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Schopenhauers metaphysisches Argument in seiner "Preisschrift über die Grundlage der Moral"

Hausarbeit 2006 11 Seiten

Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

I. Einleitung

II. Hauptteil
II.1: Der Paragraph
II.2: Der Paragraph
II.3: Schopenhauers Kritik am Christentum
II.4: Schopenhauers Kritik an Kant
II.5: Schopenhauers Moralkonzeption

III. Schluss

IV. Literaturverzeichnis

I.: Einleitung

Nachdem Schopenhauer in seiner „Preisschrift über die Grundlage der Moral“ das Mitleid als die Triebfeder aller moralischen Handlungen nachgewiesen hat, entschließt er sich, der Arbeit noch eine Zugabe beizufügen. Er ist bei seinen Untersuchungen zu der Ansicht gelangt, dass allein die Metaphysik in der Lage ist, dem Menschen die „letzte Befriedigung und Beruhigung“[1] zu gewähren. Dieser möchte er sich in den letzten beiden Paragraphen seiner Preisschrift widmen.

Die vorliegende Arbeit soll einen Überblick über diese beiden letzten Paragraphen geben. Zunächst soll der Gedankengang Schopenhauers wiedergegeben werden. In den darauf folgenden Abschnitten soll gezeigt werden, welche verschiedenen Elemente ihn bei der Entwicklung seiner eigenen Metaphysik beeinflusst haben. Hierbei sollen seine Ausführungen zur Philosophie Immanuel Kants ebenso betrachtet werden, wie seine Beziehung zur Christlichen Heilslehre und seine offenkundige Affinität zum Buddhismus.

II.1: § 21

Zu Beginn seiner Ausführungen stellt Schopenhauer klar, dass er der eigentlichen Aufgabe der königlich dänischen Gesellschaft der Wissenschaften bereits genügt hat. Seine „metaphysische Auslegung der ethischen Grundlage“[2] möchte er als eine über das eigentlich geforderte hinausgehende Zusatzleistung verstanden wissen.

Durch seine bisherige Arbeit hat Schopenhauer das „Urphänomen“[3] der Moral aufgedeckt. Dieses erkläre zwar alle aus ihm folgenden moralischen Sachverhalte, es selbst bleibt jedoch unklar. Zum letztendlichen Verständnis dieses Urphänomens ist eine Metaphysik unausweichlich. Sowohl die Religion als auch die Philosophie seien sich dahingehend einig, dass der moralische Wert einer Handlung gleichzeitig auch ein metaphysischer ist und über die sichtbaren Auswirkungen eben jener hinaus geht. Diese ethische Ebene steht für Schopenhauer in direkter Verbindung zum wahren Dasein der Welt.

Um diesen Forderungen Nachdruck zu verleihen stellt Schopenhauer eine These auf. Für ihn ist jedes Menschenleben auf den Tod hin ausgerichtet und er vertritt die Meinung, dass jeder Mensch sein Leben in moralischer Rücksicht beenden möchte. Als Beispiele hierfür seien die „Zeugnisse der Alten“[4] denen des Christentums vorzuziehen, da diese noch nicht durch das christliche Weltbild beeinflusst sind. Er führt sodann Perikles vor, der auf dem Sterbebett von all seinen hervorragenden politischen Verdiensten nichts wissen will und nur bestätigt haben möchte, dass er nie einen Menschen in Trauer versetzt hat. Geradezu kontrastierend zum großen Athener Staatsmann, beschreibt Schopenhauer als nächstes einen „rohe[n] fünzehnjährige[n] Negerjungen“[5], der, als er auf einem Schiff im Sterben liegt, nur durch die Aussage seiner Mannschaftskameraden, er habe nie einen unter ihnen gekränkt oder beleidigt, beruhigt werden kann.

Aus diesen Beispielen schlussfolgert Schopenhauer induktiv, dass jeder Sterbende mit seiner Umwelt ins Reine kommen möchte. Einen weiteren Beleg für die Annahme eines metaphysischen Grundes sieht Schopenhauer in der Tatsache, dass der Mensch gerne bereit ist, für intellektuell erbrachte Leistungen Lob entgegen zu nehmen, dies jedoch bei moralisch wertvollen Taten ablehnt. Es scheint beinahe so, als würde das erhaltene Lob den moralischen Wert der Leistung mindern.

Diese „Tatsachen“[6], die auf eine eindeutige metaphysische Tendenz des Lebens hinweisen, hält Schopenhauer für religionsübergreifend und universell. Er widerspricht damit den einzelnen Religionen, die allesamt bemüht seien, ihre Heilslehre zur allgemeinen Wurzel des ethischen Urphänomens zu machen. Dies geschehe derart, dass die Priester und Vorsteher der jeweiligen Religionen versuchen, den Abfall von ihrem Dogma als einen Schritt in die Immoralität zu brandmarken. Ausdrücke wie „Ketzer“ oder „Atheist“ würden somit synonym für „moralisch schlecht“[7] gebraucht.

