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Handlungstheorie vs. Systemtheorie - ein kommunikationstheoretischer Vergleich

Seminararbeit 2005 16 Seiten

Medien / Kommunikation - Theorien, Modelle, Begriffe

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vergleich von System- und Handlungstheorie
2.1 Systembegriff
2.2 Kommunikation
2.2.1 Kommunikationsmodell und Kommunikationsbegriff
2.2.2 Ziel und Aufgabe von Kommunikation
2.2.3 Medienkonzept
2.3 Rolle des Individuums

3. Kritik
3.1 Habermas über die Systemtheorie
3.2 Luhmann über die Handlungstheorie

4. Schlussbetrachtung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Begriffe Medien und Kommunikation sind in unserer heutigen Gesellschaft fester Bestandteil unseres täglichen Sprachgebrauchs und werden in vielfältiger Weise verwendet.

Bei näherer Auseinandersetzung mit kommunikationswissenschaftlichen Themen stellt sich jedoch heraus, dass eine einheitliche Definition dieser Begriffe nur schwerlich auszumachen ist sowie auch die Beschreibung des eigentlichen Ablaufs des Phänomens Kommunikation scheinbar nicht übereinstimmend konkretisiert werden kann. Was ist also Kommunikation? Was macht sie aus, und wie wird sie umgesetzt? In dieser Hausarbeit soll nun versucht werden, sich dieser Fragestellung zum einem aus Sicht der Systemtheorie und zum anderen aus handlungstheoretischer Perspektive zu nähern und dies als Ausgangspunkt nutzen für eine nähere Betrachtung dieser beiden soziologisch und kommunikationswissenschaftlich relevanten Gesellschaftstheorien.

Die Soziologen und Philosophen Niklas Luhmann und Jürgen Habermas gelten als bedeutendste Vertreter dieser Theorien, die einen sehr interessanten Ansatz sowohl für eine gesamtgesellschaftliche Betrachtungsweise als auch für eine mögliche Herangehensweise an den Vorgang der Kommunikation und den Begriff der Medien bieten. In den sechziger und siebziger Jahren lieferten sich die Beiden einen Streit über ihre jeweiligen gesellschaftstheoretischen Konzepte, der unter dem Begriff ´Luhmann-Habermas- Debatte´ bekannt wurde. In Hinblick auf die Fragestellung erscheint daher besonders eine vergleichende Betrachtung beider Theorien interessant, die neben den durch die Debatte zu vermutenden Differenzen auch die weniger offensichtlichen Gemeinsamkeiten kommunikationstheoretischer Ansätze beider Wissenschaftler zutage bringen soll.

Da eine Beschäftigung mit den Kommunikations-Theorien Luhmanns und Habermas´ im Grunde kaum losgelöst von ihren gesamtgesellschaftlich angelegten Grundkonzepten erfolgen kann, wird im ersten vergleichenden Kaptitel auf die den Theorien zugrundeliegenden zentralen Begriffe eingegangen, die einen ersten Einblick in die Hintergründe von System- und Handlungstheorie bieten werden und zudem die sich im Anschluss daran ergebenden Unterschiede kommunikationstheoretischer Perspektiven verständlicher machen sollen.

In den anschließenden Kapiteln soll der eigentliche Schwerpunkt der Arbeit verfolgen, indem die Herangehensweise von Luhmann und Habermas an das Phänomen der Kommunikation im Detail darstellt und im Rahmen dessen auf Ablauf, Ziel, Aufgabe und Funktion von Kommunikation sowie auf das Konzept der Medien eingegangen werden wird.

Besonders in der Rolle des Individuums im Kommunikationsablauf erscheinen die Ansätze der beiden Wissenschaftler sehr kontrovers, was im Verlauf der Arbeit näher untersuchet werden soll und gesondert in einem Kapitel aufgegriffen wird.

Hauptziel der Hausarbeit ist es somit zum einem in einer vergleichenden Untersuchung darzustellen, in welcher Weise sich die beiden Theorien dem Vorgang der Kommunikation nähern, als auch abschließend kurz auf kritische Meinungen beider Wissenschaftler einzugehen, die sich besonders im Vergleich zur jeweils anderen Theorie ergeben.

