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Konsum in der DDR

Sind systembedingte Mängel der Regierung der DDR verantwortlich für die mangelnde Qualität der Waren, insbesondere der Textilien?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 12 Seiten

BWL - Wirtschafts- und Sozialgeschichte

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Der Bedeutungswandel des Konsumbegriffs

3. Massenware oder Qualität

3.1 Die Mode in der DDR

4. Fazit

5. Literatur

1. Einleitung

Der Plan war eindeutig: Zu den Großen in der Welt gehören und besser sein als der Westen von Deutschland. Dies versuchte die Deutsche Demokratische Republik (DDR) während ihrer Zeit. In einigen Bereich kam das Land sogar auf Weltmarktniveau. Doch wie es nach außen schien, war es innen nicht, die Regierung versuchte davon nichts nach außen dringen zu lassen. Mangelwirtschaft und Missstände beherrschten das Leben der Bevölkerung. Abstriche in allen Bereichen und lange Wartezeiten mussten die Bürger in Kauf nehmen, damit sie ein bisschen Luxus genießen konnten. Besonders im Konsumbereich kam es immer wieder zu Engpässen, die nicht beseitigt werden konnten. Da der Lebensstandard von Menschen von verschiedenen Faktoren, natürlich auch von dem Konsum, beeinflusst wird, war er bei den Menschen in der DDR nicht besonders hoch (vgl. Ehring 1981, S.4f.). Diese Arbeit beschäftigt sich speziell mit dem Textilienbereich. Im Folgenden wird versucht die Frage zu beantworten: Sind systembedingte Mängel der Regierung der DDR verantwortlich für die mangelnde Qualität der Waren, insbesondere der Textilien? Zur Einführung geht es im ersten Punkt um den Bedeutungswandel des Konsumbegriffs. Im nächsten Kapitel mit dem Titel Massenware oder Qualität werden Gründe für die schlechte Qualität der Waren, gerade der Textilien in der DDR gesucht. In einem weiteren Punkt wird knapp auf die Mode in der DDR eingegangen. Ein Fazit führt zur Beantwortung der Ausgangsfrage.

2. Der Bedeutungswandel des Konsumbegriffs

Bereits seit der Antike wird der Begriff „Konsum“ verwendet. Unter dem Begriff versteht man das Verbrauchen und Verzehren eines Ausgangsprodukts. Im industriellen Bereich fand eine erste negative Begriffsverschiebung statt, da das Verwenden des Ausgangsprodukts negativ als Entwertung oder Zerstörung gesehen wird ( vgl. Merkel 1999, S.19). Die Produktion und die Konsumtion wird als Gegensatzpaar angesehen und durch die Konsumtion verliert die Ware ihren Tauschwert. Im 18. Jahrhundert setzte sich langsam der eigentliche Zweck des Konsums durch: Das letzte Ziel von Produktion. Außerdem wird der Konsum als volkswirtschaftlicher Faktor gesehen, denn er schafft den Anlass für eine neue Produktion.

Im gesellschaftlichen Bereich wechselte die Konnotation des Konsumbegriffs sehr häufig. Ab dem Ende 50er Jahre wurden die Menschen zum einem Einkauf von Waren verführt, die sie eigentlich gar nicht benötigten. Diesen negativen Folgen des Massenkonsums folgte in der Nachkriegszeit wieder eine positive Bedeutung. Nach den Notlagen während des Krieges entwickelt sich eine Konsumgesellschaft, in der das Individuum zu einem eigenständigen und mündigen Konsumenten heranwächst, weil er die Auswahl zwischen mehreren Gütern hat (vgl. ebd., S.20). Bis in die 70er Jahre wurde der Konsumbegriff entweder als rein quantitative ökonomische Größe oder aber als kulturkritisch und gesellschaftskritisch mit Konsumzwang und Manipulation verwendet. Der kulturkritische Aspekt rückte immer mehr in den Hintergrund und erst Ende der 70er Jahre wird wieder der Zusammenhang zwischen Individuum und Kultur thematisiert (vgl. ebd., S.21).

Nach dem zweiten Weltkrieg kann man in Deutschland nicht mehr von einem einheitlichen Konsumbegriff sprechen, weil Deutschland in zwei Teile gespalten wurde. Im Westen gab es ein großes Angebot an Konsumgütern die auch nie ausgingen, im „Westfernsehen“ lebte die Werbung ein schönes und freies Leben vor (vgl. Ebert 1997, S.109f.). Im Osten wurde ebenfalls versucht, den Menschen einen gewissen Standard an Konsumgütern zu ermöglichen.

