Lade Inhalt...

Dareios I. als Weltenherrscher

Hausarbeit (Hauptseminar) 2004 28 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhalt

I Einleitung

II Hauptteil
1 Machtübernahme
2 Machterhalt
3 Selbstdarstellung
4 Ideologie
5 Nachfolger und Nachruhm
6 Sonstiges

III Schluss

Literatur

Anhang

I Einleitung

In Zeiten in denen deutsche Soldaten nach jahrzehntelanger Abstinenz wieder im Ausland zu friedenssichernden Maßnahmen im Einsatz sind, werden gerade die deutschen Soldaten im fernen Kabul in Afghanistan besonders gern gesehen. Vielleicht liegt dies an der Art und Weise des besonnenen Auftretens und Handelns dieser Spezialisten. Vielleicht werden diese aber auch deshalb lieber gesehen, weil sie ja schließlich ebenso „Arier“[1] sind. Die Zeiten in denen hierzulande die Bevölkerungsgruppen in verschiedene Rassen, also „Arier“ und „Nichtarier“[2] etc., eingeteilt wurden, sind vorbei und dieser Teil der neueren deutschen Geschichte muss mühsam aufgearbeitet werden.

Anders in den Gebieten des „Alten Iran“, erstreckend vom heutigen Iran bis hin nach Afghanistan. Dort ist die Zugehörigkeit zum Stamm der „Arier“ ein Stück des regionalen Stolzes, es wird zurückgeblickt auf Jahrhunderte von Frieden und Prosperität und auf ein Königtum, wie es glanzvollere nur selten gegeben hat.

Diese Arbeit widmet sich der Frage, ob ein Herrscher, hier Dareios I., als Weltenherrscher gesehen werden kann und wenn dies der Fall ist, warum war er es.

Die geläufige Definition für Weltenherrscher ist meist König, Kaiser oder Zar, der über eine beträchtliche Zahl von Untertanen und über ein weitausgreifendes Reich herrscht. Wird die Frage: „Wer war ein Weltenherrscher?“ einem Geschichtsinteressierten gestellt, fallen die üblichen Namen, also zum Beispiel Alexander der Große oder Caesar, vielleicht auch Napoleon, seltener Karl V.. Denkbar sind aber auch Antworten, wie George Washington, dieser aber nicht höchstselbst, sondern dessen Konterfei auf der die Weltwirtschaft dominierenden Währung, dem US – Dollar, damit verbunden ist dann auch zwangsläufig der Name: Alan Greenspan, der „Hüter dieser Banknote“.

Was zeichnet also einen Weltenherrscher aus? Warum sollte der König Darios I., mit dem Ausgangspunkt der Persis, in diese, oben erwähnte, Liste gehören.

Dies sind die zwei Fragen, der sich diese Ausarbeitung stellen und an diesen sie sich messen lassen muss.

Zu beiden Fragen gibt es ausführliche Literatur, aber keiner der Titel kann beide Fragen letztlich abschließend beantworten. Ob dies hier gelingen wird, ist nicht abzusehen. Vermutlich bleiben hier und da Fragen, die eine wissenschaftliche Diskussion zu diesem Thema anregen können und sollen. Sollte am Ende nicht „quod erat demonstrandum“ stehen, so ist schon als Erfolg anzusehen, wenn die Tatsachen wiedergegeben, die Quellen genannt wurden und die Diskussion beginnen kann.

Die Struktur dieser Arbeit orientiert sich an klassischen Kriterien, die da wären,

a) Wie erfolgte die Machtergreifung?
b) Wie hält sich der Herrscher an der Macht?
c) Ist der Herrscher ein Selbstdarsteller?
d) Verfolgt er eine bestimmt Ideologie?
e) Wie ist es um den Nachruhm des Herrschers bestellt und wie wurde dem Fall des Todes vorgesorgt?
f) Welche besonderen Leistungen wurden vollbracht, welche Innovationen kennzeichneten die Herrschaft?

