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Peter Singers Präferenzutilitarismus als Beispiel moderner Eugenik

Hausarbeit 2006 18 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Grundlegendes
a) Eugenik
b) Utilitarismus
c) Peter Singer

III. Peter Singer und der Präferenzutilitarismus
a) Die Besonderheiten des Präferenzutilitarismus
b) Die Anthropologie Peter Singers

IV. Die Praxis der Ethik am Beispiel der Euthanasie

V. Kritische Betrachtungen

VI. Literaturangaben

I. Einleitung

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit dem australischen Philosophen und Vertreter des Präferenzutilitarismus Peter Singer. Die Debatte um ihn und seine Thesen wurde vor allem in Deutschland besonders emotional geführt – unter anderem auch aufgrund einer gewissen Ähnlichkeit zwischen Singers Forderungen und einigen Praktiken aus der Zeit des Nationalsozialismus.

Das von mir gewählte Thema findet seine Verbindung zur Vorlesung zur „Geschichte der Sozialen Arbeit“ darin, dass deutlich werden soll, wie Themen aus der Zeit des Nationalsozialismus, besonders die Frage nach der Eugenik und Euthanasie, auch heute noch aktuell sind und einer Aufarbeitung und kritischen Bewertung bedürfen.

Dieses Thema ist sehr vielschichtig, da zunächst ein Blick auf die Anthropologie als Grundlage der Singerschen Thesen gerichtet werden muss, um dann die daraus resultierenden praktischen Konsequenzen einordnen zu können. Aufgrund der ausufernden Vielfalt des Stoffes und der Themen war es notwendig, sich auf einige wenige, aber dafür grundlegende Thesen Singers zu beschränken.

So gliedert sich diese Hausarbeit in sechs Kapitel. Dieser Einleitung folgen einige Definitionen über grundlegende Begriffe inklusive einer kurzen Beschreibung der Biographie Peter Singers. Das erste größere Kapitel, nämlich Kapitel III, will dann Einblick geben in die Gedanken und Eigenarten des Präferenzutilitarismus und dessen Anthropologie. Dem etwas kürzeren Kapitel IV über die praktischen Konsequenzen folgt das zweite größere Kapitel V, das die Singerschen Ansätze kritisch betrachten will. Kapitel VI beendet diese Arbeit mit den Angaben zur verwendeten Literatur.

München, im März 2006

II. Grundlegendes

a) Eugenik

Das Wort „Eugenik“ stammt vom griechischen Wort εὐγενής ab und bedeutet soviel wie edelgeboren, vornehm. Die Eugenik „ist ein Teilfach der Anthropologie,, das die Ergebnisse der biologischen Genetik sozialmedizinisch anzuwenden sucht, um angeborene Schädigungen kommender Generationen zu verhüten.“[1] Als Begründer der Eugenik gilt Francis Galton (1822 – 1911). Er „glaubte, auf der Basis umfangreicher biographisch-genealogischer Untersuchungen über herausragende Persönlichkeiten (…) nachweisen zu können, dass geistige Fähigkeiten, insbesondere Intelligenz, ebenso erblich seien wie beliebige körperliche Eigenschaften.“[2] Mit diesen Erkenntnissen strebte er eine Verbesserung der menschlichen Rasse an: „Durch geschickte Ausnutzung der Gesetzmäßigkeiten der natürlichen Auslese sollten die Menschen die Kontrolle über ihre eigene Evolution gewinnen und sie in Richtung auf eine biologische Verbesserung lenken.“[3]

b) Utilitarismus

Mit Utilitarismus bezeichnet man eine philosophische Lehre, die die Grundlage des sittlichen Verhaltens im Nützlichen sieht und die darüber hinaus „ideale Werte nur anerkennt, sofern sie dem einzelnen oder der Gemeinschaft nützen“[4]. Der Begriff leitet sich aus der lateinischen Sprache ab, in der mit utilitas die Substantive Brauchbarkeit, Nützlichkeit, Nutzen übersetzt werden können. Der Utilitarismus selbst kann unterteilt werden in verschiedene Unterarten, wie zum Beispiel den negativen, den Regel- oder den Präferenzutilitarismus, auf den in dieser Arbeit noch näher eingegangen wird. Zwei Grundprinzipien kennzeichnen den Utilitarismus: erstens misst sich die „ethische Richtigkeit einer Tat an den wahrscheinlichen (direkten und indirekten) Folgen dieser Tat“[5]. Und zweitens besteht „der Maßstab der Beurteilung der Handlungsfolgen ausschließlich im Glück oder Unglück, in Lust (pleasure) und Unlust (pain) der von der Handlung realiter oder eventuell Betroffenen“.[6]

Das „Gesetz der größeren Zahl“ ist ein Grundsatz des Utilitarismus. Es besagt, „dass bei einer Handlungsalternative stets der der Vorzug zu geben ist, die zur Folge hat, dass sie für eine größtmögliche Zahl von Betroffenen ein größtmögliches Glück (pleasure) bringt bzw. Leid (pain) vermeidet.“[7]

c) Peter Singer

Also Sohn jüdischer Eltern, die1938 aus Österreich fliehen mussten, wurde Peter Singer am 6. Juli 1946 in Melbourne, Australien, geboren. Trotz dieser jüdischen Wurzeln ist Singer nicht religiös erzogen worden: „Ich bin nie religiös gewesen. (…) Meine Eltern waren weder religiös noch hielten sie sich an die jüdischen Traditionen, obwohl meine Großmutter, die bei uns wohnte, an bestimmten Feiertagen fastete.“[8] Wenn Singer auch erst nach dem Krieg geboren wurde, so bezeichnet er doch Kriegserfahrungen seiner Familie, vor allem seiner Großmutter, als die Grundlage seines Denkens: „Sie [die Großmutter] hatte den Krieg in Theresienstadt, einem Konzentrationslager der Nazis, verbracht und war die einzige von meinen Großeltern, die Hitlers Versuch, alle Juden auszurotten, überlebt hatte. Somit gehörten der Nationalsozialismus, der Krieg und all das Leiden und Sterben, das gerade stattgefunden hatte, zu dem geistigen Hintergrund meiner Kindheit. Angesichts eines solchen Ausmaßes von Leiden setzte es mich immer wieder in Erstaunen, wenn jemand ernsthaft glauben konnte, dass die Welt von einem liebenden, allmächtigen Gott gelenkt werde.“[9] An der University of Melbourne und an der University of Oxford studierte er Philosophie. Neben der Arbeit als Professor der Philosophie an verschiedenen Lehrstühlen engagierte sich Singer vor allem im bioethischen Bereich. So war er zum Beispiel Co-Direktor des Institute of Ethics and Public Affairs und Stellvertretender Direktor am Centre for Human Bioethics in Melbourne. Auch auf der politischen Bühne wollte Singer mitmischen, seine Kandidatur um einen Sitz im australischen Senat für die Grüne Partei war allerdings erfolglos.

[...]


[1] Vodopivec, S. 1175 ff.

[2] Weingart/ Kroll/ Bayertz, S. 36.

[3] Ebd., S. 36.

[4] Duden, S. 805.

[5] Lohner, S. 41.

[6] Lohner, S. 41.

[7] Lohner, S. 38.

[8] Deschner, S. 267.

[9] Deschner, S. 267.

Details

Seiten
18
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638508797
Dateigröße
512 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v56091
Institution / Hochschule
Philosophisch-Theologische Hochschule der Salesianer Don Boscos Benediktbeuern
Note
1,3
Schlagworte
Peter Singers Präferenzutilitarismus Beispiel Eugenik Geschichte Sozialen Arbeit

Autor

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