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Quelleninterpretation nach der neuen deutschen Rechtschreibung zum Thema: 'Mauerbau 13. August 1961'

Seminararbeit 2005 19 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nachkriegszeit, Kalter Krieg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Quellenkritik
1.1. Quellenbeschreibung
1.2. Innere Kritik
1.2.1. Sprachliche Aufschlüsselung
1.2.2. Sachliche Aufschlüsselung

2. Quelleninterpretation
2.1. Inhaltsangabe
2.2. Einordnung in den historischen Kontext
2.2.1 Vorgeschichte
2.2.2 Im Kontext der DDR-Politik
2.2.3. Chronik des Mauer-(Baus)
2.2.4. Reaktion und Folgen

3. Ergebnis und Ausblick

4. Quellen und Literatur
4.1. Quellen
4.2. Literatur (Auswahlbibliographie)

5. Bilddokumente

6. Anhang: Die Quelle

1. Quellenkritik:

1.1. Quellenbeschreibung:

Bei der ausgewählten Quelle handelt es sich um einen Ausschnitt aus einer internationalen Pressekonferenz des Staatsratvorsitzenden Walter Ulbricht am 15.Juni 1961. Sie ist eine

Antwort auf die Frage einer Journalistin von der „Frankfurter Rundschau“, Doherr, im Zusammenhang der innerdeutschen Beziehung und der Errichtung der Staatsgrenzen der DDR. Die Quelle liegt in gedruckter Form vor.[1]

1.2. Innere Kritik:

1.2.1. Sprachliche Aufschlüsselung:

In dieser Quelle befindet sich kein Begriff der nicht verständlich wäre bzw. zeitgenössisch eine andere Bedeutung aufweist.

1.2.2. Sachliche Aufschlüsselung:

„in Westdeutschland“ (S. 934, Z. 4):

Am 12. September 1944 wurde das Londoner Protokoll unterzeichnet, welches als Abkommen zwischen Großbritannien, USA und der UdSSR über den Berliner Viermächtestatus galt. Dieser Status sah vor, Berlin in einen Ost- (gehört der SBZ an) sowie Westeil (USA, Großbritannien, ab 14.11.1944 auch Frankreich) zu gliedern. Der Rest des Landes wurde in die Sektoren, der Siegermächte des Zweiten Weltkrieges (amerikanischer, britischer und französischer) und der SBZ (sowjetisch besetzte Zone), aufgeteilt. Das Potsdamer Abkommen vom 2.August 1945 signalisierte die endgültige Festlegung des Viermächtestatus.

Als Gipfelpunkt der Teilung wurden im Mai 1949 die BRD und am 7.10.1949 die DDR gegründet.[2]

„Regelung der Beziehungen zwischen Westberlin und der Regierung der Deutschen Demokratischen Republik“ ( S. 934 Z. 9-10):

In einer Note an die Westmächte forderte die sowjetische Regierung den Abzug der westlichen Schutzmächte aus Berlin und die Umwandlung Westberlins in eine selbständige politische Einheit. In diesem am 27.11.1958 veröffentlichten Berlin-Ultimatum legte Chruschtschow die Unwirksamkeit des Potsdamer Abkommens fest und untermauerte seine Forderungen nach einer ´freien Stadt´[3] mit einer sechsmonatigen Schonfrist für den Westen. Chruschtschow sah so die Chance der DDR sich zu stabilisieren und gegenüber der BRD mehr Macht und Eigenständigkeit zu erreichen. Allerdings blieb die Berlin-Frage bis auf weiteres unbeantwortet.[4]

2. Quelleninterpretation:

2.1. Inhaltsangabe:

Auf die Frage ein Reporterin hinsichtlich der Errichtung einer Staatsgrenze am Brandenburger Tor äußerte sich W. Ulbricht wie folgt: Er sei der Annahme, dass es in Westdeutschland Menschen gebe, die den Bau einer Mauer begrüßen würden. Ihm sei solche Absicht allerdings nicht bekannt. Zudem werde die volle Arbeitskraft der Bauarbeiter der Hauptstadt für den Wohnungsbau benötigt. Keiner in der DDR plane so ein Vorhaben. Stattdessen sei man dafür auf diplomatischem Wege die Beziehungen zwischen der DDR und BRD zu regeln, was die natürlichste Antwort auf die Fragen sei.

