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Julia Alvarez "Something to Declare" - A Postcolonial Perspective: The Problem of Language in the Essays 'My English' and 'La Gringuita'

Essay 2003 12 Pages

English Language and Literature Studies - Culture and Applied Geography

Excerpt

Auf der Suche nach Julia Alvarez begegnen schon nach kurzer Zeit Schlagworte wie z. B. “Voices from the Gaps“, ‚Ethnicity’, Grenzüberschreitung und ‚Latinas’ – Begriffe, die nicht nur den kulturellen Hintergrund der Autorin andeuten, sondern auch als Themen in ihren Romanen und Essays eine bedeutende Rolle spielen.

Inwiefern ein Zusammenhang zwischen dem interkulturellen Leben(-sstil) von Julia Alvarez und ihrem künstlerischen Schaffen als Schriftstellerin besteht, soll im folgenden anhand von zwei exemplarischen Essays - ,My English’ und ‚La Gringuita’ - aus der Essaysammlung „Something to Declare“ untersucht werden.

Mein Schwerpunkt liegt dabei in der Analyse von ‚postkolonialen Aspekten’, d.h. zum einen deren Aufnahme als Forschungsgegenstände und zum anderen die persönliche Bearbeitung bzw. Wertung durch die Autorin selbst. Insbesondere die Rolle und Bedeutung der Sprache soll vor diesem Hintergrund erläutert werden.

Einen ersten Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen dem Leben von Julia Alvarez und ihrer Beschäftigung mit postkolonialen Fragestellungen liefert Julia Alvarez’ Biografie. Die Tatsache, dass J. Alvarez zwar in New York geboren wurde - und somit amerikanische Staatsbürgerin ist, aber den größten Teil ihrer Kindheit in der Dominikanischen Republik verbrachte, ist von entscheidender Bedeutung. Damit zählt Julia Alvarez zu einer Gruppe von Autoren und Autorinnen, die in der aktuellen Literatur- und Kulturwissenschaft mit dem Begriff ‚Chicano’ bzw. ‚Chicana’ bezeichnet werden.

Bis zum Alter von zehn Jahren beeinflussten folglich vor allem die spanische bzw. lateinamerikanische Kultur ihre Weltanschauung, ihre Sprache und soziale Rolle als heranwachsende Frau in einer von männlicher Dominanz geprägten Kultur. Dann 1960 mit ihren Eltern vor dem Diktator Trujillo fliehend, emigriert die Familie nach Amerika und Julia lebt fortan in ihrer ursprünglichen Geburtsstadt New York, die ihr zunächst fremd erscheint. Alvarez’ beschreibt diese Entwurzelung aus der Dominikanischen Republik aber selbst noch nicht als solche, sondern äußert sich wie folgt: „At night, my prayers were full of blond hair and blue eyes and snow…all my childhood I had longed for this moment of arrival. And here I was, an American girl, coming home at last"[1]. In den folgenden Jahren versucht sie, sich in die fremde Kultur zu integrieren, lernt die nicht ganz unbekannte neue Sprache und findet erfolgreich ihren Weg aus dem Kampf um die eigene Identität im Zwiespalt zwischen den zwei unterschiedlichen Kulturen. Das dieser Balanceakt zwischen den Kulturen sie in ihrer Persönlichkeitsentwicklung beeinflusst, verdeutlicht folgendes Zitat: „The feeling of loss caused a radical change in me. It made me an introverted little girl.”[2]. Dieses Zitat illustriert einerseits das Bewusstsein über den Verlust einer Kultur zugunsten einer anderen. Andererseits veranschaulicht es, die Effekte, die dieses Gefühl auf die Entwicklung der Autorin haben, nämlich den Wandel in ein in sich gekehrtes, ruhiges Mädchen. Das Julia Alvarez diese Gratwanderung zwischen der Kultur, die ihre Kindheit prägte, und dem westlichen Amerika erfolgreich gelingt, zeigt ihr weiterer Werdegang, auf dem das erfolgreiche Literaturstudium nur eine Etappe bleiben soll.

Julia Alvarez sucht aber nicht nur nach einer ‚Überlebensstrategie’ in der neuen Kultur, sondern muss sich zudem mit den traditionellen Werten ihrer Familie auseinandersetzen. Insbesondere ihre Karriere als Schriftstellerin findet nur zurückhaltende Unterstützung, wird doch vielmehr eine traditionelle Laufbahn als Hausfrau und Mutter befürwortet. Allen Umständen zum Trotz gelingt es Julia Alvarez sich beruflich und privat durch zu setzen.

