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Zur Bedeutung der Entwicklung der koordinativen Fähigkeiten im Sportschwimmen

Hausarbeit 2006 21 Seiten

Sport - Sportarten: Theorie und Praxis

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Allgemeine Koordination
1.1 Körperbild, -schema, -wahrnehmung
1.2 Definition koordinativer Fähigkeiten
1.3 Was bedeutet Koordination?
1.4 Koordination bei Aktivitäten des täglichen Lebens

2 Sportschwimmtraining
2.1 Begriffsbestimmung
2.2 Schwimmspezifische koordinative Fähigkeiten
2.3 Methodik des Schwimmtrainings
2.3.1 Physische Vorbereitung
2.3.2 Technische Vorbereitung
2.3.3 Psychische Vorbereitung
2.3.4 Taktische Vorbereitung
2.3.5 Theoretische Vorbereitung
2.4 Problemstellung

3 Entwicklung koordinativer Fähigkeiten
3.1 Bedeutung und Entwicklung koordinativer Fähigkeiten
3.2 Bedeutung der koordinativen Fähigkeiten im Schwimmen

4 Résumé

Literaturverzeichnis

1 Allgemeine Koordination

1.1 Körperbild, -schema, -wahrnehmung

Die Relation jedes Individuums zu seinem Erscheinungsbild wird in die Begriffe Körperbild und Körperschema unterteilt. „Die Akzeptanz und der positive Umgang mit seinem eigenen Körper trägt zum körperlichen Wohlbefinden und zu einem guten Selbstgefühl bei“ (Häfelinger & Schuba, 2002, S. 11).

Aus der sehenden, gefühlsmäßigen und gedanklichen Vorstellung unseres Körpers resultiert der Begriff „Körperschema“. Das „explizite“ (bewusste) Wissen der eigenen Körperlichkeit umfasst alle körperbezogenen Empfindungen, d. h. wie ich selbst meinen Körper wahrnehme, z.B. positiv, sportlich, durchtrainiert, attraktiv usw. oder als eher negativ, schwach, unproportional, steht immer in Verbindung mit der Akzeptanz des eigenen Körpers und dem daraus entwickelten Verhalten.

Der Begriff Körperschema befasst sich mit der Position und der Lage des Körpers und der einzelnen Körperteile zueinander. Die daraus resultierende Vorstellung entsteht aus der Rückmeldung von inneren und äußeren Wahrnehmungsreizen. Auf diesen Intero- und Exterozeptoren basiert die Wahrnehmung der zu diesem Zeitpunkt aktuellen Haltung und Bewegung des Körpers. Zudem stehen alle Wahrnehmungen in Verbindung mit Gefühlen und Empfindungen wie Ärger, Freude, Zuneigung, Ablehnung usw. Das Zusammenwirken dieser Empfindungen spielt eine bedeutende Rolle bei der Ausführung koordinativer Bewegungsmuster. Bewegungsmuster sind gedankliche Vorstellungen wie eine Bewegung aussehen soll.

Das Grundgerüst der Körperwahrnehmung bildet die Bewegungserfahrung und die Kenntnis über seinen eigenen Körper. Die Körperwahrnehmung steht im Zusammenhang mit Wahrnehmungsmustern, die bereits gedanklich vorhanden sind, dem eigenen Entwicklungsprozess und der Wahrnehmung von Gefühlen. Die meisten Bewegungen unterliegen dem Automatismus, dennoch können sie bewusst verändert oder spontan durch äußere Störfaktoren beeinflusst werden. Die Belastungsgrenzen kennen zu lernen, dient dem Durchbrechen von üblichen, gewohnten Bewegungsmustern, um neue Bewegungsdimensionen zu schaffen. Folglich ist die Körperwahrnehmung der Grundstein jedes Trainings (Häfelinger & Schuba, 2002, S11).

1.2 Definition koordinativer Fähigkeiten

„Koordinative Fähigkeiten ermöglichen, gesteuert vom Zentralnervensystem, ein harmonisch ökonomisches Zusammenspiel der Muskeln und Muskelgruppen, zur Bewältigung und zum schnelleren Erlernen einer an sie gerichteten Bewegungsaufgabe, die gegenständlich praktischer oder sportlicher Natur sein kann“ (Frank, 1996, S. 17)

1.3 Was bedeutet Koordination?

Bewegungen des Menschen beruhen auf koordinativen Fähigkeiten. Ohne diese grundlegende Eigenschaft wäre das Vorankommen beim Gehen und anderen Bewegungen nicht möglich. Die Koordination befasst sich mit drei Funktionen von Bewegungen. Häfelinger & Schuba (2002, 13): „Wir lernen durch Tun und tun nur, was wir gelernt haben“ (S. 13). Zum einen beinhaltet Koordination das Erlernen von Bewegungen, zum anderen auch das Steuern und das Anpassen. Somit werden die koordinativen Fähigkeiten zum zentralen Faktor der motorischen Leistungsfähigkeit, denn die resultierende Wirkung bringt Erfolg für alle anderen motorischen Grundeigenschaften, die auf konditioneller Ebene stehen, wie Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit und Beweglichkeit.

