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Das Image des Journalisten

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 29 Seiten

Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Thematische Einführung

2. Wesen und Sinn des Images
2.1. Image – eine Begriffs(er)klärung
2.2. Cui bono? – Image-Funktionen
2.3. Image-Analysen: wichtig, aber nicht immer richtig

3. Das Bild des Journalisten beim Publikum
3.1. Viel Luft nach oben – Journalisten in der Berufshierarchie
3.2. Hoffnungslos unehrlich? – weitere Studien des IfD Allensbach
3.3. Vertrauen auf Verdacht – der GfK-Vertrauensindex
3.4. Der österreichische Journalist – das etwas bekanntere Wesen

4. Wie hältst du´s mit den Journalisten? Eine Befragung
4.1. Journalisten zwischen Gut und Böse
4.2. Eigenschaften des Journalisten: Ehrgeiz unbestritten
4.3. Der „typische“ Journalist
4.4. Beliebt: journalistische Informationsvermittlung
4.5. Objektivität nur zögerlich zugestanden
4.6. Bekenntnis zum Begabungsberuf
4.7. Probleme einer einheitlichen Imagebildung

5. Ein notwendig schlechtes Image? Ursachenforschung

6. Fazit: Wege aus dem Image-Tief

7. Quellen

8. Anhang: Ergebnisse der Befragung zum Journalisten-Image

1. Thematische Einführung

„Ist der Ruf erst ruiniert, lebt´s sich fortan ungeniert.“ Wilhelm Busch hatte leicht reden. Wenn dem so wäre, könnten die Journalisten in der Tat ein ungeniertes Dasein fristen. Längst in die Ecke des aufdringlichen und sensationslustigen Reporters gedrängt, strebt der Durchschnittsjournalist eher nach guten Geschichten denn danach, von allen geliebt zu werden. Auch in Film und Literatur ist der Journalist seltener der Held als eine Landplage, die Kamera schwenkend Polizeiarbeit behindert oder überlebenden Katastrophenopfern dümmliche Fragen stellt.

Scharfe Journalistenkritik ist kein neuer Hut, bereits im 17. Jahrhundert bezeichnete Johann Michael Moscherosch die ersten Nachrichtenhändler als „Ohrenbläser, Fuchsschwänzer und Lumpen, die den ekelhaften Höllenplatz verdient hätten“[1]. Solche negativen Meinungen haben sich über die Jahrhunderte gehalten, kaum ein Politiker übt sich in Zurückhaltung gegenüber der schreibenden und filmenden Zukunft. Jeder Staatsmann fand früher oder später harte Worte für die Medienschaffenden. Fühlte sich Helmut Schmidt noch von „Wegelagerern“ umgeben, ordnete Joschka Fischer die Journalisten bereits der billigsten Sparte des horizontalen Gewerbes zu. Ausgehend von dieser scharfen Polemik weniger stellt sich die Frage, ob das Bild des Journalisten auch in der breiten Bevölkerung derart negativ gezeichnet wird.

Die vorliegende Arbeit widmet sich ausführlich dem Image der Journalisten und versucht, die Ergebnisse bisheriger Studien zusammenzufassen. Zu Beginn soll der allgemeine Image-Begriff beleuchtet werden, ehe anhand der Allensbacher Prestigeskala ein Vergleich gezogen wird zwischen dem Journalistenberuf und anderen Berufsgruppen. Weit detaillierter als in Deutschland wurde das Journalistenimage in Österreich untersucht, daher finden auch die Ergebnisse der österreichischen Studien Eingang in die Seminararbeit. Auf Basis der Untersuchungen von Maximilian Gottschlich und Fritz und Matthias Karmasin wurde auch für diese Arbeit eine kleine Befragung durchgeführt, deren Ergebnisse ebenfalls vorgestellt werden sollen. Angesichts von nur 70 Befragten kann diese Untersuchung sicher kaum Anspruch auf Repräsentativität erheben, wohl aber ein gewisses Stimmungsbild aufzeigen und Ansatzpunkte für weiter reichende Studien liefern. Zum Abschluss der Seminararbeit soll untersucht werden, wie das negative Image der Journalisten zustande kommt, ob es nicht sogar schlecht sein muss, und wie es sich vielleicht doch verbessern ließe

