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Doppelportraits von Rubens und Rembrandt im Vergleich

Hausarbeit 2001 18 Seiten

Kunst - Malerei

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

Bildbeschreibungen
1. Rembrandt van Rijn: "Der Schiffbauer Jan Rijcksen und seine Frau Griet Jans"
2. Rembrandt van Rijn: "Cornelis Claesz. Anslo und seine Frau Aeltje Gerritsdr. Schouten"
3. Peter Paul Rubens: "Selbstporträt mit Isabella Brant"
4. Peter Paul Rubens:"Marchesa Bianca Spinola Imperiale und ihre Nichte Maddalena Imperiale"

Geschichte und Funktion des Porträts

Die Problematik des Doppelporträts

Abschließender Vergleich der Porträts von Rubens und Rembrandt

Literaturverzeichnis

Einleitung

In dieser Hausarbeit möchte ich die Unterschiede und Ähnlichkeiten zwischen Doppelporträts von Peter Paul Rubens (1577-1640) und Rem­brandt van Rijn (1606-1669) herausarbeiten. Dazu werde ich die Bilder erst beschreiben und dann auch die Entwicklungsgeschichte des Porträts und die Problematik in der Aufgabe Doppelporträt anhand von vier Beispielen in den Blick nehmen.

Bildbeschreibungen und Diskussion

Rembrandt van Rijn "Der Schiffbauer Jan Rijcksen und seine Frau Griet Jans"

1633, Öl auf Leinwand, 111 x 166 cm,

London, Buckingham Palace.

Mit diesem Porträt gelang Rembrandt ein wichtiger Entwicklungsschritt in seiner Porträtmalerei. Hatte er doch im selben Jahr ein Porträt eines Mannes und seiner Frau gemalt, auf dem beide ohne Handlung und Bezug auf­einander in einem Raum dargestellt sind ("Porträt eines Mannes und seiner Frau" 1633, Öl auf Leinwand, 131 x 107 cm, Boston, Isabella Stewart Gardner Museum). Mit dem "Schiffbauer" machte er einen Schritt in Rich­tung Genremalerei ohne die Aufgabe Porträt aus den Augen zu verlieren und belebte die starre Komposition.

Der ältliche Schiffbauer (und Schiffsbesitzer) Jan Rijcksen sitzt an einem Tisch, sein Oberkörper und das Gesicht sind in einer Vierteldrehung dem Betrachter zugewendet. Sein Blick kreuzt aber weder dessen Blick, noch sieht er seine Frau an, die Blickrichtung ist vielmehr aus dem Bild hinaus, so daß sein Kopf etwas porträthaftes bekommt. Er trägt ein schlichtes, schwarzes Gewand und eine weiße Halskrause. In dem unwillig herum­gedrehten Gesicht des Schiffbaumeisters kann man erkennen, daß er über die durch seine hereineilende Frau hervorgerufene Unterbrechung seiner Arbeit etwas ungehalten ist, auf seiner Stirn sind Falten zu sehen. Seine Ge­danken scheinen noch bei der Arbeit zu sein, in die er gerade vertieft war.

Die rechte Hand des Mannes ruht auf dem Tisch auf einem Papier, mit der linken Hand, deren Handfläche nach oben zeigt und in der er einen Zirkel hält, kommt er der Hand seiner Frau fast in der geometrischen Mitte der Leinwand entgegen.

Jan Rijcksens Frau steht rechts von ihm, mit der rechten Hand noch auf der Türklinke der noch leicht geöffneten Tür, durch die sie gerade in den Raum eingetreten ist. Sie beugt sich über die Rückenlehne seines Stuhles, die sich so zwischen den beiden Figuren befindet. In der linken Hand, die sie der Linken des Mannes entgegenstreckt, hält sie einen Brief, den sie ihrem Mann überbringen will. Ihr Mund ist leicht geöffnet, so daß es den Anschein erweckt, sie spräche zu ihm. Auch sie trägt ein schlichtes schwarzes Ge­wand mit einem weißen, flachen Kragen und außerdem eine weiße Haube. Sie nimmt fast die ganze rechte Hälfte der Leinwand ein, und durch die in beide Richtungen ausgestreckten Arme ergibt sich annähernd eine Dia­gonale; die Armlehne des Stuhles, auf dem er sitzt, befindet sich parallel unterhalb ihres linken Armes.

Der Raum wird von einem Fenster erhellt, dessen beleuchtete Fensternische man am äußersten linken Rand erkennen kann. In einer dunklen Nische hinter dem Kopf Jan Rijcksens ist ein Buch zu sehen, das flach auf dem Sims liegt. In der linken Ecke des Raumes hängt im Schatten eine Tasche an der Wand. Hinten auf dem Tisch liegt unter einem Stapel geschlossener Bücher ein aufgeschlagenes Buch. Die Ecken der unleserlich beschriebenen n schlagen sich teilweise um. Direkt vor dem Schiffbaumeister liegt ein Blatt Papier auf dem Tisch, auf dem ein skizzierter Schiffsrumpf zu sehen ist. Auf dem Rand dieser hat Rembrandt signiert.

Der Vorgang in diesem Bild hat nicht nur den symbolischen Charakter der Ehe, sondern diese wird dem Betrachter als alltägliche, fast greifbare Hand­lung vor Augen geführt.

Auch zeigt sich hier ein typisches Attribut für die Darstellung der ehelichen Verbindung: das Treffen der rechten Hände - die dextrarum junctio1. Beson­ders an diesem Bild ist, daß die Hände nicht einfach ineinander gelegt sind, sondern sich durch die dem Bilde zu Grunde liegende Handlung in der Be­wegung begegnen, aber nicht berühren. Hier zeigt sich ein typisches Attribut für die Darstellung der ehelichen Verbindung, das Treffen der rechten Hände.

