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Kämpfender Wissenschaftler - Zur Rolle des späteren Bundesvertriebenenministers Theodor Oberländer in Weimarer Republik und NS-Staat

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 26 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Der „Gleichklang von Theorie und Praxis“: Oberländer und die völkische Ostforschung
2.1 Deutsche Akademische Gildenschaft und kämpfende Wissenschaft
2.2 Aufstieg eines Alleskönners
2.3 Der Fall eines rechts Überholten?

3. Das Festhalten an der völkischen Reichsidee: Oberländers Denkschriften von 1942/43

4. Fazit

5. Literatur

1. Einleitung

Der Lebensweg Theodor Oberländers gehört zweifelsohne zu den umstrittensten deutschen Biografien des zwanzigsten Jahrhunderts. Nennt man es das „kurze“ (1914-1989), so war der 1905 in Meiningen geborene Professor, Ostforschungsfunktionär, Wehrmachtsoffizier, Vertriebenenpolitiker und geschasste Bonner Minister des Jahres 1960 ein ständiger Begleiter dieser bewegten Jahre. Doch wie kann man aus einer geschichtswissenschaftlichen Sicht einer solch umstrittenen Person eine ausgewogene Beurteilung zuteil werden lassen? Diese Frage soll im Zentrum der hier vorgelegten Hausarbeit stehen, doch wird sie wohl kaum zu einer umfassenden Beantwortung gebracht werden können. Denn zahllose Faktoren schränken das Herangehen an diese Frage von vornherein ein.

Zunächst einmal fällt die enorme Subjektivität jeglicher bisherigen Befassung mit Oberländer auf. Einer derart vielgestaltigen Person wurde wohl bisher noch kein objektives Urteil zuteil, denn stets wurde polemisiert, politisiert und instrumentalisiert. Auf dem Höhepunkt des Falls Oberländer zwischen 1959 und 1961 stehen auf der einen Seite des Eisernen Vorhangs das vom Ausschuss für deutsche Einheit herausgegebene Braunbuch Oberländer[1] und auf der anderen Seite die Replik Kurt Ziesels: Der rote Rufmord.[2] Diese zweiseitigen Darstellungen setzten sich zu Lebzeiten Oberländers (also bis 1998) ständig fort, schon allein deshalb, weil Oberländer seine eigenen Vorstellungen von seinem Leben und dessen Bedeutung hatte und jeder ‚Zuwiderhandlung’ mit juristischen Mitteln entgegentrat. Daneben dienten seine Denkschriften aus den Jahren 1942 und 1943 noch in den 80er Jahren geschichtsrevisionistischen Historikern und unterfütterten den Mythos der sauberen Wehrmacht.[3] All dies hat zur Folge, dass man unentwegt mit Argumentationen konfrontiert wird, denen man eine bestimmte Intentionalität unterstellen muss und die deshalb Einzelheiten und bestimmte Fakten aus dem Zusammenhang reißen.

Dies wäre an und für sich noch nicht so schlimm, doch scheinen sich diese Verwerfungen zum Teil in der neueren historischen Forschung, freilich in abgeschwächter Form, fortzusetzen.[4] Götz Alys Arbeiten[5] scheinen hier einen zu leichtfertigen Blick auf die Prozessunterlagen des Ost-Berliner Gerichtsverfahrens von 1960 zu legen und ihn allzu schnell in die Kategorie der „Vordenker der Vernichtung“ einzuordnen.

Das größte Problem stellt diesbezüglich aber die von Philipp-Christian Wachs vorgelegte Biographie Theodor Oberländers dar.[6] Sie ist vordergründig ausgerichtet an der Frage, welche Schuld den damaligen Wehrmachtsoffizier an den von der DDR erhobenen Vorwürfen trifft. Dabei gelingt es Wachs zweifelsohne, weitestgehend glaubwürdig darzulegen, wie jene Vorwürfe konstruiert wurden und sie dementsprechend auch größtenteils zu entkräften.[7] Von allen vorliegenden Arbeiten findet sich hier die tiefgründigste Auswertung von Quellenmaterial, was bis zu Materialien aus dem persönlichen Archiv Oberländers reicht. Dass er auch mehrmals persönlich mit dem über Neunzigjährigen ins Gespräch kam, zeigt das hohe Maß an Vertrauen, welches Wachs entgegengebracht wurde.[8] Allerdings stellt der Autor die falschen Fragen, um zu einem umfassenden Bild zu gelangen. Beständig der Spur der Entlastung folgend, versäumt es Wachs, auch den belastenden Materialien entsprechend nachzugehen. Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit der Tätigkeit Oberländers in der Weimarer Republik und im NS-Staat und eine entsprechende Bewertung jenseits der bloßen Rekonstruktion von Fakten erfolgt so gut wie gar nicht. Wachs schreibt seine Biografie vorbei an der historischen Forschung. Nichtsdestotrotz ist eines sicher: wer sich heute mit Theodor Oberländer befassen möchte, kommt an Philipp-Christian Wachs nicht vorbei.

