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Sexuelle Symbolik in Alfred Döblins Ermordung einer Butterblume

Hausarbeit 2001 15 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Zu Freud und Döblin
2.1 Zu Freud
2.2 Zu Döblin

3 Die Ermordung einer Butterblume
3.1 Teil 1: Die Wanderung (S. 42–49)
3.1.1 Der Wahn – erste Erklärungen
3.1.2 Sexuelle Elemente
3.1.3 Die Flucht zurück in die „Bürgerlichkeit“
3.1.4 Das Sexuelle als Element der Natur
3.1.5 Die Firma-/ Reiter-Metapher
3.1.6 Die Flut-/ Wasser-Metapher
3.2 Teil 2: Nach dem Spaziergang/ Der Schluss (S. 49-54)
3.2.1 Michael Fischer als sado-masochistischer Charakter?

4 Schluss

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Gliederung der Arbeit:

Punkt 2.1 soll ganz elementar das Werkzeug zur Psychoanalyse einführen und 2.2 den Autor und sein Leben, zumindest das was relevant für die „Die Ermordung einer Butterblume“ ist, vorstellen.

Punkt 3 gibt eine grobe Zusammenfassung und mit Punkt 3.1 beginnt dann die Analyse des ersten Teils der Geschichte[1] (S.42-49); Ich habe in 3.1 nach sexuell deutbaren Textstellen gesucht und liefere erste Interpretationsansätze. In 3.1.1 integriere ich die Sexualität in ein übergeordnetes System: Die Natur. Punkt 3.1.2 und 3.1.3 heben bestimmte Motive heraus, die

in Döblins Text auffallen.

Punkt 3.2 schließlich behandelt den zweiten Teil des Textes (S. 49-54) und den Schluss der Geschichte.

Entscheidend ist für meine Arbeit natürlich der thematische Aspekt, allerdings fließen einzelne Elemente der Textgenese, Epochengeschichte und Gruppensoziologie mit ein, wenn es der Interpretation hilft, diese verdeutlicht und/ oder vereinfacht.

Inspiration könnte sich Döblin für seine Arbeit auch bei Goethe geholt haben[2]: Der hatte das Thema „Blumen-Köpfen“ in seinem „Heiderröslein“ präformiert: „Und der wilde Knabe brach`s Röslein auf der Heiden[3]. Dazu kommentiert Marx:

Selbst eine ansonsten psychoanalytischen Deutungsmustern gegenüber zurückhaltende Goethe Philologie kann inzwischen nicht umhin, die sexuelle Substruktur dieser Passage zu konstatieren. Die DKV-Ausgabe kommentiert dazu vielleicht allzu lapidar: „Man wird jedoch nicht an dem Befund vorbeikommen, dass hier die Geschichte einer Vergewaltigung geboten wird.[4][5]

2 Zu Freud und Döblin

2.1 Zu Freud

Die Elemente von Freuds Lehre, die für die Interpretation besonders wichtig sind:

Eine große Rolle spielt die bei der Traumdeutung angewendete Methode; Freud unterteilt das Bewusstsein in zwei Bereiche, das Unbewusste und das Bewusste. Ziel ist es, das Manifeste das vom Individuum z.T. auch zensiert wird, so zu interpretieren, dass das Latente (d.h. der Wunsch nach Erfüllung der Triebe) zum Vorschein kommt, also sozusagen das Unbewusste hervorholen.

Ebenso Teil der Arbeit ist die Unterteilung des psychischen Apparats in die drei Instanzen „Es“ (das Triebhafte/ Unmoralische/ Irrationale), „Ich“ (sozusagen das Medium zwischen „Ich“ und „Über-Ich“) und „Über-Ich“ (gesellschaftliche/ kulturelle Werte die das „Ich“ zu reglementieren versuchen), die sexuellen Entwicklungsphasen (oral, anal, phallisch, latent und genital), sowie die Kränkungen die laut Freud dem Menschen wiederfahren sind.

2.2 Zu Döblin

Auf die Person Döblin etwas genauer einzugehen bietet sich an, da er selber Arzt war und so auch eine eigene Stellung zur Psychoanalyse hatte, aber auch seine philosophische Haltung soll hier zur Geltung kommen.

Alfred Döblin wurde am 10.08.1878 in Stettin an der Oder geboren.

Bis Juni 1905 studierte er in Berlin 7 Semester Medizin und wechselte dann zum weiteren Studium nach Freiburg[6], in dessen Umgebung die Novelle „Die Ermordung einer Butterblume“ auch spielt.

Schon früh in seiner Laufbahn als Arzt entstand eine gewisse Begeisterung für das Phänomen des Wahnsinns und somit auch für die Psychiatrie. In diesem Fachbereich legte er auch seine Doktorprüfung ab.

An dieser Stelle sollte man auch auf seinen Kontakt zur Psychoanalyse Freuds eingehen.

Sein Doktorvater in Freiburg, Alfred Erich Hoche, war Anhänger einer anderen Auffassung der Wissenschaft: „Hoche fordert daher mehr „Beschreibung“ und weniger Urteile in psychiatrischen Krankengeschichten.[7]

So lässt sich Hoches Wissenschaftsverständnis als „s ymptomatologisch-deskriptiv[8] verstehen im Gegensatz zur Psychologie, die im Gegensatz dazu „pathologische Vorgänge psychologisch zu motivieren und zu erklären[9] versucht.

