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Mozart: Idomeneo-Die Funktion des Orchesters in Ouverture und Oper

Hausarbeit (Hauptseminar) 2004 24 Seiten

Musikwissenschaft

Leseprobe

Inhalt

1. Einführung

2. Das Münchner „Idomeneo“-Orchester von 1781

3. Die Besetzung des Münchner „Idomeneo“ –Orchesters

4. Die Ouverturen bis zum Idomeneo

5. Die Ouverture des Idomeneo und die Funktion des Orchesters
5.1 Die Heroische Fanfare
5.2 Das Streicher- und Bläsermotiv
5.3 Das Klagemotiv

6. Schlussbetrachtung

7. Literaturverzeichnis
7.1 Primärliteratur
7.2 Sekundärliteratur

Einführung / Das Münchner „Idomeneo“-Orchester von 1781

1. Einführung

Nirgendwo anders konnte Wolfgang Amadeus Mozart, die ihn bedrückende Dichte seiner musikalischen Empfindungen so nach außen projizieren, wie in der Gattung der Oper.[1]

Im Sommer 1780 erhielt Mozart den sehnlichst erwarteten Auftrag für München eine Opera seria zu komponieren. Die Oper „Idomeneo“ wurde schließlich am 29. Januar des folgenden Jahres 1781 uraufgeführt. Das Drama handelt von Idomeneo, König von Kreta, den Neptun vor einem Schiffbruch bewahrt und ihm Idomeneo dafür gelobt, die erste Person zu opfern, die ihm bei seiner Landung begegnet. Wie es das Schicksal will, trifft er bei seiner Ankunft auf seinen Sohn Idamantes.[2]

Die Oper „Idomeneo“, welche für Johannes Brahms ein Wunderwerk darstellte[3], ist reich und voll von „Mozartschen Ideen“ und stellt die würdige Nachbarin zu der „Entführung aus dem Serail“ dar, von der sie nur anderthalb Jahre trennen.

2. Das Münchner „Idomeneo“-Orchester von 1781

Bevor ich meine Beobachtungen der Ouvertüre und deren Verbundenheit mit der Oper widme, möchte ich zunächst einen Blick auf den Klangkörper des Münchner „Idomeneo“ von 1781 werfen. Das traditionelle Opernorchester bot, konträr zum relativ stark normierten Orchester der reinen Instrumentalmusik, eine erweiterte Gesamtbesetzung und ermöglichte dadurch facettenreichere Gestaltungsobligationen bezüglich der Formationen.[4]

Das Münchner „Idomeneo“-Orchester von 1781

Das Mannheimer Orchester übersiedelte im Herbst 1778 mit dem Kurfürsten Karl Theodor größtenteils nach München.[5] Mozart eröffnete diese Übersiedlung und zugleich Fusion des Mannheimer und Münchner Orchesters, wobei die Mannheimer einen durchaus größeren Anteil beanspruchten[6], bezüglich der Orchesterbehandlung beinahe grenzenlose Möglichkeiten. Generell wusste sich Mozart den Gegebenheiten gekonnt anzupassen. Und so auch in dieser Situation. Erstmals stand ihm für eine Oper ein Orchester von Weltruf zur Verfügung, von welchem er ganz begeistert war und wie er schon in seinem ersten Brief an seinen Vater Leopold Mozart schrieb: „kommen Sie doch bald und hören sie – bewundern Sie das Orchestre“ [7]. Ein großes Instrumentarium, sowie hervorragende Musiker ermöglichten, das Orchester mit einer stärkeren Rolle und größeren Bedeutung in der Oper zu etablieren.[8]

Ebenso bedeutend für den Entstehungsprozess, sowie das Resultat des „Idomeneo“ war die bereits bestehende Bekanntschaft und auch zum Teil gute Freundschaft zwischen Mozart und dem Mannheimer Orchester. Von

seinen Aufenthalten in Mannheim 1777/78 kannte er den Klangkörpern und war mit einigen hervorragenden Instrumentalisten eng befreundet.[9]

Namen der Geiger Cannabich, Wendling, Eck, sowie des Hornisten Lang und Oboisten Ramm sind in Mozarts Briefen genannt, welche als hervorragende Virtuosen galten und nun ebenso zum Inventar des Münchner Hoforchesters gehörten.[10]

