in der Risikoforschung wenig Beachtung gefunden haben. Dabei fällt gerade diese Form gesellschaftlich riskanter Probleme immer gravierender auf: Arbeitslosigkeit, Überbevölkerung, Bildungsabbau, wachsende Arm-Reich-Spanne, soziale Ungleichheit, Globalisierung, Individualisierung, Desintegrationsprozesse, Wertewandel, Auflösung sozialer Beziehungen, Gewalt und Terrorismus sind nur ein paar Beispiele, denen eine gesonderte Rolle in der Risikokommunikation zukommen müsste. Mit dem Verständnis, dass diese Probleme zwar Risiken vielschichtiger gesellschaftlicher Art darstellen, aber primär als Symptome der Modernisierung zu verstehen sind. Das eigentliche Risiko liegt schon zuvor, in den Entscheidungen und risikogesellschaftlichen Verhältnissen, die diese Symptome bedingen und ihnen vorausgehen.

2. These

In meiner Diplomarbeit werde ich mich in diesem Kontext damit auseinandersetzen, welche soziokulturellen, gesellschaftlichen und politischen Risiken es neben den technisch-wissenschaftlichen gibt, beziehungsweise wie sich Risiken unterschiedlichen Ursprungs gegenseitig bedingen und wie sich die Risikokommunikation damit auseinandersetzt. Insbesondere interessiert mich, inwieweit das System Journalismus eine tragende Funktion in der Kommunikation von nicht-technisch bedingten Risiken für die Gesellschaft erfüllen kann.

Ich fokussiere die Arbeit also auf das Verhältnis zwischen Journalismus und Risikogesellschaft. Dabei untersuche ich, inwiefern sich in diesem Spannungsfeld Risikojournalismus als Teilsystem von Journalismus herausdifferenziert. Bei dieser Auseinandersetzung gehe ich auf einige ausgesuchte soziokulturelle und politische Risiken unserer Gesellschaft ein und setze mich mit der Frage auseinander, wie diese kommuniziert werden. Es ergibt sich folgende These:

Wir leben in einer Risikogesellschaft, die nicht nur technischen Ursprungs ist, sondern maßgeblich durch soziokulturelle, politisch-ökonomische und psychosoziale Risiken geprägt ist. Aus dem System Journalismus differenziert sich ein Subsystem Risikojournalismus heraus, das aufgrund spezifischer Organisationen, Operationen und Aufgaben zusätzliche Leistungen für Teilsysteme der Risikogesellschaft erbringt und gesamtgesellschaftliche Funktionen erfüllt.

3. Methode

Mithilfe der funktional-strukturellen Systemtheorie[3] werde ich auf drei gesellschaftlichen Ebenen, der Makro-, Meso- und Mikroebene, Interdependenzen, Funktionen und Leistungen eines möglichen Risikojournalismus betrachten. Dazu beschreibe ich zunächst einige grundlegende Charakteristika von Risiko und Risikogesellschaft, die sich in einem Spannungsfeld zwischen vermeintlichen Sicherheiten und Risiken befindet. Dafür gehe ich auf Grundlagen der Systemtheorie ein und stelle das System Journalismus mit seinen Funktionen vor, um davon ausgehend risikojournalismus-spezifische Eigenschaften abzuleiten. Es entsteht ein theoretisch konstruiertes Modell eines Systems Risikojournalismus, das komplementär zu seinem Muttersystem Journalismus Leistungen für andere Teilsysteme erbringt, sich als eigenes Sinnsystem abgrenzt und gesamtgesellschaftliche Funktionen erfüllt. Wirkungen dieser Funktionen in einer Risikogesellschaft sollen anhand einiger Beispiele im zweiten Abschnitt der Arbeit diskutiert werden.

Bei der Ableitung der risikojournalistischen Funktionen unterscheide ich zwischen prinzipiell zwei Ansätzen: der risiko-objektivistische Ansatz und der risiko-konstruktivistischen Ansatz. Das risiko-konstruktivistische Konzept steht in dieser Arbeit im Vordergrund.[4] Dabei untersuche ich systemtheoretisch auf der Makroebene die Abbildungs-, Informations-, Bildungs-, Aufklärungs-, Akzeptanz-, Thematisierungs-, Orientierungs-, Warn-, Kritik-, Prognose- und Demokratiefunktionen des Subsystems Risikojournalismus im Vergleich und in Abgrenzung zum Muttersystem Journalismus.

Anschließend werde ich Interdependenzen zwischen verschiedenen Subsystemen der Risikogesellschaft analysieren und versuchen, strukturelle Kopplung zwischen Risiko und Politik, Protestbewegungen, Wirtschaft, Arbeit, Familie, Individuum, Moral und Gewalt darzustellen – und daran zeigen, wie diese Wechselbeziehungen soziale Risiken erzeugen und welche Leistungen ein System Risikojournalismus in der gesellschaftlichen Verarbeitung dieser sozialer Risiken erbringen kann. So soll die vorab unternommene theoretische Ausdifferenzierung und Modellierung eines neuen Subsystems von Journalismus – Risikojournalismus – verdeutlicht und gezeigt werden, nach welchen systemspezifischen Eigenschaften es funktioniert.

Mit der Beschreibung dieses Subsystems werden gesellschaftlich relevante Funktionen bestimmt, die über die Funktionen des „klassischen“ Journalismus hinausgehen und somit auch Notwendigkeit und Emergenz eines Subsystems Risikojournalismus erklären.

Inwieweit Risikojournalismus mögliche soziokulturelle Risiken wie Individualisierung und Integration, Werteverfall und Rückbildung von Familien, Gewalt und Angst verarbeiten könnte, welche Chancen sich bieten, welchen Zwängen er unterliegt und mit welchen Leistungen das System Risikojournalismus auf diese Probleme reagiert, wird im letzten Teil der Arbeit behandelt.

Abschließend diskutiere ich im Fazit Ergebnisse und Erkenntnisse meiner Ausarbeitung.

4. Risiko

Risiko einheitlich zu fassen und zu definieren ist in der Risikoforschung bislang noch nicht gelungen – dies liegt auch nicht im Wesen des Risikos. Risiko definiert sich gerade durch seine Unbestimmbarkeit. In dem Begriff Risiko steckt auch immer der Begriff der Chance, der Zukunft, der Unvorhersehbarkeit der Dinge. So ist es noch nicht gelungen, eine einheitliche Theorie vom Risiko zu operationalisieren, weil keine allgemein gültigen Regeln formuliert werden können, mit denen man den theoretischen Begriff Risiko durch Beobachtung oder Abfrage oder anderen Standards messen könnte. „Sucht man nach Bestimmungen des Risikobegriffs, gerät man sofort in dichten Nebel und gewinnt den Eindruck, dass die Sicht nicht weiter reicht als bis zur eigenen Stoßstange“ (Luhmann 1991: 15). In der neueren Risikoforschung geht es deswegen auch weniger darum, ein Maß zu finden, mit dem sich Risiko messen lässt und sich Risiken untereinander vergleichen und abwägen lassen, als vielmehr den Begriff als soziales Konstrukt zu erklären, das erst in seiner gesellschaftlichen Wahrnehmung spürbar wird und Resonanz erzeugt.

4.1 Leitdifferenz von Risiko

Risiko wird fälschlicherweise oft mit Gefahr gleichgesetzt. Dabei ist gerade die Unterscheidung von Risiko und Gefahr eine maßgebliche Leitdifferenz in der Risikoforschung. Diese Unterscheidung ist beobachterabhängig. Je nach Perspektive wird ein Vorgang oder eine Entscheidung zu einem Risiko oder einer Gefahr. „Entweder wird der etwaige Schaden als Folge der Entscheidung gesehen, also auf die Entscheidung zugerechnet. Dann sprechen wir von Risiko, und zwar vom Risiko der Entscheidung. Oder der etwaige Schaden wird als extern veranlasst gesehen, also auf die Umwelt zugerechnet. Dann sprechen wir von Gefahr“ (Luhmann 1991: 30 ff.). Aus dieser Leitdifferenz ergibt sich ein hohes soziales Konfliktpotenzial, da je nach Perspektive eine Entscheidung gleichzeitig als Risiko und als Gefahr wahrgenommen wird. Das bedeutet, dass Risiko nicht mehr nur eine Eigenschaft der Technik ist, sondern sich an alle gesellschaftlichen Bereiche und deren Handlungspotenziale koppelt. Nicht mehr das Risiko einer technisch-bedingten Katastrophe, eines vorauszusetzenden Umweltereignisses, die stetige Ablösung alter durch neuer Risiken in der technischen Entwicklung stellen das Gefahrenpotenzial einer Zivilisation dar, sondern Risiken werden „dem Handeln des Menschen zugeschrieben und müssen verantwortet werden“ (Bechmann 1993: 20).