2. Wesen und Sinn des Images

2.1. Image – eine Begriffs(er)klärung

Der Ursprung des Begriffs „Image“ liegt im lateinischen „imago“, worunter ein „im Unterbewusstsein existierendes Bild einer anderen Person, das Handlungen und Lebenseinstellung bestimmen kann“[2] verstanden wird. Im Englischen und im Französischen ist der Image-Begriff ganz ähnlich belegt, bezeichnet eine „Vorstellung (oder ein) Bild, das ein Einzelner oder eine Gruppe von einer Einzelperson oder einer anderen Gruppe hat, (ein) Persönlichkeits-, Charakterbild“[3]. Allein die Übersetzung liefert so bereits verschiedene Aspekte des Image-Begriffs. Hans Ludwig Zankl formuliert es so: „Beim Image handelt es sich nicht um das jeweils angesprochene Objekt selbst, sondern um das Bild, welches sich Menschen davon machen.“[4] Er weist zudem darauf hin, dass Images umfassendere Komplexe sind, die verschiedene Stereotypen in sich vereinen.[5] Für Zankl stellen Images etwas relativ Abstraktes dar: „Wir haben auf der einen Seite eine Welt, die exakt bestimmt, beschrieben, abgebildet, gemessen und gezählt werden kann, und auf der anderen jene so überaus schwer fassbare ‚erlebte Welt’, die weitgehend mit dem Begriff Image zusammenfällt.“[6] Somit wird Image für Zankl zu „psychologische(r) Wirklichkeit“[7]. Spiegeln Images eine falsche Vorstellung wider, werden sie als „verfälschte Wirklichkeit“ wahrgenommen.

Wilhelm Bernsdorf bezeichnet das Image als „dynamisch verstandene, bedeutungsgeladene, mehr oder weniger strukturierte Ganzheit der Wahrnehmungen, Vorstellungen, Ideen und Gefühle, die eine Person – oder eine Mehrzahl von Personen – von irgendeiner Gegebenheit besitzt, das subjektiv gewertete, d.h. psychisch, sozial und kulturell verarbeitete Bild der Wirklichkeit“[8]. Doch sind Images nicht nur Realität für sich, in der Soziologie wird ihnen auch eine Reihe bestimmter Funktionen zugeordnet.

2.2. Cui bono? – Image-Funktionen

Welch entscheidende Einflüsse ein bestimmtes Image haben kann, stellen Maximilian Gottschlich und Fritz Karmasin fest: „Wo es gilt, kommunikative Strategien zur Durchsetzung eigener Ziele zu entwickeln, stellt erworbenes bzw. zugesprochenes Image die Weichen für öffentlich besiegelte Akzeptanz und damit für soziale Relevanz.“[9] Was das Image von Kommunikatoren angeht, wird ihm „Einfluss auf das Empfangsverhalten des Publikums und auf die Vorstellungsbilder der Personen, die sich über Medien vermitteln“[10] zugesprochen.

Für Karl-Heinz Hillmann hat das Image drei Funktionen: Zunächst hilft es mit seiner Orientierungsfunktion bei der Einordnung von komplexen Sachverhalten in ein bereits vorhandenes, durch soziale Erfahrungen geprägtes System von Wahrnehmungsgehalten und Bezugsgruppen. Weiter hat es durch die pauschalisierende, stereotypisierende Ideologisie-rungstendenz eine Entlastungsfunktion und schließlich erfüllt das Image eine Zuordnungsfunktion, gilt als Maßstab für alternative Konformitäts- oder Abweichungs-entscheidungen in der Abgrenzung von Eigengruppe und Fremdgruppe.[11]

Hans Ludwig Zankl stellt fest, dass durch Image-Forschung häufig Bekanntes bestätigt wird.[12] Das sei jedoch nichts Beklagenswertes, denn auch das als selbstverständlich Empfundene müsse gelegentlich überprüft werden.

Gerade weil Images bestimmte Funktionen erfüllen, sollten sie nach Möglichkeit nahe bei der Realität liegen. Entsprechend vorsichtig muss bei Imageanalysen vorgegangen werden.

