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Die Eroberung von Konstantinopel 1453 und die Transformation der Stadt

Hausarbeit (Hauptseminar) 2003 26 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Der Aufstieg des Osmanischen Reiches

2. Zerfall und Untergang des Byzantinischen Reiches

3. Religiöse- und machtpolitische Gründe für die Eroberung von Konstantinopel

4. Die Eroberung von Konstantinopel 1453

5. Die Transformation der Stadt

6. Wirtschaftliche Vorteile durch die Eroberung von Konstantinopel für das Osmanische Reich

7. Literaturverzeichnis

Einleitung

1927 erschien Stefan Zweigs Buch „Sternstunden der Menschheit“. Sein populärstes und erfolgreichstes Buch ist eine Sammlung von Texten, die er selbst historische Miniaturen nannte. Eine dieser Miniaturen beschreibt jenen 29. Mai des Jahres 1453, an dem eine vergesse Tür den entgültigen Untergang eines einstigen Weltreiches besiegeln und einem anderen Reich den Höhepunkt seiner Macht bescheren sollte.

In dieser Hausarbeit beschäftige ich mich mit der Eroberung von Konstantinopel durch die Osmanen, welche damit das Byzantinische Reich nach mehr als 1100 Jahren entgültig zu Fall brachten. Das Hauptaugenmerk wird neben der Eroberung auf der Transformation der christlichen Hauptstadt in eine islamische Hauptstadt liegen.

1. Der Aufstieg des Osmanischen Reiches

Gründe für das Vordringen und Etablieren der Turkvölker in ehemalige byzantinische und nochbyzantinische Gebiete gab es mehrere. Die wichtigsten und entscheidendsten waren:

1. Das Byzantinische Reich war innerlich vom Niedergang gezeichnet und in dauernde Kriege und Bürgerkriege verwickelt. Somit schied es als ernst zunehmender militärischer Gegner für die Turkvölker aus.
2. Die Byzantiner ihrerseits nahmen Türken als Söldner in ihrer Armee auf oder verbündeten sich mit einzelnen Emiraten.
3. Das christliche und kulturell ertragreiche Land war Angriffsziel der islamischen „Ghasis“ so genannte Glaubenskrieger, die durch die Erwartung von Beute sich mehr und mehr den Osmanen bei ihren Streifzügen anschlossen.
4. Die Glaubenskämpfer wandelten sich durch den Erwerb von Beute vom Nomaden zum Berufskämpfer, der nicht in Konkurrenz zu den Ackerbau treibenden griechischen Bauern trat. Dies führte dazu, dass gerade das eroberte Gebiet und dessen Verwaltungsstrukturen nicht zerstört wurden sondern zur Bereicherung diente.[1]
5. Die slawischen Reiche des Südbalkans (Bulgarien und Serbien) wahren ebenfalls wie Byzanz in innere Konflikte verstrickt und durch diese permanenten Streitigkeiten langfristig geschwächt.

Zusammenfassend läst sich feststellen, dass unterschiedliche Prozesse sich zu einer gesamten Krise in diesem Raum verdichteten und somit den Eroberungen durch die Osmanen den Boden bereitete, was für eine so rasche Expansion erforderlich war.[2]

