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Geschlechterrollen und geschlechtstypisches Verhalten bei Jungen im Kindergartenalter

Hausarbeit 2005 22 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Soziologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschlechterrollen und geschlechtstypisches Verhalten bei Jungen im Kindergartenalter
2.1 Aspekte geschlechtsspezifischer Sozialisation
2.2 Unterscheidung der Geschlechter und eigene Zuordnung
2.3 Kindergarten und geschlechtstypische Erziehung
2.4 Spezielle Erwartungen an Jungen im Kindergartenalter
2.4.1 Beobachtetes Verhalten der Jungen in Kindergärten
2.4.2 Was beeinflusst die Geschlechtsidentifikation im Kindergarten?
2.5 Betreuungspersonen im Kindergarten – Frauen, Männer oder Frauen und
Männer?
2.6 Die Angst vor der Angst – Probleme der Jungen, ihre Ängste zu zeigen
2.7 Warum eine geschlechtsneutrale Pädagogik auch keine Lösung sein kann

3. Zusammenfassung

4. Literaturverzeichnis

„ ...Doch genau hier wird es für Jungs offenbar schwierig, Vorbilder zu finden. Während den Mädchen alle Türen offen stehen, von der Vollzeit-Mama bis zur Karrierefrau, tun sich die Jungen mit vom Macho abweichenden Rollenbildern offenbar schwer: Hausmänner und Softies werden immer noch belächelt. In Zeiten der Emanzipation stark und zugleich sensibel zu sein, fällt vielen Jungen schwer. Auch das, vermuten Experten, führe dazu, dass sie schon längst nicht mehr das starke Geschlecht sind. ...“ (Zeitschrift Baby und Familie 2005, S.10).

1. Einleitung

Die Zuordnung zu einem Geschlecht ist nicht nur für die eigene Identitätsfindung, sondern auch zur Erkennung für die anderen Menschen von enormer Wichtigkeit. Bereits vor der Geburt können Eltern das Geschlecht ihres Kindes erfahren, wobei schon hier bewusst oder unbewusst bestimmte Erwartungshaltungen gegenüber dem künftigen Mädchen oder Jungen entstehen. Diese Vorstellungen und Erwartungen, die an das gemeinsame Kind gestellt werden, unterscheiden sich jedoch meist bei Vater und Mutter. Fthenakis hat 1985 nach zahlreichen Untersuchungen folgende Aussage diesbezüglich gemacht: „Dass elterliches Verhalten durch das Geschlecht des Kindes modifiziert wird, ist mehrfach bestätigt worden. Nach Rebelsky/Hanks 1971 behandeln Väter und Mütter Jungen und Mädchen von Geburt an unterschiedlich“ (Fthenakis 1985, nach Blank-Mathieu 1996, S.12). Es wurde belegt, dass sich Väter intensiver mit ihren Söhnen beschäftigten, sie öfter berührten, mit ihnen sprachen und spielten als mit ihren Töchtern. Ähnliches Verhalten wurde auch bei Müttern und Töchtern beobachtet (vgl. Fthenakis 1985, nach Blank-Mathieu 1996, S.12f). Dies macht deutlich, dass ein differentieller Umgang der Geschlechter bereits mit dem Lebensbeginn stattfindet und so einen prägenden Einfluss hinterlässt. Die von der jeweiligen Gesellschaft als typisch definierten Verhaltensformen werden so von Anfang an auf die Kinder projiziert und bewirken nach Grabrucker 1991, „dass sich Mädchen und Jungen deshalb nicht ihrem Wesen entsprechend entwickeln können“ (Grabrucker 1991, nach Blank-Mathieu 1996, S.13).

Aus diesem Grund möchte ich in meiner Arbeit die Bedeutung einer Reduzierung von gesellschaftlich erwarteten typischen Geschlechtsrollenklischees zur Sprache bringen. Da die Identifikation mit einem der beiden Geschlechter schon nach der Geburt einzusetzen beginnt, ist es besonders in der Phase der frühen Kindheit notwendig, gezielt gesellschaftlich vorgegebene geschlechtstypische Verhaltensweisen zu vermeiden. Eine Erziehung der Geschlechtergerechtigkeit, das heißt, einer gleichen Behandlung für Mädchen und Jungen, die beiden die selben Chancen und Freiheiten ermöglicht, sollte an dieser Stelle zur Selbstverständlichkeit werden. Pädagogische Einrichtungen können hier entscheidende Veränderungen bewirken. Ich möchte deshalb besonders auf die Arbeit in den Kindergärten und auf Jungen im Kindergartenalter eingehen. Zu Beginn werde ich kurz die Aspekte einer geschlechtsspezifischen Sozialisation anführen. Des Weiteren folgt eine Information darüber, ab wann eine Unterscheidung zwischen männlich und weiblich für die Kinder möglich ist und ab welchem Alter die Zuordnung der eigenen Person zu einem Geschlecht gelingt. Im Folgenden werde ich auf die Institution Kindergarten eingehen und Probleme, die sich aus einer geschlechtstypischen Erziehung ergeben können, darstellen. Wie notwendig ist es für die Geschlechtsidentität, dass ein Kind so früh wie möglich beide Geschlechter kennen lernt? Was bedeuten männliche Vorbilder vor allem für die Geschlechtsidentität der Jungen? Und wie kommt es dazu, dass sich bisher schon bei Kindern im Kindergartenalter feste Verhaltensmuster ausgeprägt haben? Warum zeigen Jungen so häufig aggressives oder auffallendes Verhalten und was hat die geschlechtstypische Erziehung damit zu tun? Kann man dem entgegenwirken? Wenn eine geschlechtstypische Erziehung nicht richtig ist, sollte man dann auf eine geschlechtsneutrale zurückgreifen? Diesen Fragen werde ich versuchen, nachzugehen. Im Schlussteil meiner Arbeit folgt ein Resümee, in welchem die vordem aufgeführten Erkenntnisse zusammenfassend dargestellt werden und Resultate dieser Arbeit hervorgehen sollen.

