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Versteckter Widerstand gegen die Militärdiktatur in Burma - Analyse unter Einbezug von James Scotts Alltagswiderstand und ‹hidden transcript›.

Seminararbeit 2006 32 Seiten

Ethnologie / Volkskunde

Leseprobe

1.1 Inhaltsverzeichnis

1 Verzeichnisse
1.2 Tabellenverzeichnis
1.3 Abkürzungsverzeichnis

2 Einleitung
Vorwort
Problem- und Fragestellung
Aufbau und Vorgehen

3 Widerstandskonzept

4 Versteckter Widerstand
4.1 Theorien zum versteckten Widerstand
4.1.1 ‹public transcript›
4.1.2 ‹hidden transcript›
4.1.3 Veröffentlichung des ‹hidden transcript› – Alltagswiderstand
4.2 Konsequenzen
4.3 Formen des versteckten Widerstands
4.3.1 Widerstand gegen die materielle Vorherrschaft
4.3.2 Widerstand gegen die Statusherrschaft
4.3.3 Widerstand gegen die ideologische Herrschaft
4.4 Ethnographien
4.4.1 Schwierigkeiten
4.4.2 Überblick über die Forschungen
4.5 Kritik am Konzept des versteckten Widerstandes

5 Fallbeispiel Burma
5.1 Geschichtlicher Abriss ab 1947 in Burma
5.2 Aktuelle Lage in Burma
5.3 ‹public transcript› in Burma

6 Diskussion des Fallbeispiels
6.1 Versteckte Widerstandsformen in Burma
6.2 Fazit über die Analyse

7 Ausblick

8 Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Domination and Disguised Resistance (Scott 1990: 198)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2 Einleitung

Vorwort

«We must make democracy the popular creed. We must try to build up a free Burma in accordance with such a creed. If we should fail to do this, our people are bound to suffer», zitierte Aung San Suu Kyi 1988 (1991: 194) ihren Vater General Bogyoke Aung San. Die Worte waren aktuell, als ihr Vater sie mit Hintergrund der Loslösung von der englischen Kolonialisten an die Bevölkerung richtete, sie waren es 1988 als Aung San Suu Kyi sie vor einer riesigen Masse zitierte und sind es auch heute noch. Obwohl in den vergangenen Jahren hart für die Demokratie gekämpft wurde, scheint deren Einführung noch vieles im Weg zu stehen. Noch immer hat die sozialistische Militärregierung die Macht in Burma und macht auch keine Andeutungen, diese einer eigentlich offiziell gewählten Partei zu überlassen. Vielmehr betreibt die Regierung zur Machtsicherung eine starke Angst- und Einschüchterungspolitik, worunter die Bevölkerung sehr leidet. In einem Land, wo Zwangsarbeit existiert, wo verboten wird, über Politik zu sprechen, wo an jeder Ecke ein militärischer Spion vermutet werden muss, wo Informationen vom In- und Ausland stark zensiert werden – konkret wo keine Menschenrechte existieren – wollen die Menschen nur eines: «Freedom from fear» (Aung San Suu Kyi 1991). Aber «Why don’t the people complain?», wird auf der Internetseite von Free Burma (Free Burma o.J.) gefragt. Die Antwort ist simpel und zugleich ernüchternd: «They keep trying but they get shot». Sich gegen die Regierung zu wehren, ist für die Einwohner Burmas eine Gefahr für ihre Freiheit, ihre Existenz und gar ihr Leben. Trotzdem gibt es eine Aktivistengruppe, die National League for Democracy (NLD), welche sich für die Werte eines von der Bevölkerung unterstützten Mehrparteiensystem einsetzt. Viele aber versuchen sich mit der unzufriedenstellenden Situation abzufinden und das Beste daraus zu machen. Wieder andere zeigen ihre Missgunst in einer Form des versteckten Alltagswiderstandes. James Scott (1989, 1990) hat über den Alltagswiderstand und das ‹hidden transcript› zahlreiche Aufsätze verfasst und sieht diese als die Stimme der Unterdrückten. Er führt an, diese Formen von Widerstand seien bisher zu Unrecht stark vernachlässigt worden. Kumuliert könnten sie nämlich eine Herrschaft zum Schwanken bringen