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert beschrieb der Orientalist Hammer-Purgstall die Vorgeschichte des Osmanischen Reiches wie folgt: „Der Strom der türkischen Geschichte, der sich bisher vom verborgenen Quellenhaupte der Sage durch das Gestrüppe gestürzter Stämme und vielfach verflochtener Zweige in eingeengtem Rinnsale mühsam durchgearbeitet hat, wird nun, sobald er nach Vereinigung mehrerer zuflüsse und Zurücklassung ihrer Nahmen, den der Familie Osman’s, angenommen, in breiterem und bequemen Thalweg ruhiger und klarer fortfliessen.“[3] Hammer-Purgstall bezieht sich dabei auf die aus Zentralasien einwandernden zersplitterten Turkvölker, bei deren Vielzahl und Kurzlebigkeit eine genauere Betrachtung schier unmöglich schein. Die Vorzeit des Osmanischen Reiches entzieht sich zwar nicht ganz der Historiographie, doch lässt sich nur schwer Historie von Sage unterscheiden und erst das Jahr 1300 stellt eine echte Zäsur dar. Der Ursprung der Türken liegt im Gebiet zwischen Aralsee und westlichem Altaigebirge, wo sie im 6. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt werden.[4] Mit der Wanderung türkischer Stämme nach Westen begann im 10. Jahrhundert die Islamisierung großer Teile der türkischen Stämme durch islamische Kaufleute und Derwische. Darunter befand sich ein Staatenverband (Oghusen) welcher sich, nach ihrem Führer Selcuk, Seldschuken nannte und ab 1037 mit der Eroberung der östlichen islamischen Reiche begann.[5] Der weitere Zustrom von türkischen Stämmen führte zur Ausbreitung ins damalige Byzantinische Reich.[6] Das Reich der Rumseldschuken erlebte seinen Höhepunkt im 13. Jahrhundert[7] und zerfiel nach dem Sieg der Mongolen in türkische Kleinemirate.[8] Durch die mongolischen Eroberungen im 13. Jahrhundert wurde eine zweite türkische Einwanderungswelle ausgelöst die besonders in Anatolien zu spüren war. Einer dieser nomadischen Stämme siedelte im Gebiet um das heutige Eskisehir im nordwestlichen Teil der Türkei. Ihr Anführer nannte sich Ertogrul und hinterließ einen Sohn namens Osman.

1300 starb der letzte Seldschukensultan Alaeddin II, und sein Reich zerfiel in zehn Teile. Osman I. (1258 – 1326) wurde in einem dieser Teile selbstständiger Herrscher und geht als Begründer der osmanischen Dynastie in die Geschichte ein. Seine Eroberungszüge bezweckten Gebietsgewinne, sowie die Unterwerfung und Angliederung der benachbarten Turkvölker. Zu seinem Hauptgegner avancierte dabei das Byzantinische Reich, zu ernsthaft großen Konfrontationen kam es aber mit dem stark geschwächten Kaiserreich nicht. Bereits im Sommer 1301 kam es zur ersten militärischen Auseinandersetzung zwischen den Osmanen und den Byzantinern. In der Schlacht bei Kujunhissar nahe Nikomedeia ging Osman I. als Sieger vom Feld. Von da an wurde Osman I. und seine Osmanen von den Byzantinern ernstgenommen. Osman I. machte bei seinen Feinden wie auch Verbündeten keinen Unterschied in der Religion. Somit hatten seine Allianzen keinen religiös-ideologischen Charakter. Sein Heer bestand aus Muslimen wie aus Christen und der christliche Burgherr Köse Michal[9] gehörte beispielsweise zu seinem engsten Beraterstab.

Während seiner Herrscherzeit verfünfzehnfachte Osman I. sein Territorium und bildete ein echtes Staatswesen. Die Einnahme der drei großen und ihm wichtigen Städte Bursa (1326), Nikaia (heute Iznik, 1331) und Nikomedeia (heute Izmit, 1337) erlebte er jedoch nicht mehr.

Sein Sohn Orhan I. (1326 –1359) entwickelte sich zu einem würdigen Nachfolger seines Vaters, in dem er zum einen die Größe des Osmanischen Reiches vervierfachte und zum anderen das Reich auf europäischem Boden (seit 1353) verwurzelte. Er erobert die von seinem Vater gewollten oben genannten Städte und zudem das noch unbedeutende Angora (heute Ankara, 1354). Der byzantinische Kaiser Andonikos III. Palaigos wird 1329 vernichtend bei Philkrene geschlagen, was vor allem an der neuen Kampfordnung der Osmanen liegt, die sie von nun an über die Jahrhunderte hinweg bekleiden wird.

Hatte das Osmanische Reich unter Osman I. keine feste Hauptstadt wurde nun unter Orhan I. die Stadt Bursa 1326 zur Residenz, die sie bis 1365 blieb.