Das Ziel ist das Erreichen einer gewollten Bewegung, welche durch höhere koordinative Fähigkeiten einfacher zu vollenden ist, denn je besser die Koordination vorhanden ist, umso ökonomischer und präziser erfolgt der Bewegungsablauf. Daraus folgt ebenfalls, dass der Athlet weniger Energie aufbringen muss, um gleiche Ergebnisse zu erzielen. Zudem wird von dem Sportler ein geringfügigerer Krafteinsatz verlangt, welches sich positiv auf die Ermüdung und Erschöpfung auswirkt, die wesentlich geringer ausfällt.

Das Zusammenspiel zwischen dem Steuerungsorgan („ZNS“ = Zentralnervensystem) und Ausführungsorgan (Skelettmuskulatur) bewirkt einen flüssigen Bewegungsablauf, den man als Koordination bezeichnet (Häfelinger & Schuba, 2002, S. 13).

1.4 Koordination bei Aktivitäten des täglichen Lebens

Das tägliche Leben stellt vielfältige Forderungen an uns und an unseren Körper. Man muss über koordinative Fähigkeiten verfügen, um Aufgaben und Anforderungen mit Hilfe motorischer Umsetzung zu absolvieren. Wie zuvor beschrieben, ist die Grundlage der Koordination das Zusammenspiel zwischen der Aufnahme von Informationen (ZNS), der Verarbeitung von Reizen, bis zur Ausführung (Skelettmuskulatur).

Im alltäglichen Leben trifft man auf folgende Prozesse:

„Der Optimierung von Haltungs- und Bewegungsabläufen

Der Verbesserung der Bewegungsökonomie

Der Bewegungssicherung für die Aktivität des täglichen Lebens

Der Verbesserung der Selbstsicherheit, des Selbstbewusstseins und des Wohlbefindens“ (Häfelinger & Schuba, 2002, S. 19)

Man kann Häfelinger & Schuba sicherlich zustimmen, wenn sie behaupten, dass die Koordination nicht nur den physiologischen Bereich, sondern auch den psychologischen umfasst (Häfelinger & Schuba, 2002, S. 19). Diese Aussage trifft vollkommen zu, denn das zuvor angesprochene Zusammenspiel von Wahrnehmung und körperlicher Reaktion tritt in diesem Fall in Kraft. Ein Beispiel von physiologischen und psychologischen Merkmalen ist das Auto fahren. Es ist ein automatisierter Prozess, ein Verlauf, der unbewusst abgerufen wird und nicht schnell vergessen, bzw. verlernt wird. Man fährt Auto ohne darüber nachzudenken. Im Gegensatz dazu stehen die ersten Fahrstunden eines Fahrschülers. Er hat mit der Koordination abgestimmter Bewegungen zu kämpfen, wie die Bremse und Kupplung treten, Bremse lösen, dabei Kupplung kommen lassen und zudem leicht Gas geben, sowie lenken und die Umwelt im Blickfeld behalten. Nach dem Erlernen dieser Fertigkeit und dem darauffolgenden Üben fällt es dem nun rechtmäßigen Führerscheininhaber leichter diese Anforderungen zu koordinieren. Man geht noch über das Ziel hinaus, man ist nun in der Lage, beispielsweise Gespräche mit dem Beifahrer zu führen, das Radio nebenbei zu bedienen, o. ä., weil die oben erklärten charakteristischen Merkmale automatisiert wurden. Die Bewältigung von komplexen Anforderungen stellt die Automatisierung von Bewegungen dar. Zu beachten ist jedoch die korrekte Ausführung komplexer Aufgaben, ohne Fehler dabei zu machen, so dass fehlerhaftes Verhalten verändert und korrigiert werden muss, um ein korrektes, automatisiertes Bewegungsmuster zu erhalten, welches sich nicht negativ auswirkt, sei es gesundheitsschädigend, finanziell oder psychologisch.

Das „Mehrfachhandeln“, ob bei Kindern oder Erwachsenen, beinhaltet das Zusammenspiel von verschiedenen Teilbewegungen zu einem Gesamtgefüge. Es besteht die Notwendigkeit der Schulung, Förderung und Erhaltung aller koordinativer Bewegungen, um neue Lebensbereiche zu erhalten oder sogar zu erschließen. Im Alltag ist die Koordination unerlässlich und verlangt, sei es unter Zeitdruck oder nicht, in verschiedenen Situationen ökonomisch und sicher zu handeln ohne den Verlust von Körperbalance und Gelenkstabilität.