4.2 Riskanter Konflikt: Entscheider vs. Betroffener

Alle Bereiche einer Gesellschaft tragen ein Risikopotenzial in sich, das im Kalkulationsbereich der Entscheider liegt. Doch was aus der Perspektive des Entscheiders ein lohnenswertes Risiko darstellt, das immer mit einer Chance auf einen Gewinn verbunden ist und nur deswegen eingegangen wird, kann aus der Sicht des Betroffenen ebenso gut eine Gefahr sein. Eine Gefahr deshalb, weil sie aus dem Verhalten eines anderen resultiert, aus einer Entscheidung, auf die der Betroffene keinen Einfluss nehmen kann. Diese Unterscheidung zwischen Risiko und Gefahr birgt eine „explosive soziale Differenz in der Gesellschaft: die von Entscheidern und Betroffenen“ (Bechmann 1993: 22). Einhergehend mit dieser Differenz verändert sich auch eine zeitliche Dimension in der Gesellschaft: das Verhältnis zur Zukunft. „Zukunft ist nicht mehr die Intransparenz des Kommenden, sondern muss heute schon mitbedacht, mitkalkuliert werden“ (Bechmann 1993: 21). Die Gegenwart wird also mit davon bestimmt, welche Entscheidungen ungewollte Folgen für die Zukunft auslösen können. Dem liegt der Versuch zu Grunde ein rationales Maß an mehr Sicherheit zu erreichen, was auf die immer wieder in der Risikoforschung auftauchende und bislang noch nicht geklärte Definitionsfrage zurückläuft: „Wie sicher ist sicher genug?“ (Starr 1993: 19).[5]

4.3 Risiko: ein paradoxes Instrument

Das eigentlich schwierige für die Gesellschaft, mit der Differenz zwischen Risiko und Gefahr umzugehen, ist ihr gleichzeitiges in Erscheinung treten. Für Luhmann stellt dieser widersprüchliche Charakter des Risikos ein Sozialparadoxon dar, das gleichzeitig mit dem Instrument Risiko handhabbar gemacht wird (vgl. Luhmann 1991: 117, Panzer 1998: 129). „Die Risiken sind Gefahren, die Gefahren sind Risiken, weil es sich um ein und denselben Sachverhalt handelt, der mit einer Unterscheidung beobachtet wird, die eine Differenz der beiden Seiten verlangt. Dasselbe ist verschieden“ (Luhmann 1991: 117). Luhmann geht es dabei weniger um einen Konflikt zwischen den Perspektiven Gefahr oder Risiko, sondern vielmehr um die Kommunikationen darüber. Nur durch das gleichzeitige Auftreten der Risiko/Gefahr-Differenz ist es der Gesellschaft möglich, dieser komplexen Situation auch mit gesellschaftlichen Mitteln zu begegnen und sie zu bewältigen. Risiko wird so zu einem paradoxen Instrument für ein Sozialparadoxon, das es selbst erzeugt und das sich dazu eignet, Zeitprobleme zu bearbeiten. Unter Zeitproblemen versteht Luhmann die Notwendigkeit einer Zeitordnung in einer Gesellschaft, die es ihr ermöglicht, mit der Zukunft angemessen umzugehen. Mit dem Mittel Risiko kann auf die Zukunft zugegriffen werden, „die moderne Gesellschaft kann Zukunft als Risiko vergegenwärtigen“ (Luhmann 1991: 105). Risiko schafft also nicht nur Unsicherheiten, sondern auch Gewissheiten, indem es als soziales Konstrukt die Gegenwart immer mit den zeitlichen Komponenten Zukunft und Vergangenheit verbindet. Risiko schafft so ein gemeinsames Zeitbewusstsein, das dem Individuum und der Gesellschaft ein Bewusstsein eigener Identität vermittelt (vgl. Evers 1993: 344). Es lässt sich festhalten, dass mit der Risiko/Gefahr-Differenz gesamtgesellschaftliche Konsequenzen in sachlicher, sozialer und zeitlicher Hinsicht verbunden sind.

4.4 Sicherheit: die sichere Illusion

Risiken sind ein konstitutives Merkmal jeglicher Organisation, sei sie sozialer, technischer oder anderer Kultur. Mit dem Begriff Risiko und der Differenz Gefahr/Risiko ist auch immer die Frage nach Sicherheit verbunden. Sicherheit definierte sich bislang in der Soziologie an den ursprünglich von Franz-Xaver Kaufmann 1971 entwickelten Leitbildern „Stabilisierung durch ganzheitliche Ordnungen“, „Systemsicherheit als Verfügbarkeit von Mitteln“ und „Selbstsicherheit als Leitbild subjektiver Identität“ (vgl. Evers 1993: 351 ff.). Diese Leitbilder von Sicherheitsvorstellungen verändern sich in der Risikogesellschaft zunehmend; sie beginnen, sich neu zu definieren. Ganzheitliche Ordnungen lösen sich in der funktionalen Komplexität einer modernen Gesellschaft zunehmend auf, die Verfügbarkeit von Mitteln ist immer stärker von marktwirtschaftlichen Mechanismen der Gewinnorientierung und Verwertbarkeit abhängig und das Leitbild von Selbstsicherheit durch subjektive Identität wird bei zunehmenden Desintegrations- und Individualisierungsprozessen zu einer anwachsenden individuellen Heraus- oder auch Überforderung.[6] Risiko ist gesellschaftlich universal präsent und fester Bestandteil von Sicherheit geworden. Es gibt keine Sicherheit ohne Restrisiko mehr. Es genügt in einer hochgradig funktional differenzierten Gesellschaft nicht mehr, eine möglichst adäquate Risikodiagnostik und anschließende Entscheidung zu treffen. Es geht bei der Frage nach Sicherheit nicht nur um ein „simples Entscheidungsproblem, bessere Vorsorge oder der Zunahme bürokratischer Verantwortungszurechnung“ (Bechmann 1993: 19), sondern um eine in der Risikoproblematik verankerte Ambivalenz der gesamten Moderne. Diese Ambivalenz drückt sich darin aus, dass es keine Eindeutigkeit mehr in der Gleichzeitigkeit der Gefahr/Risiko-Differenz gibt, sondern immer zwei widersprüchliche Perspektiven über die Folgen einer Entscheidung. Das einzige, was Betroffenen und Entscheidern noch bleibt, ist Kommunikation beziehungsweise die Verständigung über ihre Sichtweisen. Das heißt nicht nur Verständigung zwischen zwei Individuen, sondern Verständigung zwischen Subsystemen, Institutionen, Organisationen, Firmen, Betrieben, Gesellschaften etc. Es geht um Kommunikationen in allen Bereichen der Gesellschaft – gerade wegen der Omnipräsenz von Risiko als Teil jeder Entscheidung unter „Ungewissbedingungen“ (Bechmann 1993: 22), die getroffen wird. Wer Recht hat, zeigt die Zukunft. „Entscheidungen können gute oder schlechte Folgen haben aber keiner besitzt mehr die „Autorität des besseren Wissens“ (Luhmann), da die Zukunft nur noch im Medium Wahrscheinlichkeit beziehungsweise Unwahrscheinlichkeit begriffen werden kann“ (Bechmann 1993: 18).