Murad I. (1362 - 1389) folgte seinem Vater 1362 auf den Thron obwohl eigentlich sein Bruder Suleiman Pascha erster Thronfolger war, bei einem Jagsausritt aber tödlich stürzte. War Suleiman Pascha ein erfolgreicher Militärführer unter seinem Vater, so weiß man über die Zeit bis zum Machtantritt Murad I. nichts. Aus dem Schattendasein kommend, wurde er einer der wichtigsten osmanischen Sultane überhaupt. 1361 wurde Adrianopel (heute Edirne) erobert, und bereits 1365 zur neuen Hauptstadt gemacht. In den folgenden zwei Jahrzehnten festigte Murad I. den Brückenkopf in Europa und schloss einen Belagerungsring um das Byzantinische Reich, das de facto nur noch aus Konstantinopel bestand. Er drang weit auf den Balkan vor und eroberte von 1371 – 1381 Mazedonien, 1385 fiel in Bugarien Sofia. Seiner stärkster Gegner auf dem Balkan wurde Serbien. Am 28. Juni 1389 fand die Schlacht auf dem Amselfeld statt, in der Murad I. den serbischen Fürsten Lazar schlug und damit den Untergang des Königreichs Serbien einleitete.

Murad I. selbst wurde jedoch auf dem Schlachtfeld von einem Serben ermordet. Murad I. war der erste Herrscher in der Dynastie der Osmanen, der nicht mehr den Titel eines Emirs trug sondern den eines Sultans, dem Gegenstück zum europäischen König.

Sein Sohn Yildirim Beyazit I. (1389 - 1403) wurde neuer Sultan, der ohne zögern seinen älteren Bruder hinrichten ließ, um selbst an der Macht zu bleiben. Somit führte er den „prophylaktischen“ Brudermord bei der Thronbesteigung der Sultane ein, der bis 1595 praktizier wurde. Nachdem er 1396 das christliche Ritterheer unter Sigismund in der Schlacht von Nikopolis besiegte, strebte er einen siegreichen Feldzug durch Griechenland an. Zweifellos wäre Konstantinopel bei diesem Angriff gefallen, hätte nicht der byzantinische Kaiser Manuel Palaiologos ihm rechtzeitig Zugeständnisse gemacht, die ihn praktisch zu einem Vasallen Beyezits herabsetzten. Seine Eroberungen kamen jedoch zu einem abrupten Ende, als er dem mongolischen Führer Timur Lenk (1335 – 1405) gegenüberstand. Bei Ankara wurde Yildirim Beyazit I. am 28. Juli 1402 vollkommen besiegt und gefangengenommen. Einige Monate später starb er in Gefangenschaft.

Das erste Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts war durch die Machtkämpfe der sechs Söhne Bayezits gekennzeichnet, dem sogenannten „Interregnum“. Der Chronist Derwisch Ahmed benennt diese Söhne: „Von fünfen ist das Schicksal bekannt, einer aber blieb verschollen. Die fünfe waren Emir Süleyman, Mehmed, Isa, Musa und Kasim; der war ganz klein und noch im Saray. Derjenige, der verschollen blieb, war Mustafa.“[10] Der älteste Sohn Süleyman herrschte in den europäischen Gebieten des Reiches inklusive der Hauptstadt Edirne. Isa beherrschte das osmanische Kernland, Mehmed andere Teile Anatoliens. Musa besaß keine Gebiete. Zwischen 1403 und 1413 kam es zu Bürgerkriegen aus denen schließlich Mehmed I. (1413 - 1421) als Sieger hervorging und die osmanische Herrschaft und deren alten Gebietsumfang wieder herstellte. Ihm folgte 1421 sein Sohn Murad II. (1421 – 1451) auf den Thron. Der von dem byzantinischen Kaiser Manuel II. Palaiologos und anderen Fürsten unterstützte Versuch seines Onkels Mustafa (der „falsche Mustafa“) sich den Thron anzueignen, führte bald nach seinem Amtsantritt zu Schwierigkeiten, was zu einer erfolgslosen Beendigung der Belagerung Konstantinopels 1422 führte. Die Abtrünnigen wurden jedoch bald besiegt und Mustafa hingerichtet, ebenso wie ein kleinerer Bruder Murad’s, der seinen Anspruch auf den Thron anmeldete. In den folgenden Jahren festigte Murad II. die türkische Herrschaft in Westanatolien und besetzte 1430 Saloniki, das sich erst wenige Jahre zuvor unter den Schutz Venedigs begeben hatte. Er betrieb einen langfristigen Kampf mit den Bosniern und Ungarn, bei dem die Türken gegen Johannes Hunyadi (1387 – 1456) viele schwere Rückschläge erlitten. Dementsprechend schloss er 1444 in Szegedin einen zehnjährigen Vertrag ab, in dem er alle Ansprüche auf Serbien aufgab und Georg Branković als König anerkannte. Kurz danach dankte er, tief betroffen vom Tod seines ältesten Sohns Ala-ud-din, zugunsten seines zweiten Sohnes Mehmed ab, der zu der Zeit vierzehn Jahre alt war. Aber der Angriff der christlichen Mächte – in Verletzung des geschlossenen Vertrages – überforderte den unerfahrenen jungen Herrscher, so dass Murad II. von seinem Ruhestand in Magnesia zurückkehrte, seine Feinde in der Schlacht von Varna am 10. November 1444 vernichtend schlug, und sich wiederum nach Magnesia zurückzog. Ein Aufstand der Janitscharen veranlasste ihn, wieder die Macht zu übernehmen. Mehrere Jahre seines Lebens verbrachte er noch auf Kriegszügen in Europa, wobei er im Kosovo abermals Hunyadi besiegte (17.-19. Oktober 1448). Als die Lage auf dem Balkan stabilisiert war, wendete er sich nach Osten und besiegte Timur Lenks Sohn Shah Rokh und die Emirate von Karaman and Çorum-Amasya.