Um sich also der oben eher allgemein gestellten Frage anzunähern, scheint es nötig, sie in Teilfragen aufzuteilen und sich auf spezielle Punkte zu konzentrieren. Im Vordergrund werden die unterschiedlichen Tätigkeiten Theodor Oberländers in der Weimarer Republik und im nationalsozialistischen Deutschland stehen, da sie den eigentlichen Kern des Falls ausmachen. Deshalb wird in dieser Arbeit versucht werden, die akademischen und praktischen Aktivitäten Oberländers inhaltlich zu erörtern. Der Schwerpunkt soll darauf liegen, sie im zeitgeschichtlichen Kontext einzuordnen, um sie entsprechend bewerten zu können. Zwei zentrale Fragenkomplexe werden dieser Diskussion zugrunde liegen:

1. Welche Rolle spielte Oberländer in der Bewegung der „konservativen Revolution“? Wie ist er in der völkischen Ostforschung, in ihren Organisationen und in der Verschmelzung ihrer Ideen mit denen des Nationalsozialismus involviert?[9]
2. Wie sind seine Denkschriften aus den Jahren 1942/43 zu beurteilen? In welchem Zusammenhang stehen sie mit seiner bisherigen Tätigkeit und mit der Realität des Ostfeldzuges?

Im Rahmen dieser Arbeit wird es nicht möglich sein, der Nachkriegsgeschichte Theodor Oberländers auf den Grund zu gehen. Diese ist zwar mindestens genauso spannend und aufschlussreich bezüglich zahlloser Elemente der deutsch-deutschen Geschichte. Doch sind sie dies eben nur vor dem Hintergrund des hier Erörterten: ohne den Ostforscher und Abwehroffizier Oberländer kein „Fall Oberländer.“ Deshalb scheint es eher angebracht, sich diesen Aspekten seines Lebens nüchtern und geschichtswissenschaftlich zu nähern.

2. Der „Gleichklang von Theorie und Praxis“: Oberländer und die völkische Ostforschung

Es steht der Vorwurf Götz Alys im Raum, Theodor Oberländer sei den ‚Vordenkern der Vernichtung’ zuzuordnen.[10][11]Auch wenn dies in der Tat vorschnell geurteilt ist, kann die daran geübte Kritik der letzten beiden Oberländer-Biographen mit Immediatzugang zum Beschuldigten ebenso wenig gelten.[12] Gerade Wachs ist es vorzuwerfen, dass er die Tätigkeiten Oberländers in den entscheidenden Jahren zwar durchaus detailliert beschreibt, eine kritische Einordnung in das Zeitgeschehen aber in der Regel ausbleibt.[13] Dies soll im folgenden Abschnitt für die Aspekte der akademischen und volkstumspolitischen Arbeit und im sich daran anschließenden bezüglich der Denkschriften Oberländers von 1942/43 geschehen.

