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Kaiser Friedrich der Zweite und die Muslime

Hausarbeit 2006 14 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Geschichte Siziliens

3. Kindheit und Jugend

4. Der 5. Kreuzzug
4.1. Die Geschichte des 5. Kreuzzuges
4.2. Die Verhandlung für den Frieden von 1229

5. Friedrich II. – Ein Freund der Muslime?

Literatur

1. Einleitung

Kaiser Friedrich der Zweite fasziniert damals wie heute die Menschen. Nicht ohne Grund schreiben Historiker in aller Welt über ihn, verfassen Bücher über seine sagenumwobene Geburt, seine Kindheit in Sizilien unter der Vormundschaft des Papstes, seine abenteuerliche Reise nach Deutschland und die Wiedererlangung der Königskrone, seinen Konflikt mit Kurie und Papst, seinen erfolgreichen Kreuzzug als Exkommunizierter.

Selten aber wird der ungewöhnlich offene, wenn auch mit viel politischen Kalkül versehene, Umgang mit den Muslimen seitens des Christen und Kaisers auf seine Ursachen hin untersucht.

Das Ziel dieser Arbeit soll darin liegen erstens das Verhältnis zwischen Friedrich II. und den Muslimen[1] zu beleuchten, zweitens die historischen Hintergründe dieser Beziehung aufzuzeigen und drittens mögliche Ursachen für das Verhalten Friedrichs II. gegenüber den Muslimen herauszuarbeiten.

Es werden hierzu vergleichend die ältere und neuere Geschichtsschreibung herangezogen und auf ihre Schlüssigkeit hin untersucht.

Zunächst aber ist es notwendig die Positionen der älteren wie der neueren Geschichtsschreibung bezüglich Friedrichs und der Muslime zu erläutern.

Die alte Geschichtsschreibung betont sehr stark die Persönlichkeit Friedrichs II., so vermutet Ernst Kantorowicz etwa, dass der junge Friedrich auf seinen Streifzügen durch Palermo einen „weisen Iman“[2] kennen lernte, der die Funktion eines Chiron übernahm. Kantorowicz begründet diese Annahme mit der Tatsache, dass der Knabe sehr schnell mit den unterschiedlichen Sprachen auf Sizilien umzugehen vermochte. Die Erlebnisse seiner Kindheit hätten den Charakter Friedrichs II., in den Augen der älteren Geschichtsschreibung, soweit geprägt, dass den Schriften der meist muslimischen Geschichtsschreiber aus der Zeit seines ersten Kreuzzuges praktisch unreflektiert Vertrauen geschenkt wurde und die Erfolge des 5. Kreuzzuges allein der Beziehung zwischen Kaiser und Sultan zugeschrieben wurden.

In der neueren Geschichtsschreibung dagegen wird der geschichtlich-politische Hintergrund viel mehr in den Vordergrund gerückt. Das politische Kalkül sowie eine rein pragmatische Herangehensweise werden zur Begründung verwendet, persönliche Beziehungen werden zwar erwähnt jedoch nur peripher berücksichtigt.

Die Arbeit beschäftigt sich im Anschluss kurz mit der Geschichte Siziliens, denn hier ist die Ursache für das erste und sicherlich auch prägende Treffen zwischen Friedrich II. und den Muslimen zu finden. Wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass der junge Friedrich II. auf Muslime in seiner Heimat traf, muss daher in dieser Arbeit aufgezeigt werden. Danach werden Kindheit und Jugendzeit Friedrichs auf Sizilien in den Mittelpunkt gestellt, sind doch in dieser Zeit ungewöhnliche Dinge geschehen, die das spätere Auftreten Friedrichs II. maßgeblich beeinflusst haben. Anschließend wird der 5. Kreuzzug erläutert, um eine Ausgangsbasis für die Analyse der Ursachen der Verhandlungen für den Frieden von 1229 in politischer wie persönlicher Hinsicht zu schaffen. Abschließend widmet sich ein Themenkomplex der Frage, ob Friedrich II. ein Freund der Muslime war.

2. Die Geschichte Siziliens

Sizilien wurde 535 durch Byzanz erobert und blieb auch nach dem Zerfall des Westteils des römischen Reiches, ausgelöst durch die Völkerwanderung, unter der Kontrolle Ostroms. Unter der Herrschaft von Byzanz entwickelt sich Sizilien, besonders seine Hafenstädte, zu einem florierenden Handelszentrum.