Es ist erstaunlicher Weise die Frau, die hier in Form von Griet Jans (deren Vater selber Schiffbauer war2 ) die aktive Rolle übernimmt. Durch die Be­wegung ihrer Arme, ihres Oberkörpers und nicht zuletzt dadurch, daß sie wohl spricht, dominiert sie auf den ersten Blick das Geschehen des Bildes. Trotzdem ist sie in ihrer Rolle als Ehefrau zu sehen, denn sie hält sich hinter dem Stuhl ihres Mannes und hat die Hand auf der Klinke, als würde sie gleich wieder durch die Tür verschwinden, sobald sie ihrem Mann den Brief übergeben hat. Auch ist ihr Gesicht im Halbprofil zu sehen, so daß der Schwerpunkt trotz ihrer raumgreifenden Darstellung auf ihrem Mann liegt.

Rembrandt van Rijn "Cornelis Claesz. Anslo und seine Frau Aeltje Gerritsdr. Schouten"

1641, Leinwand, 176 x 210 cm, obere Ecken abgerundet,

Berlin, Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz, Gemäldegalerie.

Auch auf einem etwa acht Jahre nach dem Porträt des Schiffbaumeisters und seiner Frau entstandenen Doppelporträt stellt Rembrandt ein Ehepaar in einer aufeinander bezogene Handlung dar, obwohl die agierenden Personen hier nur die rechte Hälfte der Leinwand einnehmen, und sich nicht wie bei dem Bildnis des Schiffbauers und seiner Frau von der Mitte aus fast im ganzen Raum bewegen.

Auf dem monumentalen Gemälde ist der mennonitische Stoffhändler, Laienprediger und Lehrer Cornelis Claesz. Anslo (1592 - 1646) abgebildet. Er sitzt in einem Lehnstuhl an einem Tisch, der das linke untere Viertel der Leinwand einnimmt. Anslo, der auch theologische Schriften veröffentlichte und 1615/16 ein Armenhaus für alte Frauen einrichtete (den Anslohofje), trägt über der schwarzen Kleidung einen braunen Pelz, außerdem einen großen, schwarzen Hut mit breiter Krempe. Mit der rechten Hand deutet er auf ein Buch, das auf dem Tisch liegt, mit der Linken stützt er sich auf die Armlehne. Er lehnt sich nach rechts, so daß sein Körpergewicht auf dem rechten Arm mit der deutenden Geste liegt. Er beugt sich leicht seiner Frau Aeltje Gerritsdr. Schouten zu, die, etwas tiefer als er, äußerst rechts sitzt. So ist sein Gesicht nicht ganz frontal zu sehen. Die Frau ist fast im strengen Halbprofil dargestellt, auch wirkt sie sehr viel kleiner und schmaler als er, der durch seine Geste und das wie auch bei Jan Rijcksen frontal dem Be­trachter zugewendete Gesicht ein starkes Übergewicht hat. Ihre Rolle kann man geringer gewichten als die ihres Mannes. Sie hat einen andächtigen Gesichtsausdruck und scheint mit leicht geneigtem Kopf ins Leere zu schauen, zumindest aber seiner Hand in Richtung des Buches folgend zu blicken. Ihre Tätigkeit beschränkt sich auf das bloße Zuhören, wodurch das Sprechen ihres Mannes einen konkreten Ansprechpartner hat. In den Hän­den, die in ihrem Schoß ruhen, hält sie ein weißes Taschentuch, was sie fast vergessen zu haben scheint.

Im Gegensatz zu dem Bildnis Rijcksens ist es hier die Frau, die einen kon­zentrierten Gesichtsausdruck hat und nicht der Mann. Die Hände sind sehr gründlich ausgearbeitet, genauso wie ihr Kopf.

Obwohl im Vordergrund Anslos Gläubigkeit und Tätigkeit als Priester stehen, wird auch der Wohlstand durch einen auf dem Tisch liegenden, schweren, dicken Stoff, der an der linken Ecke nach oben geschlagen ist, so daß das gelb-grünliche Tischtuch darunter zum Vorschein kommt, das eine breite ornamentierte Borte hat, dargestellt. Außerdem befindet sich auf dem Tisch ein schlichtes, kleines Pult, auf dem das aufgeschlagene Buch, sicher­lich die Bibel, liegt, neben dem Lesepult befinden sich ein geschlossenes Buch und einige beschriebene Blätter, dahinter steht ein zweiarmiger Kerzenleuchter, dessen unterer Teil von dem Pult verdeckt wird, mit einer langen Kerze und einer Schere, die auf dem Tropfenfänger liegt, auf der linken, und einem kurzer Stumpf auf der rechten . Durch diese Gegen­stände erinnert der Tisch an einen Altar. An der Wand hinter Anslo verbirgt sich ein Bücherregal fast vollständig hinter einem Vorhang, es ist im Dunkel des Raumes nur schwer zu erkennen. Das Licht kommt diffus von links und beleuchtet so die wesentlichen Elemente der Komposition: den Tisch mit der Bibel und Anslos Hand. Die Hände seiner Frau und die Gesichter des

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1 Schneider 1992, S. 138.

2 Stichting Foundation 1989, S. 373; Schama 1999, S. 379.

Details

Seiten
18
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638500739
Dateigröße
441 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v55014
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen – Kunsthistorisches Seminar
Note
1,5
Schlagworte
Doppelportraits Rubens Rembrandt Vergleich

Autor

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