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Erziehung Fehlanzeige? Klagen über das Versagen der Eltern

Hausarbeit 2005 17 Seiten

Pädagogik - Familienerziehung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Veränderung und Chancen der familiären Erziehung
2.1. Vorverlagerung
2.2. Professionalisierung
2.3. Bildung
2.4. Kommunikation
2.5. Organisation

3. Klagen über die heutige Jugend
3.1. Verwöhnung
3.2. Gewalt
3.3. Trennung und Vaterlosigkeit
3.4. Berufstätigkeit der Eltern

4. Verwöhnung aus verhaltensbiologischer Sicht
4.1. Triebtheorie
4.1.1. Prinzip der doppelten Quantifizierung
4.1.2. Appetenzverhalten
4.1.3. Triebverhalten
4.2. Verhaltensökologisches Gleichgewicht
4.3. Lösungsansätze

5. Ausblick

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Es gibt zahlreiche Literatur über den Zustand der heutigen Jugend. Ich möchte an dieser Stelle vier Themenkomplexe, Verwöhnung – Gewalt – Trennung und Vaterlosigkeit – Berufstätigkeit der Eltern, exemplarisch darstellen. Diese und die zugrunde liegende Literatur sind anhand unseres Referates ausgewählt, die Autoren sollen hier nicht als führende Kritiker oder Beispiel des allgemeinen Konsens aufgeführt werden. Außerdem ist anzumerken, dass es sich bei den Werken mehr oder weniger um populärwissenschaftliche Arbeiten handelt und meines Erachtens oft Begründungen für Thesen fehlen. Nichtsdestotrotz finden die nachfolgenden Kritikpunkte an Jugendlichen, ihrer Erziehung und den Eltern in der Gesellschaft oft Erwähnung und sind daher erklärungsbedürftig.

Thema dieser Arbeit ist das Versagen der Erziehung in heutiger Zeit. Es gibt eine große Menge Literatur über Probleme der Jugend und die Gründe dieser Probleme. Viele Autoren sehen in den Eltern die Schuldigen und klagen an, ihre Erziehung würde versagen. Im Zuge unseres Referates, bei dem wir gängige Vorwürfe an Jugendliche darstellten,

2. Veränderung und Chancen der familiären Erziehung

Familie kann man definieren als ein auf Kontinuität angelegtes Zusammenleben von mindestens einem Erwachsenen und einem Kind in einer gemeinsamen Wohnung. Dabei muss das normative Leitbild der „Erstfamilie“ aufgegeben werden und andere Varianten („Patchwork-Familie“, alleinerziehend etc.) müssen als gleichrangig anerkannt werden. Die pädagogische Funktion der Familie hängt von ihrer sozialen Qualität ab. Es wird nur das vom Kind gelernt, was die Familie vorlebt (vgl. Giesecke 1990, S. 224).

Traditionell entspricht das Verhältnis von Familie und Gesellschaft in der Familiensoziologie einem „Innen“ und „Außen“, wobei die Familie als Zufluchtsort vor der Gesellschaft gesehen wird. Diese Unterteilung ist heute aufgrund gesellschaftlich bedingter Veränderungen der familiären Eerziehung nicht mehr haltbar und die Grenzen zwischen der Familie und der sie umgebenden Gesellschaft verschwimmen immer mehr. Dies führt in großen Teilen der Gesellschaft zu einer komplexeren und schwierigeren Kindererziehung (vgl. Meyer 2002, S. 40, 46). Als Beispiel dazu sei nur die finanzielle Abhängigkeit der Familie von der gesellschaftlichen Realität genannt, die der traditionellen Teilung widerspricht.

Unterteilen kann man die Veränderungen der familiären Erziehung grob in fünf Bereiche: Vorverlagerung und Professionalisierung der Erziehung, Bildung, Kommunikation und Organisation.

2.1. Vorverlagerung

Durch das Fortschreiten der Medizin und Psychologie erstreckt sich die Erziehung zunehmend auf die Pränatalzeit. Die Wissenschaft sieht in der Geburt immer mehr Risiken und unterwirft sie einer immer stärkeren Kontrolle (vgl. Meyer 2002, S. 40f).

Als Beispiele dafür führt Meyer (2002) an, dass sich die Anzahl der empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen von zehn auf 14 inklusive drei obligatorischer Ultraschalluntersuchungen erhöht hat, dass 70-80% der Schwangerschaften von Ärzten als kontrollbedürftig eingestuft werden (im Gegensatz zu den Niederlanden, wo das Gegenteil der Fall ist) und dass mehr als 50% der über 35 Jährigen ihre Kinder vor der Geburt auf genetische Abweichungen untersuchen lassen. Ebenso fordert die sich entwickelnde Pränatalpsychologie, schon vor der Geburt eine Beziehung zum Kind aufzubauen und auf den Vätern lastet die gesellschaftliche Erwartung, die Geburt von Anfang an durch gemeinsame Vorbereitungskurse, Anwesendheit bei der Geburt etc. zusammen mit ihren Frauen zu erleben.

Nach Meyer macht die moderne Wissenschaft die Eltern so schon vor der Geburt für die Gesundheit ihrer Kinder in verstärktem Maße verantwortlich und überschreitet durch ihr Eingreifen die traditionelle Abgrenzung der Familie von der Gesellschaft (vgl. S. 40, 46).

