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Ökotourismus in den Páramos Ecuadors

Hausarbeit 2005 29 Seiten

Tourismus - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EinLeitung

2. Ecuador
2.1. Die andinen Páramos
2.2. Ökotourismus in Ecuador
2.2.1. Rahmenbedingungen und -Akteure
2.2.2. Definition Ökotourismus

3. Ökotourismus in den Páramos
3.1. Unterkünfte
3.2. Gemeindebasierte Ökotourismusprojekte
3.3. Reiseanbieter

4. Fazit

5. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. EinLeitung

Kaum ein anderes Entwicklungsland hat sich das Label Ökotourismus so auf die Fahnen geschrieben wie Ecuador. Ökotourismus kann eine echte Einkommensalternative für lokale Gemeinden sein und gleichzeitig zur Erhaltung der Biodiversität beitragen – Ökotourismus ist aber auch eine beliebte Marketingstrategie und das Angebot dahinter entspricht nicht immer unbedingt den damit verbundenen ökologischen, soziokulturellen und sozioökonomischen Kriterien. Die Frage ist nun: Erfüllt Ecuador, wenn es mit Ökotourismus wirbt, auch wirklich die Kriterien für Ökotourismus oder folgt es lediglich einer boomenden Marketingstrategie...?

Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist Ökotourismus in den Páramos, d.h. dem Hochland Ecuadors. Diese Region wurde ausgewählt, da sie zum einen landschaftlich überaus reizvoll ist und zum anderen wenig Literatur darüber existiert. Veröffentlichungen über Ökotourismus in Ecuador konzentrieren sich meistens auf Projekte im Amazonasgebiet. Ein Ziel dieser Arbeit ist es, einen möglichst umfassenden Überblick über das Ökotourismusangebot in den Páramos Ecuadors zu vermitteln.

Desweiteren soll untersucht werden, ob der vorhandene Ökotourismus tatsächlich den Kriterien für Ökotourismus entspricht. Diese Zielsetzung ist eine weiterer Grund für die Konzentration auf nur ein Ökosystem, da nur durch diese Eingrenzung eine detaillierte Betrachtung möglich ist. Jedoch kann davon ausgegangen werden, dass die Ökotourismusangebote im Páramo durchaus repräsentativ sind für ähnliche Projekte im ganzen Land.

Nach einer knappen Einführung in das Land Ecuador sowie das Ökosystem Páramo, wird kurz auf Rahmenbedingungen und Definition von Ökotourismus in Ecuador eingegangen, bevor dann die ausführliche Darstellung verschiedener Ökotourismusangebote erfolgt und ein abschließendes Fazit gezogen wird.

2. Ecuador

„Ein ganzer „Kontinent“ voller Naturwunder und magischer Exotik...“ (Feser, 2002, S. 13). Ecuador ist mit einer Fläche von 272.000 Quadratkilometern[1] der kleinste der Andenstaaten und doch gleichzeitig eines der vielfältigsten Länder Südamerikas – sowohl in kultureller als auch geographischer Hinsicht. Die Bevölkerungszahl liegt bei etwa 13 Millionen Einwohnern – darunter 13 verschiedene indigene Stämme des Amazonasgebietes und der Andenregion, Afroamerikaner, Mestizen, Europäer und Asiaten. Eine ähnliche Vielfalt bietet die in vier Regionen unterteilte Landschaft: im Osten das noch wenig besiedelte Amazonas-Gebiet – im Innern das Andenhochland mit bis zu 6.300 m hohen schneebedeckten Vulkangipfeln – im Westen das tropische Küstentiefland – und ca. 1.000 km vom Festland ent fernt, das im Pazifik gelegene Galápagos-Archipel (a.a.O., S. 13). Das Besondere an Ecuador ist, dass – mit Ausnahme von Galapagos – alle diese

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Landschaftsregionen Ecuadors Quelle: Ministerio de Turismo Ecuador

komplett unterschiedlichen Landschaftsformen

nur wenige Autostunden voneinander entfernt liegen. In anderen südamerikanischen Ländern erfordert ein ähnlich kontrastreiches Programm mitunter mehrere Tagesreisen.

