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Alfred Thayer Mahans Konzept von Sea Power

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 25 Seiten

Geschichte - Amerika

Leseprobe

Gliederung

Einleitung

1. Biographisches über Alfred Thayer Mahan

2. Das Konzept “sea power
2.1 Definition des Begriffs „ sea power“
2.2 Mahans Argumentation für Seapower
2.3 Mahans sechs Bedingungen für „ sea power
2.4 Mahans Empfehlungen

3. Mahans Einfluss

4. Bibliographie

Einleitung

Alfred Thayer Mahan, dieser Name ist untrennbar verknüpft mit dem Ausbau der US Navy zu einer Kriegsflotten „ second to none “ und der Entwicklung der USA zu einer Weltmacht. Seine bekannteste Publikation, The Influence of Seapower upon History wird zu den einflussreichsten Werken der amerikanischen Geschichte gezählt. Sein Gesamtwerk wird mit dem von Clausewitz verglichen. Er gilt als „Prophet“ amerikanischer Stärke.

Er ist Marineoffizier in der US Navy, als er beginnt sich mit sicherheitspolitischen Fragen zu befassen. Seine Analyse des Einflusses der Seemacht auf die Geschichte führt ihn zu der Ansicht, dass die US Navy die Sicherheit Amerikas in Zukunft nicht mehr gegenüber expansionistischen Staaten aus Europa und Asien garantieren kann. Er fordert eine Verstärkung der amerikanischen Seemacht. Im Zuge seiner Lehrtätigkeit am Naval War College entwickelt er ein System, mit dem er die Fähigkeiten von Staaten bestimmen kann, Seemacht zu entwickeln. Anhand dessen stellt er einen Maßnahmenkatalog zusammen, der die USA zu mehr Seemacht geleiten soll. Durch seine guten Verbindungen zu Politikern, im Besonderen zu Theodore Roosevelt, und seiner regen publizistischen Tätigkeit wird Mahan ein großer Einfluss auf die amerikanische Außenpolitik nachgesagt. In dieser Arbeit möchte ich seine Theorie und seinen Maßnahmenkatalog beschreiben und herausstellen, warum Mahan so großer Einfluss auf die amerikanische Geschichte nachgesagt wird. Ich bewege mich dabei sehr eng am seinen Originaltexten, um seine Sprache und seine Argumentationsweise zu verdeutlichen. Dazu erläutere ich im ersten Teil kurz seine Einflüsse, sowie seine Verbindungen zu wichtigen Personen in der Politik mit Hilfe seiner Biographie. Im zweiten Teil erkläre ich sein Konzept „sea power“ und stelle seine Analysekriterien und die Empfehlungen, die er der amerikanischen Regierung gibt, vor. Im letzten Teil

fasse ich die Ergebnisse zusammen und stelle dar, wie Mahans Einfluss zu Stande kam.

1. Biographisches über Alfred Thayer Mahan

Alfred Thayer Mahan wurde am 27. September 1840 in West Point geboren. Sein Vater, Dennis Hart Mahan, war Professor für Zivil- und Militäringenieurskunst an der Military Academy in West Point und war irischen Ursprungs. Seine Mutter hatte englische und französische Wurzeln. Er selbst bezeichnete sich als ½ irisch, ¼ englisch und ¼ französisch. Da er sich seit frühester Jugend für die Seekriegsgeschichte interessiert hatte, entschied er sich trotz Abraten seines Vaters für eine Kariere als Marineoffizier. 1856 wurde er in die Naval Academy aufgenommen. Die guten Verbindungen seines Vaters ermöglichten ihm dies.