2.2. Einordnung in den historischen Kontext:

2.2.1. Vorgeschichte:

Nur durch den von Nationalsozialisten entfachten Zweiten Weltkrieg kam es zur Besetzung und Spaltung Deutschlands. (siehe oben Potsdamer Abkommen) Dieses sowie die jeweilige Besatzungspolitik der Siegermächte sollten weit reichende Ergebnissee mit sich bringen, die mit der innerdeutschen Grenze einen traurigen Höhepunkt bildeten.

Von Beginn an war die Ost-West-Wanderung dominant, so kamen allein zwischen Oktober

´45 und Juni 1946 1,6 Mill. Deutsche aus der SBZ in den britischen Sektor.[5]

Erstmals, am 30. Juni 1946 kam es zur Sperrung der Sektorgrenze zwischen der SBZ und den drei Westzonen für 4 Monate. Schon damals versuchte man auf diese Weise den ´illegalen Personen- und Warenverkehr´ zu unterbinden.[6] Da beispielsweise zahlreiche Schieber und Schmuggler die Demarkationslinie (Grüne Grenze) benutzten, um mit begehrten Waren auf beiden Seiten private Profite zu „erwirtschaften“.

Es war daher unumgänglich für die Menschen, so genannte Interzonenpässe bei den Besatzungszonen zu beantragen, um in wichtigen familiären und geschäftlichen Dingen reisen zu dürfen.

Die Währungsreform in den Westzonen brachte dann 1948 das Fass zum überlaufen. Des Weiteren war sie von hoher politischer Bedeutung, denn durch sie war das Ende der Viermächte-Verwaltung Deutschlands endgültig besiegelt. Der Konflikt um den Status von Berlin gipfelte in der Sperrung der Land- und Wasserwege für Personen und Güter. Damit blockierte die UdSSR den Zugang von Westdeutschland nach Berlin für 11 Monate. Zusätzlich verlangte die SBZ noch eine Aufenthaltserlaubnis, was den innerdeutschen Personenverkehr weiter eindämmen sollte. Als es dann 1949 zu der Gründung der beiden deutschen Staaten kam, entwickelte sich die Demarkationslinie zu einer Staatsgrenze, ja wenn nicht sogar zur Systemgrenze. Da sich Stalin, die Politik in der DDR wurde von der SU bis 1989 überwacht, die Einheit Deutschlands noch offen hielt, waren die Grenzsicherungs-maßnahmen eher provisorischer Natur. Dies bedeutete „lediglich“ eine Markierung und Kontrolle der Zonengrenze (Januar 1950 auch Seegrenzen). Stacheldrahtzäune und Wachtürme zählten allerdings nicht zum Sicherheitssystem.

Da sich aber der Kalte Krieg verschärfte und auch die beiden deutschen Regierungen sich zunehmend voneinander entfernten (DDR-Führung bezeichnete Adenauer als ´Spalter in Bonn´[7] ), wurde im Frühjahr 1952 die Demarkationslinie gesperrt. Die Einführung eines Grenzregimes auf Seiten der DDR kennzeichnete die innerdeutsche Grenze noch mehr. Die Anordnungen der Umsetzung des Grenzregimes erfolgten durch die Sowjets, die so ihren politischen Herrschaftsanspruch kenntlich machten und festigten.[8]

Bereits neun Jahre vor dem eigentlichen Mauerbau erfolgten drastische Absperrmaßnahmen. So wurden Bürger, die dicht an der Grenze wohnten, zum „freiwilligen“ Umzug in das Landesinnere gebeten. Folgte man den Anweisungen nicht, wurde man geschlagen[9] oder sogar inhaftiert.