II Hauptteil

1 Machtübernahme

Die Geschichte der persischen Herrscher vor Dareios ist maßgeblich gekennzeichnet von zwei Königen. Der erstere ist der „Großvater“, mit dem Namen KYROS. Jener verschafft den Persern ein Reich von unermesslicher Größe, das vom inneren Iran bis hin nach Ägypten und Kleinasien reicht[3]. Er sichert sich damit den Ruhm seiner Nachwelt, so zum Beispiel den des Kirchenvaters Hieronymus, der dieses (altpersische) Reich als erstes Weltreich der Antike deklariert. Jedoch zeigt sich bei dessen Tod, dass der Zusammenhalt dieses, für die damalig geltenden Verhältnisse, gigantischen Reiches nur an der Person des Königs hängt. Also ist mit Kyros’ Tod der Bestand des Reiches massiv gefährdet. Seinem Nachfolger und Sohn KAMBYSES gelang es, die relative Reichseinheit zu erhalten. Benutzt wurde dazu das Mittel Krieg. Er trug also die Konflikte nach außen und machte sich auf den Weg nach Ägypten. Ihm sollte also das gelingen, was sein Vater gewollt, nicht angegangen und somit auch nicht geschafft hatte. Die relative Eroberung Ägyptens glückte. Relativ sind die Eroberungen Ägyptens bis dato allesamt. Das Selbstverständnis und die hohe Bildung der ägyptischen Elite fordern vom neuen Herrscher die Einordnung bzw. die Unterwerfung in die Hierarchie der Pharaonen, wie dies Kambyses zwar teilweise praktiziert, aber mittels unpopulärer Methoden seine Akzeptanz bei jenen gewaltig untergräbt. Weitaus später, also um 519, wird DAREIOS I. diese Forderung ebenfalls erfüllen, aber noch darüber hinaus, steigert jener seine Popularität in Ägypten durch die Rücknahme diverser Erlasse des Kambyses[4].

Interessant sind aber die Ereignisse, die kurz vor und nach dem Tod des KAMBYSES in Persis stattfinden, also der Zeitraum um 522/523 v.Chr.

Misstrauisch beäugte Kambyses die Stellvertreterherrschaft seines Bruders BARDYA, ebenfalls ein Sohn des ruhmreichen Kyros. Er vermutete bei diesem unlautere Absichten und befahl wohl schon im Wahnsinn[5], den Brudermord. Verschiedene Quellen, Herodot[6], Inschrift Bisutun, berichten, dass dieser Brudermord tatsächlich ausgeführt wurde. Andere Quellen sprechen davon, dass eben dieser Bardiya tatsächlich die Herrschaft seines Bruders beenden und sich selbst zu Herrscher aufschwingen wollte.[7] Letztlich stirbt Kambyses in Ägypten und in Parsa haben sich zwei Magier zur Herrschaft aufgeschwungen und benutzen zu Recht oder zu Unrecht den Namen des Kyrossohns und Kambysesbruder Bardiya / Smerdis zur Ausübung der Herrschaft.

Hier stellt sich nun die Frage nach den Motiven, die Dareios hatte den Usurpator[8], „den falschen Smerdis“[9] oder Gaumata[10], zu beseitigen. Ziel dessen Herrschaft war die "soziale Revolution", mit Schwächung des Adels, einer Landverteilung, mit Aufhebung der Wehr- und Gefolgschaftspflicht. Hinzu kamen populäre Maßnahmen wie der dreijährige Steuererlass und die Aufteilung großer Adelsbesitzungen, weitere Schritte Gaumatas waren die Zerstörung von achämenidischen Kultobjekten, der Quasiverzicht auf alle Eroberungen von Kyros und Kambyses und die Entlassung der kleinasiatischen Satrapen in ihre Freiheit.[11]

All diese Erlasse schwächten die Position der alten persischen Adelsgeschlechter, sie verloren dadurch Macht, Einfluss und nicht zuletzt auch viel von ihrem Vermögen.

Darios, der als Hauptakteur der „Verschwörung der sieben“ gilt und sich vermutlich selbst dazu gemacht hat, ruft eine Reihe von jungen persischen Adligen zusammen, um gegen diesen falschen Smerdis vorzugehen und den Status quo mindestens wieder herzustellen.

Die Absprachen zwischen den Verschwörern sind bei Herodot überliefert wurden. Hier nur als kurze Zusammenfassung, Dareios erfährt von dem falschen Smerdis, berät mit den anderen sechs Verschwörern die weitere Vorgehensweise, man einigt sich auf die sofortige Ermordung des Gaumata und dessen Bruders, die gemeinsam die Herrschaft ausüben. Auf dem Weg zum Putsch erhalten sie ein gutes Omen[12], im Palast angekommen erhalten sie wegen ihrer hohen gesellschaftlichen Stellung fast unbehindert Einlass und bekommen durch einen Sturm der Gemächer die Gelegenheit beide zu töten, Dareios folgt dem fliehenden Gaumata mit einem Verschwörer in einen dunklen Raum und ersticht den Usurpator.[13]

Unverzüglich verkünden die Verschwörer die falsche Herrschaft und den Staatsstreich. Daraufhin werden alle Mag(i?)er denen die übrigen Perser habhaft werden können getötet. Diese Machtübernahme wird nach Herodot zu dessen Zeiten noch als Feiertag („Fest des Magermordes“) gefeiert[14].

Der Usurpator ist getötet. Nun stellt sich den sieben Verschwörern die Frage, welcher die Herrschaft über Parsa übernimmt. Die bei Herodot überlieferte Diskussion nach der besten Regierungsform, also Volksherrschaft, Oligarchie oder Alleinherrschaft, unter den Verschwörern muss kritisch betrachtet werden. Da dieser seine Weltgeschichte vor dem Hintergrund der Diskussion in Land der Helenen schreibt, bei der es um die beste Regierungsform geht. Weiterhin stellt sich nach Bewertung der Fakten, also der Motive für den Herrschermord nicht die Frage, ob es eine Volksherrschaft geben solle, denn die „Enteignungen“ des persischen Adels und die Landverteilung unter dem Volk haben bei der Elite eher Unwillen erzeugt, als den Wunsch alle an der Macht teilhaben zu lassen.