2. Geschlechterrollen und geschlechtstypisches Verhalten bei Jungen im Kindergartenalter

2.1 Aspekte geschlechtsspezifischer Sozialisation

Die Auseinandersetzung mit den Geschlechtern und deren Erkennen sowie die Identifikation mit dem eigenen Geschlecht sind sehr bedeutsame Prozesse, die jedes Kind in seiner Entwicklung vollzieht. Die Zuordnung zu einem Geschlecht ergibt sich zunächst durch die äußere Gestalt, die von der Gesellschaft wahrgenommen wird. Danach kommt es zur Prägung durch geschlechtsspezifisches Verhalten. „Es gibt auf der einen Seite ein biologisch zugeschriebenes Geschlecht und auf der anderen Seite das sozial zugeschriebene und kulturell definierte Geschlecht, oftmals als ‚gender’ formuliert, das sich in bestimmten, eben geschlechtsspezifischen Verhaltensweisen zeigt“ (Rolff u.a. 2001, S.42). Dies bedeutet, dass Jungen wie Mädchen schon sehr früh bestimmte geschlechtstypische Verhaltensweisen zeigen, welche sie durch ihre Umgebung erlernen. Im Bereich der Psychologie gibt es einige Ansätze, die Erklärungen für diese Aneignungsprozesse suchen. Dazu zählen unter anderem die Psychoanalyse, die Lerntheorie und die Kognitionstheorie. An dieser Stelle möchte ich jedoch nähere Erläuterungen über diese Ansätze auslassen, da sie sehr kritisch zu betrachten sind. Gegenwärtig greift man eher auf die sozialkonstruktivistischen Ansätze der Geschlechtersozialisation zurück. „Diesen Ansätzen liegt der Gedanke zugrunde, dass es keine naturhaft vorgeschriebene Zweigeschlechtlichkeit gibt, sondern verschiedene, vom sozialen Kontext abhängige kulturelle Konstruktionen von Geschlecht“ (Rolff u.a. 2001, S.43). Geschlechtsspezifische Sozialisation wird somit als eine Art Aneignungsprozess gesehen, welcher beeinflusst durch Vorstellungen und Ansichten der Gesellschaft über das weibliche und männliche Geschlecht bei den Kindern entsprechend stattfindet. Die Zweigeschlechtlichkeit bringt mit sich, dass an jedes Geschlecht bestimmte Erwartungen gestellt werden, die die Zugehörigkeit zu einem der beiden deutlich signalisieren. An diesen Erwartungen orientieren sich die Kinder von Geburt an, um sich ihrer eigenen Identität sicher zu sein und um diese auch nach außen hin deutlich repräsentieren zu können. In den ersten Lebensjahren erwerben die Kinder immer mehr Verständnis für die Bilder vom typisch Männlichen und Weiblichen, die in ihrer Kultur Bestand haben. Diese Erkenntnis ist von besonderer Bedeutung und unerlässlich für jede Persönlichkeit, für das Verstehen der eigenen Person, die angemessene Darstellung nach außen und die Verständigung mit anderen. Die von der Gesellschaft definierten Verhaltensweisen der Geschlechter werden so direkt von den Kindern übernommen (Rolff u.a. 2001, S.42ff).

2.2 Unterscheidung der Geschlechter und eigene Zuordnung

Eine deutliche Unterscheidung zwischen männlich und weiblich, über typisches Verhalten und Objekte, die den Geschlechtern entsprechen, ist bereits im Alter von zwei bis drei Jahren gewährleistet. Die Kinder haben jedoch ein noch sehr eingeschränktes Verständnis. Meist können sie erst nach drei Jahren erkennen, dass ihr Geschlecht konstant ist, sie also entweder nur Mädchen oder nur Junge sein können. Schon früher, etwa zwischen dem ersten und dem zweiten Lebensjahr wählen die Kinder bereits zu ihrem Geschlecht passendes Spielzeug aus (vgl. O’Brien/Huston 1985, nach Oerter 1998, S.273). Schon vor dem Kindergartenalter, das heißt mit cirka zwei Jahren, ist die Kenntnis von geschlechtsspezifischen Besitz und von typisch männlichen und weiblichen Aufgaben der Erwachsenen vorhanden (Weinraub et al. 1984, nach Oerter 1998, S.273). Es besteht die Annahme, dass ein Kind, welches sich zuvor seiner Geschlechtsidentität bewusst geworden ist, gezielt das Verhalten von Gleichgeschlechtlichen annimmt und stets darum bemüht ist, mehr Erkenntnisse über diese Gruppe zu erwerben (Martin/Little 1990, nach Oerter 1998, S.273). Wird das eigene Geschlecht und das der anderen von den Kindern erkannt, werden demzufolge das für dieses Geschlecht typische Spielzeug ebenso wie gleichgeschlechtliche Kinder zum Spielen vorrangig ausgewählt (vgl. Martin/Little 1990; Leinbach/Hagan 1986, nach Oerter 1998, S.273).

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Details

Seiten
22
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638513845
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v56787
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – Soziologie
Note
sehr gut
Schlagworte
Geschlechterrollen Verhalten Jungen Kindergartenalter Einführung Soziologie Kindheit Erziehung Geschlecht

Autor

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Titel: Geschlechterrollen und geschlechtstypisches Verhalten bei Jungen im Kindergartenalter