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Die Bedeutung von Symbolen und die Möglichkeiten der Symboldidaktik

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 27 Seiten

Didaktik - Theologie, Religionspädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Begriff des Symbols. Etymologische Erläuterung und mögliche Bedeutung für den Menschen
2.1 Etymologie des Terminus „Symbol“
2.2 Definition des Begriffs „Symbol“
2.3 Die Bedeutung von Symbolen und ihre Auswirkungen auf den
Einzelnen und die Gesellschaft

3. Woher kommen Symbole?
3.1 Die Symboltheorie bei Sigmund Freud
3.2 Die Symboltheorie bei C.G. Jung
3.3 Die aus der Betrachtung der unterschiedlichen psychoanalytischen
Theorien resultierenden Bedeutungen für den Menschen

4. Die Symboldidaktik
4.1 Die Aufgaben der Symboldidaktik
4.2 Die Stärken der Symboldidaktik
4.3 Was kann Symboldidaktik bewirken?

5. Schluss

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Verlauf der Jahrtausende in denen der Mensch seine Kultur verändert und weiterentwickelt hat, spielten Symbole immer eine wesentliche Rolle.

Symbole hatten nicht nur ihren festen Sitz innerhalb der verschiedenen religiösen Gemeinschaften, sondern auch innerhalb des alltäglichen Lebens. Die Menschen lebten daher sowohl mit, als auch durch die Symbole, da sie ihnen zumal als Wegweiser oder auch als Erklärungsmittel für ihr Leben dienten.

Diese Zeiten haben sich allerdings sehr verändert. Heute spricht die Mehrzahl der Menschen Symbolen keine wesentliche Bedeutung zu. Dennoch kann man nicht sagen, dass die Kulturen in denen wir leben frei von Symbolen sind. Ganz im Gegenteil. Symbole begegnen uns auch heute noch an vielen Stellen des Gemeinschaftssystems, nur werden sie von dem Einzelnen nicht mehr so intensiv und aufmerksam wahrgenommen. Ein Beispiel für diesen Umstand lässt sich in den Medien, speziell in der Werbung erkennen. Die Werbung versucht sich dem Menschen oder potenziellen Käufer so darzustellen, dass sie als unabkömmlich erscheint und dies erreicht sie in vielen Fällen anhand von Symbolen. Hier trifft man beispielsweise häufig auf das Wort „Statussymbol“, obwohl dies den Charakter eines Symbols eigentlich nicht tatsächlich trifft.

Es ist somit deutlich, dass auch der heutige Mensch noch stark von Symbolen beeinflusst wird, es nur nicht in dem Maße, in dem es wahrscheinlich nötig wäre, reflektiert.

Die vorliegende Arbeit will sich daher, mit der Bedeutung von Symbolen für den Menschen auseinandersetzen. Dabei sollen Fragen erläutert werden, die sich sowohl mit dem Ursprung der Symbole als auch mit den möglichen Einflussbereichen auseinandersetzen sollen.

Die Arbeit unterliegt einer Dreiteilung, wobei von dem allgemeinen Begriff des Symbols über die psychoanalytischen Thesen von Siegmund Freud und C.G. Jung’s Symbollehre eine Brücke bis zur Symboldidaktik innerhalb des Schulalltags aufgebaut werden soll.

Im ersten Kapitel soll der Begriff des Symbols näher erläutert werden. Es soll zunächst etymologisch geklärt und ferner versucht werden den weiten Oberbegriff der Symbole in eine Definition zu fassen. Darauf folgend soll erörtert werden, wie groß die Bedeutung von Symbolen ist und wie sie sich auf das Leben des Einzelnen aber auch auf die Strukturen der Gemeinschaft ausübt.

Im zweiten Teil soll die übergeordnete Frage gestellt werden: woher Symbole kommen. Hierbei sollen die Überlegungen von Freud und Jung als Grundthesen kritisch gegenübergestellt werden. Anhand dieser Gegenüberstellung wird erfragt, welche Bedeutung daraus für den Menschen resultiert.

