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Die veränderte Rolle der Nationalstaaten vor dem Hintergrund der Globalisierung

Seminararbeit 2005 18 Seiten

Politik - Internationale Politik - Allgemeines und Theorien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A. Einführung

B. Die Rolle der Nationalstaaten vor dem Hintergrund der Globalisierung
I. Ebene der Nationalstaatlichkeit
1. Theoretische Gegenüberstellung
a) Realismus
b) Interdependenztheorie, Institutionalismus
c) Regimetheorie
2. Veränderung des Souveränitätsbegriffes
3. Herausforderungen des Staates in seiner neuen Rolle
4. Vier Sichtweisen über die Zukunft des Nationalstaates
II. Blick in die Zukunft: Global Governance als die viel versprechende Weltregierung ohne Weltstaat?
1. Global Governance und die Abgrenzung zu anderen Modellen
2. Governance without government und seine Grenzen

C. Schluss

D. Literaturverzeichnis

A. Einführung und Vorstellung der Thematik

Der Begriff Globalisierung löst unterschiedliche Reaktionen aus. Von euphorischen Visionen der Wirtschaft über einen barrierefreien, neoliberalen Welthandel bis zu strikter Ablehnung und Angst vor dem Untergang der Demokratie und der unwiederbringlichen Zerstörung der Natur, sind alle Ansichten vertreten. Es gibt nahezu keinen Bereich, der nicht von dieser Bewegung betroffen ist, vor allem nicht die Betriebs- und Volkswirtschaft, aber auch nicht die Soziologie, Psychologie und natürlich auch nicht die Politik. Die Zahl der sich neu stellenden Fragen ist unüberschaubar, und eine davon soll in der vorliegend Arbeit behandelt werden, nämlich die zukünftige Rolle des Nationalstaates vor dem Hintergrund der Globalisierung. Zuerst weisen unterschiedliche theoretische Sichtweisen in die Zukunft, bevor dann über den sich unumstritten wandelnden Begriff der Souveränität auf die genauen Herausforderungen des Nationalstaates der Zukunft eingegangen wird. Es wird herausgearbeitet, welche Aufgaben des ehemaligen Staates sich auf die neue postnationale Konstellation übertragen lassen, und was sich verändern muss, um weiterhin Frieden und Wohlstand für die Bevölkerung garantieren zu können. Anschließend sollen vier verschiedene Sichtweisen über die Zukunft des Staates diese Ebene abschließen.

Auf der nächsten Stufe wird der Nationalstaat dann im internationalen Gefüge gesehen und es werden unterschiedliche Modelle der globalen Regierung vorgestellt. Das Modell, das für die Zukunft am meisten Erfolg verspricht wird abschließend noch auf seine Grenzen und Schwächen untersucht. Eine Diskussion über die verschiedenen Lösungsmöglichkeiten für die sich stellenden Probleme, besonders das des Demokratiedefizites, würde allerdings den Rahmen dieser Arbeit überziehen und ein eigenes Thema darstellen.

B. Die Rolle der Nationalstaaten

Der Status der Nationalstaaten hat sich seit dem Westfälischen Frieden von 1648 immer wieder verändert. Seine Existenz und seine Handlungsfähigkeit waren jedoch nie beeinträchtigt. Seit dem Ende des Kalten Krieges und dem Wegfall der Bipolarität hat sich dieser Status jedoch gewandelt und es soll nun genauer auf verschiedene Sichtweisen über die Notwendigkeiten von Handlungsbedarf eingegangen werden, bevor die Aufgaben des neuen Nationalstaates erläutert werden.

1. Theoretische Gegenüberstellung

a. Die realistische Schule

Der klassische Realismus ist begründet durch Karl Morgenthau[1] und erlebte seine Hochzeit zur Phase des Kalten Krieges, als es für die Hegemonialmächte oberstes Ziel war, ihre nationalen Interessen mit allen Mitteln der Macht gegen andere Staaten durchzusetzen. Moralische Aspekte, wie z.B. die gleichmäßige Wohlstandsverteilung in der Welt, fanden in der dualistischen Denkweise von Vernunft und Trieb, in der das Gleichgewicht der Mächte das Äquivalent zur nationalen Gewaltenteilung darstellt, keinen Platz. Um diese allgemeingültigen Kennzeichen auf die Problematik der Nationalstaaten zu übertragen, bleibt festzustellen, dass, für die Anhänger der realistischen Schule, die Nationalstaaten im anarchischen Selbsthilfesystem die einzig relevanten Hauptakteure sind. Sie begründen ihre Ansicht damit, dass nur Staaten in der Lage sind, kraft ihrer Ressourcen, rechtsverbindliche Entscheidungen treffen und umsetzen können. Ihre Beteiligung an internationalen Institutionen und Regimen dient allein dem Hauptziel der Interessendurchsetzung und mit dem Mindestmaß an Kooperation, auf das sie sich einlassen, soll die Sicherheit gesteigert werden.[2] Sie sehen keinen Handlungsbedarf für die Nationalstaaten im sich globalisierenden System der Welt.