2.3. Image-Analysen: wichtig, aber nicht immer richtig

Maximilian Gottschlich und Fritz Karmasin haben für die Imagebildung erkannt: „Wissen spielt als Grundlage adäquater, d. h. sachgerechter Einschätzung, eine eher untergeordnete Rolle. Vielmehr sind es auf beiden Seiten stets Plausibilitätsannahmen über Verhaltensmöglichkeiten und Verhaltenserwartungen des jeweiligen Beziehungspartners.“[13] Da jeder sich sein eigenes Bild von der Welt macht, können Imageanalysen aber nicht viel mehr liefern als „Durchschnitts-Images“. Hans Ludwig Zankl konstatiert, dass auf Kosten höherer Allgemeingültigkeit am Ende meist Gebilde stehen, die mit der Wirklichkeit nicht mehr viel gemein haben: „Extrem gegensätzliche Images können im Durchschnitt ein mittleres Image bilden, welches am Ende in nur wenigen Exemplaren oder gar nicht vorhanden ist.“[14] Zankl erkennt auch das „Problem der konkurrierenden Reize“[15]. Er geht davon aus, dass Images zwar stets latent vorhanden sind, aber gewisser Reize bedürfen, um erkennbar zu werden. Durch zunehmende Reizüberflutung werde die Ausbildung wirklich profilierter Vorstellungsbilder weitgehend verhindert, es könnten zwangsläufig nur oberflächliche „Schattenbilder“ entstehen.[16] Häufig würden die Auslöser-Reize auch durch Massenmedien übermittelt, das Träger-Image beeinflusse wiederum das Image des eigentlichen Objekts.[17] Ferner stellt Zankl eine filternde und eine kumulierende Wirkung des Images fest: „Das Image ist zwangsläufig von einer Fülle anderer Images beeinflusst. Dabei handelt es sich entweder um die Stützung bestimmter Tendenzen oder auch um Überlagerungen, die eine volle Ausprägung verhindern.“[18] Aus dem bereits genannten Grund der Verallgemeinerung liefern Image-Analysen häufig nur sehr grob strukturierte Ergebnisse. Zankl erklärt dazu: „Obwohl die Images sehr komplexe Gebilde sind, treten sie häufig mit erstaunlicher Einseitigkeit in Erscheinung. Die Kennzeichnung durch nur einige wenige Züge ist geradezu ein typisches Merkmal für Image-Bildung. Diese Verallgemeinerungen sind es, die das Image so fragwürdig machen.“ Der aus der Psychologie bekannte Halo-Effekt, bei dem einzelne Eigenschaften oder Merkmale verzerrt oder überbetont werden, ist bei Image-Untersuchungen fast immer zu beobachten. Ein berühmtes biblisches Beispiel für eine Image-Überzeichnung macht Zankl im Brief des Apostels Paulus an Titus aus. Dort heißt es nämlich: „Die Kreter sind immer Lügner, böse Tiere und faule Bäuche.“[19]

Nicht zuletzt aufgrund der vielen Fehlerquellen plädiert Zankl für moderates Vorgehen: „Falsch angelegte Image-Forschungen sind schädlich und führen zu Fehlentscheidungen. Nach meiner Erfahrung erwachsen aus Image-Untersuchungen, die nicht breit genug angelegt

sind, sehr leicht falsche Interpretationen.“[20] Zweifel seien vor allem geboten, wenn eine Image-Untersuchung zu überraschenden Erkenntnissen führe: „Man sollte untersuchen, ob solche Überraschungen nicht vielleicht auf fehlerhafter Befragung oder Versuchsanordnung beruhen.“[21]

Nur selten finden sich Überraschungen in der Berufsprestige-Skala des Instituts für Demoskopie (IfD) Allensbach. Dort hat sich der Journalist seit Jahrzehnten als Dauergast in den unteren Regionen etabliert

3. Das Bild des Journalisten beim Publikum

3.1. Viel Luft nach oben – Journalisten in der Berufshierarchie

Bereits seit 1966 untersucht das IfD Allensbach das Prestige ausgewählter Berufsgruppen. Anhand einer Liste von 18 Berufen sollen die Befragten jeweils entscheiden, welche fünf Berufe sie am meisten schätzen. Die Allensbacher Berufsprestigeskala lässt damit als einzige Studie genauere Aussagen über einen längeren Zeitraum zu.