Anhand des letzten Abschnitts soll die Diskussion über Symbole spezifiziert werden. Es soll ein Blick, weg von den allgemeinen Bedeutungen der Symbole und hin zur Symboldidaktik innerhalb des Schulalltags geworfen werden. Hier wird nun zunächst erörtert werden, welche Gründe es für die Entwicklung einer Symboldidaktik gegeben hat. Des Weiteren sollen die Aufgabe und Stärken einer solchen Didaktik erläutert werden. Dargestellt werden soll, dass Symboldidaktik zwar „nur“ innerhalb des Klassenzimmers erteilt wird, sie aber wenn sie erfolgreich vollzogen wird, ihre Kreise weit über den Unterrichtsraum hinaus zieht.

2. Der Begriff des Symbols. Etymologische Erläuterung und mögliche Bedeutung für den Menschen

Um sich dem Symbolverständnis und der eigentlichen Bedeutung des Begriffs besser annähern zu können, ist es wichtig sich im Voraus über den Ursprung und die damit verbundenen Auffassungen klar zu werden.

In den folgenden Unterkapiteln soll daher sowohl der einzelne Begriff des „Symbols“ erläutert als auch die daraus resultierenden Grenzen und Möglichkeiten betrachtet werden. Dabei werden schon innerhalb dieser ersten Schritte die potenziellen Bedeutungsinhalte für den Menschen betrachtet.

2.1 Etymologie des Terminus „Symbol“

Das deutsche Wort „Symbol“ kommt ursprünglich aus dem Griechischen und ist aus zwei unabhängigen Teilen zusammengesetzt.

Zu erkennen ist das Adjektiv ‚syn’, das ‚zusammen’ bedeutet und das Verb ‚bállein’, das mit ‚werfen’ übersetzt werden kann.[1] Anhand dieses Ursprungs und der dazugehörigen Übersetzung wird deutlich, dass unter dem Terminus „Symbol“ etwas zu verstehen ist, das zwei unterschiedliche Elemente miteinander verbindet. So wird ‚symbollein’ freier auch mit dem Zusammenfügen von Bruchstücken wiedergegeben.[2] Durch den Vorgang des Zusammenfügens wird deutlich, dass Symbole einen kommunikativen Sinn aufweisen. Wird dem Symbol dieser wesentliche Sinn abgesprochen oder entzogen, so kann es seine potentielle Bedeutung nicht entfalten. Die Relevanz liegt darin, dass das Symbol nicht nur einen einzelnen Sinn aufweist, sondern sowohl doppel- als auch vieldeutig sein kann. Das heißt, dass Symbole sich stets durch eine Mehrdeutigkeit auszeichnen, welche wiederum von verschiedenen Indikatoren abhängt.[3] Die erste und einsichtigste Bedeutung wird immer auf Grund des wörtlichen Sinnes hergeleitet. Die darüber hinausgehenden Sinnebenen können sich hingegen nur anhand von Kontext und Interaktion herausbilden. Vor dem Hintergrund dieser Überlegungen wird somit schon deutlich, dass die Entfaltung des symbolischen Potentials immer auch von dem einzelnen Betrachter abhängig ist. „Ob ein überliefertes Symbol-Zeichen für bestimmte Menschen zu einem Symbol wird, hängt von der Kommunikation, von dem selbständigen symb. Umgang in Beziehungen ab.“[4] Für den einzelnen Menschen bedeutet dies also, dass das Symbol nicht nur in einer Wechselwirkung mit den von ihm verbundenen Bereichen steht, sondern auch immer eine Beziehung zwischen dem Symbol und dem symbolisierenden Subjekt aufgebaut werden muss. Für den Betrachter liegt hier die Chance anhand des Symbols das Nicht-Anwesende gegenwärtig zu machen.[5]