Eine regelrechte Deportationspolitik wurde vollzogen, z. B. ‘Maßnahmen zur Säuberung der Grenzkreise [...]’.[10]

Im Zuge der verstärkten Sicherungsmaßnahmen pflügte man einen 10-m breiten Kontrollstreifen entlang der Zonengrenze um (Ende Mai 1952). Das unmittelbare Hinterland wurde mit Wällen, Gräben und Stolperdrähten versehen. Ganze Eisenbahnlinien und Straßen wurden gekappt. Ähnlich verhielt es sich in Berlin.

Die Ausbildung und Bewaffnung der Grenzer verbesserte sich stetig, was auch eine systematische Erhöhung der „Kampfstärke“ mit sich brachte (z. B. Jan. ´54 DGP (Deutsche Grenzpolizei) 34000 Mann stark). Trotz dieser intensiven Grenzpolitik konnte der Flüchtlingsstrom nicht entscheidend unterbrochen werden. Auch das 1954 erlassene DDR-Passgesetz,[11] was Republikflucht unter Haftstrafe stellte, schaffte hier keine Abhilfe.

Zwar gab es immer wieder Entspannungsphasen hinsichtlich der Grenzpolitik, z. B. 1953 die Einstellung des Interzonenpasszwanges, aber im Großen und Ganzen wuchs die Abriegelung

kontinuierlich. Die Praxis verschärfte sich, sodass einige Alters- und Berufsgruppen kaum noch Westreisegenehmigungen erhielten.

Um jedoch die Fluchtbewegung zu unterbrechen und das Land vor einen Kollaps zu bewahren, musste man zu noch drastischen Maßnahmen greifen. Es galt nicht nur die „Fluchtburg“ Berlin zu schließen, das ganze Gebiet der DDR sollte vom Klassenfeind geschützt werden, um so zur vollen Blüte zu gelangen.

2.2.2. Im Kontext der DDR-Politik:

Die DDR sollte nach Ansicht Chruschtschows die Rolle eines Schaufensters des sozialistischen Lagers gegenüber dem Westen spielen.[12] Zur Realisierung dieses Ziels waren alle Maßnahmen recht. Ausdruck fand diese Sichtweise z. B. in dem Berlin-Ultimatum (27.11.1958 vgl. oben). Doch die harte Politik der DDR-Führung, gelenkt von der UdSSR, machte solche Vorstellungen zunichte.

Die Menschen wurden zwangsumgesiedelt. In den 50-iger Jahren wurden die Bauern zum „freiwilligen“ Eintritt in die LPGs aufgefordert. Die Wirtschaft wurde kollektiviert und verstaatlicht (einige Ausnahmen).[13] Die Leute sahen sich ihres Besitzes beraubt. Freie Meinungsäußerung und Bewegungsfreiheit waren, weiß Gott nicht, an der Tagesordnung. Alles hatte sich dem Wohle des Staates und des Sozialismus unterzuordnen. Voller Neid und Zukunftsvisionen guckten die DDR-Bürger gen Westen. Finanzielle Anreize, (z.B. Mehrverdienst etc.) höherer Lebensstandard verbunden mit einem attraktiveren und größeren Warenangebot, parlamentarisches Parteisystem u. v. m. lockte viele in den Westen der Republik.

Die Flüchtlingszahlen stiegen kontinuierlich (´59 >143000; ´60 >199000). Trotz Grenzsicherungsmaßnahmen konnten sie nicht entscheidend reduziert werden. Dies bedeutete den Verlust von jungen, motivierten Arbeitern, hoch qualifizierten Fachkräften etc. So liefen mehr als 2,2 Mill. Menschen in den 50-iger Jahren dem Arbeiter- und Bauerstaat davon. Die Auswirkungen auf die Altersstruktur waren verheerend.[14] Selbstverständlich nahm mit jedem Flüchtling auch die Kaufkraft in der DDR ab. Allein in Ostberlin fehlten dem Staat 45000 Arbeiter, die als Grenzgänger im Westteil zur Arbeit gingen.