2.1 Deutsche Akademische Gildenschaft und kämpfende Wissenschaft

Mit dem Jahr 1933 erfuhr Theodor Oberländers akademische und auch politische Karriere einen beträchtlichen Schub. Allerdings bedurfte dies einer ideologischen Disposition Oberländers für die Gedankenwelt der NSDAP, deren Entstehung in den Jahren der Weimarer Republik zu suchen ist. Gerade diesem bedeutenden Lebensabschnitt der „politische[n] Sozialisation“[14] des angehenden Akademikers wird bei Wachs nicht die Akribie zuteil, derer es bedarf. Neben allgemeinen Ausführungen zum Charakter der „Konservativen Revolution“[15] und einigen Etappen in der Laufbahn Oberländers[16] verharrt diese Phase mehr oder weniger im Dunkeln. Deutlich wird dies daran, dass die Erörterung der politischen Mentalität und ihrer Kompatibilität mit dem Nationalsozialismus mit dem Jahr 1933 einsetzt[17] und erst dann an Präzision gewinnt, wenn es zum gedanklichen Konflikt kommt.[18]

Da also über den direkten biografischen Zugang kaum eine ausreichende Erkenntnis zu gewinnen ist, scheint es notwendig, auf indirektem Wege zu einer Beurteilung Oberländers für diese Zeit zu gelangen. Dafür soll nun das Milieu analysiert werden, in dem sich der Student, Doktorand und der Königsberger Schüler und spätere Erbe Hans Rothfels’ bewegte.

Als Angehöriger der „Kriegsjugendgeneration“[19], also derjenigen, der aus eigener Perspektive eine aktive Teilnahme am ersten Weltkrieg verwehrt blieb,[20] gelangte Oberländer schnell und leicht in die antiliberale Jugendbewegung. Bereits 1923 nahm er als Mitglied des Bundes Oberland am Marsch Hitlers auf die Feldherrenhalle teil.[21] Dieser Organisation und der Münchner Gilde Greif gehörte Oberländer während der gesamten Lebensdauer der Weimarer Republik an. Vordergründiges Ziel beider war es, ihr ein möglichst schnelles Ende zu setzen. Der Dachverband dieser dezidiert völkisch orientierten studentischen Verbindungen war die Deutsche Akademische Gildenschaft (DAG). In allen drei genannten Organisationen hatte Oberländer führende Positionen inne.[22]

Noch lange bevor es durch die Nationalsozialisten umgesetzt wurde, vertrat diese Strömung ein radikales Revisionsprogramm, das bewusst legalistische, liberale und traditionell-wilhelminische Ansätze verwarf und den „Volkstumskampf“ zur wahren Strategie erhob.[23] Damit einher ging eine dann auch fachlich nachvollzogene Spezialisierung auf den deutschen Osten und Ostmitteleuropa. Beachtlich sind die personellen Netzwerke jener Zeit, respektive die Rolle einzelner Personen im gesamten Verlauf der 20er und 30er Jahre und darüber hinaus. So scheint es beispielsweise wahrscheinlich, dass sich Theodor Schieder und Oberländer schon weit vor der gemeinsamen Königsberger Zeit bei Hans Rothfels durch ihre Gildenmitgliedschaft kannten. So baute sich bereits in den Jahren nach 1923 ein personelles und regionales Netzwerk von angehenden Akademikern auf, das ab 1930 gemeinsam von Königsberg aus lautstarke Revisionsforderungen erhob und deren Umsetzung ab 1933 wissenschaftlich begleitete.[24]

[...]


[1] Vgl. Ausschuß für deutsche Einheit: Die Wahrheit über Oberländer: Braunbuch über die verbrecherische faschistische Vergangenheit des Bonner Ministers. Berlin 1960. Freilich lässt sich hier nicht eindeutig der ‚Eiserne Vorhang’ als Scheidelinie des Konflikts festlegen. So agitierte die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) auch vehement auf westdeutscher Seite gegen Oberländer. Vgl. Präsidium der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (Hg.): Der Fall Oberländer. Frankfurt am Main 1959.

[2] Vgl. Ziesel, Kurt: Der rote Rufmord. Eine Dokumentation zum Kalten Krieg. Tübingen 1961.

[3] Vgl. Schickel, Alfred (Hg.): Theodor Oberländer: Der Osten und die Deutsche Wehrmacht. Sechs Denkschriften aus den Jahren 1941-43 gegen die NS-Kolonialthese. Zeitgeschichtliche Forschungsstelle Ingolstadt, Asendorf 1987.