Diese Auseinandersetzung mit Traditionen und persönlichen Erfahrungen beeinflussen Alvarez’ Romane und Essays indem entsprechende Themen aufgegriffen und bearbeitet werden.

„Something to Declare“[3] ist eine Sammlung von Essays, die zu Leserbriefen oder Anregungen bzw. Fragen ihrer Studenten etc. entstanden. Der erste Teil ‚Customs’ beschäftigt sich mit der Familie von Julia Alvarez und den Folgen, die das Leben im Exil hat. Im zweiten Teil ‚Declarations’ stehen Themen rund um das Schreiben, Erzählen und die Tätigkeiten eines Schriftstellers im Vordergrund.

Die bereits eingangs erwähnten Essays ‚My English’ und ‚La Gringuita: On Losing a Native Language’ sind in dem ersten Teil der Sammlung zu finden. Der thematische Schwerpunkt beider Aufsätze liegt, wie die Titel bereits erahnen lassen, in der Betrachtung von Sprache und deren Bedeutung für Julia Alvarez.

In dem Aufsatz ‚My English’ beschreibt die Autorin, wie sich ihr Verhältnis zum Englischen im Laufe der Jahre entwickelt hat und welche Faktoren sie dabei beeinflusst haben. Den ersten Kontakt mit dem Englischen erfährt Julia Alvarez über ihre Eltern, die immer dann englisch sprechen, wenn es darum geht, über Geheimnisse oder Ereignisse in der Verwandtschaft zu reden (vgl. 22). Obwohl sie die Probleme der Eltern nicht verstehen kann – zumindest auf der sprachlichen Ebene – übersetzt sie das Gesprochene anhand des ‚spanischen’(22) Gesichtsausdrucks der Mutter. Daher charakterisiert Julia Alvarez ihr Verhältnis zum Englischen zunächst so: „From the beginning, English was the sound of worry and secret, the sound of being left out.”(22). Einerseits macht die Autorin damit deutlich, dass ihr erster Kontakt zum Englischen stets mit negativen Konnotationen wie Ärger, Angst und Sorgen verbunden war. Andererseits stellt sich im zweiten Teil des Zitats eine Tendenz dar, die häufig im postkolonialen Kontext anzutreffen ist, nämlich die Macht der Sprache einen ‚Fremden’ auszugrenzen. Dieses Gefühl der ‚Sprachlosigkeit’ bezieht somit nicht nur auf das Nicht- Reden- Wollen bzw. Schweigen, sondern auch auf das Nicht- Reden- Können. Insbesondere beim andauernden Kontakt zweier oder mehrerer Kulturen kann dieses Zwischen- Den- Sprachen- Stehen problematisch werden.

Im postkolonialen Zusammenhang gesehen, wurde diese Situation in den Kolonien zugunsten der Sprache der Eroberer gelöst, die sich selbst als die überlegenen Menschen sahen und dementsprechend auch über eine höher entwickelte Sprache verfügten. In der Praxis bedeutete das, dass die Kolonialmächte die Muttersprache der Völker in den Kolonien systematisch unterdrückten. Die drastische Form diese Unterdrückung begann häufig bereits in der Schule, in der Kinder für den Gebrauch ihrer Muttersprache erniedrigt und bestraft wurden (vgl. Ngugi Wa Thiong’o[4]: 1981).

[...]


[1] Zitat stammt von: „Julia Alvarez.“ Las Mujeres. 07. Februar 2003. <http://www.lasmujeres.com/juliaalvarez/profile.shtml>.

[2] Ebd.

[3] Alvarez, Julia. Something to Declare. New York: Plume, 1999. 21- 29 und 61-73. Alle folgenden Zitate aus den Essays ‚My English’(21- 29) und ‚La Gringuita’(61- 73) beziehen sich auf diese genannte Ausgabe.

[4] Thiong’o, Ngugi Wa. Decolonising the Mind: The Politics of Language in African Literature. London: James Currey, 1981.

Ngugi Wa Thiong’o gilt als einer der radikalsten Kritiker der Sprachpolitik in den ehemaligen Kolonien. In dem Buch Decolonising the Mind formuliert er unter anderem seine Abkehr vom Englischen.

Details

Pages
12
Year
2003
ISBN (eBook)
9783638517645
File size
446 KB
Language
English
Catalog Number
v57262
Institution / College
University of Potsdam
Grade
1,0
Tags
Julia Alvarez Something Declare Postcolonial Perspective Problem Language Essays English Gringuita

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