Folglich musste ein Teil der Ernte auf den Feldern bleiben, Betriebe konnten Liefertermine nicht einhalten, Exportaufträge gingen verloren. In den Landkreisen und Kleinstädten war sogar die medizinische Versorgung gefährdet. Der durch den Flüchtlingsstrom entstandene Schaden für die DDR-Volkswirtschaft belief sich jährlich auf 3,3 Milliarden Mark,[15] was durch generelle Wirtschaftschwierigkeiten zusätzlich verschlimmert wurde. Schwerwiegend war der Schaden auch für den Weltkommunismus, gerade in den ideologisch noch nicht festgelegten Entwicklungsländern.

Die Situation ließ eine Verbindung zum Krisenjahr 1953 (siehe 17.Juni Arbeiteraufstand) zu.

Die DDR-Führung stand bisher relativ machtlos der Lage gegenüber. Da viele ihr Land über Berlin, das offene Tor zum Westen verließen, hatte die DDR keine Chance der „Schaufensterstrategie“ zu entsprechen. Um ein Ausbluten zu verhindern, musste man handeln. So plädierte Ulbricht für die Schließung der Grenze. Trotz sich verschärfender internationaler Spannungen z.B. Mai 1960 (Abschuss eines amerikanischen Aufklärungsflugzeuges über der UdSSR) und der Notlage eines kommunistischen Landes, konnte Ulbricht sein Vorhaben anfangs nicht vor den Warschauer-Pakt-Staaten durchsetzen (siehe März 1961).[16]

Wenigstens erhielt Ulbricht das Recht, für den Fall einer Grenzabriegelung „alles vorzubereiten“.

Die Lage wurde für den SED-Staat immer prekärer. Die Fluchtbewegung nahm dramatische

Ausmaße an. Im Juni 1961 flohen 19.198 und im Juli dann gar 30.415 Menschen.

Mit drastischen Tönen wandte sich Ulbricht erneut an den Ostblock. Auf der Konferenz der Warschauer-Pakt-Staaten (3.-5. August 1961) schilderte er den tragischen Verlauf in der DDR. Auf Grund des negativen Verlaufes der Wirtschaft sei man bald nicht mehr in der Lage die sozialistischen Brüderstaaten durch Fertigprodukte und Rohstoffe zu unterstützen. Durch die offenen Grenzen sei der Zusammenbruch unvermeidlich.[17] Ein Zustimmen fiel den kommunistischen Machthabern schwer, zu groß war vielleicht die Angst vor einer kriegerischen Auseinadersetzung mit dem „Klassenfeind“. Ulbricht, zurückgeschickt nach Ostberlin, wartete auf das Ergebnis. Währenddessen datierte er zusammen mit den politischen Größen der DDR das Datum des Mauerbaus, der 12. und 13. August. Welche in Form einer massiven Mauer errichtet werden sollte. Zurück in Moskau erhielt er grünes Licht. Allerdings sollte ein Stacheldraht den Zugang versperren. Erst bei Nicht-Reaktion des Westens sollte dieser durch eine Mauer ersetzt werden. Die Operation „Chinese Wall“ konnte beginnen.

2.2.3. Chronik des (Mauer-)Baus:

Am 9. August 1961 wurden auf einer Notstandssitzung die Minister der DDR von Ulbricht über die Beschlüsse in Moskau (siehe 3.-5.8.) informiert und einstimmig angenommen. Schon in der Nacht zum 10. August gegen ein Uhr morgens wurde daraufhin das SSD Ministerium, in der Ostberliner Normannenstraße, hermetisch abgeriegelt.[18] Mitglieder des Politbüros verfolgten von hier die ´Maßnahmen zur Grenzsicherung´ der nächsten Tage.

