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Eine Beschreibung des Arbeitsfeldes Sucht in der Sozialen Arbeit

Seminararbeit 1999 13 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Was ist Sucht
1.1 Der Süchtige und sein soziales Umfeld
1.2 Die psychologischen Ursachen der Sucht
1.3 Das Erkennen der Sucht durch den Süchtigen

2. „Kontaktstelle für Süchtige*“ - Eine auf dem Arbeitsfeld der Sucht tätige Institution
2.1 Die institutionellen Rahmenbedingungen
2.2 Die Aufgaben und Ziele der Beratungsstelle
2.2.1 Die Zielgruppe
2.2.2 Die Ziele
2.2.3 Die Beratung und Behandlung
2.2.3.1 Die Kontaktphase
2.2.3.2 Die Motivationsphase
2.2.3.3 Die ambulante Rehabilitation
2.2.3.4 Die Nachsorge
2.2.4 Die Betreuung und die lebenspraktische Begleitung
2.3 Die Aufgaben der Sozialarbeiterin

3. Die kritische Auseinandersetzung mit den Ergebnissen des

Literaturstudiums und des Interviews

* Name der Einrichtung geändert

1. Was ist Sucht

Sucht ist ein zwanghafter Drang, bestimmte Handlungen auszuführen, die die Freiheit des Verhaltens einschränken und auch dann nicht aufgegeben werden können, wenn die Handlungen zu schweren körperlichen und seelischen oder sozialen Beeinträchtigungen führen.

Es wird zwischen stoffgebundenen und stoffungebundenen Süchten unterschieden.

Die stoffgebundene Sucht beinhaltet ein krankhaftes Verlangen nach Mitteln zur Erzeugung von bestimmten Gefühls- und Erlebniszuständen. Diese können sich in Euphorie, Leistungssteigerung, Halluzination und Schlafzuständen ausdrücken. Über einen bestimmten Zeitraum werden häufig oder regelmäßig diese Mittel eingenommen. Das Suchtmittel wird mit der Zeit in die regulären Stoffwechselvorgänge eingebaut, was den Konsument zur weiteren, immer höher dosierten Einnahme treibt. Abgesehen von der Angst vor den Entzugserscheinungen ist das seelische und körperliche Wohlbefinden vom Suchtstoff abhängig. Da es beim Absetzen des Stoffes zu Entzugserscheinungen kommt, ist der Süchtige bestrebt, sich unter allen Umständen das Suchtmittel zu beschaffen. Seine Persönlichkeit verändert sich und er gefährdet sich und seine Mitmenschen.

Bei der stoffungebundenen Sucht werden bestimmte Verhaltensweisen zwanghaft ausgeführt und wiederholt, ebenfalls um bestimmte Erlebniszustände zu erlangen. Eine Abhängigkeit besteht wie bei der stoffgebundenen Sucht auch.

Am verbreitetsten sind die Suchtmittel Alkohol, Nikotin, Medikamente und andere Drogen.

Neben den häufigen stoffungebundenen Süchten wie Bulimie (Ess-/ Brechsucht), Anorexie (Magersucht) und Glücksspielsucht treten immer häufiger Computer-, Fernseh-, Kauf-, Ordnungs- und Risikosucht auf.

Anfänglich nimmt der Süchtige nur hin und wieder das Suchtmittel zu sich. Es vermittelt ihm ein angenehmes Gefühl. Nach einer gewissen Zeit nimmt er es gezielt ein, um gewisse Stimmungsschwankungen auszugleichen und ein angenehmes Gefühl zu bekommen. Größere Dosierungen werden notwendig. Was unbemerkt von dem Betroffenen selbst und seinen Angehörigen begann, zieht jetzt negative Folgen nach sich. Diese nimmt der Süchtige in Kauf und wehrt die Einsicht ab, dass er abhängig ist. Seine Selbstwahrnehmung ist verzerrt. Um die negativen Gefühle zu bekämpfen, die aus der Sucht entstanden sind und um Schmerzen durch Entzugserscheinungen zu vermeiden, braucht er das suchterzeugende Mittel. Diese Entzugserscheinungen sind ein Hinweis auf Sucht. Ebenso der körperliche und seelische Verfall der süchtigen Person und das Auflösen seiner sozialen Bindungen. Der Mensch lebt dann nur noch für seine Sucht, alle anderen Dinge in seinem Leben verlieren an Bedeutung.

1.1 Der Süchtige und sein soziales Umfeld

Während Nikotin- und Alkoholsucht sowie Arbeits- und Kaufsucht in unserer Gesellschaft weitgehend akzeptiert und auch verharmlost werden, führt illegaler Drogenkonsum zur Kriminalisierung und sozialen Ausgrenzung. Alkoholsucht fordert jedoch unter den Süchten die meisten Todesopfer. In einer Gesellschaft wo Bier trinken schon fast ein Volkssport ist, wird die Wirkung von Alkohol oft herunter gespielt und Suchtprobleme gelten als Tabu.