2 Koordinative Fähigkeiten im Sportschwimmtraining

2.1 Begriffsbestimmung

Folgende koordinative Fähigkeiten sind für das Sportschwimmtraining relevant:

Rhythmisierungsfähigkeit
Kopplungsfähigkeit
Differenzierungsfähigkeit
Umstellungsfähigkeit
Reaktionsfähigkeit
Orientierungsfähigkeit
Gleichgewichtsfähigkeiten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1. Beziehungen zwischen dem sportlichen Erfolg / der sportlichen Leistung und den verschiedenen Ebenen personaler Leistungsbedingungen. (Carl, 1984, S. 137)

Neben diesen sieben sportartspezifischen Aspekten spielen die nachstehenden Merkmale in Verbindung mit den oben aufgelisteten eine bedeutende Rolle, um die Technik zu schulen und zu fördern und um die Leistung beim Wettkampf optimal auszunutzen, siehe Abb.1. Selbstvertrauen, Wille, psychische Stabilität, Wettkampfhärte und die Orientierung zum Erfolg gehören zu den emotional-affektiven Merkmalen. Weitere Merkmale sind die kognitiven, zu ihnen gehören Konzentration, Beobachtungs- und Auffassungsgabe. Verständnis, Lernfähigkeit und das Vermögen einer Analyse. Außerdem gibt es die (techno)sensorischen Merkmale, welche der Distanz, dem Tempo und dem Wassergefühl Wirkung verleihen. Unter der rhythmischen Fähigkeit versteht man die körperlichen Merkmale Ausdauer, Beweglichkeit und Kraft. Allesamt entwickeln sich auf der Grundlage von anthropometrischen Voraussetzungen, d.h. Anthropometrie = Wissenschaft: Maßverhältnisse des menschlichen Körpers (Merkmale des Körperbaus bestimmen die Eignung von Sportlern für spezielle Sportarten), sowie Muskelstruktur, Reaktions- und Aktionsschnelligkeit und neurophysiologischen und psychologischen Funktionen entwickeln sich wesentlich rasanter und effektiver. Die methodisch-didaktischen Merkmale umfassen den Aspekt der richtigen Medienwahl (Informationsaufnahme), dem Zeitpunkt und Ort, sowie dem Lehr- und Lernweg, um leistungssteigernd zu arbeiten (Frank, 1996, S. 17).

Um erfolgreich im Wettkampf zu sein, muss der Athlet sowohl über spezielle Schwimmsportfähigkeiten als auch über allgemeine Fähigkeiten verfügen. Die zuerst genannten steuern das fließende Zusammenspiel von Teilbewegungen bei disziplinspezifischen Sportarten, allgemeine Fähigkeiten sind Fähigkeiten, die zum „Überleben“ im Alltag verwendet werden.

Abschließend lässt sich sagen, dass die koordinativen Fähigkeiten im Sportschwimmen die Basis bilden. Durch die vielfältigen Anwendungsbereiche legt man den Grundstein für leistungsorientiertes Lernen, Verändern, Variieren und Anpassen von Bewegungsmustern.

2.2 Schwimmspezifische koordinative Fähigkeiten

Die sieben angesprochenen schwimmspezifischen koordinativen Fähigkeiten sind von jedem Sportler zu beherrschen. Für den Schwimmsport steht die folgende Rangfolge fest und sollte auch so geschult werden, wobei sich nicht jede Fähigkeit einzeln trainieren lässt. Oft übt man mehrere Fähigkeiten gleichzeitig oder nacheinander in einer Übung aus.

Rhythmisierungsfähigkeit wird im Volksmund hauptsächlich mit der Wiedergabe von musikalischen Rhythmen in Verbindung gesetzt. Es wird von einem optimalen Rhythmus gesprochen, wenn ein bestimmter Wechsel der Dynamik zu erkennen ist und dieser auch gezielt ohne zeitliche Verzögerung umgesetzt wird. Dabei spielen akustische, optische und motorische Verknüpfungen eine große Rolle in einem vom Individuum selbstgewählten Zeitschema (Olivier & Rockmannn, 2003, S.142-146).

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Details

Seiten
21
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638519458
Dateigröße
535 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v57492
Institution / Hochschule
Universität Paderborn – Department Sport & Gesundheit
Note
1,3
Schlagworte
Bedeutung Entwicklung Fähigkeiten Sportschwimmen Tutorium Einführung Sportwissenschaft

Autor

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