Auch deshalb scheint es nahe liegend, dass Döblin Freuds Theorien zum Großteil eher skeptisch gegenüber stand[10]. Ein allzu direkter Einfluss Freuds auf Döblins Werke lässt sich also eher negieren.[11] Wenn er dann doch psychologische Einflüsse zuließ, dann weil sie auf Erfahrung basierten[12] oder der Vereinfachung dienten.

Seine Heirat am 23.01.1912 in Berlin mit Erna Reiss und die in den Jahren darauf folgende Geburt dreier Söhne spielen in der Diskussion um Döblins eigenen gesellschaftlichen Standpunkt eine Rolle:

„Die Ermordung einer Butterblume“ ist z.T. auch Spießersatire/ Gesellschaftskritik und jenes, obwohl Harald Neumann schreibt, dass „Döblin ahnte [..], dass „der reinkarnierte Muttertyp mit der Ambivalenz von Hege- und Kastrationskomplexen hier [in Form seiner Frau] auf ihn“ lauere[13] was in Kombination mit folgendem Zitat „[z] um anderen hatte Döblin nach seiner Eheschließung – wie er selbst schreib – weder in der Praxis noch in der Schriftstellerei großen Erfolg[14] zu der Annahme führt, dass Döblins Leben auch eher als „kleinbürgerlich“ zu verstehen war (unterstützt durch die Tatsache, dass er auch tatsächlich eher aus solchen Verhältnissen kam).

Döblins Philosophie wird von Helga Stegemann als naturalistisch bezeichnet, was heißen soll, dass die Natur als das Einzige, umfassende (auch den Geist), ausschließliche und reale Weltprinzip in den Mittelpunkt stellt. Diese Sicht ist sehr von den Naturwissenschaften und dem damals allgegenwärtigen Nietzsche beeinflusst.[15]

[...]


[1] Zum unterteilen der Arbeit fungierte die sich anbietende Zäsur auf S.49 (Die Wanderung ist nun beendet)

[2] Vgl. Reiner Marx: Literatur und Zwangsneurose. Eine Gegenübertragungsimprovisation zu Alfred Döblins früher Erzählung Die Ermordung einer Butterblume. In: Jahrbuch für internationale Germanistik. Internationales Alfred-Döblin-Kolloquium Leiden 1995. Hg. V. Gabriele Sander. Bern: 1997 (Reihe A). S. 54f.

[3] Johann Wolfgang Goethe: Der junge Goethe 1757-1775 I. Hrsg. von Gerhard Sauder (= Sämtliche Werke nach Epochen seines Schaffens. Münchner Ausgabe. Hrsg. von Karl Richter in Zusammenarbeit mit Herbert G. Göpfert, Norbert Miller und Gerhard Sauder. Bd. 1.1) München: 1985. S. 229f.

[4] Johann Wolfgang Goethe: Gedichte 1756-1799. Hrsg. v Karl Eibl (= Sämtliche Werke, Briefe, Tagebücher und Gespräche. I. Abteilung: Sämtliche Werke Bd. I). Frankfurt a. M.: 1973. S. 33.

[5] Marx. 1997. S. 55.

[6] Vgl. Harald Neumann: Alfred Döblin. Leben und Werk Krankheit und Tod. 2. Auflage Mainz: 1987. S.11.

[7] Georg Reuchlein: „Man lerne von der Psychiatrie“. Literatur, Psychologie und Psychopathologie in Alfred Döblins Berliner Programm und Die Ermordung einer Butterblume. In: Jahrbuch für internationale Germanistik 23 (1991), Heft 1. S.25.

[8] Ebd.. S. 25.

[9] Ebd.. S. 31.

[10] So schreibt Döblin über das Buch „Der eigene und der fremde Gott“ Theodor Reicks, „[d] ass in dem Buch viel spekuliert wird, versteht sich leider bei Psychoanalyse-Büchern von selbst.“ Oder über Freud selbst „[...], Freud habe ihm nicht viel neues Bringen können.“ (Ebd. S. 60f)

[11] Zu bemerken wäre jedoch, dass Freud in seinen Theorien Vorgänge beschreibt denen jeder Mensch unterliegt, so dass eine Interpretation im Freudschen Sinn trotz der im wissenschaftlich gegensätzlichen Meinung möglich ist.

[12] Vgl. Reuchlein. 1991. S. 33.

[13] Ebd.. S. 37.

[14] Ebd.. S. 38.

[15] Vgl. Helga Stegemann: Studien zu Alfred Döblins Bildlichkeit. Die Ermordung einer Butterblume und andere Erzählungen. Bern: 1978 ( = Kanadische Studien zur deutschen Sprache und Literatur). S. 127. Stegemann erwähnt auch das Döblins Bildlichkeit stark von Katholizismus/ Antike geprägt ist (Ebd.. S. 21/ 25)

Details

Seiten
15
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638134385
Dateigröße
527 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v5615
Institution / Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg – Philosophische Fakultät
Note
Schlagworte
Sexuelle Symbolik Alfred Döblins Ermordung Butterblume Einführung Studium Literaturgeschichte

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