Problem- und Fragestellung

In dieser Seminararbeit werden die Formen des versteckten Widerstandes, genauer das ‹hidden transcript› und die daraus resultierenden Alltagswiderstandsformen vorgestellt. Mit dieser Grundlage wird das Fallbeispiel Burma analysiert. Die Wahl fiel auf Burma, da es ein Land ist, indem die Unterdrückung sehr stark ist. Es herrscht keine Meinungsfreiheit und selbst die kleinsten Vergehen gegen das Regime werden hart bestraft. Somit ist es ein Land, in dem die sicherste Art von Widerstand anonym ausgeführt wird. Zudem ist es ein sehr aktuelles Beispiel.

Folgende Frage stellt sich an das Fallbeispiel: Welche Formen des versteckten Widerstandes nach Scott finden sich in Burma?

Dabei werden für jede Widerstandsform nachstehende Unterfragen bearbeitet:

Gegen wen oder was richtet sich der Widerstand?

Welche Form nimmt der versteckte Widerstand an?

Welche Absicht wird mit dem versteckten Widerstand verfolgt?

Welche Auswirkungen zieht dieser versteckte Widerstand nach sich?

Handelt es sich wirklich um Widerstand?

Das Ziel ist es, verschiedene Arten von Alltagswiderstand in Burma aufzuzeigen, darzulegen, gegen was sich der Widerstand genau richtet, was die Intention bzw. Absichten dahinter sind und wenn möglich auch, welche Auswirkungen dadurch erzielt wurden. Scotts Theorien sollen helfen herauszufinden, ob es sich auch wirklich um eine Form von Widerstand handelt.

Dabei besteht jedoch nicht der Anspruch alle Widerstandsformen zu erfassen, denn dazu fehlen genaue Quellen, weil wenig darüber geschrieben wurde, insbesondere über Burma.

Aufbau und Vorgehen

In dieser Arbeit sollen an einem aktuellen Beispiel verschiedene Formen von Alltagswiderstand aufgezeigt werden. Dafür wird in einem ersten Teil diskutiert, was Widerstand ist bzw. was ihn ausmacht. In Folge werden James Scotts Theorien ‹everday form of resistance› und ‹hidden› vs. ‹public transcript› vorgestellt, die Empirie dazu kurz präsentiert und unter Einbezug der Besprechungen verschiedenster Wissenschaftler kritisch diskutiert. Unter Punkt 5 wird das Fallbeispiel Burma vorgestellt, indem ein kurzer geschichtlicher Rückblick sowie eine Analyse der aktuellen Situation präsentiert wird. Dargestellt wird ausserdem, wie sich das ‹public transcript› in Burma konstituiert, worauf die Diskussion des Fallbeispieles unter Berücksichtigung der Fragestellungen und der vorgestellten Literatur folgt.

3 Widerstandskonzept

Widerstand als Gegenstand von Untersuchungen hat weite Diskussionen ausgelöst. Der klassische Ansatz geht davon aus, dass Macht sowohl Akzeptanz der Unterdrückten, aber auch Widerstand impliziert (Barbalet 1985: 531). Herrschaft galt als eine feste, institutionalisierte Form von Macht, Widerstand war die wesentliche, organisierte Opposition dagegen (Ortner 1995: 174). Scott und Foucault relativierten diese Kategorien. Ersterer brachte den Begriff der alltäglichen Widerstandshandlungen in die Diskussion ein (genaueres in Kapitel 4), Foucault untersuchte weniger institutionalisierte, dafür den Alltag stark durchdringende Formen von Herrschaft. Er bezeichnete dies als disziplinarische Macht (ebd.: 175).

Während Stolder und Cooper die Mannigfaltigkeit von Transformationsprozessen ungeachtet der Intentionen der Akteure betrachteten, fokussierte Fegan gerade auf diese Intention. Nach ihm kann nicht von Widerstand ausgegangen werden, wenn nicht die Absicht dazu vorhanden ist (ebd.: 175).