Diese Arbeit wird sich geographisch auf die Andenregion, speziell die Páramos konzentrieren, weshalb diese nachfolgend etwas näher beschrieben werden.

2.1. Die andinen Páramos

Als Páramos bezeichnet man die andinen Hochebenen – i.d.R. weite offene Grassteppen mit gelegentlichen Gruppen von Sträuchern in geschützteren Gegenden. In den ecuadorianischen Anden liegen die Páramos i.d.R. auf einer Höhe von 3.500m bis 4.500m über dem Meeresspiegel[2] – wobei sie allerdings in bestimmten Zonen mitunter auch schon bei 2.800m beginnen. Das ist entweder klimatisch bedingt oder die Folge menschlicher Eingriffe.[3] Die Páramos bedecken etwa ein Zehntel der Landesfläche Ecuadors, sind Heimat hunderttausender überwiegend indigener Bewohner, die in kleinen Dorfgemeinschaften von der Landwirtschaft leben und sie stellen ein wichtiges Ökosystem dar. Die klimatischen Bedingungen im Hochland – warme bis heiße Tage und eisige Nächte – sowie die vulkanischen Aktivitäten haben eine Vielzahl interessanter und einzigartiger, endemischer Pflanzenformen hervorgebracht. Typisch sind u.a. grasartige Pflanzen (Páramogras) und Kletterpflanzen – sehr herausragend und bekannt sind die riesigen Frailejones (Mönchspflanzen) im Norden sowie die Polilepsisbäume (Papierbaum-Wälder). Páramos sind ebenfalls der ideale Lebensraum für eine Reihe von Tieren, u.a. Kondore, Lamas, Pumas, Tapire und Bären[4]. Insgesamt sind sie Heimat für mehr als 2000 Pflanzen- und Tierarten[5].

Das Andenhochland ist außerdem ein bedeutsames Wasserreservoir. Der Gras-Páramo dient als natürlicher Filter für sauberes Wasser. Viele kleine Seen sammeln das Regen- sowie das Gletscherschmelzwasser und sichern so die Trinkwasserversorgung der in den Tälern lebenden Bevölkerung (a.a.O.).

Der Páramo gehört zu den – zumindest theoretisch – am besten geschützten Ökosystemen in Ecuador. Vierzehn von insgesamt 35 Schutzgebieten beinhalten Páramo-Landschaften, z.T. sogar als dominantes Ökosystem[6]. Im Laufe der letzten Jahre hat die Diskussion um das Management und den Schutz des Páramos stark zugenommen, da man sich endlich seiner ökologischen und kulturellen Bedeutsamkeit und nicht zuletzt auch seiner touristischen Attraktivität bewusst geworden ist[7].

Diese weiten Hochebenen, aus denen sich dann und wann majestätisch ein gigantischer schneebedeckter Vulkan erhebt, bergen mit ihrer abwechslungsreichen Schönheit ein enormes touristisches und v.a. ökotouristisches Potential. Ecuador hat diese Nische für sich entdeckt und versucht, sich international als die Ökotourismusdestination zu profilieren[8].

2.2. Ökotourismus in Ecuador

2.2.1. Rahmenbedingungen und -Akteure

Aufgrund seiner klimatischen, topographischen, biologischen, ethnischen und kulturellen Vielfalt ist nach Ansicht des ecuadorianischen Tourismusministeriums kaum ein anderes Land so prädestiniert für die Entwicklung von Ökotourismus wie Ecuador (a.a.O.). Das Tourismusministerium betrachtet sich als führend in Bezug auf die nachhaltige Tourismusentwicklung in Südamerika und hat in seinem Leitbild u.a. die Prinzipien einer nachhaltigen Entwicklung des Landes, der Bewahrung der Umwelt und des kulturellen Erbes sowie der Identität Ecuadors und seiner kulturellen Vielfalt fest verankert[9].

