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Leseprobe

Thema: Essstörungen

Unter besonderer Berücksichtigung der Anorexia Nervosa

Unter dem Begriff „Essstörungen“ werden insbesondere Anorexia Nervosa und Bulimia Nervosa beschrieben.

Adipositas, Fütter- und Essstörungen des Säuglingsalters und frühen Kindesalters, sowie Ruminationsstörung und Pica werden mit zu den Essstörungen gerechnet. Ich werde mich aber im Folgenden hauptsächlich auf die AN beziehen.

Hierbei habe ich mich vorbereitet auf:

1. Klinisches Bild der Anorexia Nervosa
2. Somatische Folgeerkrankungen
3. Diagnostik und Differentialdiagnostik
4. Prävalenz und Epidemiologie
5. Ätiologie und Genese
6. Therapie und Intervention
7. Verlauf und Prognose

1. Klinisches Bild der Anorexia Nervosa

ICD-10 – Kriterien

Die AN wird klassifiziert auf der ersten Achse der ICD-10,

im Kapitel F5: Verhaltensauffälligkeiten in Verbindung mit körperlichen Störungen und Faktoren; im Unterkapitel F50 Essstörungen.

Anorexia Nervosa ICD-10: F 50. 0

a. Gewichtsverlust oder bei Kindern fehlende Gewichtszunahme. Dies führt zu einem Körpergewicht von mindestens 15% unter dem normalen oder dem für das Alter und die Körpergröße erwarteten Gewicht.
BMI <= 17,5. ; 10. Altersperzentile.
b. Der Gewichtsverlust ist selbst herbeigeführt durch Vermeidung von „fettmachenden Speisen“.
c. Körperschemastörung.
d. Endokrine Störung der Hypothalamus – Hypophysen – Gonaden – Achse; sie manifestiert sich bei Frauen als Amenorrhoe, bei Männern als Interessenverlust an Sexualität und Potenzverlust.

Ausnahme: Kontrazeptiva => Menstruation besteht fort.

Subtypen (laut DSM-IV/ ICD-10):

- Restriktiver Typus. Dieser Subtypus beschreibt Manifestationen, bei denen der Gewichtsverlust in erster Linie durch Diäten, Fasten oder übermäßige körperliche Betätigung erreicht wird. Wahrend der bestehenden Episode haben diese Personen keine regelmäßigen "Fressanfälle" oder "Purging"- Verhalten gehabt.
- "Binge-Eating/Purging"-Typus. (ICD-10: Bulimischer Typ) Dieser Subtypus wird verwendet, wenn die Person während der bestehenden Episode regelmäßig "Fressanfälle" hat oder "Purging"- Verhalten zeigt (oder beides). Einige der dieser Unterform zugeordneten Personen haben keine Fressanfälle, zeigen aber regelmäßig nach dem Konsum kleiner Nahrungsmengen ein "Purging"-Verhalten.

Atypische Anorexia Nervosa ICD-10: F50.1

Diese Diagnose soll für Patientinnen verwendet werden, bei denen ein oder mehr Kernmerkmale der AN (F50.0), z.B. Amenorrhoe, fehlen, bei ansonsten ziemlich typischem klinischem Bild. Patientinnen, die alle Kernsymptome in leichter Ausprägung aufweisen, werden ebenfalls am besten mit dieser Diagnose beschrieben.

Untersucher, die sich mit atypischen Formen der AN beschäftigen sind aufgefordert, ihre eigene Entscheidung über Zahl und Inhalt der geforderten Kriterien zu fällen.

Die kindliche Form der AN muss von der pubertären Form und der junger Erwachsener unterschieden werden. Bei Kindern kann auch anstelle des Gewichtsverlustes eine zu erwartende Gewichtszunahme ausbleiben (bei zunehmendender Körpergröße).

Das Kind verfügt über eine bedeutend geringere Fettmasse, als der Erwachsene und sein Körper befindet sich noch im Wachstum. Dies bedeutet, dass die somatischen Folgen der kindlichen AN gravierender sind. Die Pubertätsentwicklung und das Wachstum kann zum Stillstand kommen bzw. sich verzögern.

Nach Remission wird die Pubertätsentwicklung bei verspäteter Menarche häufig normal abgeschlossen.