Was aber ist Widerstand konkret? Es ist noch immer ein definitorisch unscharfer Begriff, wie das Bibliographische Institut und F. A. Brockhaus AG (2001: 48) festhält. Als Widerstand wird nach Wikipedia (o.J.b/ H.i.O.) «die Verweigerung des Gehorsams oder das aktive oppositionelle Handeln gegenüber der Obrigkeit oder der Regierung» bezeichnet. Das Bibliographische Institut und F.A. Brockhaus AG (2001: 48f.) bezeichnet politischen Widerstand als «[...] das aktive Sichwidersetzen gegen alle Versuche sozialer und gesellschaftl. Disziplinierung, für jedes von den herrschenden polit.-ideolog. Normen abweichende und persönl. Risiko in Kauf nehmende Verhalten». Es ist also eine Form gesellschaftlicher Verweigerung aufgrund moralischer oder politischer Überzeugung.

Wann genau ist etwas Widerstand? Raby (2005: 158) schlägt vor, zwischen ‹Auseinandersetzung› (contestation) und ‹Widerstand› zu unterscheiden. Ersteres wendet sich gegen lokale Prinzipien der Kontrolle, das zweite «[...] challenges to wider power relations» (ebd.: 158). Was als Widerstand gilt, kann auch davon abhängen, ob man das Vorhandensein von Absichten voraussetzt oder nicht (ebd.: 159). Unklar ist auch, ob es eine Wirkung braucht oder ob die Intention reicht, damit man bei Handlungen von Widerstand reden kann.

Schlussendlich bleibt die Frage im Raum, ob es überhaupt eine konkrete, allgemeingültige Definition von Widerstand braucht oder, ob es nicht vorzuziehen ist, eine jeweils situationsabhängige Begriffsbestimmung zu benutzen.

4 Versteckter Widerstand

Im Folgenden werden Scotts (1989, 1990) Ausführungen zum versteckten Widerstand dargelegt. Dazu wird erst auf das Konzept des ‹public transcript› eingegangen, welches den Grundstein legt, um die anschliessenden Erklärungen des ‹hidden transcript› und des Alltagswiderstandes besser zu verstehen. Es folgt eine Darstellung der Bedeutung dieser Konzepte. Daraufhin werden verschiedene Formen von Widerstand entlang den drei von Scott (1990: 198) formulierten Bereichen Widerstand gegen materielle Herrschaft, Statusherrschaft und ideologische Herrschaft vorgestellt. Es folgt eine Übersicht über die Studien. Schlussendlich werden die Kritiken zu Scotts Konzepten erläutert.

4.1 Theorien zum versteckten Widerstand

Scott (1989, 1990) hat sich intensiv mit dem verstecken Widerstand auseinandergesetzt. Nach seinen ersten Ausführungen zu «everyday forms of peasent resistant» hat er darauf aufbauend die Theorie des ‹hidden transcript› entwickelt. Eine Schwierigkeit an Scotts Arbeiten ist, dass er diese beiden Konzepte selber nicht klar zueinander in Verbindung setzt. Wie sich aber zeigen wird, findet das ‹hidden transcript› auch Ausdruck im Alltagswiderstand. Das ‹hidden transcript› und das ‹public transcript› sind die Folgen eines dualen Gesellschaftssystems: Herrschende stehen Untergeordneten gegenüber. Dabei sind beide Seiten wichtig, um das System von Macht und Widerstand zu verstehen. Da in dieser Arbeit insbesondere die Seite der Untergeordneten interessiert, wird ihre Perspektive ausführlicher dargestellt.

4.1.1 ‹public transcript›

Das ‹public transcript› bezeichnet das öffentliche Zurschaustellen eines erwünschten Verhaltens (unter anderem durch Sprache, Mimik, Gestik und Körperhaltung). Es ist ähnlich einem Selbstportrait der dominanten Elite, die vorgibt, wie sie sich gerne sehen möchte. Folglich ist das Selbstportrait jeweils so arrangiert worden, dass es die Herrschenden als imposant dargestellt, ihre Macht bestätigt und die schmutzigen Spuren ihres Herrschens verwischt. Die Unterdrückten haben sich diesem Schema anzupassen. Ansonsten, z.B. bei einer offenen Konfrontation mit ihren Bedürfnissen und Interessen, drohen Bestrafungen. Das ‹public transcript› ist für die Unterdrückten eine Art Überlebensstrategie; die vermeintliche Ehrerbietung, Konformität und das Einverständnis mit den Mächtigen oft nur Taktik. Es vereinfacht ihr alltägliches Leben, ist energiesparender und sicherer. Auch die Herrschenden müssen sich an das von ihr vorgegebene ‹public transcript› halten, um ihre Vorherrschaft zu legitimieren und zementieren. Ansonsten verlieren sie an Glaubwürdigkeit und es droht ein Statusverlust (Scott 1990: 2-18).