Bei den Umfragen zwischen 1966 und 2002 wurde der Journalist durchschnittlich in 14,86 Prozent der Fälle als einer von fünf besonders geachteten Berufe genannt. Die Werte bei den einzelnen Untersuchungen bewegten sich im Intervall zwischen 9 und 19 Prozent und lagen damit auf einem konstant niedrigen Niveau.[22] In der Berufsprestigeskala des Jahres 2003 rangiert der Journalist auf Platz 14, nur Offiziere, Politiker, Gewerkschaftsführer und Buchhändler sind schlechter platziert. Im Vergleich zum Jahr 2001 verliert der Journalist zugunsten des Studienrats einen Platz. Seit 1991 bezieht das Institut für Demoskopie in Allensbach auch die neuen Bundesländer in die Berufsprestigeskala ein. Dabei zeigt sich für den Journalistenberuf, dass das anfangs höhere Ostniveau inzwischen von 18 auf 14 Prozent abgesunken ist und seit 1995 sogar unter dem Westniveau liegt. Wie in den 13 vorangegangenen Studien belegte der Arzt auch 2003 den ersten Platz, 72 Prozent der Befragten schätzten den Arztberuf besonders. Aber auch die Mediziner liegen in Zeiten von Gesundheitsreform und Praxisgebühren deutlich hinter ihren Idealwerten aus den 1980er Jahren, damals kamen sie noch auf 88 Prozent. Pfarrer wurden 2003 von 39 Prozent der Befragten unter den fünf besonders geschätzten Berufen genannt, dreimal so häufig wie die Journalisten mit 13 Prozent.[23]

3.2. Hoffnungslos unehrlich? – weitere Studien des IfD Allensbach

Das Institut für Demoskopie (IfD) Allensbach hat sich nicht nur mit dem Berufsprestige befasst, sondern auch mit der Frage, welche Berufe als besonders „ehrlich“ gelten. Bei der Fragestellung: „Hier sind einmal verschiedene Berufsgruppen aufgeschrieben. Bei welchen würden Sie sagen, dass sie besonders ehrlich sind?“ landeten die Journalisten nur im unteren Drittel der abgefragten Berufe. 5 Prozent der Befragten hielten Journalisten für besonders ehrlich, 29 Prozent dagegen für besonders unehrlich.[24]

Auch Hoffnungsträger finden sich eher in anderen Berufssparten. Bei einer entsprechenden Befragung 2001 war das Ergebnis für die Journalisten bescheiden: Nur 8 Prozent der Befragten trauten ihnen zu, dass sie die Gesellschaft voranbringen könnten und zu ihrer weiteren Entwicklung beitragen könnten. In Ostdeutschland waren es gerade 7 Prozent.[25]

Nichtsdestotrotz gilt der Journalistenberuf für jeden Zehnten als Traumberuf. Das ergab eine IfD-Befragung im Jahre 2000, allerdings noch vor der Medienkrise. 9 Prozent der befragten Frauen und 10 Prozent der Männer gaben auf die Frage „Als Kind hat man ja oft Träume, was man später werden möchte. Was wäre für Sie heute noch ein Traum, was würden Sie am liebsten sein, unabhängig davon, was Sie beruflich tun?“ den Traumberuf Journalist an. Auch Schüler wurden 2000 befragt, mit dem Ergebnis, dass jedes vierte Mädchen und jeder achte Junge gern Journalist werden möchte.[26]

3.3. Vertrauen auf Verdacht – der GfK-Vertrauensindex

Wenn die Journalisten schon in puncto Ehrlichkeit nur mäßige Werte erzielen, lässt das auch nicht zwingend auf sehr großes Vertrauen in der Bevölkerung schließen. Die GfK-Gruppe hat 2004 in einer internationalen Studie überprüft, wieviel Vertrauen verschiedenen Berufs-gruppen entgegengebracht wird. In Deutschland gaben 36 Prozent der Befragten an, Journalisten zu vertrauen. Das liegt sehr nah am internationalen Durchschnittswert von 38 Prozent. Überdurchschnittlich hohes Vertrauen genießen Journalisten in Rumänien (68 Prozent), Polen (58 Prozent), Spanien und Belgien (jeweils 56 Prozent), sehr niedrige Vertrauenswerte erzielen die Journalisten dagegen in Großbritannien (19 Prozent), Dänemark (25 Prozent) und Italien (28 Prozent). Zum Vergleich: Den Spitzenreitern Arzt und Lehrer bringen in allen untersuchten Ländern zwischen 70 und 92 Prozent der Befragten Vertrauen entgegen. Schlechter als Journalisten schneiden in dieser Studie nur Manager (Durchschnittswert insgesamt 32 Prozent, in Deutschland 18 Prozent) und Politiker (Durchschnittswert 16 Prozent, Deutschland 6 Prozent) ab.[27]