Allgemein geben Mozarts Briefe an seinen Vater detaillierte Einblicke in die Entstehungszeit des Münchner- „Idomeneo“. Für Mozart, künstlerisch gesehen, eine der glücklichsten Zeiten. Er fand in München, neben dem europäisch führenden Orchester, überwiegend engagierte Darsteller und Bühnenpraktiker, ebenso wie interessierte Förderer seiner Arbeit. Der Komponist wachte über die Einstudierung der Oper, beeinflusste die Inszenierung und bestimmte die

Die Besetzung des Münchner „Idomeneo“-Orchesters

endgültige Fassung des Librettos.[11] Diese Möglichkeit der Selbstverwirklichung beinhaltend, leitete Mozart ebenfalls die Proben mit dem Orchester, welches nun mit der Bewältigung des „Idomeneo“ vor die bislang anspruchvollste Aufgabe gestellt wurde.[12]

Leopold Mozart ahnte wohl schon bei der, wie ja schon erwähnten, offenkundigen Begeisterung seines Sohnes über das Orchester, dass er auch diesem Einiges abverlangen würde. So schrieb er am 25. Dezember 1780 in einem Brief: „Suche nur das ganze Orchester bey guter Laune zu erhalten, ihnen zu schmeichelnd und sie durch die Bank mit Lobeserhebungen Dir geneigt zu erhalten; denn ich kenne Deine Schreibart, es gehört bey allen Instrumenten die unausgesetzte erstaunlichste Aufmerksamkeit dazu, und es ist eben kein Spaß, wenn das Orchester wenigstens drey Stunden mit solchem Fleiß und Aufmerksamkeit angespannt seyn muß. Jeder, auch der schlechteste Bratschist, ist auf´s Empfindlichste gerührt, wenn man ihn tête à tête lobt, und wird dadurch eifriger und aufmerksamer, und so eine Höflichkeit kostet Dich nichts, als ein paar Worte. Doch – das weißt Du ja selbst - ich sage es nur, weil man´s oft da, bey der Probe,

nicht gleichtthun kann, und dann vergisst, und weil Du erst dann die Freundschaft und den Eifer des ganzen Orchesters nöthig hast, wenn die Opera in Scena ist.“ [13]

Dieser väterlichen Ermahnung folgend, obgleich sie eigentlich gar nicht von Nöten gewesen wäre, bestand zwischen Mozart und dem Orchester auch während der Proben ein recht harmonisches Verhältnis.[14]

3. Die Besetzung des Münchner „Idomeneo“ – Orchesters

Das fusionierte Opernorchester umfasste im Idomeneo zwei Flöten und eine Piccoloflöte, zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Fagotte, vier Hörner, zwei Trompeten, Pauken, Streicher und Cembalo. Den Streichersatz bildeten bei der Münchner „Idomeneo“–Aufführung zwölf Geigen, drei Bratschen, drei Celli und zwei Kontrabässe.

Die Besetzung des Münchner „Idomeneo“-Orchesters

Der Münchner Hof- und Staatskalender von 1781 beinhaltet zwar eine Liste der damaligen Orchestermusiker, welche jedoch keine endgültige Sicherheit über die aufführenden Musiker des Januar und Februar 1781 gibt. Allein schon durch die Tatsache, dass alle Mitglieder des vereinigten Orchesters, auch die in Mannheim verbliebenen, sowie sich auf Reisen und in Pension befindenden Musiker, aufgeführt sind, bleibt die genaue personifizierte Besetzungsfrage ungeklärt.[15]

Mozarts Begeisterung für das Orchester und die ihm nun bietende Möglichkeiten werden schon in diesem frühen Status des Orchestrierungsprozesses der Oper deutlich. Hervorragende Instrumentalisten erlaubten Mozart bezüglich der Besetzungsfrage neue Wege zu gehen. So zeigen sich im Idomeneo hinsichtlich der Besetzung und Orchestrierung diverse Besonderheiten auf.

Nur in drei seiner Opern verwendet Mozart den Klang der Posaune. In der Zauberflöte, im Don Giovanni, jedoch zum ersten Mal die Orakelszene im Idomeneo unterstützend, wie auch später im Don Giovanni, ist dieser an den Bereich der Bühnenmusik gebunden. Sie galt daher als Sonderinstrument und musste von der Theaterleitung genehmigt werden, wie aus einem Brief an Leopold Mozart ersichtlich wird, in dem ihm sein Sohn am 11. Januar 1781 schrieb, er habe „einen starcken Zank mit dem Graf Seeau wegen der Posaunen gehabt“.[16]

