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Institutionen in der Wirtschaftstheorie

Seminararbeit 2005 10 Seiten

BWL - Wirtschafts- und Sozialgeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Überwindung der Institutionenblindheit
2.1 Die „Alte Institutionen Ökonomik“
2.2 Die „Neue Institutionen Ökonomik“

3. Zentrale institutionenökonomische Ansätze

4. Institutionen

5. Institutioneller Wandel

Literaturverzeichnis

Internetquellenverzeichnis

1. Einleitung

Die Vorstellungen über die Rolle von Institutionen in der Wirtschaftstheorie im Allgemeinen und in der Wirtschaftsgeschichte im Speziellen für die Menschen und ihr Zusammenleben unterlagen nicht nur in den letzten Dekaden einem Wandel. In der vorliegenden Arbeit soll dieser bündig dargestellt werden.

Hiezu erfolgt zunächst eine chronologisch orientierte Betrachtung der Herangehensweisen der so ge-nannten Alten und der Neuen Institutionenökonomie (NIÖ). Von diesen ausgehend schließt sich die Darstellung der Kernansätze der NIÖ im dritten Abschnitt an.

Nachdem im vierten Unterpunkt der Versuch einer näheren Determinierung des Institutionbegriffs folgt, schließt die Arbeit mit einer Reflexion über die Bedeutung der These des institutionellen Wandels für die Wirtschafts- und Sozialgeschichte ab.

2. Überwindung der Institutionenblindheit

Bis in die letzten Dekaden haben sich zwei Hauptrichtungen volkswirtschaftlicher Schulen im Wesentlichen durchgesetzt und weiterentwickelt. Die Neoklassik und der Keynesianismus unterscheiden sich insbesondere dahingehend, welche Rolle der Staat bezüglich der Unterstützung eines Marktgleich-gewichtes einnehmen soll. Beide unterstellen in ihren Betrachtungen jedoch bestimmte Annahmen, die eine weitgehende Vernachlässigung des möglichen Einflusses von Institutionen[1] ausdrücken, die das Handeln der Individuen beeinflussen können.[2] An dieser Stelle ist vor allem auf das Leitbild des voll-kommenen Marktes zu verweisen: Dieses bezeichnet die These, die Wirtschaftsprozesse würden durch Reaktionen der ihren Nutzen maximierenden Individuen auf relative Preisverschiebungen und dem Stre-ben der Märkte zu effizienten Gleichgewichten (mit geringeren oder größeren staatlichen Eingriffen) optimal gelenkt werden. Schlagwortartig sind in diesem Zusammenhang beispielsweise die unterstellten Fiktionen über das Vorliegen polypolistischer Konkurrenz und das gefühlsfreie Verhalten der Individuen als „homo oeconomicus“, welche charakterisiert sind durch stabile Präferenzen und einem Rationalitäts-prinzip zur Nutzenmaximierung, sowie eine Markttransparenz mit ausschließlichem Handel homogener Güter und der Existenz vollständiger Informationen zu nennen.[3] Hier sind und werden also beispiels-weise alle Eigentumsrechte allumfassend kostenfrei festgelegt und durchgesetzt.[4]

Die so beschriebene Modelwelt erlaubt ob ihrer hohen Abstraktion eine Optimierung von Handlungen der Wirtschaftssubjekte, in gleich welcher Gesellschaftsform diese leben, ohne die Notwendigkeit einer Rücksicht auf kulturelle oder ideologische Konsequenzen, sodass „[w]as immer die politische Ideologie eines Landes sein mag, es könnten all seine Bürger besser gestellt werden, wenn man dafür sorgt, daß Produktion und Allokation den Optimalitätsbedingungen genügen.“[5]

Diese Abstraktion prägte durch Ihren Einfluss auf die Kliometrie[6] auch einen Teil der neueren Wirt-schaftsgeschichtsschreibung und ermöglichte neue Einsichten. So ging 1993 der Nobelpreis an Robert W. Fogel (*1926)[7] für eine auf Basis der neoklassischen Theorie entwickelte ökonometrische Analyse historischer Vorgänge. Er belegte empirisch, dass der Einfluss der Eisenbahn auf Wachstum amerikani-schen Wirtschaft im 19. Jahrhundert deutlich überschätzt wurde.[8]

