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Sprachliche und pädagogische Konzeptionen im Deutschunterricht des 18. Jahrhunderts

Hausarbeit (Hauptseminar) 2002 19 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Wichtige Begründer sprachlicher Konzeptionen des muttersprachlichen Unterrichts
2.1 Die Stilbildung im Rahmen der galanten Erziehung
2.2 Politische Beredsamkeit nach Christian Weise
2.3 Über das Prinzip der Nützlichkeit

3. Die frühen Aufklärer – Gelehrte Beredsamkeit
3.1 Die Forderungen der Reformer Hallbauer und Schatz
3.2 Johann Christoph Gottsched
3.3 August Hermann Niemeyer

4. Literaturangaben

1. Einleitung

Die Geschichte des Deutschunterrichts ist sehr komplex und muss immer auch in die gesellschaftlichen, religiösen und politischen Hintergründe der Zeit eingeordnet werden.

Die allgemeine Gelehrtensprache war vom späten Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert hinein Latein. „Im Neben- und Miteinander von Latein und Deutsch lagen Prestige und schriftsprachlicher Status über viele Jahrhunderte eindeutig auf Seiten des Lateinischen. Deutsch war die Sprache der Mündlichkeit, der ungebildeten Stände, der primären Sozialisation in der Familie und der dialektalen Vielfalt.“[1]

Im 17. Jahrhundert war Latein Gelehrten- und Literatursprache. Die deutsche Sprache fand erst Ende 17. Jahrhundert allmählich und nur schwer Einzug in die Schulen. Zuvor wurde der Unterricht in Latein abgehalten. Deutsch als Unterrichtsfach gab es nicht. Alle Fächer wurden in der lateinischen Sprache gelehrt. Den Kindern untereinander wurde verboten sich in ihrer Muttersprache zu unterhalten.

Erst im Laufe der folgenden Jahrhunderte wurde der Deutschunterricht als Unterrichtsfach an den Schulen und Universitäten eingeführt. Gründe hierfür sind in gesellschaftlichen und politischen Veränderungen zu finden. Auch das Schulwesen hat seinen Teil dazu beigetragen, die deutsche Sprache an Schulen zu etablieren.[2]

Ein Großteil der Gymnasien, die Latein- und Gelehrtenschulen hielten lange Zeit, trotz der gesellschaftlichen Veränderungen im Hinblick auf die deutsche Sprache an der lateinischen Sprache fest. Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts setzte sich die deutsche Sprache auch an diesen Schulen durch.

Seit der Aufklärung ist der Deutschunterricht an Elementar- Volks- und Lateinschulen ein fester Bestandteil des Unterrichts. Den Kindern der Unter- und Mittelschicht wurde zu dieser Zeit erstmals die Möglichkeit geboten die Grundlagen der deutschen Muttersprache an Wort und Schrift zu erlernen. Dennoch war der Erwerb der Muttersprache kein Garant für den späteren Eintritt in eine höhere Schule.

Deutsch als Unterrichtsfach konnte sich an Gymnasien auch noch im 19. Jahrhundert nur schwer etablieren.[3]

2. Wichtige Begründer sprachlicher Konzeptionen des muttersprachlichen Unterrichts

Bereits im 17. Jahrhundert nahmen sich viele Reformer dem Problem der deutschen Sprache an Schulen, an. Wichtige Vertreter dieser Zeit waren Wolfgang Ratke (1571-1635), Johann Amos Comenius (1592-1670) und Christian Weise (1642-1708).[4]

Diese legten mit ihren Konzepten und Vorstellungen den Grundstein für den Einzug der deutschen Muttersprache in den Schulen im 18. Jahrhundert.

Ratke und Comenius setzten sich bereits im 16. Jahrhundert für den muttersprachlichen Unterricht an den Schulen ein. Die Kinder sollten wenigstens während der ersten Jahre ihrer Kindheit eine sogenannte Muttersprachschule besuchen. Ratke forderte : „Aller Unterricht, auch der Sprachunterricht, sollte mit der Muttersprache beginnen. Die naturgemäße Methode im Erlernen der Sprachen sei der Ausgang von der Grammatik der Muttersprache.“[5] Als Grundlage diente ihm die Bibelübersetzung von Luther, anhand derer er grammatikalische Strukturen, Stilelemente und rhetorische Elemente aufzeigte und in seinen muttersprachlichen Unterricht übertrug.

Mit der Aufklärung begann der Aufschwung und die Anerkennung der deutschen Sprache in Gesellschaft, Literatur, Wirtschaft und Schule. Wichtige und bedeutende Vertreter der Aufklärung waren John Locke und Jean Jacque Rousseau.