Nach seinem Tod 1451 wurde Mehmed II. 1451 – 1481) Sultan und führte das Osmanische Reich zur Weltmacht. Unter ihm kommt es schließlich am 29. Mai 1453 zur Eroberung von Konstantinopel und dem Ende des Byzantinischen Reiches. Danach erweiterte er das osmanische Gebiet um große Territorien, namentlich Serbien, Griechenland, die Walachei, Trapezunt, Bosnien, Karaman und Albanien. Er stieß sogar bis nach Italien vor und nahm die Stadt Otranto ein, welche allerdings nach seinem Tod wiederaufgegeben wurde. Sultan Mehmed II. stärkte die osmanische Flotte mit dem Ziel die venezianische Seehegemonie im Handel herauszufordern, was auch gelang. Zu diesem Zweck machte er durch die Eroberung der Halbinsel Krim (1475) das Schwarze Meer zu einem osmanischen Binnenmeer. Neben seinen militärischen Eroberungen führte er eine zentralisierte und effektive Verwaltung des Reiches ein. Ebenso gab er eine schriftliche Gesetzessammlung des Hauses Osman heraus (Kanunname-i Ali Osman).

[...]


[1] Besonders nach der Eroberung von Bursa übernimmt die osmanische Führung den noch erhaltenen Verwaltungsaufbau zur Erbringung der christlichen Kopfsteuer (gizya).

[2] Cahen, Claude: „Der Islam I. Vom Ursprung bis zu den Anfängen des Osmanenreiches. (Fischer Weltgeschichte Bd. 14)“, Frankfurt a.M. 1976, S. 22 ff.

[3] Hammer-Purgstall, Joseph v.: „Geschichte des Osmanischen Reiches“, 10 Bde., Pest 1827 – 53.

[4] Scharlipp, Wolfgang-Ekkehard: „Die Frühen Türken in Zentralasien. Eine Einführung in ihre Geschichte und Kultur“, Darmstadt 1992.

[5] unter Togril Beg 1037-63 und 1055 die Einnahme von Bagdad.

[6] 1071 Schlacht bei Manzikert, Beginn der türkischen Besiedlung Anatoliens; Bezeichnung der Einwohner als Romaer (Römer) führt zur Bezeichnung Rum-Seldschuken ab etwa 1175 mit dem Zerfall des Seldschukischen Großreiches in Teilreiche.

[7] Regierungszeit von Sultan Alaeddin Keikubad I (1220-1237) mit der Hauptstadt Konya.

[8] Schlacht am Kösedag 1243 Oberhoheit durch die mongolischen Iichane.

[9] Majaros, Ferenc/Rill, Bernd: „Das Osmanische Reich (1300-1922). Die Geschichte Einer Großmacht.“, Wien 1994, S. 96.

[10] Ebd., S. 132.

Details

Seiten
26
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638511704
ISBN (Buch)
9783638664547
Dateigröße
566 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v56512
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Institut für Mittelalterliche Geschichte
Note
2,0
Schlagworte
Eroberung Konstantinopel Transformation Stadt Vergleich

Autor

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