Symptomatik der AN:

Essverhalten:

- Weigerung zu essen
- Vorbehalte in der Öffentlichkeit zu essen
- langsames Essen, ritualisiert, immer die selben Nahrungsmittel, dieselbe Reihenfolge
- Essen wird versteckt, vorgetäuscht, dem Hund gegeben etc.
- Große Mengen kalorienarmer Speisen und Getränke werden verzehrt, „verbotene, kalorienreiche Spesen“ werden abgelehnt.

Sonstiges auffälliges Verhalten:

- Extreme Aktivität, sportliche Betätigung
- Extremer schulischer Leistungsehrgeiz
- Stimmungsschwankungen, Labilität
- Neigung zu Anpassung und Gefügigkeit bis hin zur Selbstaufgabe
- Fehlen einer eigenen Identitätsentwicklung – AN ist der Versuch, eine eigene Identität zu entwickeln, etwas zu leisten (Hilde Bruch)
- Perfektionismus
- meistens eine gut durchschnittliche oder hohe Intelligenz

Mentale Konstrukte, emotionales Erleben:

- abnorme kognitive Zentrierung auf Nahrung, Essen und Gewicht
- mangelnde Krankheitseinsicht
- Körperschemastörung
- Gewichtszunahmephobie
- Gefühle der Ineffektivität, Minderwertigkeitsgefühle – Wunsch nach Bestätigung von außen, große Versagensangst
- starkes Bedürfnis die eigene Umwelt/ eigenen körperlichen Bedürfnisse zu kontrollieren
- Aggressionshemmung, Hemmung von Lustgefühlen, Puritanismus
- begrenzter emotionaler Ausdruck und emotionale Wahrnehmungsfähigkeit

Soziale Beziehungen:

- zieht sich zurück, vermeidet soziale Situationen
- schwere Beeinträchtigungen des Selbstwertgefühls
- rigides Denken, begrenzte soziale Spontaneität und allzu begrenzte Initiative

Psychische Begleitstörungen, Komorbidität:

- Häufig besteht eine depressive Symptomatik
- Es können auch Angst- und Zwangssymptome beobachtet werden. Insbesondere in bezug auf Essen, Körpergewicht, Essverhalten und entsprechende Rituale.
- Alkohol-/ Drogenabusus – insbes. bei bulimischem Typus – reduzierte Kontrolle
- Wenn das Alter ab 18 Jahre: Persönlichkeitsstörungen, speziell Borderline; da diese Störung folgende Symptomatiken aufweist: Selbstverletzendes Verhalten, impulsives Verhalten, inkonstantes Beziehungsverhalten (keine stabilen Bindungen).

Verglichen mit dem restriktiven Typus der AN, haben Personen des binge –eating-purging Typus wahrscheinlich mehr Impulskontroll-Probleme.

Personen des restriktiven Typus haben vermehrt Zwangssymptome.

Bemerkenswert erschient, dass Depressionen und andere psychische Störungen sowohl der Auslöser, als auch die Folge und sogar auch eine unabhängig von der AN existierende Störung sein können.

Minnesota Studie (50er Jahre) (vgl. Cuntz und Hillert ,2000, s. 37f.) Aus dieser Studie kann der Schluss gezogen werden, dass dauerhaftes Fasten zu einer nachhaltigen Störung des Essverhaltens, zu einer Reihe körperlicher Beschwerden und zu schweren affektiven Störungen führt.

2. Somatische Folgeerkrankungen

Die Anorexia Nervosa hat eine Vielzahl von bedeutsamen somatischen Symptomen, die gerade bei ambulanter Behandlung mit ausschließlicher Akzentuierung der Psychotherapie ungenügend berücksichtigt werden.

Jede deutliche Unterschreitung des Normalgewichtes ist für den Organismus potentiell bedrohlich. Um die Handlungsfähigkeit sicherstellen zu können, werden schrittweise alle verfügbaren Energiereserven mobilisiert und die für das Überleben nicht entscheidenden Aktivitäten reduziert und schließlich eingestellt. Das eingefallen- kachektische Aussehen und die medizinischen Komplikationen der Anorexie sind somit Folge eines prinzipiell gesunden Mechanismus, um den Energieverbrauch zu senken.

Zur Abklärung zum Arzt schicken!

Inspektion:

Kachexie

Lanugobehaarung

Akrozyanose, Cutis marmorata

Trockene, schuppige Epidermis

Minderwuchs

[...]

Details

Seiten
13
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638134255
Dateigröße
514 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v5592
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Psychologie
Note
1
Schlagworte
Anorexia Nervosa

Autor

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Titel: Anorexia Nervosa