2. Vergleich von System- und Handlungstheorie

2.1 Systembegriff

Die Systemtheorie unterteilt die Welt in Funktionseinheiten, in Systeme, deren umfassendstes das Gesellschaftssystem darstellt. Im Zentrum von Luhmanns Theorie stehen dabei soziale Systeme, also ein “Sinnzusammenhang von aufeinander verweisenden sozialen Handlungen.” (Kneer / Nassehi 1993: 46)

Allgemein bestehen Systeme aus Operationen, der Funktionsweise und Aktivitätsart, über die sich Systeme erhalten und regeln und die für diese elementar und grundlegend[1] ist, wobei die charakteristische Operationsweise sozialer Systeme Kommunikation darstellt. Dementsprechend ist diese “Letztelement” (Luhmann 1997: 82), neben dem es keine anderen Elemente sozialer Systeme gibt. Der Systembegriff bei Luhmann ist zudem an die Begriffe der System- Umwelt- Differenz und der Autopoiesis geknüpft, denn nach Luhmann kennzeichnet eine Operation, die autopoetisch und in Differenz zur Umwelt verläuft, ein soziales System. Als autopoetisch werden dabei Funktionseinheiten bezeichnet, die derart “aus einem Netzwerk interagierender Komponenten [bestehen] [...], daß die Komponenten durch ihre Interaktion wiederum dasselbe Netzwerk produzieren.” (Kneer / Nassehi 1993: 56), also Systeme, die die Elemente, aus denen sie bestehen, durch Elemente, aus denen sie bestehen, selbst produzieren und reproduzieren und somit selbsterhaltend sind.

Der zweite Grundgedanke auf dem Luhmanns Theorieverständnis ruht, ist der der System- Umwelt- Differenz. Umwelt ist dabei keine feste Größe, sondern etwas, das für jedes System einzeln konstruiert wird, also systemrelativ ist. Diese Konstruktion erfolgt über die systemeigenen Operationen und Selektionen, also Auswahlprozesse, wobei das System fortlaufend in selbst- und fremdreferentiellen Beobachtungen eine Unterscheidung zwischen Innen und Außen, zwischen Systeminnerem und Umwelt trifft und somit die Systemgrenzen festlegt.

Ziel eines jeden Systems und dessen charakteristischer Operationsweise ist die Reduktion von Komplexität, die über eine Einschränkung der Vielfalt von Möglichkeiten durch Selektionsprozesse abläuft.[2]

Auch Habermas übernimmt die Einteilung der Gesellschaft in Systeme, sein Systembegriff orientiert sich sogar im Wesentlichen an der Ausgangsdefinition Luhmanns, bei dem die Gesellschaft und jeder soziale Kontakt als System begriffen wird. Dementsprechend sind zum Beispiel Wirtschaft und Staat Systeme. Jedoch ist dieses Konzept für Habermas´ Theoriekomplex nicht ausreichend, weswegen er anstelle der Umwelt- Komponente Luhmanns eine lebensweltliche Perspektive ergänzt.

Der Lebensweltbegriff Habermas´ ist dabei so definiert, dass der Begriff einerseits das gesamte vorhandene gesellschaftliche kulturelle Wissen beschreibt und zum anderen den konkreten institutionellen Rahmen des Handelns, die soziokulturelle Lebenswelt; die Welt, die jeder durch spontanes Erleben individuell erfährt. Nach Habermas ist diese Lebenswelt unbewusster Hintergrund des sogenannten kommunikativen Handelns[3] und das Ergebnis von Einflüssen der früheren und derzeitigen sozialen Umwelt jedes Individuums, also ein “Horizont an intersubjektiv geteilten Hintergrundannahmen, in die jeder Kommunikationsprozess eingebettet ist” (Honneth 1985: 318).

Während also Luhmann einen Systembegriff zeichnet, dessen Aufgabe die Reduktion von Komplexität in Abgrenzung von einer systemfremden Umwelt darstellt, grenzt Habermas die vertraute Lebenswelt von einem dem Individuum entfremdeten System ab.

In Anbetracht der Tatsache, dass bei beiden Wissenschaftlern eine System- bzw. Lebenswelttheorie nicht ohne Einbeziehung des Kommunikationsbegriff gestalten können, wird nun im Folgenden auf die Struktur kommunikativer Vorgänge im Rahmen der jeweiligen Theorie eingegangen.

[...]


[1] man bezeichnet dies auch als ´konstitutiv´ (vgl. Berghaus 2003: 56)

[2] Der genauere Ablauf dieser Selektionsprozesse im Zusammenhang mit Kommunikation wird in Kapitel 2.2 näher erläutert werden .

[3] Auf den von Habermas geprägten Begriff des kommunikativen Handelns wird im folgenden Kapitel noch näher eingegangen

Details

Seiten
16
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638519076
Dateigröße
420 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v57452
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Institut für Kommuniaktionswissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Handlungstheorie Systemtheorie Vergleich Orientierungskurs Kommunikationswissenschaft

Autor

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