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Verbale Beleidigungen unter Frauen in Kolumbien

Hausarbeit 2006 21 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bedeutung der Bezeichnungen
2.1. Bezeichnungen der Karte I (ALEC Band V)
a)puta, gran puta, prostiputa, puta de la calle
b)vagabunda, vagamunda
c)guaricha
d)perra
e)ramera
2.2. Bezeichnungen der Karte II (ALEC Band V)
a)hijueputa, hijuemadre
b)malparida, la malparida
c)quitamaridos, robamaridos
d)ponelona
e)chochona
f)desgraciada
g)coya
h)degenerada
i)desasiada
j)descasadora
k)míchica
l)perra
m)puerca
n)tal
o)malculiada
p)maldita
2.3. Bezeichnungen der Karte III (ALEC Band V)
a)pelona
b)sinvergüenza
c)nochera
d)pendeja
e)culona
f)bandida
g)infeliz
h)arrastrada
i)arrebatamacho
j)arepera
k)verraca

3. Geografische Verteilung

4. Tabubruch
a)Unterstellung von Promiskuität
b)amoralisches Handeln allgemein
c)Infragestellung der Intelligenz
d)Reduzierung auf Körperteile
e)mangelhafte Hygiene
d)weitere

5. Schluss

6. Bibliografie

7. Anhang

1. Einleitung

Zu untersuchender Gegenstand dieser Arbeit sind - unter Verwendung desAtlas Ligüísitco-Etnográfico de Colombia (ALEC)- verbale Beleidigungen unter Frauen in Kolumbien. Die in diesem Atlas verzeichneten Ausdrücke beziehen sich auf das in Kolumbien gesprochene Spanisch zwischen 1956 und 1976. Luis Flórez, Herausgeber des Atlas’ und Chef der Abteilung für Dialektologie amInstituto Caro y Cuervovon Bogotá, legte bei der Befragung besonderen Wert darauf Sprecher der ungebildeten Schicht mit geringer oder gar keiner Schulbildung als auch mit geringem Migrationshintergrund zu befragen. Daher kann davon ausgegangen werden, dass die geäußerten Bezeichnungen mit hoher Wahrscheinlichkeit aus der betreffenden Region bzw. sogar dem betreffenden Ort stammen.

Es ist von Interesse die geografische Verteilung der verbalen Beleidigungen festzustellen als auch Unterschiede in ihrer Verteilung bzw. gleichzeitiges Auftreten verschiedenerinsultoszu untersuchen.

Zu klären ist jedoch zunächst die Bedeutung der verwendeten Beleidigungen. Deninsultoskommt in der Sprache eine besonders affektive Rolle zu: funktional gesehen sind sie unartikulierten Wutausbrüchen sehr ähnlich. Bei der Verwendung von Schimpfwörtern allerdings entschließt sich der Sprecher von konventionell festgelegten Formen der Sprache Gebrauch zu machen[1]. Daher ist zu untersuchen welchem Bereich die verbale Beleidigung zu geordnet werden kann und inwiefern ein Tabubruch stattfindet.

Im Folgenden werden sukzessive die Bedeutungen der in den Sprachkarten I, II und III des Bandes V desALECverzeichneten Beleidigungen unter Frauen in Kolumbien geklärt. Im Weiteren wird die geografische Verteilung unter Berücksichtigung der oben genannten Aspekte untersucht. Abschließend werden diese - unabhängig davon in welcher Karte sie verzeichnet sind - hinsichtlich des Bereiches, in welchen sie fallen, als auch des vorliegenden Tabubruchs gegliedert.

Es ist zu beachten, dass Befragungen in den östlichendepartamentosKolumbiens durchgeführt wurden, die hier in alphabetischer Reihenfolge genannt werden: Antioquia, Atlántico, Bogotá, Bolivar, Boyaca, Caldas, Casanare, Caqueta, Cauca, Cesar, Chocó, Córdoba, Cundinamarca, Guajira, Huila, Magdalena, Meta, Nariño, Norte de Santander, Putamayo, Quindio, Risaralda, Santander, Sucre, Tolima und Valle del Cauca. Die Konzentration auf das östliche Kolumbien lässt sich dadurch erklären, dass 72 % der Gesamtbevölkerung in Ballungsgebieten und Städten hauptsächlich in den Tälern desRío Magdalenaund desRío Caucasowie an der Küste des karibischen Meeres leben.

2. Bedeutung der Bezeichnungen

2.1. Bezeichnungen der Karte I (ALEC Band V)

Folgende Nennungen sind unter Beibehaltung der Reihenfolge der Karte I verzeichnet:puta, gran puta, vagamunda, vagabunda, guaricha, perra, ramera. Weitere, seltenere, Nennungen waren:grandísima puta, puta de la calleundprostiputa.

a) puta, gran puta, prostiputa, puta de la calle

Putaist die Kurzform fürprostituta[2], ‚Prostituierte’. Prostitutastammt aus dem Lateinischenprostituta[3]. Das lateinische Verbprostarebedeutet „Waren zum Kauf anbieten“ oder „zum Kauf ausgestellt sein“[4]. Man bezeichnet heute im Spanischen eine Frau alsputa, die mit ihrem Körper Handel treibt, d.h. sie erbringt gegen Bezahlung eine sexuelle Gegenleistung. Es lässt sich feststellen, dassputazu den höchst beleidigenden und verletzenden Wörtern gezählt wird[5].

Beigran putaundgrandísima putahandelt es sich um Steigerungsformen vonputa. Hiermit ist also eine Frau gemeint, die ihren Beruf noch exzessiver als eine gewöhnlicheputaausübt. Hierdurch steigt selbstverständlich auch der Grad der Beleidigung, wobeigrandísima putaam offensivsten ist.