Des weiteren tritt im Idomeneo ein weiteres Instrument hinzu, welches schon früh Mozarts Interesse fand, wie aus der Abschrift einer Sinfonie Carl Friedrich Abels von 1764 (KV Anh.101) ersichtlich wird, in der Mozart die Oboen durch Klarinetten ersetzte. Den „herrlichen effect“ wie ihn Wolfgang Amadeus in einem Brief an seinen Vater vom 3. Dezember 1778 beschrieb: „ach, wenn wir nur auch clarinetti hätten! ...“ nahm ab dem Idomeneo ebenfalls seine Entwicklung im Opernorchester.[17]

Die Besetzung des Münchner „Idomeneo“-Orchesters

Die Klarinetten, welche als ein sehr facettenreiches Instrument neben der größtmöglichen Beweglichkeit der Stimmungen im Orchestertutti, den konträren

Sonderstatus der Reduktion aufweisen, nehmen ab dem Idomeneo in jeder Oper Mozarts eine bestimmende Aufgabe ein.[18]

Die Bekanntschaft mit dem Mannheimer Orchester von seinem Mannheimer Aufenthalt 1778 dürfte wohl eine große Rolle bezüglich des Einzugs der Klarinetten im Idomeneo und fortan im Opernorchester gespielt haben.

Allein schon durch Einbringung dieser Instrumente, welche zugleich eine Erweiterung des Orchesters darstellen, spricht Mozart dem Orchester eine größere Bedeutung zu. Die Posaunen greifen in einer entscheidenden Szene (3. Akt, Sz. 28) in die Handlung mit ein. Sie werden zum gleichberechtigten Dialogpartner, der die entscheidende Wandlung zu einem lieto fine bekräftigt. Diese Funktion des Orchesters werde ich im Laufe meiner Ausführungen noch näher betrachten, da gerade dieses „Mozartsche Schaffen“ eine besondere Herausforderung für die Ausübenden darstellt.

[...]


[1] s. Abert, Anna Amalie: Die Opern Mozarts, S. 66.

[2] s. Sadie Stanley: „Mozart“, J. B. Metzler, Stuttgart-Weimar, S. 84.

[3] s. Gerstenberg, Walter: „Die Musik im ´Idomeneo`, S. 132.

[4] s. Aringer, Klaus: Instumente und musikalischer Satz im Orchester der Wiener Klassiker Haydn, Mozart und Beethoven, Habilitationsschrift, Fakultät für Kulturwissenschaften, Eberhard-Karls-Universität Tübingen

2003, S. 183.

[5] s. Münster, Robert: Das Münchner „Idomeneo“-Orchester von 1781, S. 106.

[6] vgl. Münster, Robert: Das Münchner „Idomeneo“-Orchester von 1781, S. 117ff.

[7] s. Abert, Anna Amalie: Die Opern Mozarts, S. 63.

[8] s. ebda.

[9] s. Willascheck, Wolfgang: Mozart-Theater, S. 5.

[10] s. Münster, Robert: Das Münchner „Idomeneo“-Orchester von 1781 , S. 106.

[11] s. Willascheck, Wolfgang: Mozart-Theater, S. 5.

[12] s. Münster, Robert: Das Münchner „Idomeneo“-Orchester von 1781, S. 106.

[13] s. ebda.

[14] s. ebda.

[15] s. Münster, Robert: Das Münchner „Idomeneo“-Orchester von 1781, S. 106f.

[16] s. Aringer, Klaus: Instumente und musikalischer Satz im Orchester der Wiener Klassiker Haydn, Mozart und Beethoven, Habilitationsschrift, Fakultät für Kulturwissenschaften, Eberhard-Karls-Universität Tübingen

2003, S. 191.

[17] s. Aringer, Klaus: Instumente und musikalischer Satz im Orchester der Wiener Klassiker Haydn, Mozart und Beethoven, Habilitationsschrift, Fakultät für Kulturwissenschaften, Eberhard-Karls-Universität Tübingen

2003, S. 261.

[18] s. Aringer, Klaus: Instumente und musikalischer Satz im Orchester der Wiener Klassiker Haydn, Mozart und Beethoven, Habilitationsschrift, Fakultät für Kulturwissenschaften, Eberhard-Karls-Universität Tübingen

2003, S.262 und

vgl. Toeplitz, Uri: „Die Holzbläser in der Musik Mozarts und ihr Verhältnis zur Tonartwahl“, S.126f.

Details

Seiten
24
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638509602
Dateigröße
568 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v56210
Institution / Hochschule
Staatliche Hochschule für Musik Trossingen
Note
1.5
Schlagworte
Mozart Idomeneo-Die Funktion Orchesters Ouverture Oper Idomeneo Opera Hälfte Jahrhunderts

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