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Analyse des Films "Ronja Räubertochter"

Seminararbeit 2006 22 Seiten

Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. „Ronja Räubertochter“: Erinnerungen an einen
beeindruckenden Film

3. Filmanalyse
3.1 Die Rolle Astrid Lindgrens bei der Entstehung des
Filmes „Ronja Räubertochter“
3.2 Die Filmmusik
3.3 Filmische Darstellung einer mittelalterlichen Atmosphäre – die
visuelle Inszenierung des Mittelalters und ihren mystischen Wesen
3.4 Inhaltliche Analyse/Rollenverteilung

4. Zusammenfassung

5. Schlusswort

6. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Astrid Lindgren war nicht nur erfolgreiche Kinderbuchautorin, sie schrieb auch die zahlreichen Drehbücher für ihre Buchverfilmungen. Ein besonders erfolgreicher und beliebter Spielfilm ist „Ronja Räubertochter“. Das ist nicht nur mein Eindruck, sondern entspricht auch der Bewertung vieler Menschen. So konnte bei einer Umfrage im Seminar „Lieblingsfilm/Lieblingssendung. Seminar zu Medienbiographie und Medienrezeption“[1] der Film in der Kategorie beliebteste Kinder/Jugendfilme die meisten Stimmen auf sich vereinen. Bei Gesprächen mit Freunden stieß ich ebenfalls immer wieder auf positive Resonanz zu dem Film, er war bei vielen mit schönen Erinnerungen an die Kindheit verbunden. Recherchiert man im Internet mit seinen zahlreichen Filmforen und Userbewertungen, kommt man zu ähnlichen Ergebnissen. So schreibt z.B. Melli, eine Userin einer Filmkritikendatenbank:

„Wahnsinn! Selten habe ich einen Film gesehen, der ein Buch so erstklassig und vor allem 1:1 umgesetzt hat. Man ließt das Buch von Astrid Lindgren, sieht den Film und denkt: „Ja, genau so habe ich mir das vorgestellt.““[2]

Meine eigene Einstellung, sowie die positiven Reaktionen haben mich veranlasst, zu untersuchen was den Film so erfolgreich gemacht hat, bzw. wieso er auf viele Menschen positiv wirkt. Warum ist gerade dieser Film in den Gedächtnissen vieler stark verankert?

Als Ausgangspunkt für die Untersuchung werde ich meine eigenen Erinnerungen nehmen, bevor ich „Ronja Räubertochter“ genauer analysiere. Aus diesen beiden Teilen werde ich dann Rückschlüsse auf die Besonderheiten des Films ziehen, um die Fragen beantworten zu können.

2. „Ronja Räubertochter“: Erinnerungen an einen beeindruckenden Film

Der Film „Ronja Räubertochter“ war und ist in meinem Leben immer, wenn auch nur latent, ein bedeutsamer Film gewesen. Festgestellt habe ich das jedoch erst, nachdem ich mich im Laufe des Seminars stärker mit ihm auseinandergesetzt habe. Nachdem ich diesen Film bestimmt über zehn Jahre nicht mehr gesehen hatte, kam es durch einen Zufall zu einem abermaligen Ansehen. Ich erinnerte mich zu meinem Erstaunen schon vor dem Sehen an viele Szenen, viele Bilder, und auch Melodien waren mir über den langen Zeitraum im Gedächtnis geblieben, sodass ich während des Filmes anfing die Melodien mitzusummen, Szenen mitzusprechen oder mich auf Ausschnitte schon vorher zu freuen. Verblüffenderweise hatte der Film keineswegs an Emotionalität verloren, ich fühlte mich plötzlich in meine Kindertage zurückversetzt, fühlte die Spannung, Trauer, Freude, Angst usw. Ich bemerkte plötzlich, dass ich über Jahre Textstücke immer wieder in meinem Alltag verwendet hatte, ohne mich ganz bewusst an den ganzen Film zu erinnern, geschweige denn mir seiner Bedeutung bewusst zu werden. So waren es zum Beispiel Szenen mit den Wilddruden, als auch mit den Rumpelwichten, die ich, besonders mit meinen Geschwistern, des Öfteren rezitierte („Wirrr krrriiiegen euch!“ oder etwa „Wiesu denn bluß?“). Diese Figuren zeichneten sich durch ihren besonders märchenhaften, beziehungsweise mystischen Charakter aus, sie hatten einen Sprachfehler, respektive eine besondere Art zu sprechen. Dass meine Geschwister und ich so von diesen Figuren beeindruckt waren, liegt meiner Meinung nach zum Teil an der gruseligen, und doch menschennahen Darstellung (Wilddruden), im Falle der Rumpelwichte eher an dessen wirklich niedlichen Sprachfehler als auch ihrer Naivität, die einem diese Figuren gleich sympathisch(er) machte. Diese Wesen waren zwar nur ein Teil des Filmes, sind jedoch besonders in meinem Gedächtnis verankert.