Beate Kohler-Koch drückt es in ihrem Aufsatz drastisch aus, indem sie feststellt, dass in dem realistisch gesehenen Staatensystem eine Delegation von Staatsaufgaben nicht denkbar sei, denn durch eine teilweise Aufhebung der internationalen Anarchie würde das internationale System qua Definition aufhören, internationales System zu sein.[3]

Ein Hegemon mag zwar über eine immense Machtfülle verfügen, jedoch ist er in der heutigen Zeit im eigenen Interesse darauf angewiesen, sich mit einem Mindestmaß dem Mulitlateralismus zu öffnen, um sich nicht selber zu isolieren. Clinton-Mitarbeiter formulierten es treffend mit ihrem Begriff des „selbstbewussten Mulitlateralismus“, der meinte, soviel Unilateralismus wie möglich und nur soviel Mulitlateralismus, wie im Eigeninteresse unbedingt nötig.

b. Interdependenztheorie und Institutionalismus

Jedoch wird dem von den Realisten entworfene Billardkugelmodell der Weltpolitik das Spinnennetzmodell der Institutionalisten und Interdependenzanhängern entgegengesetzt. Der wichtigste in diesem Zusammenhang zu nennende Vertreter ist der Politologe Robert Keohane.[4] Für die sich verändernde Rolle der Nationalstaaten ist zu konstatieren, dass, nach Ansicht dieser Theorie, die Staaten zum einen nicht die einzigen Akteure auf der Bühne der Weltpolitik sind, denn sie sind in ein dichtes Geflecht aus privaten, kulturellen und gesellschaftlichen Organisationen involviert. Zum anderen ist wichtig zu erkennen, dass das internationale Gefüge mit seiner Verwundbarkeit als ein probates Mittel dient, um internationale sowie eigenstaatliche Interessen durchzusetzen, und das Machtpotenzial eines einzelnen Staates nicht mehr das einzige zur Verfügung stehende Werkzeug ist. Asymmetrische Interdependenzverhältnisse werden zur Machtquelle.

Auch die Institutionalisten setzen auf die Transparenz, die durch das „interlocking system“ entsteht. Solange der erwartete Nutzen der Zusammenarbeit größer ist, als der zu befürchtende Schaden, sind sie bereit, Kompromisse einzugehen und die Kooperation mit anderen Staaten zu pflegen, natürlich auch, um ihre eigenstaatlichen Interessen bis zu einem gewissen Grad zu erreichen. Durch die gemeinsame Arbeit setzen die Institutionalisten auf eine „regulierte Anarchie“, die die institutionellen und rechtlichen Rahmenbedingungen für einen internationalen Interessensausgleich schafft.

c. Regimetheorie

Die Regimetheorie ist eng mit den beiden zuletzt genannten Theorien verwoben und muss in dem hier bearbeiteten Zusammenhang der Nationalstaatsproblematik genannt werden. Regime stellen einen Baustein der Global Governance dar und viele ehemals staatseigenen Souveränitäten gehen auf internationale Regime über, worauf später aber noch genauer eingegangen wird.

Da es noch keine weltumspannende legitimierte Instanz zur Regulierung gibt, fällt den Regimen diese Aufgabe in zahlreichen Politikbereichen zu. Sie koordinieren die Vielzahl staatlicher und nichtstaatlicher Akteure, schaffen Normen, Regeln, Prozeduren und Prinzipien und stellen dauerhafte Kooperationen dar und dienen nicht zuletzt dazu, Transaktionskosten zu verringern und Verhandlungsprozesse zu verkürzen. Regime variieren in ihrer Reichweite, sie können regional oder global agieren und beruhen auf vertraglichen Vereinbarungen.

James Rosenau grenzt in seinen Überlegungen zum Konzept der Global Governance die Regimetheorie mit den Argumenten ab, Regime seien zum einen zu sehr an das nationalstaatliche Konzept gebunden. Zum anderen hält er die Arbeit von Regimen für zu spezialisiert auf bestimmte Handlungsfelder, als dass sie effektiv an der Lösung von globalen Problemen beteiligt sein könnten.[5] Kohler-Koch hingegen erachtet diese Abgrenzung nicht als fruchtbar[6], denn sie sieht in den Regimen alle wesentlichen Eigenschaften enthalten, die für das Regieren von Nöten sind.[7] Ferner weisen die Konfliktlösungen, die die Regime erarbeiten, über ihr partikulares Handlungsfeld hinaus. Vor dem Hintergrund, dass der Erfahrungsschatz mit der neuen „Regierungsform“ der Global Governance noch nicht sehr groß ist, sollte man die Möglichkeit zur Auslotung von Grenzen und Praktizierbarkeit neuer Institutionen nicht ungenutzt lassen.

[...]


[1] Morgenthau, Hans: Macht und Frieden, Gütersloh 1963, S. 48 - 80

[2] Messner, Dirk/Nuscheler, Franz: Das Konzept Global Governance Stand und Perspektiven. INEF Report, Heft 67 / 2003, S. 6ff

[3] Kohler-Koch, Beate: Die Welt regieren ohne Weltregierung. In Regieren im 21. Jahrhundert – zwischen

Globalisierung und Regionalisierung, Opladen 1993, S. 117ff

[4] Keohane, Robert/Nye, Joseph: Macht und Interdependenz, in: Kaiser, Karl/Schwarz, R. (Hrsg.): Weltpolitik. Strukturen, Akteure, Perspektiven Stuttgart 1986, S. 74 - 88

[5] Messner, Dirk/Nuscheler, Franz: Das Konzept Global Governance. INEF Report Heft 67 / 2003, S. 6ff

[6] Kohler-Koch, Beate: Die Welt regieren ohne Weltregierung S. 121ff

[7] Kohler Koch sieht hier die Erhebung eines Gegenstandes gemeinsamen Interesses, seine Abgrenzung zu andern Handlungsfeldern, die Abstimmung von Regelungstiefe und –dichte, sowie die Ausrichtung auf die Ziele gemeinschaftlichen Handelns als gegeben.

Details

Seiten
18
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638514019
ISBN (Buch)
9783638792370
Dateigröße
496 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v56808
Institution / Hochschule
Universität Regensburg – Institut für Politikwissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
Rolle Nationalstaaten Hintergrund Globalisierung Einführung Politik

Autor

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