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Bad Day Sunshine: Stock Returns and the Weather

Hausarbeit (Hauptseminar) 2004 32 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

2. Sonnenschein, Wertpapierrenditen und Fehlattribution von Stimmung

3. Daten

4. Tests und Ergebnisse

5. Schlussfolgerung

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabellenverzeichnis

Tabelle I: Beginn der Beobachtungen, Erwartungswert und Standartabweichung von Bewölkung und Rendite

Tabelle II: Korrelationsmatrix (1)

Tabelle II: Korrelationsmatrix (2)

Tabelle III: Sonnenschein-Einfachregression und Logit-Modell

Tabelle IV: Sonnenschein-Regression unter Miteinbeziehung weiterer Wettervariablen

Tabelle V: Sonnenschein-Logit-Modell unter Miteinbeziehung weiterer Wettervariablen

Tabelle VI: Test wetterbasierter Strategien nach Britten-Jones

1. Einleitung

Sonnenschein wirkt Stimmungsbeeinflussend – das kann ein jeder von uns bestätigen und ist auch durch psychologische Studien bewiesen Aber kann Sonnenschein auch den Wertpapiermarkt beeinflussen?[1]

Genau dieser Frage stellen sich Hirshleifer und Shumway in ihrem im Jahre 2003 im Journal of Finance erschienen Artikel „Good Day Sunshine: Stock Returns and the Weather“. Um eine Antwort zu geben, untersuchten die Autoren die Beziehung zwischen morgendlichem Sonnenschein in den wichtigsten Börsenstädten von 26 Ländern und der Rendite des entsprechenden nationalen Aktienindexes des selben Tages für den Zeitraum 1982 bis 1997.[2]

Hirshleifer und Shumway gehen dabei von der durch verschiedene psychologische Studien belegten Annahme aus, welche besagt, dass ein Zusammenhang zwischen Sonnenschein und Verhalten existiert. Kernaussage dieser Studien ist, dass Personen sich umso besser fühlen, je mehr Sonnenschein sie ausgesetzt sind. Wenn Menschen aufgrund von Sonnenschein optimistischer sind, lässt sich daraus schließen, dass sie an sonnigen Tagen eher geneigt sein könnten, Aktien zu kaufen. Insbesondere könnten sie fälschlicherweise ihre gute Laune auf positive wirtschaftliche Aussichten zurückführen, anstatt auf gutes Wetter. Dies weist darauf hin, dass Sonnenschein positiv mit den Aktienrenditen korreliert sein kann.[3]

In dieser Arbeit wird die Vorgehensweise Hirshleifers und Shumways bei ihrer Untersuchung, inwiefern Sonnenschein die Aktienmärkte beeinflussen kann, erläutert. Im nächsten Teil dieser Arbeit wird ein Überblick über das Zusammenwirken von Falschattribution der Stimmung, Sonnenschein und Wertpapierrenditen gegeben. Dabei wird zunächst berichtet, wie Sonnenschein Beurteilungen und Entscheidungen beeinflussen kann, danach inwieweit Stimmung, Sonnenschein und Verhalten zu einander in Beziehung stehen, und zuletzt wird die potentielle Beziehung zwischen Stimmung, Sonnenschein und Wertpapierrenditen beschrieben. Im darauffolgenden Teil werden die Herkunft der verwendeten Wetter- und Aktienindexdaten illustriert und Übersichtsstatistiken geliefert. Teil vier befasst sich mit den von Hirshleifer und Shumway durchgeführten Tests und deren Ergebnissen. Dabei werden zunächst die städtespezifischen Tests (City by City Tests), bei denen in jeder Stadt für sich alleine der Einfluss des Sonnenscheins auf die Renditen geprüft wird, und danach Tests, bei denen der Einfluss des Sonnenscheins auf alle Städte gemeinsam (Joint Tests) geprüft wird, dargestellt. Daraufhin wird untersucht, inwieweit Korrelation zwischen Sonne und Renditen durch Regen oder Schnee erklärt werden kann, und es wird aufgezeigt, inwiefern es sich lohnen könnte, auf dem Wertpapiermarkt nach einer wetterbasierten Strategie zu handeln. Der letzte Teil dieser Arbeit beinhaltet eine Zusammenfassung der Ergebnisse und einen Ausblick auf ähnliche Studien.