Eine weitere Rolle spielten, wie auch schon oben erwähnt, die Melodien des Films. An sie konnte ich mich ebenfalls sehr gut erinnern. Sie waren einfach mitzusummen, trotz, oder vielleicht auch wegen ihrer Einfachheit so eindringlich. Zudem tauchten sie immer wieder auf, sodass die Melodien einen hohen Widererkennungswert haben. Neben diesen Aspekten ist jedoch auch zu bemerken, dass diese Filmmusik den Film atmosphärisch sehr schön unterstreicht und sie für mich damals wie heute den subjektiven Eindruck der herrschenden Stimmungen verstärkte.

Nicht zuletzt spielte aber auch das Leben und die Freiheit der Kinder in einer unberührten Natur eine Rolle. Da ich in direkter Nähe zu einem großen Wald aufgewachsen bin und mit meinen Geschwistern einen Großteil meiner Freizeit in demselben verbracht habe, konnte ich mich sehr gut in die Lage Ronjas und Birks versetzen. Die Vorstellung einen Sommer lang in einer Höhle im Wald zu leben war für mich mehr als abenteuerlich und entsprach, ebenso wie das mittelalterliche Leben, einer meiner Kindheitsphantasien. Auch wir bauten Höhlen im Wald, durften allerdings höchstens mal in unserem Garten im Zelt übernachten. Aber auch das Räuberleben im Besonderen spielte eine große Rolle in meiner Phantasie. Ein solches Leben in völliger Unabhängigkeit und ständigem Abenteuer erschien mir in dieser Zeit wirklich erstrebenswert, zumindest für eine kurze Zeit. Da „unser“ Wald diese Qualitäten der unendlichen Weite, der Wildnis und des Abenteuers nicht bieten konnte, liegt es nur nahe, in der Geschichte „Ronja Räubertochters“ aufzugehen und sich diesen Film als Realitätsersatz zu suchen. Er beschrieb und zeigte einfach Träume meiner Kindheit, die ich nicht leben konnte (in der Realität aber bestimmt nicht wirklich leben wollte). Dazu beigetragen hat für mich die authentische und, gemessen am Roman als Vorlage, detailtreue Darstellung der Geschichte Astrid Lindgrens durch die Schauspieler, die ja in zwei Hauptrollen Kinder und bei meinem erstmaligen Sehen nur wenig älter als ich waren. Dies schuf noch zusätzliche Identifikation, entsprach aber auch in der Umsetzung meiner damaligen Vorstellung des Romans, den ich vorher gelesen hatte. Da ich fast alle Kinderbücher von Astrid Lindgren kannte und schon damals ein begeisterter Fan war, soweit man das in dem Alter von ca. 8 Jahren schon sagen kann, überzeugte mich diese detailgetreue und atmosphärische Darstellung.

Zusammengefasst lassen sich also fünf Faktoren bestimmen, die diesen Film für mich zu einem besonders einprägenden Film machten: 1. Die Detailtreue der Darstellung verglichen mit dem Roman (die Rolle Astrid Lindgrens bei der Entstehung), 2. die einprägsamen Melodien und die atmosphärische Filmmusik (Filmmusik), 3. die Wiedergabe meiner eigenen Phantasien/Vorstellungen des Mittelalters/Räuberlebens (filmische Darstellung einer mittelalterlichen Atmosphäre), 4. die Mystik der märchenhaften Figuren und ihre Darstellung (filmische Darstellung einer mittelalterlichen Atmosphäre), sowie 5. die Kinderdarsteller als Identifikationsfiguren und die Natur in der sie leben (inhaltliche Analyse/Rollenverteilung). Punkt 2 und 5 sprechen für sich, Punkt 3 und 4 überschneiden sich, weshalb ich diese Punkte zusammengefasst habe. Bei Punkt 1 werde ich kurz die Rolle Astrid Lindgrens bei der Entstehung beschreiben, da ihr Wirken nicht unerheblich zur Entstehung beigetragen hat und der Film ihre Handschrift trägt. Aus diesen vier Analysepunkten (die Rolle Astrid Lindgrens bei der Entstehung, Filmmusik, filmische Darstellung einer mittelalterlichen Atmosphäre, inhaltliche Analyse/Rollenverteilung) werde ich dann die Schlüsse für den Erfolg des Filmes bei Kindern (und auch Erwachsenen) ziehen.

[...]


[1] Fand im Wintersemester 05/06 an der Universität Bremen im Fachbereich Kulturwissenschaft unter Leitung von Irmbert Schenk statt.

[2] Vgl.: http://www.moviesection.de/v3/filme/1222/Ronja_Raeubertochter/ am 12.03.06

Details

Seiten
22
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638522472
ISBN (Buch)
9783638662710
Dateigröße
527 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v57933
Institution / Hochschule
Universität Bremen – Kulturwissenschaft
Note
2 +
Schlagworte
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