[4] So etwa: Burkert, Martin: Die Ostwissenschaften im Dritten Reich. Teil I: Zwischen Verbot und Duldung. Die schwierige Gratwanderung der Ostwissenschaften zwischen 1933 und 1939. Wiesbaden 2000. Eine Ausnahme bilden: Haar, Ingo: Historiker im Nationalsozialismus: Deutsche Geschichtswissenschaft und der „Volkstumskampf“ im Osten. 2., durchges. Aufl., Göttingen 2002; und: Burleigh, Michael: Germany turns eastwards: a study of Ostforschung in the Third Reich. Cambridge 1989.

[5] Vgl. Aly, Götz/ Heim, Susanne: Vordenker der Vernichtung. Auschwitz und die Pläne für eine neue europäische Ordnung. Frankfurt am Main 1993; sowie Aly, Götz: Macht, Geist, Wahn. Kontinuitäten deutschen Denkens. Berlin 1997.

[6] Vgl. Wachs, Philipp-Christian: Der Fall Theodor Oberländer (1905-1998). Ein Lehrstück deutscher Geschichte. Frankfurt am Main 2000.

[7] Für eine neutrale, geschichtswissenschaftliche Beurteilung der Ereignisse in Lemberg 1941 und der Rolle Oberländers: Vgl. Fahlbusch, Michael: Wissenschaft im Dienst der nationalsozialistischen Politik? Die „volksdeutschen Forschungsgemeinschaften“ von 1931-1945. Baden-Baden 1999, S.521f.

[8] Zieht man Oberländers Überzeugung in Betracht, die er bis zuletzt hegte, dass er sich selber nichts vorzuwerfen habe, er Opfer einer nicht enden wollenden Rufmordkampagne war und dass sein ganzes Leben nach 1960 seiner Rehabilitation gewidmet war, so muss man davon ausgehen, dass er in Wachs die Möglichkeit sah, diese Rehabilitation auch in der Geschichtswissenschaft durchzusetzen. Somit scheint die Arbeit Wachs’ den vorläufigen Schlusspunkt dieser instrumentalisierbaren Historiographie darzustellen. Die Frage bleibt, ob sich nach dem Ableben Oberländers und mit der nötigen zeitlichen Distanz noch einmal ein Historiker finden wird, der ebenso arbeitsam wie Wachs, nur eben entlasteter, den Fall ein weiteres Mal aufrollt.

[9] Grundlage dieser Überlegungen ist das folgende Zitat aus einem Brief Hans Joachim Iwands an Oberländer vom 27.11.1959: „Wir kennen uns doch nun schon seit langem, und ich darf Ihnen versichern, daß ich Sie von der Königsberger Zeit her sehr geachtet habe. Daß Sie aber so stark zu den Nazis überschwenkten und nicht sahen, daß in diesem Lager die Gedanken [der konservativen Revolution] nicht zu verwirklichen waren, die Sie und viele von uns beseelten, habe ich nicht mehr verstanden (…) Wie weit Sie in der Verschmelzung des Ideenguts [der konservativen Revolution und der des Nationalsozialismus] gegangen sind, kann ich im einzelnen nicht beurteilen, ich fürchte, sehr weit. Aber ich bin der Meinung, daß alle, die sich damals mit der Ostpolitik Hitlers irgendwie identifizierten, in Sachen der Ostpolitik heute in die zweite Reihe treten müssen (…) Sie wollten sicher damals etwas Gutes, aber sind in einen Zug eingestiegen, aus dem es kein Aussteigen gab. Nicht die anderen, sondern die Nazis haben uns um das große Erbe unserer Geschichte im Osten gebracht.“ zitiert nach: Wachs: Oberländer. S.346f.

[10] So das Motto des „Ostforschungslagers“ des BDO (Bund Deutscher Osten), dessen Vorsitzender Oberländer zwischen 1934 und 1937 war, das im März 1935 in Marienbuchen unter der Leitung Oberländers stattfand. Vgl. Wachs: Oberländer. S.158.

[11] Vgl. Aly/ Heim: Vordenker. S.104ff.

[12] Vgl. Wachs: Oberländer. S.474f. und Schütt, Siegfried: Theodor Oberländer: Eine dokumentarische Untersuchung. Mit Dokumenten. München 1995. S.103ff.

[13] Die Erörterung der Tätigkeit Oberländers für den BDO etwa beschränkt sich auf einen Absatz, während sich anschließend eine breite Darlegung der Umstände seines kurzzeitigen Abstiegs auf mehrere Seiten erstreckt. Vgl. Wachs: Oberländer. S.158ff.