Ein weiterer wichtiger rahmengebender Akteur ist die 1991 von einer Gruppe von Geschäftsleuten, Naturschützern und Professoren gegründete Asociación Ecuatoriana de Ecoturismo (ASEC), welche die Harmonie von Tourismus, Naturschutz und Gesellschaft als ihre Mission ansieht und sich ganz der nachhaltigen Entwicklung des Ökotourismus verschrieben hat. Zu ihren derzeit 77 Mitgliedern gehören u.a. lokale Kommunen, Universitäten, Regierungseinrichtungen (z.B. das Tourismusministerium), NGOs, Hotels und Reiseveranstalter. Die ASEC achtet nach eigenen Angaben auf eine sorgfältige Implementierung von Ökotourismus und legt die entsprechenden Verhaltens- und ethischen Richtlinien sowohl für Tourismusanbieter als auch für die Besucher fest (ASEC, 2002).

ASEC und das Tourismusministerium entwickelten gemeinsam die Rahmenbedingungen ökotouristischer Aktivitäten in Ecuador, welche als Reglamento de Ecoturismo y Sostenibilidad (Dekret zu Ökotourismus und Nachhaltigkeit) im Juni 2002 vom Präsidenten Ecuadors verabschiedet wurden[10]. Im Einklang mit diesem Reglamento entwickelte ASEC ebenfalls ein nationales Zertifizierungsprogramm (Programa Nacional de Certificación de Ecoturismo PRONEC) für ökotouristische Anbieter (Beherbergungs-, Verpflegungs- und Transportbetriebe sowie Tourenanbieter). Ziel ist neben der Verteilung dieses Qualitätsgütesiegels gleichzeitig die Förderung der Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung zur Stärkung des Ökotourismus im Zeichen von Partizipation, Gleichberechtigung und Transparenz (ASEC, 2002).

Insgesamt scheinen also grundsätzlich sehr gute Rahmenbedingungen für die Entwicklung von Ökotourismus in Ecuador gegeben zu sein[11] – bleibt noch zu klären, wie Ökotourismus nun eigentlich definiert wird, v.a. aus ecuadorianischer Sicht.

2.2.2. Definition Ökotourismus

Die offizielle ecuadorianische Definition von Ökotourismus ist im bereits genannten Reglamento de Ecoturismo y Sostenibilidad (ASEC, 2002) zu finden und klingt wie folgt:

„Anbieter von Ökotourismus können natürliche oder juristische Personen oder legalisierte Kommunen sein, welche sich bereits durch eine Reihe tourismusbezogener Aktivitäten für die Ausübung von Ökotourismus qualifiziert haben. Ökotourismus ist eine Art des Tourismus in Naturgebieten, die mit dem nationalen Schutzgebietssystem korrespondieren können oder auch nicht, mit der Absicht, die Kultur dort ansässiger lokaler Kommunen und/oder die natürliche Geschichte der sie umgebenden Umwelt kennen zu lernen. Besagte Aktivitäten werden mit der nötigen Vorsicht ausgeübt, um weder die Integrität der Ökosysteme noch der lokalen Kultur zu beeinträchtigen und generieren ökonomische Möglichkeiten für den Schutz der besagten Gebiete sowie die Entwicklung der lokalen Kommunen durch eine verbindliche Übereinkunft zwischen den Kommunen, den involvierten natürlichen und juristischen Akteuren, den Besuchern und dem Staat.“[12]

Davon wird im Reglamento der Naturtourismus wie folgt abgegrenzt:

„Naturtourismus ist die Gesamtheit touristischer Aktivitäten in Naturgebieten, welche Teil des nationalen Schutzgebietssystems sein können oder auch nicht, ohne Partizipation der lokalen Kommunen.“ (a.a.O.)