4.5 Entscheidungsdruck und Sicherheit

Der Druck und die wachsende Notwendigkeit, in einer ohnehin schon stark funktional differenzierten Gesellschaft, Entscheidungen zu fällen, nehmen zeitgleich mit Fortschritt und wachsender Komplexität der Gesellschaft zu. Jedes System produziert ständig Entscheidungen, um zu funktionieren, Leistungen für seine Umwelt zu erbringen und sich abzugrenzen. Es selektiert Informationen nach spezifischen Codes und verarbeitet sie systemintern in Entscheidungsprozessen. Selbst originäre „metasoziale Instanzen“ wie Natur, Werte, Religion usw. werden mittlerweile als gesellschaftsintern (durch Entscheidungen) produziert verstanden (vgl. Bechmann 1993: 22). Der Druck, Risikoentscheidungen auf der Grundlage einer antizipierten Sicherheit, beziehungsweise der bestmöglichen Reduktion einer möglichen Gefahr zu fällen, steigt parallel mit ansteigendem Entscheidungsdruck. Dabei stellt sich ein weiteres Problem in der Risikoforschung, das seinen Ursprung zwar in der Technikfolgeabschätzung hat, aber auch auf komplexe soziale Systeme übertragbar scheint: es gibt keine sicheren Entscheidungen, weil es keine wirkliche Sicherheit gibt. Entscheidungen über vielschichtige Sachverhalte, komplexe politische, soziale oder kulturelle Probleme, gesellschaftliche Entwicklungen, neue technische Systeme, jede Form von komplexen Entscheidungen oder Entscheidungen über Komplexes sind immer auch Risikoentscheidungen. Aufgrund der vielschichtigen Struktur von Systemen, werden „immer unvorhergesehene Wirkungen, Prozesse und Ereignisse auftreten, die zu überraschenden Entscheidungen zwingen und deren Ausgang im Ungewissen bleibt“ (Bechmann 1993: 20). Jeder zunehmende Versuch der Kontrolle und Steigerung der Sicherheit von Systemen, steigert gleichzeitig auch ihre Komplexität und macht sie damit wieder unsicherer. Der Hund beißt sich in den eigenen Schwanz. Soziologisiert bedeutet diese Erkenntnis nach Klaus Japp, dass Sicherheitserwartungen „Fehler als Abweichungen vom erwarteten Normalverlauf deuten, d.h. sie schützen vor Lernprozessen“ (Japp 1992: 176). Dieser Konflikt macht sich in allen sozialen Systemen deutlich. Zum einen herrscht der Anspruch vor, mögliche Fehler vorherzusehen, auszuschließen, bestmögliche Sicherheit zu produzieren und zu vermitteln. Zum anderen wird regelmäßig an diesem Anspruch gescheitert – oder die Flexibilität eines Systems, auf Fehler zu reagieren, durch hohe Sicherheitserwartungen (und dem Anspruch, sie der Öffentlichkeit zu kommunizieren, so unsicher sie auch sein mögen) dermaßen eingeschränkt, dass es Probleme hat, sich umzustellen und Lernprozesse zu durchlaufen. Dieses Problem regulativer Risikopolitik bezüglich technischer Folgeabschätzung fasst Dieter Kerwer aufbauend auf Aaron Wildavsky in folgender Diagnose zusammen: „Präventive Risikovermeidung [...] verstrickt sich in das Dilemma, dass sie durch Maßnahmen zur Vermeidung technischer Risiken den inkrementellen Lernprozess mit technischen Innovationen behindert, der allein das nötige Wissen produzieren könnte, das für eine effektive Risikoregulierung nötig wäre. Sie vermeidet mit den technischen Risiken auch eine ihrer wesentlichen Erfolgsbedingungen“ (Kerwer 1997: 263). Sicherheit bei komplexen Systemen erzeugen zu wollen, vergrößert vielmehr das systeminhärente Risikopotenzial. Der Versuch, Systeme und Systemprozesse gegen Fehler zu sichern, verhindert Lernprozesse und wird so, konträr zur eigentlichen Absicht, noch fehleranfälliger und riskanter.

4.6 Selbstreferenz des Risikos

Diverse Charakteristika von Risiko wie Sicherheit, Gefahr/Risiko-Leitdifferenz und Entscheidungsdruck leiten über zu einer weiteren Eigenschaft des Risikos: seiner Selbstreferenz. Selbstreferenz des Risikos meint „die Erkenntnis, dass das Unterlassen einer Entscheidung genauso riskant ist, wie das Treffen einer Entscheidung“ (Bechmann 1993: 22). Auch eine Nicht-Entscheidung ist eine Entscheidung dazu, etwas zu unterlassen und hat Konsequenzen. So entgeht man beispielsweise einem möglichen Gewinn beziehungsweise verhindert eine mögliche Verbesserung einer Situation oder die Lösung eines Problems. Trifft man eine Entscheidung, trägt man das mit der Entscheidung einhergehende Risiko, die falsche Entscheidung getroffen zu haben, die mögliche Verluste, neue, beziehungsweise schwierigere Probleme, oder die Verschlechterung einer Situation erzeugt.

Zusammenfassend lässt sich konstatieren: In komplexen Systemen gibt es weder ausschließlich Unsicherheit noch Sicherheit, sondern immer nur beides. „Sicher ist nur, dass es keine absolute Sicherheit gibt“ (Nassehi 1997: 43). Das Streben nach mehr Kontrolle und Sicherheit kann in komplexen Systemen zu gegenteiligem Ergebnis führen und mehr Unsicherheit erzeugen. Sicherheit kann riskantes Handeln und riskante Entscheidungen provozieren, da sie die wahre Komplexität eines Systems verdeckt. Aufgrund der Selbstreferenz von Risiko ist es gleichermaßen riskant, eine Entscheidung zu treffen oder nicht (vgl. Bechmann 1993: 20 ff).

Hinzu kommt die Unvergleichbarkeit von Risiken, die in allen Ansätzen der Risikoforschung auftaucht und der bislang noch nicht mit einheitlichen Normen und Maßstäben für eine Bewertung und Vergleichbarkeit von Risiken begegnet werden konnte. Die Schwierigkeit liegt dabei „in der Abwägung verschiedener Risiken, die wegen unterschiedlicher Betroffenheiten, unterschiedlicher Wahrscheinlichkeiten, unterschiedlicher kompensierender Vorteile untereinander unvergleichbar sind“ (Luhmann 1993: 331).

5. Ansätze in der Risikoforschung: R = W x S ?

Den Risikobegriff, die Unterscheidung zwischen Risiko und Gefahr und das Ziel, mehr Sicherheit für eine antizipierte Zukunft zu erlangen, verbindet also ein gemeinsames Problem: fehlende rationale Entscheidungs- und Definitionskriterien. Das wird offensichtlich, wenn man gängige Ansätze in der Risikoforschung analysiert. Hier wird zwischen drei Orientierungen oder Betrachtungsweisen der Gesellschaft als Risikogesellschaft unterschieden: dem formal-normativen Ansatz, dem psychologisch-kognitiven Ansatz und einem kulturell-soziologischen Ansatz (vgl. Bechmann 1993: 9).

5.1 Formal-normativer Ansatz

Die gerade in der Anfangsphase[7] der Risikoforschung dominierende formal-normative oder auch risiko-objektivistische Betrachtungsweise versuchte, ein universal gültiges Risikomaß zu entwickeln, um so unterschiedliche Risiken miteinander vergleichbar zu machen und so eine Art Akzeptanzmaßstab zu entwickeln. Basierend auf einer aus der Versicherungswirtschaft geliehenen Formel für Risiko, wonach Risiko gleich dem Produkt aus Schadenserwartung und Wahrscheinlichkeit des Eintritts des Schadens (R = W х S) ist, sollte ein objektives Risiko definiert werden. Dieser Ansatz scheiterte daran, dass sich „weder für Schadens- beziehungsweise Nutzungsaspekte ein einheitliches Maß finden ließ, auf das man das Risiko beziehen konnte, noch konnte man sich abschließend über die Schadensdimensionen einigen, die es zu berücksichtigen galt“ (Bechmann 1993: 11). Der formal-normative Ansatz ist deswegen auch in der neueren Risikoforschung, insbesondere bei der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit sozialen Risiken, wenig präsent. Bei einer systemtheoretischen Beziehungsanalyse von Gesellschaft, Risiko und Journalismus ist er nicht hilfreich, da er wie in einer Endlosschleife gefangen zu sein scheint, die einen Maßstab für etwas sucht, für das es aufgrund einer inhärenten, perspektivischen Ambivalenz keinen Maßstab gibt. Solch ein Maßstab würde ein Konzept „absoluter Rationalität auf Expertenherrschaft, „elitistische“ Entscheidungsmodelle und Entpolitisierung“ (Bonß 1995: 302) voraussetzen, das gerade im Vergleich zu umfassenderen Ansätzen in der Soziologie nur schwer haltbar wäre.

5.2 Psychologisch-kognitiver Ansatz

Selbst wenn sich die Wissenschaft interdisziplinär auf allgemeingültige Standards zur Beurteilung von Risiko einigte, bliebe immer noch eine rational schwierig zu erklärende, aber empirisch in vielen Studien[8] nachgewiesene Diskrepanz zwischen den Aussagen von Experten der Wissenschaft über ein Risiko und der Wahrnehmung eines Risikos durch Laien. Diese Überlegung macht der psychologisch-kognitive Ansatz zu seinem Ausgangspunkt und analysiert, wie Risiken von Experten und Laien subjektiv verschieden wahrgenommen werden. Er geht davon aus, dass ein Individuum als Konsequenz einer Handlung eine unmittelbare Risikoerfahrung erlebt. Die psychologische Risikoforschung kommt dabei zu dem Schluss, dass es bei der Wahrnehmung von Risiken eine generelle Tendenz gibt, „im wesentlichen das Schadensausmaß zu berücksichtigen und die Eintrittswahrscheinlichkeit zu vernachlässigen“ (Bechmann 1993: 13). Dies führt dann zu den, im Kontrast zu rational-wissenschaftlichen Beurteilungen stehenden, größeren Ängsten von Menschen, beispielsweise bei einem Flugzeugabsturz eher ums Leben zu kommen, als bei einem Autounfall (vgl. Bechmann 1993: 17). Diese Differenz in der Wahrnehmung von Risiken in unterschiedlichen Institutionen/Gruppierungen/Milieus/Teilsystemen/Persönlichkeitssystemen der Gesellschaft verdeutlicht, dass Risiken keiner absoluten, sondern einer sozialen Rationalität gehorchen. Sie werden gesellschaftlich anders Realität, sie werden anders wahrgenommen und sie wirken sich anders aus, als es Expertensysteme auf Grundlage formal-normativer Ansätze vorhersagen könnten (vgl. Bonß 1995: 306).