Es wurden Kommunikationsverbindungen zu allen Kasernen der NVA und zu allen Büros des Staatssicherheitsdienstes aufgebaut. Der Chef der Sowjettruppen, Marschall Konjew wurde mit einer abhörsichern Direktleitung versorgt.

Von nun an mussten sich Vertrauensleute und Generäle der NVA, der Grenztruppen der DDR und der Betriebskampfgruppen „Gefechtsbereithalten“, ob es sich dabei um ein Manöver oder einen Ernstfall handelte, wurde nicht erwähnt.

Am Freitag, dem 11. August fand die 19. Sitzung der Volkammer statt. Die Oberste Volksvertretung der DDR unterstützte die ´[...] eingeleiteten Maßnahmen zur Sicherung der Deutschen Demokratischen Republik zur Unterbindung der von Westdeutschland und Westberlin aus organisierten Kopfjägerei und des Menschenhandels.´[19]

Die erste Aktion begann um 16 Uhr als eine Hundertschaft von Volkspolizisten den S-Bahnhof Potsdam einnahm. Es erfolgte eine scharfe Kontrolle aller Ausreisender, die aus der DDR nach Ostberlin wollten. Lediglich zwei von den Reisenden erhielten die Erlaubnis zur Weiterfahrt.

Die Leitung der Operation, die hauptsächlich vom Ostberliner Polizeipräsidium gesteuert wurde, übernahm Erich Honecker. Im Gebäude eilten Offiziere und Zivilisten über die Flure. Eine Sitzung nach der anderen wurde abgehalten, Vereinbarungen wurden getroffen. Beispielsweise unterzeichnete Walter Ulbricht am 12. August 1961 gegen 16 Uhr die Weisungen für die Sicherungsmaßnahmen an der Grenze der DDR zu Westberlin. Mit der Übergabe der Befehle an Honecker, als Sekretär des Nationalen Verteidigungsrates, begann nun offiziell die Abriegelung gegenüber Westberlin, welcher der Bau der Mauer folgte.

Der Westen ahnte zu diesem Zeitpunkt nichts. ‘Für das kommende Wochenende sind in Berlin keine besonderen Vorkommnisse zu erwarten [...]’[20] (Bundesdeutscher Nachrichtendienst am 11. August 1961). Auch vermutete der Bonner Gesamtdeutsche Minister, Ernst Lemmer, erst im Spätherbst Abriegelungsmaßnahmen, da die DDR etwas gegen die Flüchtlinge unternehmen müsse.[21]

Gegen 22.30 Uhr des Abends sendete Honecker verschlüsselte Befehle an bestimmte Truppen der NVA und der Grenzpolizei. Zu „Nachtmanövern“ mussten die Truppen in Sachsen, Thüringen, Mecklenburg und Brandenburg ausrücken. Diesmal jedoch mit scharfer Munition ausgestattet. Gleichzeitig belud man in Leipzig, Dresden, Magdeburg, Rostock und Ostberlin LKWs der NVA mit Stacheldrahtrollen. Allerdings kannten zu diesem Zeitpunkt nur ein-geweihte Spitzenfunktionäre das Ziel dieser Aktion. Georg Grosse damals 21 Jahre und Wachtmeister einer Luftschutz-Spezialeinheit erinnert sich: ´[...]. Zum Stacheldrahtfahren hieß es. Wir dachten erst das sei ein Kennwort für ein[...] Fahr-Manöver. Wir waren [...] überrascht, als die Lastwagen tatsächlich [...] beladen wurden. [...]. Die LKWs fuhren damit aus dem Kasernengelände raus – keiner wusste genau, wohin.´[22]

Mit kriegsmäßig blau verdunkelten Scheinwerfern rollten Militärfahrzeuge mit mehr als 20000 Soldaten an Bord der Hauptstadt der DDR, Berlin entgegen. Mehr als 4000 Mitglieder der Betriebskampfgruppen wurden in dieser Nacht aus ihrem Schlaf gerissen und nach Berlin kommandiert.