Die ersten zwei Jahre seiner Ausbildung fanden an Land statt. Dort wurden auch verstärkt gesellschaftliche Formen gelehrt, „ Naval officers should know how to dance[1]. Er übersprang eine Klasse und wurde 1859 als midshipman[2] auf die Fregatte „Congress“ kommandiert, mit der er zwei Jahre vor Rio und Montevideo kreuzte. Zu Beginn des Bürgerkriegs entschied er sich für die Sache der Nordstaaten. Er diente von 1861-62 auf der Dampfkorvette „Pocahontas“, die an der Blockade der Südstaaten teilnahm. Die Eintönigkeit dieser Zeit brachte er folgendermaßen auf den Punkt: „ I have never seen a body of intelligent men reduced so nearly to imbecility as my shipmates then were.“[3] Darauf folgte eine weitere achtmonatige Ausbildungszeit am Naval College. Von 1863-65 fuhr er als Leutnant auf der Segelfregatte „ Macedonian “ nach Europa und besuchte u.a. Plymouth und Cherbourg. Einer seiner Offizierskameraden war der spätere Admiral Sampson. Nach einem weiterem Jahr Blockadedienst auf der „ Seminole “ wurde er in den Stab des Admirals Dalhgreen, des Oberbefehlshabers des südatlantischen Blockadegeschwaders, versetzt. Im Zuge dieser Tätigkeit machte er in Savannah die Bekanntschaft General Shermans. Er überbrachte ihm ein Grußschreiben seines Vaters, dessen Schüler Sherman in West Point gewesen war. Auf einer Reise nach Haiti ergriff ihn 1865 ein schweres Fieber, so dass er erst 1866 auf die „ Seminole “ zurückkehren konnte. Was nun geschah, hatte einen tiefgreifenden Einfluss auf seine Persönlichkeit. Die amerikanische Marine wurde nach dem Bürgerkrieg volle 20 Jahre nicht mehr modernisiert. Noch 1885 fuhr man die alten Segelschiffe, während die Royal Navy in hoher Stückzahl neue Kriegsschiffe in Dienst stellte, die schon mit Schrauben und Dampf betrieben waren.[4] Mahan bezeichnet den Zustand der US Navy als völligen Kollaps und die Marine selbst als „ quaker navy[5], brauchbar nur um sich selbst zu betrügen[6].

Zwischen 1867 und 1869 tat er Dienst als erster Offizier auf der Dampfkorvette „ Iroquois “. Sie war auf einer Ostasienmission. Im Zuge dieser Reise besuchte er Hong Kong und zahlreiche andere chinesische und japanische Häfen und nahm an der Niederschlagung eines Daimyo-Aufstandes in Japan 1868 teil. In den folgenden zwölf Jahren geschah wenig. Er war die meiste Zeit beschäftigungslos. Wie die Navy brachlag, ging es auch ihm. Das änderte sich als William E. Chandler 1882 Secretary of the Navy wurde. Er initiierte die Gründung des Naval War College (NWC) 1884. Es sollte die Offiziere der US Navy auf die neuen Anforderungen des Maschinenzeitalters vorbereiten. In diese Zeit fällt Mahans erste Publikation. „ The Gulf and Inland Waters “ behandelt die Aktivitäten der Navy im Sezessionskrieg. Mit diesem Werk machte er den ersten Präsidenten des NWC, rear admiral[7] Stephen B. Luce auf sich aufmerksam. Die Anfrage, ob er gewillt sei, als Lehrer für Seekriegsgeschichte und Seetaktik am NWC werden wolle, erreichte ihn, als er Kommandant eines Kanonenbootes war. Den Dienst auf diesem Schiff hielt er für wenig sinnvoll, da das Schiff und das übrige Material in seinen Augen völlig veraltet waren. Die Entscheidung viel ihm daher leicht.

Dies wird gemein hin als Wendepunkt in seinem Leben gesehen. Die ersten Jahre im NWC waren nicht einfach. Die Institution hatte mit dem Widerstand konservativer Kreise in der Navy zu kämpfen und war schlecht ausgestattet. Es gab für das riesige Gebäude lediglich eine einzige Leselampe. Die Bücher in der Bibliothek vergleicht er mit den bekannten „quaker guns“. Die Vorträge begannen 1886 unter der Präsidentschaft Mahans. Admiral Luce hatte ein Bordkommando angenommen. Trotz diverser Probleme mit Vorgesetzten setzte Mahan seine Lehrtätigkeit bis 1893 fort. In dieser Zeit veröffentlichte er zwei Werke, sein bekanntes Erstlingswerk „ The Influence of Seapower upon History 1660-1783 “ und das Nachfolgewerk „ The Influence of Seapower upon the French Revolution and Empire 1783-1812 “.