2.2. Professionalisierung

Die oben genannten Ansprüche der Wissenschaft setzen sich nach der Geburt fort, so verbinde sich schon „mit dem Säuglings- und Kleinkindalter der Kinder für die Eltern, insbesondere die Mütter, ein historisch beispielloses Anforderungsprogramm“ (Meyer 2002, S. 41). Es kann heute von einem Katalog mit mindestens 14 Punkten ausgegangen werden, den die Eltern bei der Förderung ihrer Kinder zu berücksichtigen haben (vgl. Fuhr zit. n. Meyer 2002, S. 41f). Beim Erfüllen dieser Ansprüche richten sich Eltern sowohl bewußt als auch unbewußt nach pädagogischen und psychologischen Erkenntnissen.

Als Beispiel dieser erneuten Überschreitung der Grenze zwischen Familie und Gesellschaft durch eine „Semiprofessionalisierung der Elternschaft“ (Meyer 2002, S. 42) sind u.a. vielfältige Formen der sozialpädagogischen Familienhilfe, Erziehungsberatungsstellen, Elternbildungsprogramme und Informationsmaterial in Form von Elternratgebern und Zeitschriften zu nennen. Nicht zuletzt wird dieser Trend durch Informationsmaterial der Krankenkassen unterstützt.

2.3. Bildung

Seit der Bildungsexpansion in den sechziger Jahren wird dem Schulabschluss immer mehr Bedeutung zugemessen. Je wichtiger ein guter Schulabschluss für den gesellschaftlichen Erfolg ist, desto höher ist auch der familieninterne Stellenwert der Schulausbildung. Sie wird als „zentrale Zuweisungsstelle von sozialen Lebenschancen“ begriffen (Meyer 2002, S. 42). Dementsprechend ist es nur ein kleiner Teil von einem Fünftel der deutschen Kinder, die von ihren Eltern nicht in ihrer Schulausbildung unterstützt werden (vgl. Bründel/Hurrelmann zit. n. ebd.). Im Vergleich zu früher ist die Akzeptanz des Volks- oder Hauptschulabschlusses gesunken, ca. 50% der westdeutschen Eltern erwarten sogar das Abitur von ihren Kindern (vgl. Melzer zit. n. ebd.).

Die Abgrenzung der Familie von der Gesellschaft wird hier durchbrochen, wenn Eltern-Kind-Beziehungen einer Schulbeziehung ähneln und gesellschaftlicher Erfolgs- und Leistungsdruck und Rationalentscheidungen in ihnen auftreten. Schulthemen sind inzwischen „zum beherrschenden Thema des Familienlebens geworden“ (Meyer 2002, S. 43) und verdrängen andere Themen. In Form von Sportkursen, Sprachferien etc. weiten sich die Bildungsansprüche der Eltern an ihre Kinder sogar auf den Freizeitbereich aus.

Dieser Trend ist negativ zu Bewerten, denn ein Charakteristikum der Familie ist gerade die vorbehaltlose Akzeptanz ihrer Mitglieder und die Möglichkeit der Erfüllung elementarer Grundbedürfnisse wie Liebe und Zuneigung, unabhängig von gesellschaftlichen Leistungen des Mitgliedes. Dies zeigt auch, wieso die pädagogischen Möglichkeiten der Familie hauptsächlich auf der funktionalen Ebene liegen (vgl. Giesecke 1990, S. 225). Die Folgen dieser elterlichen Erwartungen können sich in Gesundheitsstress zeigen (vgl. Meyer 2002,
S. 43).

2.4. Kommunikation

Ursprünglich gesellschaftliche Konstrukte wie Gleichheits- und Mitbestimmungsprinzipien ergreifen heute immer mehr Besitz von der Familie. Eigentlich herrscht in der Familie eine klare Differenzierung zwischen Eltern und Kindern: Eltern haben die letzte Entscheidung über ökonomisches und kulturelles, weil sie die finanzielle Grundlage der Familie erarbeiten (vgl. Giesecke 1990, S. 227).

Diese Machtverhältnisse werden zunehmend abgebaut und das Kind wird als Freund und gleichberechtigter Partner bei allen Entscheidungen wahrgenommen. Mutter und Vater stellen immer weniger eine Autorität dar, statt dessen sind Verhandlungen und Abstimmungen auch in den Familien nötig. Dies verlangt von den Eltern neue Kommunikationstechniken (Gesprächs-, Beratungskompetenzen und Empathie) und stellt sie vor die schwierige Aufgabe, eine „Balance zwischen zugestandenen Freiräumen und legitimen Geboten“ zu finden (vgl. Meyer 2002, S. 44).

[...]

Details

Seiten
17
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638507776
ISBN (Buch)
9783638752206
Dateigröße
558 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v55959
Institution / Hochschule
Universität Lüneburg – Institut für Pädagogik
Note
1,3
Schlagworte
Erziehung Fehlanzeige Klagen Versagen Eltern Wandel Lebensphase Jugend

Autor

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Titel: Erziehung Fehlanzeige? Klagen über das Versagen der Eltern