5.3 Kulturell-soziologischer Ansatz

Der kulturell-soziologische Ansatz ist daher der für diese Arbeit am interessantesten, weil er sich umfassend damit beschäftigt, wie „individuelle Risikowahrnehmungen zu gesellschaftlichen Risikokonstruktionen führen – und umgekehrt“ (Görke 1994: 28). Er ist deswegen für eine Darstellung von einem nicht-technisch bedingten Risikojournalismus in einer Risikogesellschaft geeignet, weil er dem Leitgedanken folgt, „dass jede Gesellschaft eine eigene, selektive Sicht ihrer natürlichen Umwelt entwirft“ (Görke 1994: 28). Diese Konstruktion einer bestimmten Perspektive verdeutlicht weniger die individuelle Einstellung und Beurteilung einer Entscheidung, sondern zeigt, dass die „Wahrnehmung von Risiken unter den Bedingungen der modernen Gesellschaft weitestgehend informationsvermittelt ist und in starkem Maße von den Bedingungen der Informationsauswahl und der Informationsdarstellung abhängt“ (Bechmann 1993: 16). Die Kommunikation und Wahrnehmung von Risiken rückt in den Mittelpunkt. Da in dieser Arbeit ein originär kommunikationswissenschaftlicher Ansatz zur Entwicklung eines Risikojournalismus nicht-technisch bedingter Risiken verfolgt werden soll, distanziere ich mich also von risiko-objektivistischen Positionen und fokussiere diese Arbeit darauf, systemtheoretische Konzepte für eine konstruktivistische Perspektivierung der Risikoproblematik- und Kommunikation anzuwenden.

5.4 Risiko als soziales Konstrukt

Risiko ist systemtheoretisch betrachtet ein soziales Konstrukt, weil es erst dann gesellschaftlich wahrgenommen werden kann, wenn es thematisiert und kommuniziert wird. Hier übernimmt die öffentliche Meinung eine tragende Funktion. Allein schon weil unsere heutige Gesellschaft so komplex und vielschichtig ist, dass viele Risiken nicht mehr direkt von einzelnen Subjekten erfahrbar sind, kommt der öffentlichen Meinung und einem öffentlichen Diskurs über Risiken – und damit der Kommunikation von (Risiko)-Themen an die Öffentlichkeit – eine wichtige Wahrnehmungs- und Bewertungsfunktion zu. Diese Themen, beziehungsweise dominierenden Risiken, sind „Resultate gesellschaftlicher Kommunikationsprozesse“ und vermitteln sich durch „Wissenschaft, Massenmedien und Politik“ (Bechmann 1993: 17). Es wurden und werden in der Risikoforschung überwiegend die Wissenschaft mit ihren Institutionen und die (regulative) Politik für die Bereitstellung und Vermittlung von Risikothemen analysiert. Doch beide Systeme produzieren selbst massiv Risikoentscheidungen. Wissenschaft kann aufgrund ihrer Selbstreferentialität selbst zu einem gesellschaftlichen Risiko werden; das System Politik ist zwar geeignet, regulativ zu agieren, aber besitzt keine massentauglichen Kommunikationskanäle, die der Fülle an Risiken und ihrer Vermittlung an die Öffentlichkeit gerecht werden könnten.[9] Zudem sind weder die Primärfunktionen und -leistungen, noch der binäre Code beider Systeme darauf ausgerichtet, Öffentlichkeit herzustellen und Risiken an die Öffentlichkeit zu kommunizieren. Das ist beim Journalismus anders.

6. Risikojournalismus als System

Ein System Journalismus, das in seiner Primärfunktion Themen für die Öffentlichkeit selektiert und nach journalistischen Standards aufbereitet, kommuniziert und so Öffentlichkeit und öffentliche Meinung herstellt, ist in vieler Hinsicht geeignet, Risiken gesellschaftlich zu kommunizieren. Dazu differenziert sich in der Risikogesellschaft ein weiteres Subsystem aus, das Journalismus komplementiert und ergänzt, um gestiegenen Anforderungen der Risikokommunikation begegnen zu können: Risikojournalismus – als autopoietisches Leistungssystem von Journalismus mit einer Vielzahl gesamtgesellschaftlicher Funktionen. Die Entstehung von Risikojournalismus und seine Abgrenzung zum Journalismus basieren auf der Kernannahme, dass das System Journalismus und die Massenmedien primär über Schäden und nicht Risiken berichten, während Risikojournalismus über Risiko und mögliche Schäden berichtet (vgl. Peters 1994: 331 ff.). Ein systemtheoretisches Modell von Risikojournalismus in der Risikogesellschaft soll nach der Erläuterung einiger Grundlagen im Folgenden entwickelt werden.

6.1 Grundlagen der Systemtheorie

Die funktional-strukturelle Systemtheorie ist heute in der Wissenschaft eine akzeptierte Methode, gesellschaftliche Zusammenhänge zu analysieren und zu beschreiben und so ein genaueres Verständnis unserer Welt zu erlangen. Um Vorgänge in einer funktional differenzierten Gesellschaft besser zu verstehen, untersuchen eine Vielzahl anderer wissenschaftlicher Theorien häufig voneinander isolierte Einzelphänomene. Die Systemtheorie untersucht weniger die Funktion eines Individuums in einer Gesellschaft, sondern erfasst auf der Makroebene[10] die Vernetzung von Einzelphänomenen zu einer als System bezeichneten Ganzheit (vgl. Kohring 2000: 154). Ein Funktionssystem lässt sich nicht allein durch seine Einzelphänomene ausreichend beschreiben, sondern erst dann, wenn die gegenseitigen Wechselbeziehungen zwischen diesen Bestandteilen des Systems beschrieben werden. Zentraler Gegenstand der Systemtheorie ist damit „die Organisationsform der komplexen Wechselbeziehung zwischen einzelnen Elementen“ (Kohring 2000: 154). Was Bestandteil eines Systems ist und was nicht und zur Umwelt[11] des Systems gehört, lässt sich erst nach Untersuchung der Funktionsweise, wie ein System seine Bestandteile miteinander verbindet, bestimmen.

Wenngleich die Systemtheorie in vieler Hinsicht ein sehr präzises und geeignetes Instrument ist, um Zusammenhänge auf gesellschaftstheoretischen Ebenen zu verdeutlichen, beziehungsweise den Versuch zu unternehmen, ein so komplexes Gefüge wie eine Gesellschaft mit all ihren Sub- und Teilsystemen umfassend zu beschreiben, gibt es kritische Positionen dazu, die vor allem darauf basieren, dass der Mensch in der Systemtheorie immer nur die Funktion einer bestimmten Rolle übernimmt. Nicht der Mensch bestimmt seine Handlungen, nicht menschliche Handlungen stehen im Mittelpunkt der Betrachtung, sondern Systeme mit ihren Strukturen und Rollen. Die Kritik an der Systemtheorie gipfelt in teilweise recht heftig geführte Kontroversen über ihre Berechtigung und ihren wissenschaftlichen Wert als soziologische Methode. Insbesondere schwierig für diese Arbeit stellt sich das wohl eher gespannte Verhältnis zwischen Ulrich Beck und Niklas Luhmann dar. Weil Beck, als „Vater“ der Risikogesellschaft, einen nicht-systemtheoretischen, eher risiko-objektivistischen Entwurf gezeichnet hat, stehen sich er und Luhmann, als „Vater“ der Systemtheorie, in ihren unterschiedlichen Perspektiven und Begrifflichkeiten äußerst streitbar gegenüber (vgl. Görke 1997: 31). Beck kritisiert insbesondere den systemtheoretischen Realismus Luhmanns, der seiner Auffassung nach etwas menschenverachtendes beinhaltet. Ein Auszug dieser Kritik soll einige Aspekte der kritischen Haltung Becks gegenüber Luhmann verdeutlichen und erklären.