1893 wurde er, trotz seiner Bitte weiter lehren und schreiben zu dürfen[8], als Kommandant auf den Kreuzer „ Chicago “ kommandiert. Die „ Chicago “ war das Flaggschiff für die europäische Station. Mahan war zu diesem Zeitpunkt in Europa schon sehr bekannt und die Begeisterung, mit der er dort empfangen wurde, war für ihn überraschend. Er wurde von der britischen Königin empfangen und erhielt zahlreiche akademische Titel, u.a. Ehrendoktortitel der Universitäten Oxford und Cambridge. Durch das Echo seiner Arbeiten im Ausland stieg auch sein Ansehen im eigenen Land, so dass er vom Zeitpunkt seiner Rückkehr nach Newport an bis zu seiner Pensionierung 1896 weiter am NWC lehren konnte. Biographien über Admrial Farragut und Lord Nelson erschienen 1893 und 1897. Für den spanisch-amerikanischen Krieg 1898 wurde er reaktiviert und diente als Berater im operativen Stab der Marine. Seine internationale Anerkennung war mittlerweile so groß, dass er 1902 zum Präsidenten der amerikanischen historischen Gesellschaft ernannt wurde. Es folgten „ Types of Naval Officer “ 1902 und “Sea Power in its Relations to the War of 1812” 1905. 1906 wurde er zum rear admiral befördert. Auch die amerikanischen Universitäten Yale, Harvard und Columbia verliehen ihm nun Ehrengrade. Er war in den USA ein hoch geachteter Mann, der glänzende Beziehungen zu wichtigen Politikern und Personen des öffentlichen Lebens unterhielt. Er veröffentlichte zahlreiche Artikel in populären Tageszeitungen und Journalen und führte einen langen Briefwechsel mit Theodore Roosevelt.[9] Sein Hauptanliegen war es, die „ sea power “ der USA zu stärken und sie zu einer offensiveren Außenpolitik zu führen. Bis zu seinem Tod erschienen noch: „ From Sail to Steam “ 1907, „ Naval Administration and Warfare “ 1908, „ The Interest of America in International Conditions “ 1910, Naval Strategy “ 1911 und Armaments and Arbitration “ 1912. Sein Werk kann in zwei Bereiche unterteilt werden. Der erste umfasst seine Tätigkeit als Historiker und Seekriegstaktiker, der zweite seine Tätigkeit als sicherheitspolitischer Vordenker und Geostratege. Seine Schriften können jedoch nicht immer eindeutig dem einen oder anderen Bereich zugeordnet werden, da er sich häufig in Vorworten oder Noten zu sicherheitspolitischen Fragen äußert.

Am 1. Dezember 1914 stirbt Alfred Thayer Mahan im Alter von 74 Jahren. Im gerade begonnenen Ersten Weltkrieg sollten seine seekriegstaktischen Überlegungen große Bedeutung bekommen.

2. Das Konzept “sea power

2.1 Definition des Begriffs „ sea power“

Der Einfluss von „ sea power “ auf die Geschichte ist ein Kernbestandteil seines Werkes. Daher erläutere ich zuerst diesen Begriff. „ Sea power “ ist nicht ohne weiteres ins Deutsche zu übersetzen. Dafür werden die Begriffe „Seemacht“ und „Seegeltung“[10] verwendet. Doch sie werden seiner Bedeutung nicht gerecht. Tatsächlich beschreibt „ sea power “ die gesamten Fähigkeiten einer Nation, seine Interessen auf See mit friedlichen und militärischen Mitteln durchzusetzen. Ich verwende daher seinen Originalbegriff „ sea power “. Die schiere physische Stärke einer Seekriegsflotte ist nur ein Teil von „ seapower “, dazu gehören auch „ the peaceful commerce and shipping from which alone a military fleet naturally and healthfully springs, and on which it securely rests[11] Diese beiden Aspekte sind aber nicht strikt voneinander getrennt, sie überlappen sich[12]. Er sieht die See als sehr effektiven Verkehrsweg, der einen kostengünstigen Handel zwischen Ländern und Kontinenten ermöglicht. Eine Seekriegsflotte existiert für Mahan aus zwei Gründen: Sie kann den Handel über See vor feindlichen Flotten und Piraten schützen, oder Sie gibt einer aggressiven Nation die Möglichkeiten die Handelsschiffe des Gegners angreifen. Hiermit begründet Mahan den Verfall der US Navy nach dem Bürgerkrieg: “As the Unitied States has at present no aggressive purposes, and its merchant service has diappeared, the dwindling of the armed and general lack of interest in it are strictly logical consequences “.[13]

[...]


[1] Diesen Auspruch von Horatio Nelson soll er in einem Brief nach Hause zitiert haben. Gefunden in:

Biographisches über Mahan, Sein Werdegang als Historiker und Schriftsteller, in Marine-Rundschau, Oktober 1908, S. 1132.

[2] Dieser Rang entspricht in etwa dem des Fähnrichs in der Bundesmarine, also der niedrigste Offiziersgrad.