Das nunmehr vermögende Sizilien wurde damit aber auch interessant für Plünderungen, so kam es, dass ca. ab der Mitte des 8. Jahrhunderts verstärkt Araber hier auf Beutezug gingen. Die militärische Schwäche von Byzanz in den Jahren 821-23 begünstigte eine allgemeine arabische Eroberungspolitik, die auch vor Sizilien nicht halt machte. Mit der Landung der Araber im Jahr 827 wird das Ende der byzantinischen Herrschaft eingeläutet. Die Araber fassen im westlichen Teil der Insel schnell Fuß und mit der Übernahme des im Nordosten gelegenen Festungsdreiecks „Taormina-Rometta-Demanna“ fällt die Insel endgültig in arabische Hände.

Die Ansiedlung von Arabern auf Sizilien und damit der Einfluss dieses gelehrten Volkes verhalfen der nun autonomen Provinz zu einer kulturellen Blütezeit. Ein moderner Verwaltungsapparat wurde eingerichtet, Wissenschaft und Handwerk jeder Art erlebten Hochzeiten und aus den Handelsbeziehungen mit dem nunmehr zum Großteil arabisch kontrollierten Mittelmeerraum vermochte die zentral gelegene Insel Profit zu schlagen.

Die Herrschaft der Muslime dauerte bis zu den normannischen Eroberungen am Ende des 11 Jahrhunderts[3] an.

Die Normannen hatten Sizilien, ausgehend von einer süditalienischen Grafschaft, im Laufe des 11. Jahrhunderts erobert und vereinigten es unter Roger II. mit Unteritalien zum Königreich beider Sizilien.

Die Normannen wussten die arabischen und griechischen Traditionen[4] für sich zu nutzen um vom Reichtum der Insel zu profitieren. An eine Christianisierung in der damals üblichen Art nicht zu denken, denn man brauchte „die arbeitende und steuerzahlende Bevölkerung, auch wenn diese dem Islam, dem jüdischen Glauben oder der orthodoxen Kirche anhing.“[5]

So kam es, dass die Völker- und Kulturenvielfalt erhalten blieb, eine Vielzahl von Intellektuellen aller Kulturen sich am normannischen Hof wieder fanden und eine faszinierende Form der Durchmischung von Kulturen auf Sizilien entwickelt[6] wurde.

Der letzte normannische König, Wilhelm II., hatte zur Sicherung der Thronfolge die Tochter Rogers II., Konstanze, mit Heinrich VI. vermählt. Zwar erregte diese Regelung der Nachfolge beim Papst und beim ortsansässigen Adel Missfallen, Heinrich VI. konnte sich aber auf militärischen Weg durchsetzen[7].

Mit dem Tod Heinrichs VI. zog es Konstanze zusammen mit dem Neugeborenen Friedrich II. zurück in ihre Heimat Sizilien. Dort versuchte sie die königliche Autorität wieder herzustellen und arbeitet dazu besonders eng mit Papst Innozenz III. zusammen. Mit ihrem Tod im November 1198 wurde ihren Bemühungen[8] ein jähes Ende gesetzt und der junge Friedrich II. verbrachte seine Kinder- und Jugendzeit unter der nominellen Vormundschaft des Papstes in einem von Anarchie geprägten Sizilien, in dem jeder darauf erpicht war den König in seine Gewalt zu bekommen, um so zu einem offiziellen Herrschaftsanspruch zu gelangen.[9]

[...]


[1] Gemeint ist damit das Verhältnis zur muslimischen Oberschicht und Kultur, wobei der begriff Kultur auch Bildung, Staatenwesen und der gleichen mehr mit einschließt.

[2] Ernst Kantorowicz; Kaiser Friedrich der Zweite; S. 31

[3] 1091 wurde der letzte muslimische Stützpunkt, die Stadt Nato, erobert

[4] Gemeint ist insbesondere die Verwaltung

[5] Eva Sibylle und Gerhard Rösch; Kaiser Friedrich II. und sein Königreich Sizilien; 1995; S.20

[6] Vgl. Eva Sibylle und Gerhard Rösch; Kaiser Friedrich II. und sein Königreich Sizilien; 1995; S.21f

[7] Krönung von Heinrich IV.

[8] Vgl. David Abulafia; Herrscher zwischen den Kulturen Friedrich II. von Hohenstaufen; Berlin 1991; S.98f

[9] Ernst Kantorowicz; Kaiser Friedrich der Zweite; Stuttgart 1992; S.29

Details

Seiten
14
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638502481
ISBN (Buch)
9783656252474
Dateigröße
518 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v55238
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,3
Schlagworte
Kaiser Friedrich Zweite Muslime

Autor

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Titel: Kaiser Friedrich der Zweite und die Muslime