6.1.1 Exkurs: Beck vs. Luhmann

In „Gegengifte“ (1988) wirft Beck Luhmann in Bezug auf dessen 1986 erschienene Arbeit „Ökologische Kommunikation“ vor, dessen systemtheoretischer Realismus bezöge eine extreme Gegenposition zu den atomaren Herausforderungen der Demokratie: „Wer mit Luhmann die Himmelsleitern seiner Abstraktionen hinaufsteigt, findet sich in die gespenstisch-reale Welt von Franz Kafkas Roman „Das Schloss“ versetzt. Mit dem allerdings wesentlichen Unterschied: es gibt keine K´s mehr. Luhmanns „System-Schloss“ ist menschenleer geworden. Die Steigerungsform des Schlosses, die Luhmann vordenkt, ist die Emanzipation des Schlosses von seinen Bewohnern [...] und die Pointe seiner Systemtheorie ganz allgemein lautet: erst in dieser Menschenleere entfaltet das Schloss seine wahre Perfektion. [...] Luhmanns Systemtheorie steigert das Schlossartige der Bürokratie. Wer hätte gedacht, dass kafkaesker als kafkaesk heißt: das Schloss ohne Menschen, das Schloss um seiner selbst willen, selbstgenügsam, subjektlos und übersubjekthaft zugleich, eine Art Realgespenst, die Wiederkehr der Metaphysik nach ihrem Ende, die Bürokratie als Wirklichkeitsmetaphysik, mehr noch: als realmetaphysisches Wirklichkeitszentrum, das durch den Mund Niklas Luhmanns, dem einzig lebendigen Schlossverwalter, den Menschen kundtut, wie grenzenlos überflüssig und irreal sie für die Systeme geworden sind“ (Beck 1994: 167).

In einer Fußnote fügt Beck dann fast schon zynisch an: „[...] Und ein zweites beunruhigt mich: Gewiss, die Systeme brauchen Niklas Luhmann zu ihrer Erscheinung. Er muss sie aus der Umwelt, zu der sie geworden sind, mit der Umwelt, der sie sich mitzuteilen wünschen, vermitteln. Doch woher weiß die Umwelt Niklas Luhmann von den Systemen, die aus ihr sprechen? Gibt es ein Geheimnis, das ihm als einzigem erlaubt, die Niedrigkeit von uns menschlichen „Umwelt-Wesen“ abzustreifen und zu der Hoheit der Systeme vorzudringen, ohne anzuklopfen sozusagen, von außen nach innen, alle Gesetze der Selbstreferentialität zerbrechend? Oder hockt Luhmann hinter jedem Wort, jeder Zeile seiner Bücher und kichert stumm und vernehmlich in sich hinein über die Leichtfertigkeit mit der eine ehemals empirische Soziologie an der Nase ihrer eigenen Begriffshülsen ins Absurde abgeführt werden kann? Oder hat das Ganze einmal so angefangen, und er ist selbst seinen Suggestionen erlegen und als Rache des Schicksals nun zum System geworden, das seinen Mund nur noch als Umwelt seiner selbst benutzen darf?“ (Beck 1994: 167).

Im Wissen um diese Kritik und den Standpunkt von Beck versucht diese Arbeit trotzdem, Elemente der von Beck gezeichneten Risikogesellschaft auch aus systemtheoretischer Perspektive zu analysieren und heraus zu arbeiten.

6.1.2 Autopoietische Systeme

Die Gesellschaft konzipiert sich systemtheoretisch als emergentes Netzwerk prinzipiell gleichrangiger und autonom operierender, autopoietischer Funktionssysteme (vgl. Luhmann 1988: 68 ff.). Der Begriff des autopoietischen Systems bezeichnet dabei selbsterhaltende und selbstherstellende Systeme. Autopoietische Systeme zeichnet aus, dass sie die notwendigen Bestandteile für die Erhaltung ihrer Struktur eigenständig produzieren. Sie sind insofern autonom, als dass kein anderes Umweltsystem Einfluss auf die Verarbeitung von Ereignissen innerhalb der Strukturen eines autopoietischen Systems nehmen kann. Die Grenzen solcher Systeme produzieren sich durch eine ständige Unterscheidung, was zur Umwelt und was zum System gehört, immer neu. Sie sind in ihrer inneren Struktur geschlossen, aber nicht autark, da sie den Austausch mit anderen Teilsystemen benötigen, um zu funktionieren. Um die Aufnahme von Ressourcen aus anderen Systemen zu gewährleisten, hat ein autopoietisches System geöffnete Grenzen. Es braucht Wechselbeziehungen mit seiner Umwelt (Interdependenzen), um einen Sinn zu haben, seine Grenzen festlegen und eine Funktion für das Gesamtsystem oder das Muttersystem, dem es angehört, erfüllen zu können (vgl. Kohring 2000: 154).

Jedes Subsystem in einer Gesellschaft, das eine gesamtgesellschaftliche Funktion und Relevanz hat und daher auch als soziales System bezeichnet werden kann, verfügt über seine eigenen Strukturen und verarbeitet Irritationen aus anderen Systemen anders. In diesem Sinne sind Systeme operational voneinander unabhängig – was nicht bedeutet, dass sie gegenüber Umwelteinflüssen geschlossen wären. Nur mit der wesentlichen Unterscheidung, dass die Art und Weise, wie ein grenzüberschreitendes Ereignis innerhalb eines Systems verarbeitet wird, der Selbstorganisation des Systems überlassen ist. Die Organisation der Wechselbeziehungen zwischen den Elementen, die ein System bilden, ist von den jeweiligen Strukturen des Systems abhängig (selbstreferentiell) und somit immer unterschiedlich organisiert. Dies wird als Selbstorganisation bezeichnet, solche Systeme sind autopoietische Systeme (vgl. Luhmann 1996: 49).

6.1.3 Umwelt und Sinngrenzen

Zur Umwelt wird alles zugeordnet, das nicht zum System gehört; beziehungsweise als Umwelt werden alle anderen Systeme bezeichnet, die mit dem betrachteten System eine Ganzheit bilden, zum Beispiel in Form einer Gesellschaft. Unser modernes Gesellschaftssystem besteht aus verschiedenen Teilsystemen, die alle eine Funktion für die Gesellschaft übernehmen. Nur so lässt sich ein so komplexes Gebilde wie eine Gesellschaft, mit all ihren Teilbereichen und Subsystemen, überhaupt erfassen und organisieren. Diese Gesellschaftssysteme definieren sich als Funktionssysteme. Jedes Funktionssystem hat abstrakt gesehen die Aufgabe, aus den prinzipiell unendlich vielen Möglichkeiten eintreffender Ereignisse in einer Gesellschaft eine Auswahl[12] zu treffen und dadurch die Komplexität und Vielschichtigkeit gesellschaftlicher Ereignisse auf ein überschaubares Maß in dem Bereich, in dem das jeweilige System zuständig ist, zu reduzieren (vgl. Horster 1997: 55 ff.). Systeme bieten Individuen Hilfe, Komplexes zu überschauen und Bezüge zu ihrer Umwelt herzustellen.

Nach welchen Kriterien oder auch nach welchen grundlegenden Unterscheidungen ein Teilsystem solch einen Auswahl- beziehungsweise Selektionsprozess, durchführt, macht den Unterschied zu seiner Umwelt aus. Diese grundlegende Unterscheidung, nach der selektiert wird, nennt sich binärer, also zweiwertiger, Code[13]. Es gibt immer einen positiven und den entgegengesetzten negativen Wert, der die Selbstbestimmung des Systems darstellt. Der Code funktioniert als Grenzwert. „Für Grenzwerte gilt: distinction is perfect continence.[14] Die Form bleibt geschlossen“ (Luhmann 1997: 200). Gerade weil sich Systeme durch ihre binäre Codierung beständig zu ihrer Umwelt abgrenzen, behalten sie ihre „perfekte“ Geschlossenheit bei. Gleichzeitig ermöglicht die Zweiwertigkeit Bistabilität; Systeme können ihre Operationen von der einen oder anderen Seite aus fortsetzen und zwischen beiden Seiten wechseln. Funktionssysteme sind also keine „teleologischen Systeme, die mit dem Erreichen ihrer Ziele keinen weiteren Anlass zum Operieren finden und ihre Tätigkeiten daher einstellen“ (Luhmann 1997: 197). Sie reagieren flexibel auf veränderte Ansprüche von außen und verändern ihre Strukturen entsprechend den Leistungserwartungen ihrer Umwelt, die sie als Irritationen und Input erfahren. In Gesellschaften bilden sich Systeme, um auf neue Probleme und Ereignisse zu reagieren, für die es noch kein entsprechendes Sinnsystem gibt. „Eine Gesellschaft kann als funktional differenziert bezeichnet werden, wenn sie ihre wichtigsten Teilsysteme im Hinblick auf spezifische Probleme bildet, die dann in den jeweils zuständigen Funktionssystemen gelöst werden müssen“ (Luhmann 1987: 34). Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass ein System einen binären Code benötigt, um seinen Selektions- und Entscheidungsprozess nach einer grundlegenden Differenz ausrichten und Sinngrenzen zu anderen Systemen mit anderen Leitcodes ziehen zu können. Dadurch entsteht eine definierte Funktion für ein System im gesamtgesellschaftlichen Kontext. Die klare Ausrichtung eines Teilsystems bietet eine Orientierungshilfe innerhalb der Gesellschaft und ermöglicht einen Teil der sozialen Ordnung im Zusammenspiel mit anderen Teilsystemen.