[3] Gefunden in:

Biographisches über Mahan, Sein Werdegang als Historiker und Schriftsteller, in Marine-Rundschau, Oktober 1908, S. 1132.

[4] Letztendlich ist für die US Navy kein Schaden daraus entstanden, an diesem Wettlauf nicht teilgenommen zu haben. In der Zeit von 1850-90 ist sehr viel mit neuen Konzepten für Kriegsschiffe experimentiert worden. Die Segel wurden weggelassen; verschiedene Anordnungen der Geschütze in Türmen, Kasematten oder auf Lafetten mit Rädern im traditionellen Sinn wurden ausprobiert. Auch wurde die Panzerung ständig verstärkt, was wiederum neue, stabilere Rümpfe mit mehr Tiefgang erforderte. Erst ab 1890 begann sich ein Riss durchzusetzen: niedrige Silhouette, die schweren Geschütze auf drehbare Türmen und Kasematten verteilt und eine verstärkte Panzerung im Bereich des Mittelschiffs und den Aufbauten. Der Stapellauf der HMS Dreadnought ließ 1906 schlagartig alle vorher gebauten Kriegsschiffe veralten. Ab diesem Zeitpunkt zählte nur noch, wie viele Dreadnoughts ein Staat besaß. Sie verfügte über weitere Neuerungen. Die Hauptartillerie war einheitlich eines Kalibers und nur noch in den drehbaren Türmen eingebaut (all big gun design). Die leichteren Geschütze befanden sich in Kasematten. Dazu kam eine Ehrfurcht gebietende Panzerung von bis zu 28 cm Stärke an den Aufbauten, dem Oberdeck und den Geschütztürmen. Außerdem besaß sie als erstes Großkampfschiff eine Dampfturbine. Sie war also zu diesem Zeitpunkt schwerer bewaffnet, besser zu bedienen, stärker gepanzert und dazu mit 24 Knoten auch noch schneller als alle anderen Kriegsschiffe. Wie viele Schiffe eine Marine besaß, die nicht ihre Standards hatte, war egal. US Navy begann erst im letzten Jahrzehnt des 19.Jh. mit dem Bau von Großkampfschiffen. Sie nahm also nicht Teil an dem Ausprobieren der verschiedenen Konzepte, war aber von dem Moment an dabei, als sich das beste Konzept durchgesetzt hatte

[5] Benannt nach den sogenannten „quaker guns“; Kanonenattrappen, die aus Baumstämmen hergestellt wurden um den Gegner zu täuschen.

[6] Zitiert nach: Biographisches über Mahan, Sein Werdegang als Historiker und Schriftsteller, in Marine-Rundschau, Oktober 1908, S. 1133.

[7] Entspricht dem deutschen Konteradmiral, quasi der zweitniedrigste Flaggoffizier.

[8] Seine Bitte wurde mit den Worten abgelehnt: „It is not the Business of a naval officer to write books.“

vgl.: Kurt Fischer: Admiral Mahan: Weltpolitik zur See, in: Marine Rundschau 1973, Heft 3, S. 129-137.

vgl.: Kurt Fischer: Admiral Mahan: Weltpolitik zur See, in: Marine Rundschau 1973, Heft 3, S. 129-137.

[9] Roosevelt – Mahan Correspondence, in: Turk, Richard W.: The Ambigious Relationship. Theodore Roosevelt an Alfred Thayer Mahan, New York, Westport, London 1987, S. 109-172.

[10] Vgl: Biographisches über Mahan, Sein Werdegang als Historiker und Schriftsteller, in Marine-Rundschau, Oktober 1908. und Kurt Fischer: Admiral Mahan: Weltpolitik zur See, in: Marine Rundschau 1973, Heft 3, S. 129-137.

[11] Alfred Thayer Mahan: The Influence of Seapower upon History, Boston 1894, S. 28.

[12] Stefan Fröhlich: Amerikanische Geopolitik. Von den Anfängen bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs, Landsberg am Lech 1998, S. 51f.

[13] Alfred Thayer Mahan: The Influence of Seapower upon History, Boston 1894, S. 26.

Details

Seiten
25
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638521727
ISBN (Buch)
9783638693820
Dateigröße
627 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v57845
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Historisches Seminar, Anglo-Amerikanische Abteilung
Note
2,0
Schlagworte
Alfred Thayer Mahans Konzept Power Imperialismustheorien Außenpolitik

Autor

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Titel: Alfred Thayer Mahans Konzept von Sea Power