Um 1.11 Uhr in der Nacht des 13. August meldete der Allgemeine Deutsche Nachrichten Dienst (AND) an alle Zeitungs- und Rundfunkanstalten mehrere Sondermeldungen.

Das Abendprogramm wurde unterbrochen und der Nachrichtensprecher berichtete folgendes:

´Die Regierungen der Warschauer Vertragsstaaten wenden sich [...], an die Regierung der DDR [...] eine solche Ordnung einzuführen, durch die [...] eine verläßliche Bewachung und eine wirksame Kontrolle gewährleistet wird.´[23]

In der Zwischenzeit luden die Truppen die Stacheldrahtrollen sowie Betonpfeiler von den LKWs am Brandenburger Tor. Die letzten Züge aus dem Osten in Richtung Westen wurden noch vor der Sektorengrenze gestoppt. Mit jeder Minute wurde die Teilung Berlins vorangetrieben, welche später das ganze Land umfasste.

Aufgrund von Provokationen sah sich der Minister des Innern der DDR, am 14.8.1961 veranlasst den Übergang am Brandenburger Tor „vorübergehend“ zu schließen, da solche Angriffe entsprechend beantwortet werden müssten.[24]

Im Oktober ´61 begannen die NVA-Truppen damit die Grenze pioniermäßig auszubauen. In Berlin errichtete man einen massiven und panzersicheren „antifaschistischen Schutzwall“ (Mauer der 1. Generation).

Hier einige Zahlen und Fakten zur Berliner Mauer:

Zwischen Ost- und Westberlin betrug die Länge der Demarkationslinie 43,1 km und zwischen Westberlin und der DDR sogar 111,9 km. Im Laufe des Ausbaus errichte man 107 km Betonplattenwand, 61,3 km Metallgitterzaun und 127,5 km elektrischen Kontakt- und Signalzaun. Entlang der Mauer existierte ein 124 km langer asphaltierter Kontrollgang. Der Gesamtaufwand für den Bau im Jahre 1961 wurde mit 100 Mill. Westmark veranschlagt.[25]

2.2.4. Reaktion und Folgen:

Die Mauer zerschnitt Berlin und das ganze Land auf unnatürliche Weise. Sie zerstörte die wirtschaftlichen, politischen und familiären Verbindungen, die allerdings bis zum 13. August nur noch im beschränkten Maße Bestand hatten.

Nur sieben von 81 Übergangsstellen zwischen den Westsektoren und dem Ostsektor blieben erhalten. In Berlin sperrte man acht S-Bahn –und drei U-Bahnlinien für den Durchgangs-verkehr, ca. 200 Haupt- und Nebenstraßen wurden unterbrochen.[26]

Für die Menschen in der DDR begann ein anderes Leben. Die Mauer trennte Nachbarn, Freunde, Verwandte, sogar Ehepaare.[27] Die letzte freie Verbindung zwischen beiden Teilen der Nation war zerschnitten. Den 45000 Grenzgängern in Berlin (Menschen aus dem Osten, die im Westen zur Arbeit gingen) blieb der Weg zur Arbeit versperrt. Völlig geschockt und aufgebracht durch diese Umstände gingen die Bürger auf die Barrikaden. Es kam zu spontanen Demos und Auseinandersetzungen mit den Staatshütern auf beiden Seiten. Forderungen wie „Freiheit für Berlin“ oder „Hört endlich auf, Ihr Schweine“ wurden wütend zur Äußerung gebracht.[28]

Eindringlich wirkten die Szenen: Menschen, mit tränengefüllten Augen, winkten mit Taschentüchern ihren Verwandten im Osten zu.[29] Menschen mit gleicher Sprache, Herkunft, gleicher Geschichte und Kultur wurden gewaltsam getrennt, eine Gesellschaftskatastrophe schlechthin.