An dieser Stelle ist allerdings noch darauf aufmerksam zu machen, dass in unserem heutigen Sprachgebrauch der Begriff des Symbols immer als eine Bezeichnung für etwas anderes verwendet wird. Als „Symbol eines anderen“[6]. Ursprünglich ist das Wort aber anders zu verstehen. Nämlich als „Symbol aus etwas“[7]. Dadurch wird direkt auf die polar gesetzten Teile innerhalb des Symbols aufmerksam gemacht. Gleichzeitig verdeutlicht dies aber auch, dass der heutige Sprachgebrauch den Begriff verfälscht und er somit als allegorisch verbildet erscheint.[8]

2.2 Definition des Begriffs „Symbol“

Eine Definition von einem Begriff soll dazu dienen, diesen einzugrenzen und somit greifbarer zu machen. Definitionen sind somit immer auch zugleich Begrenzungen, anhand derer der Einzugsbereich eines bestimmten Ausdrucks abgesteckt wird. Genau an dieser Stelle zeigt sich nun für das Wort „Symbol“ die Schwierigkeit.

Jedes Wort, das einer Definition unterliegt ist auch gleichzeitig in ein festes System eingegliedert. Symbole aber überwinden ihrem Charakter nach Systeme.[9] Ein Symbol im Allgemeinen genauso wie im Speziellen zeichnet sich gerade dadurch aus, dass es über Grenzen hinweg geht und Brücken zwischen polar gesetzten Bereichen schlägt. Somit ist festzuhalten, dass sich Symbole nicht einfach eingrenzen lassen und somit auch nicht ohne weiteres in Systeme einzuordnen sind. Das Symbol ist eben deshalb so bedeutsam und von so großer Wichtigkeit, weil es Grenzen aufhebt und die vermeintlich fremden Bereiche miteinander verbindet.[10] „Wie sollte es [daher] gelingen, dasjenige, das Grenzen (den Begriff) transzendiert, auf Begriffe zu bringen.“[11] Für den Versuch einer Begrenzung des Begriffs bedeutet dies somit, dass eine Definition an dem Wort „Symbol“ seine eigenen Grenzen erreicht hat. Allerdings heißt es im Gegenzug nicht, dass Symbole jeglicher Ordnung entbehren. Vielmehr kommt es auch hier wieder auf die Kommunikation zwischen Subjekt und Symbol an. Die jeweilige Bedeutung eines Symbols muss vom Einzelnen unter den Bedingungen der gegenwärtigen Situation jeweils neu expliziert werden.[12] Daraus resultiert, dass sich Symbole zwar nicht in Systeme einordnen lassen und auch keine allgemeingültige Definition von ihnen produziert werden kann aber, jedes Symbol doch seine eigene Ordnung hat. Dies gilt auch dann, wenn ein Symbol sich anscheinend nicht einordnen lässt. Dieses ist dann nicht ohne Regelung, sondern lediglich nicht verstanden worden.[13]

In Bezug auf den Umgang mit Symbolen wird folglich deutlich, dass für einen korrekten und ergiebigen Kontakt mit ihnen der Mensch spezielle Instrumente benötigt, um den richtigen Zugang zu erlangen. Von diesem hängt es dann nämlich auch ab, ob der Einzelne das Symbol in eine Ordnung einfügen kann und ob er in der Lage ist, die Vieldeutigkeit des Symbols zu be- und ergreifen.