4.1.2 ‹hidden transcript›

Im Gegensatz zum ‹public transcript› steht das ‹hidden transcript›. Es handelt sich dabei um einen Diskurs hinter den Kulissen zwischen Individuen desselben Status und entzieht sich der direkten Beobachtung der jeweils anderen Klasse. Typische Beispiele des ‹hidden transcript› von Untergeordneten sind etwa Aktivitäten wie Wildern, Angestelltendiebstähle, Steuerhinterziehung und schlechte Arbeit für die Landherren. Bei den Dominanten kann das ‹hidden transcript› aus heimlichen Privilegien, dem heimlichen Mieten von Schlägern, Bestechung und Sabotage bestehen (Scott 1990: 4-17).

‹hidden transcript› der Dominierenden: Im ‹hidden transcript› können die Herrschenden ihre Maske der korrekten, repräsentativen und disziplinierten Person ablegen und auch mal hemmungslos ‹die Sau rauslassen›. Es ist in diesem Kreis nicht nötig ein ritualisiertes Handeln an den Tag zu legen, um ihr Handeln und ihre Macht zu legitimieren (ebd.: 27).

‹hidden transcript› der Unterdrückten: Unterdrückte haben kaum Möglichkeiten sich gegen die schlechten Behandlungen der Herrschenden zu verteidigen. Somit ist es in ihrem eigenen Interesse und dem ihrer Angehörigen sich gegenüber der Herrschaft konform zu verhalten. Entsprechend werden auch die Kinder sozialisiert. Sie müssen lernen Sprache und Gestik korrekt zu verwenden, ausserdem natürliche Impulse, wie etwa Wut, Beschimpfung und Gewalt zu kontrollieren. Diese unterdrückten Emotionen und Aggressionen werden in der Praxis oder in der Fantasie im ‹hidden transcript› ausgelebt, einer so genannten ‹offstage› Kultur, abseits der öffentlichen Wahrnehmung. Das kann sich darin zeigen, dass sich diese Gegenkultur im Untergrund abspielt oder eine Botschaft zweideutig artikuliert wird, damit die Herrschenden sie nicht verstehen. Das ‹hidden transcript› erfüllt für die Unterdrückten eine Art Ventilfunktion, denn es bietet die Möglichkeit ihrem Leiden und ihrer Wut Luft zu schaffen und somit Widerstand auszudrücken (ebd.: 17-37).

4.1.3 Veröffentlichung des ‹hidden transcript› – Alltagswiderstand

Die Grenze zwischen dem ‹hidden transcript› und dem ‹public transcript› sind nicht straff (Scott 1990: 14). Eher sind es zwei Pole eines fliessenden Überganges. Das bestätigt sich unter anderem darin, dass sich jeweils unter den Individuen einer Gruppe, also z.B. den Untergeordneten noch ein Machtgefüge herausbilden kann (z.B. zwischen Jung und Alt). Dies zieht wieder eine Bildung eines ‹hidden transcript› nach sich (ebd: 5).

Versteckter Widerstand im Sinne des ‹hidden transcript› beinhaltet eine Verschleierung entweder der Nachricht, des Absenders oder von beidem. So können Untergeordnete Nachrichten übermitteln ohne Vergeltung oder Sanktionen befürchten zu müssen (ebd.: 139).