6.1.4 Kommunikation

In der funktional-strukturellen Systemtheorie bestehen soziale Systeme aus Kommunikationen. Hier grenzt sich die Systemtheorie von anderen Ansätzen in der Soziologie[15] ab, menschliche Handlungen als kleinste Bestandteile sozialer Systeme zu verstehen. Ein soziales System entsteht, wenn ein autopoietischer Kommunikationszusammenhang zustande kommt und sich durch Einschränkung der geeigneten Kommunikation gegen eine Umwelt abgrenzt. Soziale Systeme bestehen demnach nicht aus Menschen als geschlossene Bewusstseinssysteme oder aus Handlungen, sondern aus „Kommunikation zwischen Menschen“ (Horster 1997: 98).

Die kleinsten Einheiten in Systemen sind die Gedanken der Systemteilnehmer. Diese Systemteilnehmer, also Menschen oder auch Bewusstseins- oder Persönlichkeitssysteme, sind für sich geschlossene Systeme und wären ohne die Möglichkeit zur Kommunikation unfähig, mit anderen Bewusstseinsystemen in Verbindung zu treten, sich gegenseitig zu beeinflussen und auszutauschen (vgl. Horster 1997: 98 ff.). Gedanken müssen erst in eine Kommunikationsform[16] gewandelt werden, um ein anderes Individuum oder geschlossenes Bewusstseinssystem zu erreichen. Kommunikationen und Kommunikationszusammenhänge werden daher als kleinste Elemente in der strukturellen Funktionalität eines gesellschaftlichen Teilsystems bezeichnet. Gleichzeitig bedeutet es für soziale Systeme, dass, wenn sich durch Kommunikation ihre Funktion ermöglicht, auch nur durch Kommunikation ihre Bedeutung und Sinngrenze festgelegt werden kann. Um eine Sinngrenze festzulegen, beschränkt Kommunikation also auf den Sinn eines Teilsystems und grenzt es gleichzeitig von seiner Umwelt ab.

6.1.5 Strukturelle Kopplung

Auf der Makroebene lassen sich Beziehungsanalysen zwischen einem gesellschaftlichen Teil- oder Funktionssystem und seiner Umwelt durchführen. Während eine Strukturanalyse der Innenwelt eines Systems darüber Aufschluss gibt, wie Entscheidungs- und Arbeitsprozesse in Systemen funktionieren, damit eine innerstrukturelle Stabilität des Systems selbst gewährleistet ist, zeigt eine Analyse der strukturellen Kopplung mit anderen Funktionssystemen (Außenwelt), wo Interdependenzen zwischen operational geschlossenen Systemen[17] zu beobachten sind. Es werden also die Beziehungen zwischen autopoietischen Systemen und ihrer Umwelt betrachtet. Dabei ist anzumerken, dass alle Umweltsysteme gleichberechtigt in ihrer Funktion für die Gesellschaft sind; es gibt also keine wertende Hierarchie, die eine Reihenfolge nach der Relevanz von Subsystemen festlegt (vgl. Görke 1999: 32). Alle Umweltsysteme erfüllen ihre sinnspezifische Funktion als notwendiger Bestandteil der Gesellschaft. Dabei ist eine strukturelle Kopplung der Systeme untereinander wesentlicher Bestandteil ihrer Definition und Funktionalität. Analysiert man diese Beziehungen zwischen Teilsystemen der Gesellschaft, kann man Rückschlüsse auf ihre Leistungen und Funktionen ziehen. Eine eindeutige Trennung zwischen der Leistung eines Teilsystems und seiner gesellschaftlichen Funktion ist nicht leicht zu treffen. Die Funktion eines Teilsystems bezieht sich auf den gesamtgesellschaftlichen Nutzen, während sich die Leistung, die ein System erbringt, als Ausdruck der Leistungen, die Teilsysteme füreinander erbringen, beschreiben lässt. Wenn die Leistung eines Teilsystems als Ressource anderer Teilsysteme seiner Umwelt insgesamt dient, ist gleichzeitig die Wechselbeziehung und Definition der einzelnen Subsysteme untereinander gewährleistet, was wiederum einen gesamtgesellschaftlichen Nutzen erbringt. Eine Differenzierung zwischen Leistung und Funktion ist also insofern problematisch, da eine Leistung für andere Teilsysteme immer, wenn auch indirekt, eine gesamtgesellschaftliche Funktion mit sich zieht.

6.1.6 Interdependenzen, Irritationen, Interpenetrationen

Obgleich sich autopoietische Systeme nicht gegenseitig steuern, können sie „Brücken zueinander bauen beziehungsweise wechselseitige Resonanzen erzeugen“ (Scholl/Weischenberg 1998: 48). Diese Art von Beziehungen zwischen Systemen nennt sich strukturelle Kopplung oder auch Interpenetration, „die wechselseitige Durchdringung von Systemen mit fremder Leistungsanforderung“ (Westerbarkey 1995: 154).

Interpenetrationen ermöglichen es sozialen Systemen, sich gegenseitig zu durchdringen und ihre Leistung zu steigern, indem sie einander wechselseitig ihre Bestandteile zur Verfügung stellen, ohne dabei ihre operative Geschlossenheit zu verlieren. Elena Esposito ergänzt diese Definition zu einem „privilegierten Verhältnis zweier operational geschlossener Systeme [...], die in der Lage sind, in einer zirkulären Beziehung gegenseitiger Störung besonders gezielte und wirkungsvolle Reizaktionen auszulösen“ (Esposito 1998: 88). Verschiedene Formen von Interpenetrationen und struktureller Kopplung zwischen einem Funktionssystem[18] und einem anderen sozialen System werden beispielsweise bei einer Beziehungsanalyse zwischen dem System Journalismus und dem politischen System deutlich. Eine wichtige politische Entscheidung löst im journalistischen System eine Irritation aus, da sie Träger eines Ereignisses ist, das durch seine gesellschaftliche Relevanz Informationswert besitzt. „Wenn ein Zusammenhang zwischen einem bestimmten Umweltereignis und einer bestimmten Operation innerhalb des Systems beobachtet werden kann, kann von einer Irritation oder auch Störung des Systems durch seine Umwelt gesprochen werden“ (Löffelholz 2000: 196). Das System Journalismus als Beobachter seiner Umwelt profitiert von dieser Irritation in Form vom Input[19] einer Information, was einen innerstrukturellen Prozess auslöst, an dessen Ende die Information möglichst wahrheitsgemäß und trotzdem leicht verständlich für den Rezipienten medial aufbereitet als Output19 wieder in der Umwelt repräsentiert wird, zum Beispiel in der Darstellungsform eines Berichtes. Das kann, je nach Inhalt des Berichtes, verschiedene Reaktionen der anderen Umweltsystemen auslösen, die wiederum im Journalismus als Input verarbeitet werden. Das Politiksystem nutzt so den Journalismus als mögliche Form der Selbstdarstellung. Der Journalismus beobachtet die ihn umgebenden Systeme und erhält Informationen und Ereignisse, deren Ver- und Aufarbeitung seinen Wert und seine Funktion für die anderen Systeme bestimmen und ihm Berechtigung und Zweck geben. Dabei wird nicht in die Strukturen des jeweiligen Systems eingegriffen, sondern beobachtet und aufgenommen, was als Output freigelassen wird. Kein äußerer Reiz löst direkt eine bestimmte Reaktion im Innern eines Systems aus. Es kommt nur zu einem gegenseitigen Aufnehmen von autonom produzierten Phänomenen in den Umweltsystemen durch Beobachtung, nicht aber zu einem Eingriff in die geschlossene Selbstorganisation. Die Selbstreferenz bleibt bestehen, während eine Fremdreferenz die Beobachtung der Außenwelt ermöglicht, einen Bezug zu ihr herstellt, aber keinen Eingriff in ihre Struktur bedeutet. Durch die Beschreibung der Außenwelt (Umwelt) und der Besinnung auf andere Teilbereiche haben soziale Systeme die Möglichkeit zur „Selbstbeschreibung, Identitätsbildung und Komplexitätsreduktion“ (Löffelholz 2000: 197), da durch eine ständige Beschreibung die Differenz zwischen Systemen und Umwelt aktualisiert und immer wieder deutlich gemacht wird.[20]

6.2 Funktionen von Journalismus und Risikojournalismus

Die funktionale Differenzierung einer Gesellschaft in Teilsysteme führt zu „komplexen gegenseitigen Abhängigkeits- und Beeinflussungsverhältnissen (Interdependenzen)“ (Kohring 2000: 164). Die Systemtheorie kann genutzt werden, um Zusammenhänge oder strukturelle Kopplung zwischen den Systemen einer Gesellschaft darzustellen und transparent zu machen. Die jeweiligen Leistungen und Funktionen, die ein System für seine Umwelt – also für andere Teilsysteme und gesamtgesellschaftlich – erbringt, verdeutlichen sich dabei. Um sich abzugrenzen und eine Funktion erfüllen zu können, benötigt das System Journalismus einen binären Code.