2.3 Die Bedeutung von Symbolen und ihre Auswirkungen auf den Einzelnen und die Gesellschaft

Die Bedeutung von Symbolen ist wahrscheinlich um ein vielfaches größer, als es dem Einzelnen bewusst ist. Dies liegt im Wesentlichen daran, dass wir jeden Tag mit Symbolen umgehen, ohne uns darüber tatsächlich bewusst zu sein. Der Gebrauch von Symbolen ist deshalb so hoch, weil wir durch sie versuchen unsere Umgebung und unsere Wirklichkeit besser zu verstehen und vor allem auch artikulieren zu können. Diese Übersetzung der Wirklichkeit in Symbole ist notwendig, da „Realität [...] uns nicht unvermittelt, gleichsam in ‚Reinform’ gegenüber [tritt], sondern symbolisch vermittelt“[14] wird. Menschen benutzen Symbole somit dazu, um mit ihrer Umgebung in Kontakt zu treten. Die Besonderheit der Symbole liegt nun darin, dass jedes einzelne einen hoch komplexen Verständnisausdruck darstellt. Sein Wert liegt nicht darin Gegebenes widerzuspiegeln, sondern gerade dies nicht zu tun und statt dessen als Mittler der Erkenntnis in bestimmten Bereichen aufzutreten.[15] „Die symbolbildende Tätigkeit des Menschen wird verstanden als tätige Selbstvermittlung mit der Welt und sich selbst.“[16] Die Bedeutung der Symbole ist also dahingehend von großer Bewandtnis, als dass sie in der Funktion des finalen Interpretanten die Bedeutung der jeweiligen Begebenheiten unmittelbar in die Lebenspraxis des Einzelnen umwandelt.[17] Symbole verabreichen den Gegenständen somit erst ihre wesentliche Bedeutung. „Hergestellt werden Bedeutungszuschreibungen durch den relationalen Charakter von Objekt und Repräsentant.“[18] Anhand dieser Überlegungen wird die allgemeine Bedeutung von Symbolen deutlich.

Diese Bedeutung kann wahrscheinlich gar nicht überschätzt werden. Es ist schon darauf hingewiesen worden, dass Symbole dem Menschen täglich begegnen und er mit ihnen umgeht, nur meist ohne es wahrzunehmen. Daran wird deutlich, wie sehr Symbole in unsere Gesellschaft integriert sind aber auch, wie sehr wir in Bezug auf dieses transzendente Medium abgestumpft sind.

[...]


[1] Vgl. Kluge, Friedrich: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 18. Auflage. Berlin 1960. S. 766.

[2] Vgl. Biehl, Peter: Symboldidaktik. In: Lexikon der Religionspädagogik./ Norbert Mette und Folkert Rickers (Hg.). Band 2. Neukirchen 2001. S. 2074-2079. Hier S. 2075. [im Folgenden abgekürzt mit: Biehl, Peter: Symboldidaktik]

[3] Vgl. Ebd. S. 2075.

[4] Ebd. S. 2076.

[5] Vgl. Ebd. S. 2076.

[6] Vonessen, Franz: Der Symbolbegriff im griechischen Denken. Zur philosophischen Grundlegung einer Symbolwissenschaft. In: Beiträge zu Symbol, Symbolbegriff und Symbolforschung / hrsg. von Manfred Lurker. Baden-Baden 1982. (Bibliographie zur Symbolik, Ikonographie und Mythologie: Erg.-Bd. 1) S. 9-16. Hier S. 13. [im Folgenden abgekürzt mit: Vonessen, Franz: Der Symbolbegriff im griechischen Denken]

[7] Ebd. S. 13.

[8] Vgl. Ebd. S. 13.

[9] Vgl. Ebd. S. 9.

[10] Vgl. Ebd. S. 9.

[11] Ebd. S. 9.

[12] Vgl. Möring-Plath, Burkhard: Das Symbol und die unterrichtete Religion: Eine Grundlegung für ein religionspädagogisches Symbolkonzept. Münster 2001. S. 41. [im Folgenden abgekürzt mit: Möring-Plath, Burghard: Das Symbol und die unterrichtete Religion]

[13] Vgl. Vonessen, Franz: Der Symbolbegriff im griechischen Denken. S. 15.

[14] Möring-Plath, Burkhard: Das Symbol und die unterrichtete Religion. S. 307.

[15] Vgl. Ebd. S. 281.

[16] Vgl. Ebd. S. 281.

[17] Vgl. Ebd. S. 285.

[18] Ebd. S. 285.

Details

Seiten
27
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638513005
Dateigröße
550 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v56671
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Katholisch-Theologische Fakultät Seminar für Pastoraltheologie und Religionspädagogik
Note
1,0
Schlagworte
Bedeutung Symbolen Möglichkeiten Symboldidaktik Hauptseminar Didaktische Grundtypen Religionsunterrichts Vergangenheit Gegenwart

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