In der Folgezeit berichteten die Berliner Ärzte von der „Mauerkrankheit“, eine depressiv-resignative Gemütsverfassung, die das menschliche Leid erkennen ließ.

Mit der Mauer wurde der SED-Staat unumschränkter Herr, da sich das Volk dem Druck der Partei nicht mehr entziehen konnte. Ein baldiges Ende der SED schien nun utopisch.

Die SED spielte ihre führende Rolle in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, Berufs- und Reisefragen vollends aus. Die Lebenschancen der Bürger wurden nach Belieben und politischen Zwecken reguliert. Zu erwähnen sei in diesem Zusammenhang beispielsweise die „Aktion Festigung“[30] im Oktober 1961. Als unzuverlässig eingestufte Familien wurden ins Landesinnere zwangsumgesiedelt. Durch Druck oder Lockerung, bei Bedarf auch durch geheimpolizeiliche Verfolgung, degradierte man die Menschen zu Untertanen. Die Mauer trug zur Zerstörung von Spontaneität, Kreativität, Selbstbewusstsein und Offenheit bei. Die Grenze richtete sich gegen die eigene Bevölkerung, sodass das Land einer „großen Haftanstalt“ glich. Dieser versuchten viele zu entkommen. Viele DDR- Bürger versuchten in den Wochen nach dem Bau irgendwo noch ein Durchlass zu finden,[31] wobei es zu mehreren Grenzzwischenfällen kam. Allein der Versuch wurde mit drakonischen Strafen geahndet

(z. B. 2-8 Jahre Haft; siehe §213 DDR-Strafgesetzbuch).[32]

Am 19 August war das erste Todesopfer zu beklagen. Viele weitere folgten. Unbeeindruckt von diesen menschlichen Tragödien fuhr die DDR-Führung ihren harten Kurs weiter. 1962 tauchte erstmals der 101-er Befehl[33] auf, der hinsichtlich der Schießausbildung auf die ´Vernichtung des Gegners´[34] abzielte. Später wurde er sogar in der Vergatterungsformel der NVA manifestiert und dramatisiert. Bodenmienen, Splitterminen und eine voranschreitende Professionalisierung des Grenzsystems trugen ihr übriges bei. Einzelschicksale wie die des 18-jährigen Peter Fechters, der am 17. August 1962 niedergeschossen wurde, symbolisieren das Gesamtschicksal der damaligen Zeit.[35]

[...]


[1] Rütten; Loening: Dokumente zur Außenpolitik der Regierung der Deutschen Demokratischen Republik. Bd. IX. Berlin 1962. S. 934.

[2] Beier, Brigitte [u. a.]: Chronik der Menschheit. Augsburg 1996. S. 952-954.

[3] Frank, Mario: Walter Ulbricht. Eine deutsche Biografie. Berlin 2001. S. 354.

[4] Frank, Mario: Walter Ulbricht. Eine deutsche Biografie. Berlin 2001. S. 344.

[5] Ritter, Jürgen; Lapp, Peter Joachim: Die Grenze. Ein deutsches Bauwerk. Berlin 1997. S. 13.

[6] Zit. nach: Ritter, Jürgen; Lapp, Peter Joachim: Die Grenze. Ein deutsches Bauwerk. Berlin 1997. S. 14.

[7] Zit. nach: Ritter, Jürgen; Lapp, Peter Joachim: Die Grenze. Ein deutsches Bauwerk. Berlin 1997. S. 19.

[8] Ritter, Jürgen; Lapp, Peter Joachim: Die Grenze. Ein deutsches Bauwerk. Berlin 1997. S. 22/30.

[9] Ritter, Jürgen; Lapp, Peter Joachim: Die Grenze. Ein deutsches Bauwerk. Berlin 1997. S. 23.

[10] Zit. nach: Ritter, Jürgen; Lapp, Peter Joachim: Die Grenze. Ein deutsches Bauwerk. Berlin 1997. S. 22.