Mindesten vier Formen des politischen Diskurses der Untergeordneten sind erkennbar:

1. Die sicherste Form ist, wenn sie das Selbstimage der Elite als Basis für ihren Diskurs nehmen und sich dessen rhetorische Zugeständnisse zu Nutze machen. Der Raum für Interpretation, die eine Ideologie freihält, ermöglicht es den Unterdrückten manchmal eine stückweise Verbesserung ihrer Situation auszuhandeln (ebd.: 18)[1].
2. Das Hidden transcript selber: Ausserhalb dem Blickfeld der Mächtigen können Unterdrückte Wut, Revanche oder Selbstbehauptung zum Ausdruck bringen (ebd.: 18).
3. Die Unterdrückten vermitteln ihre Botschaft im öffentlichen Raum, gestalten sie aber so, dass sie zweideutig ist oder die Identität des Akteurs verschleiert. Dadurch wird eine Ahndung durch die Herrschenden verhindert. Beispiele sind: Gerüchte, Klatsch, Volksmärchen, Lieder, Rituale, Euphemismen und ein Grossteil der Volkskultur (ebd.: 19).
4. Die Unterdrückten legen das ‹hidden transcript› offen (ebd.: 19).

Das ‹hidden transcript› wird durch Alltagswiderstandsformen veröffentlicht. Beispiele für solche Formen sind: langsames Arbeiten, Desertion, Diebstähle, Wildern, Brandstiftung, Steuerhinterziehung, Mord, anonyme Drohungen, Klatsch und vieles mehr (Scott 1989: 5f.). Solche Techniken sind eine Art Notlösung, denn sie werden vor allem angewendet, wenn das politische Umfeld ein öffentliches Protestieren verunmöglicht. Somit sind die wichtigsten Kriterien, dass die Widerständler unentdeckt und anonym bleiben. Vorteilhaft ist zudem das schleichende, schrittweise Vorgehen. Es bietet die Möglichkeit alles genau auf das Gegenüber abzustimmen. Da sie keine formellen Ansprüche machen, bieten sie zudem viel Raum für einen Rückzug mittels Ableugnen an (ebd.: 24ff.).

Scott hat sich an eine Definition von Alltagswiderstand gewagt, die wie folgt lautet:

«Lower class resistance among peasants is any act(s) by member(s) of the class that is (are) intended either to mitigate or to deny claims (e.g. rents, taxes, deference) made on that class by subordinate classes (e.g. landlords, the state, owners of machinery, moneylenders) or to advance its own claim (e.g. to work, land, charity, respect) vis-a-vis these superordinate classes» (Scott 1989: 7).

Obwohl Scott (ebd.: 23) sich auf die Bauern bezieht, vermerkt er, Alltagswiderstand sei nicht nur deren Domaine, sondern kann von allen Mitgliedern unterdrückter Gruppen ausgeübt werden. Die Definition hält fest, dass es bei dieser Art von Widerstand auch um Absichten geht, lässt aber offen, welche Konsequenzen schlussendlich resultieren. Symbolische und ideologische Widerstandformen werden nicht ausgeschlossen. Weiter anerkennt sie die Rolle des Selbstinteressens: es geht oft um einen Kampf über Arbeitsbestimmungen, Produktion oder Steuern. Ferner wird erkennbar, dass Widerstand nicht konkrete kollektive Formen annehmen muss. Obwohl beim Alltagswiderstand vieles aus individuellen Aktionen besteht, bedeutet das nicht ein Fehlen an Koordination. Ein bestimmter Level an Kooperation ist nötig und wenn es nur darum geht, die Widerstandsaktivitäten des jeweils anderen zu verschweigen. Dafür braucht es aber keine formale Organisation, da sich die Unterdrückten in informellen, sozialen Netzwerken bewegen und sich somit täglich miteinander kurzschliessen können (ebd.: 7, 22f.). Scott (1989: 23) meint weiter:

[...]


[1] Deutlicher wird dies an einem Beispiel von Scott: «[…] even the ideology of white slave owners in the antebellum U.S. South incorporated certain paternalist flourishes about the care, feeding, housing, and clothing of slaves and their religious instruction. Practices, of course, were something else. Slaves were, however, able to make political use of the small rhetorical space to appeal for garden plots, better food, human treatment, freedom to travel to religious services, and so forth» (Scott 1990: 18).

Details

Seiten
32
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638507882
Dateigröße
549 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v55972
Institution / Hochschule
Universität Zürich – Ethnologisches Institut Zürich
Note
sehr gut
Schlagworte
Versteckter Widerstand Militärdiktatur Burma Analyse Einbezug James Scotts Alltagswiderstand

Autor

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Titel: Versteckter Widerstand gegen die Militärdiktatur in Burma - Analyse unter Einbezug von James Scotts Alltagswiderstand und ‹hidden transcript›.