Etwas kürzer und ohne den Anspruch einer offiziellen Definition beschreibt das Tourismusministerium auch an anderer Stelle sein Verständnis von Ökotourismus, worin sich aber die wesentlichen Elemente ebenfalls widerspiegeln:

„Ökotourismus und seine Varianten konzentrieren sich auf die Bewahrung der Natur und erbringen einen realen Nutzen, bei gleichzeitiger Milderung sozialer und ökologischer Einflüsse sowie einer gerechten Neuverteilung ökonomischer Erträge und fördern dabei aktiv den Schutz und die Partizipation der lokalen Bevölkerung.“[13]

Demgegenüber die Definition von Strasdas (2001, S.6):

„Ökotourismus ist eine Form verantwortungsbewussten Reisens in naturnahe Gebiete, bei dem das Erleben von Natur im Mittelpunkt steht. Ökotourismus minimiert negative ökologische und sozio-kulturelle Auswirkungen, trägt zur Finanzierung von Schutzgebieten oder Naturschutzmaßnahmen bei und schafft Einkommensmöglichkeiten für die lokale Bevölkerung. Indirekt soll Ökotourismus die Naturschutzakzeptanz relevanter gesellschaftlicher Akteure erhöhen.“

Unter Naturtourismus versteht Strasdas „demgegenüber einfach eine Form des Reisens in naturnahe Gebiete, bei dem das Erleben von Natur im Mittelpunkt steht“ (a.a.O.).

Tabelle 1: Gegenüberstellung der Ökotourismus-Definitionen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wie bei der Gegenüberstellung der jeweiligen Definitionen in Tabelle 1 deutlich wird, unterscheiden sie sich – sowohl hinsichtlich ihres Verständnisses von Öko- als auch Naturtourismus - nicht wesentlich voneinander. Die ecuadorianische Definition betont noch etwas stärker die Rolle der lokalen Bevölkerung sowohl als beteiligte Akteure als auch als Destination von Ökotourismus und benennt darüber hinaus insgesamt alle beteiligten Akteure. Strasdas hingegen bezeichnet noch einen anderen, zusätzlichen Aspekt, welcher sich auf die indirekte Erhöhung der Naturschutzakzeptanz relevanter gesellschaftlicher Akteure durch Ökotourismus bezieht. Dies wird von Ecuador nicht explizit als Teil der Definition benannt, jedoch ist davon auszugehen, dass bei einer den erforderlichen Kriterien entsprechenden Implementierung von Ökotourismus dieser Effekt zwangsläufig eintritt.


[...]

[1] entspricht etwa der Fläche der alten Bundesrepublik

[2] bis zur Gletschergrenze

[3] http://www.condesan.org/ppa/Ecuador.htm (Consorcio para el Desarollo Sostenible de la Ecoregión Andina)

[4] http://www.ecuaworld.de/discover/sierra.htm

[5] http://www.ecuador-travel.net/information.biodiversity.ecosystems.paramo.htm

[6] http://www.condesan.org/ppa/Ecuador.htm (Consorcio para el Desarollo Sostenible de la Ecoregión Andina)

[7] http://www.paramosecuador.org

[8] http://www.ecoturismo.gov.ec/paginas/ecoturismo.htm (offiz. Ökotourismus-Seite des Ministerio de Turismo)

[9] http://www.vivecuador.com/html2/eng/about_us.htm (Ministerio de Turismo)

[10] http://www.ecoturismo.gov.ec/paginas/ecoturismo.htm (Ökotourimus-Seite des Ministerio de Turismo)

[11] Natürlich darf das nicht darüber hinwegtäuschen, daß die ecuadorianische Regierung an anderer Stelle stark die Ölförderung unterstützt und damit indirekt massive Umweltzerstörung betreibt, v.a. im Amazonasgebiet. Da hiervon jedoch nicht die Páramos betroffen sind, wird in dieser Arbeit nicht näher darauf eingegangen.

[12] eigene freie Übersetzung – Quelle: http://www.ecoturismo.org.ec/paginas/reglamento.htm (ASEC, 2002)

[13] eigene freie Übersetzung – Quelle: http://www.ecoturismo.gov.ec/paginas/ecoturismo.htm (Ministerio de Turismo)

Details

Seiten
29
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638524346
ISBN (Buch)
9783638665810
Dateigröße
595 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v58166
Institution / Hochschule
Fachhochschule Eberswalde – Fachbereich Wirtschaft und Landschaftsnutzung/Naturschutz
Note
1,3
Schlagworte
Páramos Ecuadors Masterstudiengang Tourismus“

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