3. Massenware oder Qualität

Das Primärziel der DDR-Regierung lag nach dem zweiten Weltkrieg in dem Aufbau der Schwerindustrie. Hierdurch wurde der Konsumgüterbereich sehr stark vernachlässigt. Die Mängel, die in der Versorgung der Menschen in der DDR auftraten, waren damit schon auf viele Jahre vorherprogrammiert. Ein weiterer Grund für die Mängel war die knappe Materiallage in Ostdeutschland. Zu einem Rohstoffmangel kam später auch noch der Arbeitskräftemangel hinzu, denn qualifizierte Arbeiter wurde in den Westen gelockt.. Mit teuren Devisen mussten Rohstoffe wie Baumwolle und Wolle auf dem Weltmarkt gekauft werden, was der DDR-Regierung jedoch nicht lange möglich war. Durch die Enteignung der Banken, Versicherungen und Großindustriellen gewann der Staat die Kontrolle über die Wirtschaft und entwickelte gleich eine Vielzahl von Plänen, mit denen die Wirtschaft angetrieben werden sollte. Mit dem neuen Kurs sollte die Arbeitsproduktivität der DDR um 30 Prozent gesteigert werden (vgl. Merkel 1999, S.38ff.). Des Weiteren gab es zwischen 1950 und 1988 eine Versechsfachung des Warenumsatzes, der jedoch den Bedarf, Menge und Qualität nicht veränderte (vgl. Ebert 1999, S.17). Erst als durch Stalins Tod ein Politikwechsel in der sowjetischen Regierung erfolgte, änderte sich auch die Wirtschaftspolitik. Planungschef Nikitin forderte „die vorrangige Entwicklung der Konsumgüterproduktion zu Lasten der Schwerindustrie im Interesse eines höheren Lebensstandards“ (Merkel 1999., S.39). Diese Umstrukturierung setzte sich jedoch nur ganz langsam durch und war von dem Ziel, der allgemeinen Verfügbarkeit der Waren noch weit entfernt. Die wiederholten Mängel auf allen Gebieten kamen durch die wirtschaftliche Ineffizienz der DDR-Regierung. „Der Konsumgüterhandel mußte zugleich Planungs-, Bilanzierungs- und ‚Versorgungsaufgaben’ übernehmen und war letztlich damit überfordert“ (Ebert 1997, S.15). Wie wurde der Plan im Bereich Textilen verwirklicht? Durch ein ausgearbeitetes Chemie-Programm erfuhr der Textilienmarkt in den 60er Jahren einen Aufschwung, wie man in der folgenden Tabelle erkennen kann.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(zitiert nach: Ehring, Klaus: Das andere Deutschland – Lebensstandard und Versorgung in der DDR. Hamburg: 1981(dpa Hintergrund. Archiv- und Informationsmaterial Teil zwei. Seite 5).

Es zeigt sich ein Drang zu den nicht lebensnotwenigen Gütern, dem die Regierung jedoch nicht folgte. Obwohl DDR-Textilien auf dem Weltmarkt einen schlechten Stand hatten, waren bügelfreie Hemden und Silastik-Pullover in den 60ern in der DDR sehr beliebt, denn diese Materialien glichen den Mangel an natürlichen Rohstoffen aus (vgl. Merkel 1999., S.42; Hirdina 1996, S.53). Diesen Aufschwung stoppte die Regierung durch die Grundsätze der Preispolitik jedoch ganz schnell. Damit die Industrie notwendige Investitionsmittel gewann, wurden einige Waren hochsubventioniert und andere Waren künstlich verteuert. So kam es, dass die Waren, die zum täglichen Leben gebraucht wurden billig waren und Waren wie Textilien und Schuhe zu den Luxusgütern gehörten. Die DDR-Regierung merkte bald, dass dieser Plan bei der Bevölkerung nicht auf Zustimmung führen würde, deshalb wurde auf dem VI. Parteitag eine ‚Politik des Preisstopps’ für Konsumgüter eingeführt. Doch dieser Entschluss half der ehemaligen DDR auch nicht weiter, denn durch die veränderten Rohstoffpreise verschob sich die Basis für die Ausarbeitung der Preise immer mehr. Besonderes der Textilienbereich hatte damit zu kämpfen. Durch Stützungen und Verlustproduktionen kam es bei vielen Produkten dazu, dass die Produktion eingestellt werden mussten, oder dass die Hersteller auf andere Materialen umstiegen. Im Zeitraum von 1962 bis 67 erhöhten sich die Preise bei den Textilien um 4,6 Prozent, das führte zu einem vermehrten Einsatz von synthetischen Fasern (vgl. Merkel 1999, S.58f.).

Die Parteiführung hatte keine klare Linie. Sie schwankte mit ihrer Mittelstandpolitik zwischen ideologischen Ambitionen und pragmatischen Erwägungen. Die Bürger ihres Landes sollten eine breite Auswahl an Konsumgütern haben, die billig sind und auch noch von guter Qualität. Außerdem kontrollierte die Regierung nahezu alle Produktionsfirmen. Durch die Einbindung der privaten Unternehmen hatte die Regierung die Möglichkeit für diese Unternehmen Kapazitätseinschränkungen anzuordnen, mit der Begründung, dass es erhebliche Übererfüllungen gegeben hat (vgl. ebd., S.66f.). Absatzschwierigkeiten, gerade im Bereich der Textilien wurden hier als Grund angegeben und deshalb schloss der staatliche Großhandel nur noch beschränkt Verträge mit Produktionsfirmen ab. Da die Produktionskosten in privaten Betrieben billiger waren und auch die Waren eine bessere Qualität hatten, erhoffte sich die Regierung eine Qualitätsverbesserung ihrer eigenen Waren, die deshalb teurer waren, weil sie Abgaben an den Staat und festgesetzte Ausgaben für kulturelle und soziale Zwecke zahlen mussten.

[...]

Details

Seiten
12
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638513487
ISBN (Buch)
9783638792363
Dateigröße
441 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v56735
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld – Fakultät für Soziologie
Note
1,3
Schlagworte
Konsum Wirtschaft Gesellschaft DDR Kleidung

Autor

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Titel: Konsum in der DDR