2.1 Die „Alte Institutionen Ökonomik“

Eine Institutionenblindheit war jedoch nicht umfassend. Die Ökonomen haben sich auch früher mit Institutionen beschäftigt: Für die Klassiker war es selbstverständlich, Institutionen in Überlegungen mit einzubeziehen. So unterwarf Adam Smith (1723-1790) die Wirkungsmöglichkeiten seiner „invisible hand“ ausdrücklich den Gesetzen, Sitten und Moralvorstellungen, welche die Funktionsweise des Mark-tes mitbestimmten. Unterdessen analysierte David Hume (1711-1776) die Funktionsweise und die Eigen-art von Eigentumsrechten und John Stuart Mill (1806-1873) untersuchte die Auswirkung von Bräuchen bei der Preisbildung auf Märkten. Die auf formalen Modellen aufbauende Neoklassik hat diese Einbe-ziehung jedoch scheinbar durch die Einführung der komparativ-statischen Analysemethoden durch David Ricardo (1772-1823) überflüssig gemacht.[9] Neoklassik und Keynesianismus verfeinerten diese Methoden und nutzen sie als Grundlage ihrer mikroökonomischen Theorien und Betrachtungen.

Kritik an diesem hohen Abstraktionsgrad beziehungsweise der Realitätsferne und den zuvor genannten Prämissen erfolgten innerhalb verschiedener Theorieschulen. Ihre Beschäftigung mit den Problemen jen-seits der neoklassischen Modellwelt wird heute in der Alte Institutionenökonomik subsumiert. Insbeson-dere erfolgte Kritik durch Vertreter der Deutschen Historischen Schule (Gustav v. Schmoller 1838-1917), die eine Bedeutung des sozialen Umfeldes für die ökonomischen Aktivitäten sahen und somit die Restriktionen durch Institutionen berücksichtigen wollten. Sie lehnten die Methode der Klassiker, aus logischen Modellen Ergebnisse zu deduzieren, als wirklichkeitsfremd ab. Vertreter dieser Schule suchten nach einer an der Praxis und deren Problemstellungen orientierten Wirtschaftslehre. Sie sammelten wirtschaftshistorische Daten, um allgemeine Zusammenhänge induktiv feststellen zu können, wobei die Volkswirtschaft als Ganzes als interdependentes System aus Individuen, Institutionen und dem Staat an-gesehen wurde. Schließlich wurden Entwicklungsgesetze für Volkswirtschaften abgeleitet, die sie in unterschiedliche Ausbildungsstufen gliederte.[10]

Ähnlich ging die Österreichische Schule vor (Carl Menger 1840-1921, Friedrich August v. Hayek 1899-1992). Auch Menger kritisierte die Neoklassik für die Vernachlässigung der Institutionen und deren Wir-kungen auf das Wirtschaften. Er analysierte u. a. Tauschvorgänge und zeigte in Ansätzen den Einfluss von Transaktionskosten. Als Ergebnis entwickelte er die Hypothese des Aufkommens von Geld als Stufe eines evolutionären Vorgangs – im Gegensatz zur neoklassischen Darstellung als staatliche Maßnahme.

[...]


[1] Der Institutionenbegriff selbst wird im Folgenden noch konkretisiert. Zunächst soll er sehr weitgehend gefasst verstanden
werden, als alle formellen oder formlosen Regeln und Verhaltensweisen, die das menschliche Verhalten beeinflussen und be-
schränken, also kurz als „Spielregeln einer Gesellschaft“ (North (1992), S. 3).

[2] Vgl. Erlei et al. (1999), S. 27f.

[3] Vgl. für eine ausführlichere Darstellung der neoklassischen und keynesianischen Theorien und deren zugrunde liegenden Mo-
dellannahmen beispielsweise Varian (2001), S. 1 ff, Erlei et al. (1999), S. 2 ff oder Mankiw (2001), S. 64ff.

[4] Vgl. North (1988), S. 9.

[5] Lancaster, K. (1969): Introduction to Modern Microeconomics, Chicago, S. 276 zitiert nach: Richter / Furubotn (2003), S. 1.

[6] Vgl. zum Begriff der Kliometrie (quantitative Wirtschaftsgeschichte): Komlos / Stögbauer (o.J.) (Internet), S. 1ff.

[7] Vgl. Fogel, R.W. (1964): Railroads and American Economic Growth. Hopkins Press, Baltimore.

[8] Vgl. Richter (1994), S. 62ff.

[9] Vgl. Richter / Furubotn (2003), S. 28ff, Erlei et al. (1999), S. 27f und Göbel (2002), S. 48f.

[10] Vgl. Erlei et al. (1999), S. 29ff.

Details

Seiten
10
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638508223
ISBN (Buch)
9783640171446
Dateigröße
520 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v56016
Institution / Hochschule
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) – Lehrstuhls für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Neuzeit
Note
1,0
Schlagworte
Institutionen Wirtschaftstheorie Klassische Texte Wirtschafts- Sozialgeschichte Jahrhunderts

Autor

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