3.4. Der österreichische Journalist – das etwas bekanntere Wesen

Wie bereits angedeutet, liegen für das Image des österreichischen Journalisten bereits seit Jahrzehnten ausführlichere Daten vor als für das des deutschen. Maximilian Gottschlich und Fritz Karmasin stellten 1979 für den österreichischen Journalisten fest, dass sein Bild in der öffentlichen Meinung „widersprüchlich in sich“[28] ist, da ihm Eigenschaften zugesprochen werden, die sich eigentlich gegenseitig ausschließen. Das liege vor allem an der Diskrepanz von postuliertem Idealzustand und der Einschätzung des konkreten journalistischen Berufsverhaltens.[29] Insgesamt resümieren Gottschlich und Karmasin, dass Österreichs Journalisten eher geringe Wertschätzung entgegengebracht wird.

Für das geringe Maß an Glaubwürdigkeit, das dem Journalisten zugeschrieben wird, sehen Gottschlich und Karmasin vor allem drei Ursachen: die verbreitete Annahme eines berufsspezifischen Opportunismus, damit im Zusammenhang stehend ein wacher Zweifel an der moralischen Integrität der Journalisten und eine Unsicherheit in der Beurteilung des journalistischen Berufsverhaltens. Diese Unsicherheit sei Folge vielfach verbreiteter Unkenntnis über journalistische Tätigkeitsbereiche und –merkmale.[30] Die beiden Österreicher konstatieren: „Der empirische Befund bestätigt, dass es trotz Informationsexplosion und Dauerkonfrontation mit der vielfältigen Medienwirklichkeit an einer adäquaten sozialen Definition des journalistischen Berufsstandes mangelt.“[31] Ein Mangel, der paradoxerweise in dem Phänomen begründet liege, dass Journalisten zwar den kommunikativen Austausch zwischen gesellschaftlichen Gruppen in Gang halten und das Selbstverständnis dieser Gruppen kommunikativ vermitteln, sich selbst aber dieser kommunikativen Vermittlung entziehen – was zumindest die Gefahr der Fehlinterpretation durch die relevante Umwelt nach sich ziehe.[32]

Mathias Karmasin, der die Studien seines Vaters Fritz fortgeschrieben hat, stellt deutliche Veränderungen im Bild vom „typischen Journalisten“ fest. Während in den 1970er Jahren noch 91 Prozent der Befragten davon überzeugt waren, dass der durchschnittliche Journalist männlich ist, sank die Zahl 17 Jahre später auf 56 Prozent. Bei der Frage nach dem Alter erhielt die Angabe „bis 50 Jahre“ bei der ersten Untersuchung 68 Prozent Zustimmung, während 1994 nur noch 55 Prozent diese Antwortmöglichkeit auswählten. Was den Arbeitsbereich des „typischen Journalisten“ angeht, lag zwar auch 1994 noch die Zeitung vorn, allerdings mit nur noch 37 Prozent gegenüber 54 Prozent 1977.[33] Zusammenfassend stellt Matthias Karmasin fest: „Das Publikum hält ganz generell den Journalisten für einen mäßig verantwortungsvollen Menschen, der zwar ehrgeizig, aber auch ein bisschen bestechlich und politisch abhängig ist, zwar nur mäßig speziell ausgebildet, aber doch recht gut informiert. In der Meinung des Publikums sind österreichische Journalisten relativ fleißig, aber nur mäßig kritisch, relativ oberflächlich und wenig objektiv. Auch ihre Wahrheitsliebe und ihr Idealismus werden vom Publikum nicht besonders hoch eingeschätzt. Das Bild des rührigen Meinungspublizisten, der, wenn es sein muss, auch bereit ist, alle moralischen Skrupel über Bord zu werfen, ist in der österreichischen Bevölkerung sehr lebendig.“[34]

Der typische Journalist werde in erster Linie als „Könner“ gesehen, der zwar über hohe sprachliche und fachliche Kompetenz verfüge, allerdings keine genauen Kenntnisse über sein Publikum habe.[35] Aus der Sicht der Bevölkerung werde den Journalisten zwar Macht, aber keine Verantwortung attestiert.[36]

Erstaunlich stabil sei die Vorstellung des Publikums zu zentralen moralischen Problemen des Journalismus geblieben. Der typische Journalist werde zwar als etwas kompetenter und autonomer angesehen als früher, seine moralische Integrität werde aber nach wie vor in Zweifel gezogen.