Die Philosophie hat es in diesem Falle wesentlich schwerer als die Religion, die nur den Glauben an ihr Dogma aufrechterhalten muss. Die Philosophie im allgemeinen, und Schopenhauer im speziellen sieht sich mit dem Problem konfrontiert, nicht von einem bestimmten metaphysischen System ausgehen zu können. Schopenhauer muss rein analytisch vorgehen und darf also „nicht vom Grunde auf die Folgen, sondern von den Folgen auf den Grund“[8] schließen. Dies bedeutet unweigerlich, dass seine metaphysischen Ausführungen skizzenhaft bleiben werden und keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben können.

II.2: § 22

Schopenhauer begibt sich nun also auf die Suche nach der „letzten theoretischen Befriedigung“. Die nachkantische Philosophie nimmt er sogleich in die Kritik: sie sei nicht in der Lage, dieser Problematik Herr zu werden, da sie hauptsächlich aus „Träumereien“ und „Märchen“[9] bestehe.

Die zentrale Frage ist für Schopenhauer die nach dem Ursprung des natürlichen Mitleids. Bei vielen seiner Zeitgenossen erkennt er die Tendenz, „das Gute“ und „das Böse“ zu einfachen Begriffen und diese zum Fundament ihrer Ethik zu machen. Schopenhauer widerspricht diesem Ansatz. Für ihn ist klar, dass sowohl „Gut“ als auch „Böse“ relative Begriffe der Erfahrungswelt sind und keinesfalls a priori existieren. Sie erhalten einen stark subjektiven Charakter, da jedem Individuum das als „gut“ erscheint, was ihm nutzt.

Was geht nun aber in einem Individuum vor, wenn sich das Mitleid regt? Schopenhauer ist überzeugt davon, dass sich die Unterschiede zwischen den Charakteren der Menschen dadurch erklären, in wie weit sie einen Unterschied zwischen sich selbst und dem Wesen des Anderen machen. Für den Boshaften ist der Unterschied zwischen seinem Selbst und dem des Anderen so groß, dass fremdes Leid für ihn zum Genuss wird. Für den Egoisten ist diese Trennung immer noch groß genug, um sich hauptsächlich um sein eigenes Selbst und seine Interessen zu kümmern. Bei diesen beiden Charakteren herrscht also eine deutliche Kluft zwischen dem Ich und dem Nicht-Ich.

Beim „guten“ Menschen verhält sich das anders. Für ihn besteht keine Trennung zwischen dem eigenen Selbst und dem Ich des Anderen. In letzter Konsequenz muss das bedeuten, dass sich der gute Mensch logischerweise für seinen nächsten opfert.

Doch wer ist nun im Irrtum? Erliegt der gute Mensch mit seiner Wahrnehmung des Anderen einer Täuschung oder irrt sich der schlechte Mensch?

Die empirische Erfahrung der Welt scheint dem Egoisten recht zu geben. Alle Individuen scheinen voneinander separiert zu sein und eine Verknüpfung der einzelnen Existenzen wird nicht augenscheinlich. Schopenhauer hält dem entgegen, dass die Erkenntnis unseres eigenen Selbst keineswegs ausreichend sei. Das Gehirn erkenne die Welt nur mittelbar über die Sinne des Körpers. Es nimmt alle Dinge als Objekte im Raum wahr. Der Wille, den Schopenhauer den „inneren Sinn“ nennt entsteht auf Grund äußerer Einflüsse und Motive. Gefühle stellen somit nur die „Bewegungen des Willens“[10] dar.

Für den Menschen unzugänglich bleibt jedoch das unmittelbar Wollende. Daraus folgert Schopenhauer, dass unsere Kenntnis von uns selbst eine sehr oberflächliche sein muss. Dem zu Folge ist auch das Gefühl der Trennung vom anderen ein oberflächliches.

[...]


[1] Schopenhauer, Arthur: Kleinere Schriften, Erste Auflage, suhrkamp taschenbuch wissenschaft, Stuttgart/Frankfurt am Main 1960, S. 798

[2] Ebenda, S. 801

[3] Ebenda, S. 798

[4] Ebenda, S. 799

[5] Ebenda, S. 799

[6] Ebenda, S. 800

[7] Ebenda, S. 800

[8] Ebenda, S. 801

[9] Ebenda, S. 802

[10] Ebenda, S. 804

Details

Seiten
11
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638500784
Dateigröße
399 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v55019
Institution / Hochschule
Universität Konstanz
Note
2,0
Schlagworte
Schopenhauers Argument Preisschrift Grundlage Moral

Autor

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Titel: Schopenhauers metaphysisches Argument in seiner "Preisschrift über die Grundlage der Moral"