6.2.1 Binärer Code

Um zu entscheiden, welche Themen zur Verarbeitung in der Öffentlichkeit bereitgestellt werden müssen, versucht die Journalismustheorie noch immer, einen binären Code zu finden, der als Leitcode für einen Selektionsprozess in Frage kommt. Bislang gibt es keinen alleingültigen Leitcode, wie in anderen Funktionssystemen, sondern mehrere. Das System Journalismus grenzt sich von seiner Umwelt primär durch den Code Information/Nicht-Information oder auch Aktualität/Nicht-Aktualität ab. Journalismus rückt, insbesondere in den Printmedien, durch die Unterscheidung nach Aktualität und informativen Wert, Themen in den alltäglichen öffentlichen Blickpunkt.

Im binären Leitcode lässt sich eine erste Unterscheidung zwischen dem Subsystem Risikojournalismus zum Muttersystem Journalismus feststellen. Während das System Journalismus mit der Codierung nach Information/Nicht-Information[21] auf ein reales Ereignis reagiert, dass dann entweder als Information zur weiteren Be- und Verarbeitung Zugang in das System erhält oder als Nicht-Information eingestuft, ausselektiert wird, gilt für den Risikojournalismus ein antizipatorischerer Leitcode. Verbunden mit der Zukunftsperspektive von Risiko ließe sich eine mögliche Leitdifferenz für Risikojournalismus als Risikoinformation/Nicht-Risikoinformation beschreiben. Darin enthalten ist die schon diskutierte Unterscheidung zwischen Gefahr und Risiko, wobei weitere Unterscheidungen zur Gefahr/Risiko-Differenz nicht schon im Code getroffen werden, sondern erst im weiteren Verlauf auf den Programmebenen des Systems. Jede Information, die ein potenzielles Risiko beinhaltet, fällt in den funktionalen Aufgabenbereich des Risikojournalismus, mit der Besonderheit, dass ein Risiko eben kein reales Ereignis darstellt, sondern nur die Möglichkeit eines eintreffenden Ereignisses von vielen in einer unvorhersehbaren Zukunft ist. Diese Einschätzungen und Beurteilungen zu treffen, stellt den Risikojournalismus vor schwierige Aufgaben, aus denen sich neue Funktionen und Leistungen ergeben. Die Wesentlichen sollen im Folgenden theoretisch entwickelt werden, kommen aber im Zusammenhang mit der Diskussion einer Vielzahl von Komponenten der Risikogesellschaft und ihrer Verbindung mit dem System Risikojournalismus wieder vor, werden verdeutlicht und um inhaltliche Elemente erweitert.

6.2.2 Primärfunktion und Leistungen

Es gibt verschiedene Ebenen, auf denen Systeme untersucht werden. Im System Journalismus werden auf der Mikroebene die internen Verläufe und Rollen in produzierenden Organisationen untersucht. Auf der Mesoebene werden journalistische Leistungen und Gegenleistungen untersucht, auf der Makroebene wird Journalismus gesamtgesellschaftlich und in Interdependenz zu seiner Umwelt gesehen. Dabei lässt sich eine Sinnidentifizierung für das System Journalismus nach Manfred Rühl durch seine Primärfunktion in „der Ausrichtung auf die Herstellung und Bereitstellung von Themen zur öffentlichen Kommunikation“ (Rühl 1980: 322 ff.) definieren. Demnach ist Journalismus als Leistungs- oder Teilsystem eines übergeordneten gesellschaftlichen Funktionssystems, wie hier beispielsweise der Öffentlichkeit, angesiedelt. Siegfried Weischenberg ergänzt Rühl und sieht die Aufgabe von Journalismus vor allem darin, „aktuelle Themen aus den diversen Systemen (der Umwelt) zu sammeln, auszuwählen, zu bearbeiten und dann wieder diesen sozialen Systemen (der Umwelt) als Medienangebote zur Verfügung zu stellen“ (Weischenberg 1992: 41). Nach Bernd Blöbaum hat sich das System Journalismus in der Gesellschaft „aus einem Mangel an Selektion und Vermittlung von Informationen zur öffentlichen Kommunikation“ (Böbaum 1994: 261) herausdifferenziert. Daraus ergibt sich eine Primärfunktion von Journalismus in der modernen Gesellschaft in der „aktuellen Selektion und Vermittlung von Informationen zur öffentlichen Kommunikation“ (Blöbaum 1994: 261).

Journalismus ermöglicht gesellschaftliche Selbstbeobachtung durch die Verbreitung und Wiedergabe gesellschaftlich relevanter Themen. Dabei wird besonders deutlich, wie stark das System Journalismus die komplexen wechselseitigen Abhängigkeits- und Beeinflussungsverhältnisse/Interdependenzen anderer Systeme untereinander für eine Leistungserbringung braucht.

Alle anderen Umweltsysteme, als Träger und Erzeuger von Ereignissen, dienen dem Journalismus als Themenpool, aus dem gewählt wird, was möglichst schnell an die Öffentlichkeit kommuniziert werden soll. Dabei ist es notwendig, dass das Ereignis in mindestens einem anderen Umweltsystem eine Resonanz auslöst, nach Kohring auch „idealerweise (aus journalistischer Sicht) in möglichst vielen“ und so „Erwartungshaltungen verändern kann“ (Kohring 2000: 165), also eine rückhaltige Wirkung auf die Empfänger in anderen Umweltsystemen hat. Das wird auch als Anschlusskommunikation bezeichnet (vgl. Bucher 2000: 268 ff.).

Blöbaum sieht die Funktion des Journalismus als Antwort auf einen Mangel an Orientierung, Erfahrbarkeit und Überschaubarkeit in der Gesellschaft. „Der Verlust von Einheit in der Gesellschaft wird sichtbar und reflektierbar“ (Blöbaum 1994: 258). Journalismus kann gesellschaftliche Einheit und Stabilität zwischen den einzelnen Umweltsystemen gewährleisten, da er eine dauerhafte Vernetzung herstellt; sozusagen eine zweite Realität bildet, die als Spiegel gewissermaßen die Welt reflektiert und Systeme so sich selbst und untereinander sehen lässt (vgl. Blöbaum 2000:177). Er ist Bindeglied zwischen den verschiedenen Umweltsystemen und ermöglicht dadurch gleichzeitig auch eine gesamtgesellschaftliche Selbstbeobachtung. Dadurch wird es Individuen einer Gesellschaft ermöglicht, die unüberschaubar gewordene Masse an Informationen in einer komplexen, stark funktionalisierten Umwelt, selektiert und in verständlicher Form aufbereitet, wieder zur Verfügung gestellt zu bekommen – und so Bezüge zu den einzelnen Teilsystemen aufrechterhalten zu können oder herzustellen. Gleichzeitig erlaubt dieser Vorgang auch anderen Teilsystemen, sich selbst und ihre Grenzziehung und damit ihr Verhältnis zur Umwelt zu sehen und Rückschlüsse auf gesellschaftliche Einheit und Verkettung ziehen zu können. Diese Funktion lässt sich auch als Synchronisations- und im weiteren Sinne Orientierungsfunktion beschreiben (vgl. Görke 1997: 333).