[11] Ritter, Jürgen; Lapp, Peter Joachim: Die Grenze. Ein deutsches Bauwerk. Berlin 1997. S. 25.

[12] Frank, Mario: Walter Ulbricht. Eine deutsche Biografie. Berlin 2001. S. 343.

[13] Weber, Hermann: Geschichte der DDR. München 1999. S. 52.

[14] Frank, Mario: Walter Ulbricht. Eine deutsche Biografie. Berlin 2001. S. 345.

[15] Petschull, Jürgen: Die Mauer August 1961 bis November 1989. vom Anfang und Ende eines deutschen Bauwerks. Hamburg 1990. S. 24.

[16] Weber, Hermann: Geschichte der DDR. München 1999. S. 54.

[17] Frank, Mario: Walter Ulbricht. Eine deutsche Biografie. Berlin 2001. S. 348.

[18] Petschull, Jürgen: Die Mauer August 1961 bis November 1989. vom Anfang und Ende eines deutschen Bauwerks. Hamburg 1990. S. 30.

[19] Petschull, Jürgen: Die Mauer August 1961 bis November 1989. vom Anfang und Ende eines deutschen Bauwerks. Hamburg 1990. S. 42.

[20] Petschull, Jürgen: Die Mauer August 1961 bis November 1989. vom Anfang und Ende eines deutschen Bauwerks. Hamburg 1990. S. 75.

[21] Petschull, Jürgen: Die Mauer August 1961 bis November 1989. vom Anfang und Ende eines deutschen Bauwerks. Hamburg 1990. S. 44.

[22] Zit. nach: Petschull, Jürgen: Die Mauer August 1961 bis November 1989. vom Anfang und Ende eines deutschen Bauwerks. Hamburg 1990. S. 45.

[23] Zit. nach: Petschull, Jürgen: Die Mauer August 1961 bis November 1989. vom Anfang und Ende eines deutschen Bauwerks. Hamburg 1990. S. 47.

[24] Petschull, Jürgen: Die Mauer August 1961 bis November 1989. vom Anfang und Ende eines deutschen Bauwerks. Hamburg 1990. S. 71.

[25] Bundesministerium für Gesamtdeutsche Fragen (Hrsg): Ulbrichts Mauer. Zahlen Fakten Daten. Bonn 1962.

S. 11.

[26] Petschull, Jürgen: Die Mauer August 1961 bis November 1989. vom Anfang und Ende eines deutschen Bauwerks. Hamburg 1990. S. 54.

[27] Siehe Bilddokumente S. 84, Abb. 11.

[28] Siehe Bilddokument S. 34, Abb. 7 und 8.

[29] Siehe Bilddokumente S. 86, Abb. 1.

[30] Petschull, Jürgen: Die Mauer August 1961 bis November 1989. vom Anfang und Ende eines deutschen Bauwerks. Hamburg 1990. S. 28.

[31] Siehe Bilddokument S. 31, Abb. 4 und 6.

[32] Ritter, Jürgen; Lapp, Peter Joachim: Die Grenze. Ein deutsches Bauwerk. Berlin 1997. S. 8.

[33] Ritter, Jürgen; Lapp, Peter Joachim: Die Grenze. Ein deutsches Bauwerk. Berlin 1997. S. 66.

[34] Ritter, Jürgen; Lapp, Peter Joachim: Die Grenze. Ein deutsches Bauwerk. Berlin 1997. S. 56.

[35] Siehe Bilddokumente S. 37, Abb. 3.

Details

Seiten
19
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638508964
Dateigröße
808 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v56118
Institution / Hochschule
Universität Rostock – Historisches Institut
Note
2,3
Schlagworte
Quelleninterpretation Rechtschreibung Thema Mauerbau August Einführung Studium Geschichtswissenschaften

Autor

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Titel: Quelleninterpretation nach der neuen deutschen Rechtschreibung zum Thema: 'Mauerbau 13. August 1961'