2. Sonnenschein, Wertpapierrenditen und Fehlattribution von Stimmung

2.1 Stimmung, Beurteilungen und Entscheidungen

Eine Vielzahl psychologischer Studien befasst sich mit der Beeinflussung von Stimmung und menschlichem Entscheidungsverhalten durch Emotionen.[4]

Wright und Bower untersuchten zum Beispiel, ob Stimmung bei der Beurteilung eines unsicheren Zukunftsereignisses eine Rolle spielt. Verschieden gelaunte Testpersonen sollten verschiedenen (positiven und negativen, persönlichen und unpersönlichen) Zukunftsereignissen eine subjektive Eintrittswahrscheinlichkeit zuordnen. Dabei wurde festgestellt, dass gute und schlechte Laune direkten Einfluss auf die subjektiven Eintrittswahrscheinlichkeiten haben. Sowohl für positive als auch negative, persönliche und unpersönliche Zukunftsereignisse gingen die von der Stimmung hervorgerufenen Einflüsse auf die Eintrittswahrscheinlichkeiten in Richtung der vorherrschenden Stimmung, d.h. gut gelaunte Personen gaben positiven Zukunftsereignissen eine höhere Eintrittswahrscheinlichkeit als negativen, und schlecht gestimmte Personen gaben negativen Ereignissen eine höhere Eintrittswahrscheinlichkeit.[5]

Des weiteren wurde auch belegt, dass Personen eher dazu neigen, Informationen auf mühevolle und genaue Art und Weise zu verarbeiten, wenn sie schlecht gelaunt sind, während gut gelaunte Personen dies auf weniger kritische Art und Weise tun. Außerdem sind gut gelaunte Personen kreativer, origineller und fröhlicher als schlechtgelaunte.[6]

Die Theorie der affective states (Gefühls- und Stimmungszustand) liefert unter anderem die wichtige Erkenntnis, dass diese Zustände dem Einzelnen Informationen über seine Umwelt liefern können, und daraufhin Urteile aufgrund von Gefühlen gefällt werden.[7] Dabei kann es aber vorkommen, dass Personen ihre Gefühle falschen Gründen zuordnen. Ein Beispiel für solch eine Fehlattribution der Gefühle ist, dass Personen, die an sonnigen Tagen befragt wurden, wie zufrieden sie im Moment mit ihrem Leben seien, angaben, glücklicher zu sein, im Vgl. zu Personen, die an regnerischen Tagen befragt wurden. Wenn aber die Personen, die an regnerischen Tagen befragt wurden, zunächst einmal veranlasst wurden, ihre schlechte Stimmung dem Regen zuzuschreiben, gaben sie genauso oft an, glücklich zu sein, wie die an den Sonnentagen befragten Personen.[8]

2.2 Stimmung, Sonnenlicht und Verhalten

Schon seit Jahrzehnten berichten Psychologen von der Existenz eines Zusammenhanges zwischen Sonnenschein und Verhalten. Die meisten Werke belegen, dass Personen sich besser fühlen, je mehr Sonnenschein sie ausgesetzt sind. Sind Menschen aufgrund von Sonnenschein optimistischer, lässt sich daraus schließen, dass sie an sonnigen Tagen eher geneigt sein könnten, Aktien zu kaufen. Insbesondere könnten sie fälschlicherweise ihre gute Laune auf positive wirtschaftliche Aussichten zurückführen, anstatt auf gutes Wetter. Dies weist darauf hin, dass Sonnenschein positiv mit Aktienrenditen korreliert sein kann. Ferner, ist es nicht so, dass die Ankündigung (der Wettervorhersage)eines sonnigen Tages eine sofortige und positive Reaktion der Aktienpreise bewirkt, sondern eher so, dass das Eintreten des Ereignisses Sonnenschein selbst die Preise bewegen sollte.[9]

Gefühle können jedoch auch präferenzbeeinflussend wirken. Nach Loewenstein können sogenannte visceral factors wie Hunger, Durst, Müdigkeit, sexuelles Verlangen, Stimmungen, Emotionen, physische Schmerzen, und Verlangen nach Drogen, wenn diese nur stark genug sind, Präferenzen bezüglich bestimmter Güter beeinflussen. Ein gutes Beisp. hierfür sind Drogensüchtige, die im Prinzip all ihren Besitz opfern würden, nur um an Drogen zu gelangen.[10] Mehra und Sah untersuchten, inwiefern eine durch Stimmung verursachte Änderung der Investorpräferenzen bezüglich Diskontierungsfaktoren und Risikoeinstellung Schwankungen der Aktienpreise hervorruft, und kamen zum Ergebnis, dass Schwankungen bei den Präferenzparametern zu Aktienpreisschwankungen führen. Dabei genügt schon eine kleine Änderung der Präferenzen, um eine große Änderung bei den Aktienpreisen zu verursachen.[11]