Pessimisten unter den Forschern gehen sogar davon aus, dass es in hundert Jahren in den Industrieländern mehr Süchtige als Unabhängige geben wird. Die den Menschen in unserer Leistungsgesellschaft anerzogenen Charaktereigenschaften schaffen „gute“ Voraussetzungen für eine Suchterkrankung. Neue Technologien schaffen neue Gefahren. Der Mensch wird von ihnen abhängig, seine Lebensweise wird zunehmend passiv-konsumierend und konflikt- vermeidend. Gleichzeitig wird eine hohe Leistungsbereitschaft und Anpassungsfähigkeit gefordert.

Die dem Menschen von Natur aus gegebenen Grundbedürfnisse, z. B. danach seine Gefühle zu äußern und zu befriedigen, werden unterdrückt. Phantasie, Kreativität und Entspannung werden selten ins Arbeitsleben integriert. Die Arbeit nimmt jedoch den größten Teil des Tages der meisten Menschen ein, so das die Grundbedürfnisse folglich nicht befriedigt werden. Der Mangel kann sich dann in Sucht ausdrücken. „Sie ist ein Protest, dem die Sprache fehlt, und der letztlich in der Selbstzerstörung endet.“ (Bertelsmann)

Was sich im Großen auf die Gesellschaft auswirkt oder von ihr initiiert wird, fängt im engeren Umfeld des Süchtigen an. Nahestehende Personen des Süchtigen wollen diesen vor den negativen Folgen seiner Sucht bewahren und versuchen ständig dessen Abhängigkeit unter Kontrolle zu bringen. Diese Aufopferung verhindert jedoch wirkliche Hilfe und treibt die Angehörigen oft in den seelischen Ruin. Als die Komplizen des Süchtigen sinkt ihr Selbstwertgefühl soweit, dass es bis zu ihrem Selbstmord führen kann. Diese Verhaltensweise wird als Co-Abhängigkeit bezeichnet und mittlerweile in der Therapie berücksichtigt. Die Co-Abhängigen sind meist Frauen. Ihnen wird unter anderem in Selbsthilfegruppen aus ihrer Co-Abhängigkeit geholfen.

1.2 Die psychologischen Ursachen der Sucht

Nach Ansicht der Psychologen ist Sucht ein Ausdruck eines unbefriedigten Mangels, dessen Ursachen in der Kindheit des Betroffenen zu suchen sind.

Ein Kind bekommt nicht immer das entgegen gebracht, was es erwartet. Lernt es dann nicht, sich mit den widersprüchlichen Gefühlen auseinander zu setzen und Konflikte zu lösen, greift es auf andere Mittel zurück, die Ablenkung bringen und seine Bedürfnisse zu befriedigen scheinen. Im Erwachsenenalter kann diese Befriedigung das Suchtmittel sein, das die ursprünglichen Bedürfnisse nach Liebe, Zuwendung und Anerkennung ersetzt. Die Selbstzerstörung des Süchtigen richtet sich gegen das Ich, welches sein Umfeld von ihm erwartet und das nicht seinen tatsächlichen Bedürfnissen entspricht.

1.3 Das Erkennen der Sucht durch den Betroffenen

Die Hilfe für den Süchtigen besteht darin, ihm die Erkenntnis für seine derzeitige Lebenssituation zu verschaffen. Eine frühe seelische Verwundung oder ein Mangel, der sich in der Sucht ausgedrückt hat, soll der Süchtige aussprechen und damit überwinden. Er soll die Bedeutung seiner Abhängigkeit für ihn selbst verstehen und das Problem, das dahintersteht, wahrnehmen. Neben dem notwendigen stationären Entzug des Suchtmittels sind die Selbstheilungskräfte des Süchtigen sehr wichtig.

Eine psychosoziale Nachbetreuung durch einen Sozialarbeiter oder Psychologen ist unbedingt notwendig. Die Angehörigen und andere Personen aus dem sozialen Umfeld des Abhängigen sollen möglichst einbezogen werden. Das ist notwendig, um Rückfälle weitestgehend zu vermeiden.

Für den Süchtigen ist es sehr schwer, dem Suchtmittel zu widerstehen. Die Anstrengungen, die für den Entzug und die Abstinenz vom Betroffenen aufgebracht wurden, können z.B. beim Alkoholiker durch das Kosten einer Weinbrandtpraline oder einem Schluck eines alkoholischen Getränkes zunichte Gemacht werden. Es kann zu einem Rückfall kommen.

[...]

Details

Seiten
13
Jahr
1999
ISBN (eBook)
9783638135528
ISBN (Buch)
9783668212725
Dateigröße
490 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v5769
Institution / Hochschule
Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig – Fachbereich Sozialwesen
Note
2
Schlagworte
Sucht Abhängigkeit Alkohol Drogen Beratungsstelle

Autor

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Titel: Eine Beschreibung des Arbeitsfeldes Sucht in der Sozialen Arbeit