Was Österreich angeht, scheint die Talsohle inzwischen durchschritten: 2005 stellt Matthias Karmasin in seiner Studie „Ethik des Journalismus in Österreich: Zwischen Berufung und Beruf“ fest: „Das bereits 1994 in der Bevölkerungsumfrage eher positiv gezeichnete Bild des Journalismus hat sich 2004 nochmals verbessert.“[37] Dabei zeigen sich für ihn einige Trends, die von allgemeinen gesellschaftlichen Veränderungen und deren medialer Thematisierung geprägt sind (etwa Alterung und Verweiblichung) und empirisch nur teilweise belegt werden können. Karmasin fand heraus, dass Journalisten 2004 als weniger einflussreich und passiver von der Bevölkerung wahrgenommen wurden als noch 1997. Gleichzeitig erscheinen sie als politisch unabhängiger, realistischer und besser ausgebildet. Besonders positive Verände-rungen aus Journalistensicht gab es laut Karmasin hinsichtlich der Items Verantwortungs-bewusstsein, Bestechlichkeit, Arbeitseifer, Objektivität, Gründlichkeit und Wahrheitsliebe.[38]

[...]


[1] Roloff, Eckart Klaus: Vom Aasgeier bis Zeilenschinder. Journalisten: Ein Beruf zwischen Schimpf und

Schande. In: Rheinischer Merkur, Jg. 54, 1999, Nr. 7, S. 33.

[2] Drosdowski, Günther/Müller, Wolfgang/Scholze-Stubenrecht, Werner/Wermke, Matthias: Duden.

Fremdwörterbuch. Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 1990, S. 334.

[3] Ebd.

[4] Zankl, Hans Ludwig: Image und Wirklichkeit. Osnabrück 1971.

[5] Vgl. ebd., S. 9.

[6] Ebd., S. 10.

[7] Ebd., S. 41.

[8] Bernsdorf, Wilhelm: Wörterbuch der Soziologie. Stuttgart 1969, S. 444.

[9] Gottschlich, Maximilian/Karmasin, Fritz: Beruf: Journalist. Eine Imageanalyse – Bevölkerung, Politiker,

Journalisten urteilen. Wien 1979, S. 1.

[10] Ebd. S. 9.

[11] Vgl. Hillmann, Karl-Heinz: Wörterbuch der Soziologie. Stuttgart 1994, S. 355f.

[12] Vgl. Zankl 1971, a. a. O., S. 22.

[13] Gottschlich/Karmasin 1979, a.a.O., S. 7.

[14] Zankl 1971, a. a. O., S. 13.

[15] Ebd., S. 17.

[16] Vgl. ebd., S. 18.

[17] Vgl. ebd.

[18] Ebd., S. 31.

[19] Ebd., S. 29.

[20] Ebd., S. 25.

[21] Ebd.

[22] Vgl. Noelle-Neumann, Elisabeth/Köcher, Renate (Hg.): Allensbacher Jahrbuch der Demoskopie 1998 - 2002.

Allensbach 2002, S. 207.

[23] Vgl. Noelle-Neumann, Elisabeth/Köcher, Renate (Hg.): Allensbacher Berufsprestige-Skala. In: Allensbacher

Berichte, 7/2003.

[24] Vgl. Noelle-Neumann/Köcher 2002, a. a. O., S. 206.

[25] Vgl. ebd., S.24.

[26] Vgl. ebd., S. 208 f.

[27] Vgl. http://www.gfk.de/presse/pressemeldung/contentdetail.php, Zugriff am 10. Juni 2005

[28] Gottschlich/Karmasin 1979, a.a.O., S. 92.

[29] Vgl. ebd.

[30] Vgl. ebd., S. 180 f.

[31] Ebd., S. 184.

[32] Vgl. ebd.

[33] Vgl. Karmasin, Matthias: Journalismus: Beruf ohne Moral? Journalistisches Berufshandeln in Österreich.

Wien 1996, S.73.

[34] Ebd., S. 91.

[35] Vgl. ebd., S. 103.

[36] Vgl. ebd., S. 105.

[37] Karmasin, Matthias: Ethik des Journalismus in Österreich: Zwischen Berufung und Beruf. Wien 2005, S.4.

[38] Vgl. ebd.

Details

Seiten
29
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638502849
ISBN (Buch)
9783638825498
Dateigröße
569 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v55286
Institution / Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Note
1,3
Schlagworte
Image Journalisten Hauptseminar Journalismus Beruf

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Titel: Das Image des Journalisten