Sechs der sieben Verschwörer stellen sich einem sehr merkwürdigen Spiel, nämlich der Ermittlung des Königs anhand des wiehernden Pferdes. Otanes, der Siebente, verzichtet auf die Teilnahme an dieser Ermittlung unter der Bedingung, dass er niemals Untertan einem der Sechs sein wird, dieser wird von allen entsprochen[15].

Die Entscheidung darüber, wer König sein wird, soll am nächsten Morgen getroffen werden, nämlich anhand der jeweiligen Pferde. Welches zuerst bei Sonnenaufgang wiehert, dessen Besitzer ist König und diesem ordnen sich die verbleibenden unter[16]. Über diese Begebenheit liefert schon Herodot zwei verschiedene Versionen, weswegen dieses Schauspiel vermutlich ins Reich der Legenden verbannt werden kann, aber Überlieferung bleibt Überlieferung. Beide Varianten zeigen Dareios als cleveren und verschlagenen Mann, der nichts dem Zufall überlassen will. Also beauftragt dieser seinen Stallmeister die nötigen Schritte zu unternehmen, dass am nächsten Morgen Dareios als König proklamiert wird. Die Variante eins ist, dass Dareios’ Hengst noch in Nacht seine „Lieblingsstute“ am Stadttor besteigen darf und dann im Morgengrauen an selbiger Stelle wiehert, hinzu kommt ein Blitz in diesem Moment als Bestätigung des Ergebnisses „von oben“[17]. Nach der zweiten überlieferten Variante steckt Dareios’ Stallmeister am Abend seine Hand in das Geschlechtsteil der Lieblingsstute von Darios’ Hengst und hält diese Hand die ganze Nacht in seiner Hosentasche, um dann am Morgen das Pferd mit Dareios als Reiter an dieser Hand schnüffeln zu lassen. Das Ergebnis ist identisch mit dem der ersten Variante.

Dareios ist folglich König von Persien, sog. „Šah“, diese Bezeichnung für den Herrscher über Persien wird bis Ende der siebziger Jahre für die Herrscher im Iran verwendet[18].

„Der große Ahuramazda, der größte der Götter, hat Dareios als König

eingesetzt, er hat ihm die Herrschaft übertragen. Nach dem Willen

Ahuramazdas ist Dareios König.“[19]

Die Fakten sprechen ihre eigene Sprache, Dareios wird 522 v.Chr. König von Persien in dem er den bisherigen Herrscher, Usurpator oder Königssohn, tötet und schließlich mit List die Konkurrenten ausschließen kann. Die Machtergreifung bzw. Machtübernahme ist in jedem Falle illegal. Er hat nur einen sehr kleinen Anspruch auf die Herrschaft, die aus seiner aristokratischen Abstammung resultiert, die Legitimation seiner Herrschaft als Nachfolge des ruhmreichen Kyros wird durch die Konstruktion einer Verbindung zwischen der Teispiden – Linie des Kyros und der eigenen achämenidischen Linie hergestellt[20], die Dareios nach der Thronbesteigung in Auftrag gibt und massiv verbreiten lässt.

[...]


[1] Der Spiegel 2/2004, S. 82.

[2] Juden, Sinti, Roma, etc.

[3] Wiesehöfer, J.: Das frühe Persien. Geschichte eines antiken Weltreichs. München2 2002, S.27.

[4] Ebd., S.31.

[5] Herodot III 61.

[6] Herodot III 56.

[7] Wiesehöfer, J.: Das frühe Persien, S.28f..

[8] ebd., S.29.

[9] Herodot III 103.

[10] Junge, Peter J.: Dareios I. - König der Perser. Leipzig 1944, S.43.

[11] ebd., S.46.

[12] sieben Habichtpaare, die zwei Geierpaaren folgen und diese zerfleischen, Herodot III 76

[13] Herodot III 71-78

[14] Herodot III 79.

[15] Herodot III 83.

[16] Ebd. III 84.

[17] Ebd. III 85-86

[18] islamische Revolution 1979 im Iran

[19] Inschrift auf der Außenmauer von Persepolis. Aus: Junge, Peter J.: Dareios I, S.83.

[20] Wiesehöfer, J.: Das frühe Persien, S.29.

Details

Seiten
28
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638502764
ISBN (Buch)
9783638663830
Dateigröße
897 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v55277
Institution / Hochschule
Universität Leipzig
Note
2,0
Schlagworte
Dareios Weltenherrscher Antike

Autor

Zurück

Titel: Dareios I. als Weltenherrscher