[14] Haar: Historiker. S.70.

[15] Vgl. Wachs: Oberländer. S.29ff.

[16] Vgl. ebd. S.35ff.

[17] Vgl. ebd. S.149ff.

[18] Vgl. ebd. S.167ff. („Vernichtungskrieg und Planungswahn: Der Generalplan Ost“) und S.172ff. („Führen nicht herrschen – Oberländer und Gleichgesinnte in Wehrmacht und Staat“)

[19] Vgl. Herbert, Ulrich: „Generation der Sachlichkeit“ – Die völkische Studentenbewegung der frühen zwanziger Jahre. in: Ders.: Arbeit, Volkstum, Weltanschauung. Über Fremde und Deutsche im 20. Jahrhundert. Frankfurt am Main 1995, S.31-58: zum Generationen-Begriff als problematische, aber für den Fall des ersten Weltkrieges anwendbare Kategorie in der Geschichtswissenschaft: S.31; zur „Kriegsjugendgeneration“, der Oberländer angehörte, aus dem Blickwinkel Günther Gründels (1932): S.32ff.; außerdem: Reulecke, Jürgen: Generationalität und die West-/Ostforschung im „Dritten Reich“ – ein Interpretationsversuch. in: Bruch, Rüdiger vom/ Kaderas, Brigitte (Hg.): Wissenschaften und Wissenschaftspolitik. Bestandsaufnahmen zu Formationen, Brüchen und Kontinuitäten im Deutschland des 20. Jahrhunderts. Stuttgart 2002, S.354-360.

[20] Vgl. Herbert: Völkische Studentenbewegung. S.34: „Den Vorsprung, den die Älteren durch ihre Kriegsteilnahme und „Fronterfahrung“ hatten, versuchten die Jüngeren durch die Übernahme des Frontkämpferideals für den Kampf im Innern […] und das Trachten nach „reinem“, von Kompromissen freien und radikalem, dabei aber organisiertem, unspontanem, langfristig angelegtem Handeln zu kompensieren.“ Ernst Niekisch, auch in der DAG organisiert (Vgl. Haar: Historiker. S.74, S.76.), spricht von „Voraussetzungslosigkeit und Bindungslosigkeit“; außerdem, zunächst mit Fokus auf den Antisemitismus und zuweilen etwas undifferenziert: Mosse, George L.: Die völkische Revolution. Über die geistigen Wurzeln des Nationalsozialismus. Frankfurt am Main 1991, S.281ff (Studentenschaft) und S.287ff (für Oberländer und seinen Umkreis relevanter: bündische Jugend), S.290 zur untergeordneten Rolle des Antisemitismus und zur Distanz der völkischen Bünde zum Nationalsozialismus.

[21] Vgl. Wachs: Oberländer. S.31 und Haar: Historiker. S.73.

[22] Vgl. Haar: Historiker. S.73 und S.83.

[23] Vgl. ebd.S.70.

[24] Vgl. ebd. S.182; Die Wirkmächtigkeit dieser Netzwerke wird besonders daran deutlich, wie sie im Nachkriegsdeutschland fortdauern. Ein unter zahllosen Beispielen besonders hervorstechendes ist die mehrbändige, seit 1957 vom Bundesministerium für Vertrieben, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte (also Theodor Oberländer) herausgegebene „Dokumentation der Vertreibung der Deutschen aus Ostmitteleuropa“, „bearbeitet von Theodor Schieder“ und „In Verbindung mit Werner Conze, Adolf Diestelkamp, Rudolf Laun, Peter Rassow und Hans Rothfels“ (meine Hervorhebung).

Details

Seiten
26
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638500388
Dateigröße
584 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v54964
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Historisches Institut
Note
1,3
Schlagworte
Kämpfender Wissenschaftler Rolle Bundesvertriebenenministers Theodor Oberländer Weimarer Republik NS-Staat Erschließung Unterwerfung Ambivalenz Deutsche Aneignung Ostens Jahrhundert

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Titel: Kämpfender Wissenschaftler - Zur Rolle des späteren Bundesvertriebenenministers Theodor Oberländer in Weimarer Republik und NS-Staat