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Herodot - Vater der Geschichtsschreibung

Hausarbeit 2005 14 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Prooimion
2.1.1 Erkundung
2.1.2 Intention und Motivation
2.2 Herodots Umgang mit Quellen
2.2.1 Exkurs über Ägypten
2.2.2 Vater der Lügenmärchen?
2.3 Verfassungsdebatte

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Werk von Herodot aus Halikarnassos ist nun schon mehr als 2400 Jahre alt. Dementsprechend viel hat man sich bisher damit beschäftigt. Von Thukydides über Cicero bis in die heutige wissenschaftliche Forschung setzen sich die Historiker, und nicht nur diese, mit Herodot auseinander. Einer der größten Kontroversen war und ist dabei die Frage, in wie weit Herodot als Historiker bezeichnet werden darf.

Thukydides reiht Herodot in die Reihe der Logographen ein und beschuldigt ihn, ohne seinen Namen ausdrücklich zu nennen, er hätte sich nur auf das Hörensagen verlassen und sich nicht um die Wahrheit bemüht. Als Beispiel widerlegt er zwei Textpassagen aus Herodots Werk.[1]

Cicero nennt Herodot „patrem historiae, sunt innumerabiles fabulae“[2], also den Vater der Geschichtsschreibung und Erzähler zahlreicher Märchen. Er bezweifelt damit auf der einen Seite die Authentizität zumindest mancher Geschichten, doch hält ihn dies nicht davon ab, Herodot als den Begründer der Geschichtsschreibung zu bezeichnen.

In der neueren Forschung, eine intensive wissenschaftliche Beschäftigung mit Herodot beginnt mit Anfang des 19. Jahrhunderts, wird immer noch darüber diskutiert, wie Herodots Historien zu bewerten sind und wie Herodot als Historiker zu bewerten ist. Die moderne Forschung setzt dabei ihren Schwerpunkt auf die Untersuchung der herodotischen Methode.[3]

Auch ich will mich Herodot über seine Methodik nähern. Wie ist Herodot vorgegangen? Was war seine Motivation, was sein Ziel? Zu dieser Fragestellung gehört auch die Frage nach seinen Quellen und wie Herodot mit diesen umgegangen ist.

2. Hauptteil

2.1 Prooimion

Um Herodots eigene Intention zu verstehen und einen Einstieg in seine historische Methode zu finden, lohnt es sich, seine Einleitung, das Prooimion, genauer zu untersuchen:

„Dies ist die Darlegung der Erkundung des Herodot aus Halikarnaß, auf daß, was von Menschen geschehen, nicht mit der Zeit verblasse, noch Taten, groß und des Staunens wert, vorgewiesen von Hellenen wie von Barbaren, ihres Ruhmes verlustig gehen – manches andere und so auch, warum sie Krieg geführt miteinander.“[4]

2.1.1 Die Erkundung

Herodots Wort für Erkundung lautet „histories“. Es „hat die Bedeutung der direkten Erforschung dessen, was man sieht und hört.“[5]

Dies impliziert, dass Herodot vor Ort eigenständige Nachforschungen betrieben hat und die Dinge, über die er berichtet, selbst in Augenschein genommen oder von Menschen erfahren hat, die er dazu befragte.

Tatsächlich scheint Herodot so vorgegangen zu sein. Seine Darlegungen zeigen, dass er sehr viel gereist sein muss, was zu dieser Zeit sicherlich sehr kostspielig und aufwendig gewesen war.

Überall wo er hinkam scheint er nach Menschen gesucht zu haben, die er über Land und Leute und über das, was sie von der Geschichte wussten, befragen konnte. Bemerkenswert ist, dass er in seinem Werk häufig seine Informanten nennt. Er nennt Einzelpersonen („Wie ich aber gehört habe von Tymnes, dem Vormund des Ariapeithes [...]“[6] ), Berufsgruppen wie die Priester im allgemeinen oder einzelner Tempel, Landesbewohner wie „die Ägypter“ und „die Skyten“, sowie Bewohner von Städten wie „die Athener“ oder „die Korinther“.[7]

Diese oral tradition war fast die einzige Möglichkeit, sich der Vergangenheit zu nähern. Schriftliche Quellen gab es so gut wie keine, abgesehen von Inschriften und wenigen Listen, die er von persischen Informanten erhalten zu haben scheint.[8]

Sein Interesse galt aber nicht nur der Vergangenheit. Seine Erkundungen galten auch geographischen und ethnographischen Themen. Fremde Länder, Kulturen, Sitten, Gebräuche u.s.w. nehmen in ausgedehnten Exkursen viel Platz in seinem Werk ein.

2.1.2 Intention und Motivation

Nach dem Prooimion wird Herodot von zwei Motiven geleitet: Aufklärung der Ursachen und die Sicherung der Erinnerung in den Köpfen der Nachwelt.

Die Suche nach der Ursache zielt auf den Hauptgegenstand der Historien, nämlich die Perserkriege, ab. Er sucht den Beginn der Auseinandersetzungen zwischen Griechen und Barbaren und berichtet von den Entwicklungen auf beiden Seiten, wobei er sich dabei an der Abfolge der persischen Herrscher orientiert. Auch sucht er nach der Schuld, wobei er zunächst berichtet, was auf beiden Seiten erzählt und sich gegenseitig vorgeworfen wird. Wie auch in anderen mythischen Erzählungen geht es in diesen Versionen um Frauenraub, Rache und Vergeltungen. Herodot schiebt dies mit einem Satz zur Seite und nennt den für ihn Schuldigen:

„Das also bringen sie vor, die Perser dies und die Phönizier das. Ich aber will mich bei diesen Dingen nicht hinstellen und sagen, das ist so oder vielleicht so gekommen; doch den Mann, von dem ich selber weiß, daß er den Anfang gemacht hat mit Unrecht und Gewalt gegen die Hellenen, auf den will ich zeigen und dann weiterschreiten in der Erzählung […]“[9]

[...]


[1] Vgl. Luce, Torry J.: Die griechischen Historiker; Düsseldorf/Zürich 1998, S.96-97. Bezieht sich auf Thuk. 1,20-22.

[2] Cicero: De leg. 1.1.5.

[3] Vgl. Bichler, Reinhold/ Rollinger, Robert: Herodot; Hildesheim 2001, S.160.

[4] Herodot: Geschichte und Geschichten. Übersetzt von Marg, Walter; Zürich/München 1973, Prooimion.

[5] Luce, Torry J.: Die griechischen Historiker, 1998, S.33.

[6] Hdt. 4,76.

[7] Vgl. Lendle, Otto: Einführung in die griechische Geschichtsschreibung. Von Hekataios bis Zosimos; Darmstadt 1992, S.44.

[8] Vgl. ebd. S.32.

[9] Hdt. 1,5.

Details

Seiten
14
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638506342
Dateigröße
506 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v55765
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Institut für Altertumskunde
Note
2,0
Schlagworte
Herodot Vater Geschichtsschreibung Einführungsseminar Herrschaftsdarstellung Principat

Autor

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