Prostiputaist eine Wortverschmelzung. Hier werden die relativ neutrale Bezeichnungprostitutaund das abschätzigeputazu einem Wort vereint.

Eineputa de la calleoderputa callejeraist eine ‚prostituta correcalles, ambulante, cantonera o esquinera’[6]. Wie aus der Bezeichnung hervorgeht muss sie an der Straße stehen und auf Freier warten. Sie kann sich nicht einmal eine Unterkunft, in der sie ihren Beruf ausübt, leisten. Somit ist dieputa de la callegleichzeitig die Ärmste unter den Prostituierten als auch die, die am meisten verachtet wird. Dass sie den Beruf der Prostituierten ausübt ist für Jedermann sichtbar, denn sie stellt sich allen zur Schau und hat nicht die Möglichkeit ihren Beruf im Verborgenen auszuüben. Sie hat auf Grund ihrer Bedürftigkeit auch weniger die Möglichkeit sich die Freier auszusuchen bzw. hohe Preise zu verlangen und wird daher mehr noch als die gewöhnliche Prostituierte mit Unreinheit und Schmutz konnotiert.

b) vagabunda, vagamunda

Alsvagabundawird eine Person bezeichnet, „que anda de un lugar a otro, sin tener oficio ni domicilio determinado“[7]. Auch hier kann ein sexueller Bezug hergestellt werden: es könnte sich um eine Frau handeln, die sozusagen von Mann zu Mann zieht. Sie tut dies allerdings im Gegensatz zurprostitutaunentgeltlich.

Beivagamundahandelt es sich um eine Zusammensetzung des Verbesvagar‚ ‚ir pro un lugar sin rumbo fijo’[8], und des Substantivsmundo,‚die Welt’. Wie beivagabundahandelt es sich also um eine Frau, die herumstreift.

c) guaricha

Alsguarichabezeichnet man eine „mujer que suele acompañar a los soldados”[9]. Es handelt sich hierbei um eine allein stehende Frau, Liebhaberin oder Konkubine.

d) perra

Neben seiner Bedeutung‚Hündin’hatperradie Bedeutung ‚prostituta’[10]. Es bezeichnet auch eine „mujer disoluta“[11]. Eine ähnliche Entwicklung hat im englischsprachigen Raum stattgefunden, in dem die Bezeichnungbitch, ‚Hündin’, mittlerweile die gleiche Bedeutung wie das spanischeperragewonnen hat.

e) ramera

Ramerahat die Bedeutungen: 1. „mujer que por oficio tiene relación carnal con los hombres“, 2. [...] mujer lacsiva. In beiden Fällen handelt es sich um eine Frau, die sexuell freizügig ist.

Bereits im Kastilischen des 15. Jahrhunderts gab es diese Bezeichnung. Alonso de Palencia unterscheidet in seinemUniversal Vocabulariozwischenrameraundprostíbula:”[…] meretrix tiene esta diferecia de prostíbula: que meretrix, que es ramera, no es tan pública y gana más ocultamente. La prostíbula es mundaria, está de día y de noche ante su botica presta a todos.”[12]Bereits damals warrameraein Terminus, der auf das schlechte Ansehen der Frau auf die er sich bezog, verwies. Auch bei Cervantes tauchtramerain diesem Sinne auf: “Acabó de confirmar D. Quijote que estaba en algun famoso castillo, y que le servían con música, y que el abadejo eran truchas, el pan candial, y las rameras damas.”[13]

Bezüglich der Etymologie lassen sich verschiedene Vermutungen anstellen. Möglicherweise kommtrameravom lateinischenramus,‚miembro viril, o pene.’ Covarrubias gibt inTesoro de la Lenguavon 1916 allerdings eine andere Erklärung: “…sobre unas estacas armaban sus choçuelas y las cubrían con ramas, de donde se dixeron rameras.”[14]Eine ähnliche Interpretation findet sich imDiccionario Crítico Etimológico, in welchem gesagt wird, dassrameraverwendet wird, da man den Frauen dort, wo sie ihren Beruf im Verborgenen ausübten, einen Blumenstrauß vor die Tür legte.[15]

[...]


[1] José Joaquin Montes Giraldo: Estudios sobre el Español de Colombia, Instituto Caro y Cuervo,
Bogotá 1985, 336.

[2]F. Hernández Castanedo:Glorsario de la Mala Palabra, Madrid: Avapiés, 198.

[3]Pancracio Celdrán,Inventario General de Insultos, Madrid: Ediciones de Prado, 1995, 271.

[4]Rita Hau:PONS, Wörterbuch für Schule und Studium, Lateinisch-Deutsch, Stuttgart, Düsseldorf, Leipzig: Klett 1986, 833.

[5]Celdrán,Inventario General de Insultos, 274.

[6]Castanedo,Glorsario de la Mala Palabra, 202.

[7]Real Academia Española: http://buscon.rae.es/diccionario/drae.htm (10.04.2005).

[8]Juan Gutiérrez Cuadrado:Diccionario Salamanca de la lengua española, Madrid: Santillana, 1996.

[9]Real Academia Española: http://buscon.rae.es/diccionario/drae.htm (10.04.2005).

[10]Castanedo,Glorsario de la Mala Palabra, 190.

[11]Delfín Carbonell Basset:Gran Diccionario del Argot: El Sohez, Barcelona: Larousse, 2000, 572.

[12]Celdrán,Inventario General de Insultos, 289.

[13]Celdrán,Inventario General de Insultos, 280.

[14]ebd.

[15]ebd..

Details

Seiten
21
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638523349
ISBN (Buch)
9783638873017
Dateigröße
552 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v58032
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg – Romanisches Seminar
Note
1,0
Schlagworte
Verbale Beleidigungen Frauen Kolumbien Einführung Sprachgeografie

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