Die Ideen und Vorstellungen der Aufklärung wurden in Deutschland vor allem von den sogenannten Philanthropisten (Menschenfreunden) in die pädagogische Tat umgesetzt. Zunächst erprobten die Philanthropisten ihre Gedanken und Ideen als Hauslehrer, bevor sie auch Einzug an den öffentlichen Schulen hielten.

Auch die moralische Erziehung gewann zur Zeit der Aufklärung an Bedeutung. Diese wurde in den muttersprachlichen Deutschunterricht integriert, (...) „und damit zum Zentrum der Schulerziehung.“[6]

Die Begriffe Vernunft und Moral standen ganz im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Auch die damit verbundene Gleichheit aller Menschen und das vernünftige Handeln waren wichtige Maximen der Aufklärung.

Herder verwendet im Zusammenhang mit der Sprachbildung und Grammatikaneignung den Begriff der Vernunft. In einem seiner Werke von 1772 schrieb er : „Eben weil die menschliche Vernunft nicht ohne Abstraktion sein kann und jede Abstraktion nicht ohne Sprache sein wird, so muß die Sprache auch in jedem Volk Abstraktionen enthalten, d.i., ein Abdruck der Vernunft sein, von der sie ein Werkzeug gewesen.“[7]

Auch Humboldt beschäftigte sich intensiv mit dem Verhältnis von Sprechen und Denken. Für ihn waren die beiden Komponenten untrennbar miteinander verknüpft.

Durch neu erfundene Druckverfahren und die damit aufkommende Verbilligung der Papierherstellung wurde es nun auch dem niederem Volke möglich, sich Zugriff zu Publikationen zu beschaffen und am öffentlichen Leben teilzunehmen. Diese Tatsache führte zu einem regen öffentlichen Interesse an Sprache und Schrift.

Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts bildete sich auch eine

neuhochdeutsche Schriftsprache aus, welche sich überregional etablierte. Auch die Wissenschaft setzte sich immer mehr mit dem Thema deutsche Muttersprache auseinander und viele Sprachwissenschaftler und Pädagogen zu dieser Zeit veröffentlichten ihre Werke. Im 17. Jahrhundert veröffentlichte Justus Georg Schottels

seine Werke „Teutsche Sprachkunst“ und „Ausführliche Arbeit von der teutschen Haubtsprache“ (1663), welche sich mit grammatikalischen Strukturen der deutschen Sprache beschäftigen und sehr großen Zuspruch und Einfluss gewannen.

Im 18. Jahrhundert verfasste Christoph Gottsched viele Werke, welche sich mit der deutschen Sprach- und Stilbildung beschäftigen. Auch Johann Christoph Adelung beschreibt in seinem Buch „Deutsche Sprachlehre“ (1781), die deskriptive Grammatik.[8]

Dennoch wurde das gesamte Schulleben wurde während des 18. Jahrhunderts zum größten Teil noch in der lateinischer Sprache organisiert, und die Schüler in der lateinischen Sprache unterrichtet.

Nur einzelne Fächer wurden in der deutschen Muttersprache gehalten, wie z.B. der Religionsunterricht. Die Schulen standen bis 1750 unter kirchlicher Aufsicht.

Man geht davon aus, dass es dennoch schwierig war, die deutsche Sprache im Unterricht gänzlich zu vermeiden.[9] Gerade im Hinblick auf die lateinische Grammatik konnte die deutsche Sprache als pädagogisches Hilfsmittel nur schwer vermieden werden.

Die ersten deutschen Lehr- und Lesebücher sind schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts erschienen und in vielen Schulen auch zum Einsatz gekommen.

Im weiteren Verlauf meiner Arbeit werde ich verschiedene pädagogische und sprachliche Konzeptionen bedeutender Reformer des 18. Jahrhunderts erläutern und beschreiben.

[...]


[1] Steinig / Huneke (2002), S. 185

[2] Ludwig (1988), S. 23, 24

[3] Stocker (1987), S. 55

[4] Ludwig (1988), S. 24-70

[5] Melzer / Seifert (1976), S. 15

[6] Frank (1973), S. 119

[7] Steinig / Huneke (2002), S. 46

[8] Steinig / Huneke (2002), S. 45-46

[9] Ludwig (1988), S. 40/41

Details

Seiten
19
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638134651
Dateigröße
538 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v5653
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Heidelberg – Didaktik Deutsch
Note
3
Schlagworte
Sprachliche Konzeptionen Deutschunterricht Jahrhunderts

Autor

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Titel: Sprachliche und pädagogische Konzeptionen im Deutschunterricht des 18. Jahrhunderts