Wenn man von Individuen als rationale Maximierer ausgeht, besteht im Gegensatz dazu nur eine geringe Annahme, dass Sonnenschein mit den Aktienrenditen zusammenhängt. Natürlich beeinflusst Wetter die wirtschaftliche Produktion, besonders in der Landwirtschaft und im Bau. Jedoch ist der an einem Ort vorherrschende Sonnenschein nicht repräsentativ für den Sonnenschein in einer ganzen Volkswirtschaft. Darüber hinaus ist Sonnenschein eine vergängliche Variable. Die Menge an unerwartetem Sonnenschein heute ist nicht besonders stark mit der Menge, die in einer Woche oder in einem Monat vorherrschen wird, korreliert. Letztendlich müssten Regen und Schnee stärker mit dem Output korreliert sein als Bewölkung oder Sonnenschein, da widriges Wetter Märkte, Kommunikation, und andere verkaufsfördernde Aktivitäten behindert. Deshalb prüfen Hirshleifer und Shumway Regen, Schnee und Sonne gemeinsam auf ihre inkrementellen Effekte bezüglich Aktienrenditen.[12]

2.3 Stimmung, Sonnenschein und Aktienpreise

Saunders weist in seiner 1993 im American Economic Review erschienenen Studie „Stock Prices and Wall Street Weather“ für den Zeitraum von 1927 bis 1989 einen Zusammenhang zwischen dem Wetter in New York City und den Aktienrenditen der New Yorker Börse nach.[13]

Hirshleifer und Shumway folgen seinem Beisp. , wandeln aber den Untersuchungsgegenstand leicht ab: In „Good day Sunshine: Stock Returns and the Weather“ wird die Beziehung zwischen Aktienrenditen und Sonnenschein nicht nur in einer, sondern in 26 internationalen Börsenstädten für den Zeitraum von 1982 bis 1997 untersucht. Die zu widerlegende Hypothese lautet auch hierbei dass wolkiges Wetter mit geringeren Aktienrenditen korreliert sei. Der Gebrauch eines Panels mit den Daten der 26 Städte hat hierbei gegenüber dem Gebrauch einer umfangreichen Zeitreihe wie bei Saunders die folgenden Vorteile:

Zunächst einmal ist es hilfreich, um zu erkennen, inwiefern das angenommene Phänomen durchdringend ist. Der sunshine effect müsste weltweit vorhanden sein. Zweitens ist durch den Gebrauch eines Panels leichter festzustellen, ob dieses Phänomen auch noch in den Jahren nach der Studie Saunders aktuell ist. Gesetz dem Fall, die Finanzmärkte seien mit der Zeit effizienter geworden, könnte es sein, dass der von Saunders entdeckte sunshine effect nicht mehr relevant ist. Saunders Ergebnisse zeigten, dass der sunshine effect in der letzten Teilperiode seiner Untersuchung (1983-1989) deutlich schwächer ausgeprägt war.[14] Drittens vergrößert der Gebrauch eines Panels die Wahrscheinlichkeit, einen Effekt aufzudecken. Falls Sonnenschein tatsächlich einen Einfluss auf die Renditen ausüben sollte, gibt es jeden Tag trotzdem noch genügend andere Einflüsse, die sich auf die Renditen auswirken könnten, z.B. das Eintreten von für die Wirtschaft relevanten Ereignissen. Da die Renditen generell Schwankungen unterlegen sind, muss die Aussagekraft der Untersuchung durch das Hinzuziehen einer großen Anzahl von Märkten maximiert werden.[15]

[...]


[1] Vgl. Hirshleifer, David, Shumway, Tyler (2003), S.1009.

[2] Vgl. Hirshleifer, David, Shumway, Tyler (2003), S.1010.

[3] Vgl. Hirshleifer, David, Shumway, Tyler (2003), S.1009f., S.1012f.

[4] Vgl. Hirshleifer, David, Shumway, Tyler (2003), S.1011

[5] Vgl. Wright, William F., Bower, Gordon H. (1992), S.285.

[6] Vgl. Schwarz, Norbert (1990), S. 554.

[7] Vgl. Schwarz, Norbert (1990), S. 542.

[8] Vgl. Schwarz, Norbert, Clore, Gerald L. (1983), S.519f.

[9] Vgl. Hirshleifer, David, Shumway, Tyler (2003), S.1013.

[10] Vgl. Loewenstein, George (1996), S. 274f.

[11] Vgl. Mehra, Rajnish, Sha, Raaj (2002), S. 883.

[12] Vgl. Hirshleifer, David, Shumway, Tyler (2003), S. 1013.

[13] Vgl. Saunders, Edward M., Jr. (1993), S. 1337 u. ipsum.

[14] Vgl. Saunders, Edward M., Jr. (1993), S. 1343f.

[15] Vgl. Hirshleifer, David, Shumway, Tyler (2003), S.1014.

Details

Seiten
32
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638503082
Dateigröße
704 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v55318
Institution / Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Note
2,0
Schlagworte
Sunshine Stock Returns Weather

Autor

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Titel: Bad Day Sunshine: Stock Returns and the Weather