Blöbaum stellt vor allem die Leistungen heraus, die das Teilsystem Journalismus für die Teilsysteme Wirtschaft und Politik erbringt. So ist Journalismus auf der Mesoebene als Medienorganisation wie zum Beispiel ein Verlag, der als ökonomisch ausgerichtetes, kapitalistisch organisiertes Unternehmen darauf abzielt, Gewinn zu erwirtschaften, immer auch mit dem System Wirtschaft verflochten (vgl. Blöbaum 1994: 293 ff.). Für die Politik erfüllt Journalismus neben der klassischen Kritik- und Kontrollfunktion durch die Herstellung von Öffentlichkeit über bestimmte Themen gleichzeitig auch Vermittlerdienste zwischen Politik und Öffentlichkeit, insbesondere je mehr Aufgaben ein Staat übernimmt (vgl. Blöbaum 1994: 295 ff.). Das politische System wiederum bietet dem Journalismus fast beständig relevante Themen wie kein anderes System, ohne die sich kaum ein journalistisch seriöses Medium behaupten könnte.[22]

Aufbauend auf diese Funktionen und Leistungen grenzt sich das System Risikojournalismus in der Risikogesellschaft durch zusätzliche und veränderte Funktionen und Leistungen von seinem Muttersystem ab. Als Primärfunktion von Risikojournalismus lässt sich eine Thematisierungsfunktion bezeichnen, aus der sich zusätzliche Funktionen ergeben, die sich gegenseitig bedingen. Die Thematisierungsfunktion beschreibt den Prozess der Setzung von Themen, die ein Risiko für die Gesellschaft oder einen Teilbereich der Gesellschaft bis hin zu einzelnen Gruppierungen in der Gesellschaft[23] beinhaltet. Dabei stellt sich der besondere Anspruch an die risikojournalistische Thematisierungsfunktion, dass sie „selbst Sachverhalte, die (zunächst) weder von Wissenschaft noch von Politik als riskant eingestuft werden, zu öffentlichen Themen macht“ (Görke 1997: 158), beziehungsweise das System Risikojournalismus in der Lage dazu ist, solche Risikoinformationen durch entsprechende Codierung und Selektionsprogramme als Irritationen entdecken zu können und, entsprechend medial aufgearbeitet, der Öffentlichkeit bereitzustellen. Risikojournalismus operiert also idealtypisch seiner inneren Struktur nach unabhängig von Beurteilungen oder Empfehlungen aus Wissenschaft, Politik oder anderen Teilsysteme und aufgrund eigener Beobachtungen. Er steht durch Interpenetrationen in Wechselbeziehung zu risikoproduzierenden- und kommunizierenden Systemen und ist strukturell an sie gekoppelt. Er kann so Risiko-Informationen aus seiner Umwelt sammeln, selektiert allerdings auf Programmebene selbstständig aus, welche Themen gesetzt werden und welche nicht. Durch diese autopoietische Operationsweise erbringt er auch eine mit der Thematisierung einer Risikoinformation verbundene Kritik- und Kontrollfunktion – im Idealfall unbeeinflusst von Interessen oder Manipulationen anderer Teilsysteme. Diese Funktion für die Gesellschaft liegt, wie auch bei seinem Muttersystem, in der Herstellung von Öffentlichkeit über Risiken. Der Beitrag der medialen Themensetzung von Risiko-Informationen für verschiedene Rezipienten und Teilpublika lässt sich auch als Informationsfunktion beschreiben (vgl. Görke 1997: 158). Dabei ist wesentlich, dass das System Risikojournalismus keine einfache mediale Transferfunktion von Risiko-Informationen aus Teilsystemen an die Öffentlichkeit erfüllt, sondern diese Risiko-Informationen eigene Informationsangebote darstellen, die alle am Prozess der gesellschaftlichen Risikodiskussion und -konstruktion beteiligten Institutionen und Akteure einschließt (vgl. Görke 1997: 159) und die nach allen journalistischen Programmen intern selektiert, bearbeitet, geprüft und aufbereitet werden.

Die Eigenständigkeit in der Informationsfunktion ermöglicht die auch schon bei der Thematisierungsfunktion angesprochene relative Unabhängigkeit und Objektivität trotz struktureller Kopplungen zu allen anderen Teilsystemen als (Risiko)-Informationspool des Risikojournalismus, was wiederum Vertrauen schafft und seine Orientierungsfunktion bedingt. Durch professionelle Selektions- und Verarbeitungsprogramme[24] werden Komplexität in der Risikowahrnehmung reduziert, Bezüge zu anderen Wirklichkeiten hergestellt, Zusammenhänge transparent gemacht und Orientierung angeboten. Das Vertrauen und die Glaubwürdigkeit, die das System Risikojournalismus in anderen Systemen, bei Rezipienten und (Teil)-Publika erzeugen muss, um in seiner Orientierungsfunktion Leistung erbringen zu können, liegt dabei erneut in seiner autopoietischen Struktur verankert. Nur weil es keinem risikoproduzierenden System zugehörig ist, sondern selbstreferentiell operiert, durch seine offenen Grenzen in Interdependenz und struktureller Kopplung zu allen anderen Teilsystemen[25] steht, aber in seiner inneren Struktur geschlossen bleibt, kann es gesellschaftliche Funktionen der Orientierung, Information, Warnung, Prognose, Kritik und Kontrolle erfüllen.

[...]


[1] (Parsons 1980: 145).

[2] Um nur eine Auswahl zu nennen.

[3] Nach Niklas Luhmann aufbauend auf Talcott Parsons strukturell-funktionaler Theorie sozialer Systeme (vgl. Rühl 2000: 72).

[4] Vgl. Punkt 5.3 dieser Arbeit.

[5] Zuerst in: Science 165.19 (1969): 1232-1238.

[6] Vgl. Punkt 14. dieser Arbeit.

[7] Die Risikoforschung ist relativ neu. Risikoanalysen gibt es in einer institutionell wahrnehmbaren Form seit dem Ende der sechziger Jahre. Ihr Ausgangspunkt lag in den Kontroversen um die Atomtechnologie (vgl. Bonß: 1995: 9).

[8] Vgl. exemplarisch die zusammengefasste Übersicht in Görke (1999:16) oder auch Bonß (2002: 1).

[9] Vgl. ausführlich Punkt 9. dieser Arbeit.

[10] Auf der Makroebene werden Beziehungen zwischen Teilsystemen einer Gesellschaft untersucht.

[11] Die Grenzen eines Systems definieren sich dadurch, was nicht dazugehört, also als „Differenz zwischen System und Umwelt“ (Rühl 2000: 155).

[12] Ein Selektionsprozess, der den jeweils systemspezifischen Leitcode zur Grundlage hat (vgl. Scholl/Weischenberg 1998: 63 ff.).

[13] In der Soziologie ein Schema für eine grundlegende Unterscheidung.

[14] Originalzitat von Spencer Brown (1979: 1).

[15] Hier beispielsweise der Handlungstheorie.

[16] Zum Beispiel Sprache, Schrift, Bilder etc..

[17] Das heißt, sie verarbeiten Umweltereignisse nach jeweils eigenen Regeln und im Rahmen jeweils eigener Strukturen (vgl. Löffelholz 2000: 194).

[18] Teilsysteme sind zum Beispiel Politik, Verwaltung, Recht, Wirtschaft, Wissenschaft, Journalismus, Familie etc..

[19] Als Input wird der äußere Einfluss auf ein System verstanden. Das Ergebnis interner Verarbeitungsprozesse ist an der Reaktion, dem Output, sichtbar. Allein das System entscheidet, wie es mit Einflüssen umgeht. Solch eine Verarbeitung bleibt im Innern des Systems verborgen, daher auch „black-box“-Verfahren (vgl. Kneer/Nassehi 1997: 21 ff.).

[20] Beispiele möglicher struktureller Kopplungen, Interdependenzen und Interpenetrationen zwischen einem theoretischen Subsystem Risikojournalismus und anderen Teilsystem finden sich ab Punkt 9. ff. in dieser Arbeit.

[21] Für eine Auswahl anderer Leitcodes vgl. exemplarisch Rühl (2000: 77 ff.).

[22] Diese und weitere Leistungen des Journalismus für andere Teilsysteme werden im Zusammenhang mit seiner inneren Struktur (Punkt 6.7) und bei der Beschreibung von Interdependenzen und strukturellen Kopplungen zu anderen Funktionssystemen (Punkt 9. ff.) ausführlicher erläutert.

[23] Die Spannweite erstreckt sich über alle gesellschaftlichen Ebenen, Makro-, Meso- und Mikroebene, gleichermaßen. Beispielsweise von den Risikoentscheidungen im politischen System; Entscheidungen eines Autokonzerns über einen Stellenabbau oder Veränderungen im Sozialgesetz, die beispielsweise nur unverheiratete, schwangere Frauen betreffen.

[24] Vgl. Punkt 6.7.2 dieser Arbeit.

[25] Weil alle Teilsysteme aufgrund der Universalität von Risiko risikoreich sind/Risiko hervorbringen, beziehungsweise Risiko kommunizieren und sozial konstruieren.

Details

Seiten
104
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638525206
Dateigröße
815 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v58278
Institution / Hochschule
Hochschule Bremen – Journalistik und Kommunikationswissenschaften
Note
1,0
Schlagworte
Risikogesellschaft Journalismus Leistungen Funktionen Interdependenzen

Autor

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Titel: Risikogesellschaft und Journalismus - Leistungen, Funktionen, Interdependenzen