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Madame Bovary - Roman und Film im Vergleich

Hausarbeit 2003 18 Seiten

Romanistik - Französisch - Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Medientheorie
2.1 Intermedialität
2.2 Medienwechsel: Was bedeutet der Übergang vom Buch zum Film?

3. Madame Bovary im Roman von Gustave Flaubert
3.1 Persönliche Entwicklung von Emma Bovary
3.2 Die Beziehung der Protagonistin zu den anderen Charakteren
3.3 Die Frage der Schuld

4. Madame Bovary im Film von Claude Chabrol
4.1 Persönliche Entwicklung von Emma Bovary
4.2 Die Beziehung der Protagonistin zu den anderen Charakteren
4.3 Die Frage der Schuld

5. Roman und Film im Vergleich – eine Zusammenfassung

6. Schlusswort

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

»Sie kennen doch sicher den Witz von den beiden Ziegen, die die Rollen eines Films auffressen, der nach einem Bestseller gedreht worden ist, worauf die eine Ziege zur anderen sagt:

„Mir war das Buch lieber“.« (Alfred Hitchcock)1

Den Vorwurf, der Film werde der Vorlage nicht gerecht, müssen sich viele Filmregisseure gefallen lassen. Handelt es sich dabei auch noch um eine bekannte, allgemein anerkannte und vom Kritiker persönlich geschätzte Vorlage, fallen diese Vorwürfe dann natürlich besonders drastisch aus.

Schon seit dem Bestehen des Films, muss man sich mit diesem Konflikt auseinandersetzen.

Die Probleme des Films, als eigenständige Kunstform akzeptiert zu werden, hängen mit der Geschichte der Romanadaption eng zusammen. Schon von den ersten Schritten des Medium Films an, griffen die Filmemacher auf die Literatur zurück, um einerseits etwas eigenes daraus zu machen oder einfach nur dem Werk seine Wertschätzung zu verleihen.

Es ist äußerst wichtig, dass man dem Medium Film seine genügende Anerkennung, mit eigenen Bewertungskriterien, gibt.

Nichtsdestotrotz kann ein Vergleich mit einer Vorlage durchgeführt werden.

Man muss auch beurteilen können, in wie fern die Entscheidung, einen Film aus einer Vorlage zu machen, richtig war.

Der Roman „ Madame Bovary“ von Gustave Flaubert wurde 1856 veröffentlicht und etwas mehr als 100 Jahre später verfilmte Claude Chabrol dieses grandiose Meisterwerk.

Dazu muss natürlich auch gesagt werden, dass zwei andere Verfilmungen von Renoir (1934) und Cardinale (1972) gemacht worden sind. Doch die Verfilmung von Claude Chabrol (1991) wurde als Werkgetreuste bezeichnet.

Die Washington Post schrieb 1991 dazu:

Während seiner Arbeit auf „Madame Bovary“ schrieb Gustave Flaubert einen Freund:

„alles soll mit Pose kalt getan werden“. Und falls er seine Filmanpassung des Roman verwies, hat Claude Chabrol die Anweisung des Meisters auf dem Buchstaben genau befolgt.

Das Vorgehen des Filmemachers ist exakt, überlegt und ein beispielloses Beispiel der zuverlässigen Untertantreue zu seiner Quelle.2

2. Medientheorie

2.1 Intermedialität:

Im Wörterbuch wird der Bergriff Intermedialität als Abhängigkeits-, Mischungs-,

oder Transformationsverhältnis zwischen Produkten und Verfahren unterschiedlicher Medien beschrieben. Dick Higgins entwickelte in den 60er Jahren das theoretische Konzept der Intermedialität und demonstrierte die Idee der Verschmelzung von Medien in die Kunst.

Intermedialität ist durch die strukturelle Veränderung der Medien gekennzeichnet.

Man untersucht neue ästhetische Gestaltungsmöglichkeiten durch Adaption anderer Medienästhetiken

_ ein Medium nimmt also Charakteristika eines anderen Mediums an.

Die Verschmelzung von Schrift, (bewegtem) Bild und Ton scheint mit den neuen Medien neue Dimensionen zu erlangen, deren Konsequenzen für die Literatur noch schwer abzusehen sind. Literatur kann zumindest andere mediale Qualitäten annehmen und damit synästhetische Qualität erlangen, wie zum Beispiel durch räumliche und bewegte Gestaltung von Schrift sowie Integration von Klangelementen.

Intermedialität wird demnach auch als Wechselwirkung zwischen verschiedenen Zeichensystemen beschrieben.3

2.2 Medienwechsel: Was bedeutet der Übergang vom Buch zum Film?

Bevor man auf das Thema Medienwechsel eingeht, muss man erst einmal den Begriff Medium verstehen. Das Wort Medium kommt aus dem Lateinischen und heißt : Mittel Mittler, Vermittelndes. Im Pädagogischem Wortgebrauch steht das Wort Medien für Lehrmittel und Methoden. Bei den Geisteswissenschaftlern benutzt man es im Bereich der Musik und Literatur oder auch als Bedeutungsträger wie Ton oder Sprache. Heutzutage umfasst es ein großen Bereich der Wissenschaft, sprich Soziologie, Publizistik, Literatur-, Kommunikations-, und Medienwissenschaft.4

Spricht man vom »Medium Literatur«, so ist die Literatur als spezifisches Subsystem innerhalb von Gesellschaft, Kultur und Kunst gemeint.

Es „bezieht sich nur auf ein abstraktes Vermittlungssystem mit bestimmten abstrakten Handlungsrollen im Rahmen der Gesellschaft. Es wird lediglich eine konstitutionelle Bedingung von oder für Literatur damit bezeichnet, nämlich ihre kommunikative Funktion.“5

Der Film ist ein relativ junges Medium, wenn man ihn z.B. mit dem Theater oder dem Buchdruck vergleicht. Der Hauptunterschied im Vergleich zu anderen Medien ist die Tatsache, dass es sich beim Film um ein audiovisuelles Medium handelt.

Was heißt Medienwechsel?

Medienwechsel ist „die Übertragung von Thema, Handlung oder argumentativer Struktur eines Textes von einem Medium mit seinem spezifischen medialen Vorraussetzungen und Bedingungen in ein anderes Medium“6 (zum Beispiele vom Buch zum Film).

Dabei ist es sehr wichtig zu beachten, dass die Bedeutungs- und Informationsstrukturen des Ausgangtextes bei der Übertragung in den Zieltext eines anderen Mediums zum größten Teil erhalten bleiben muss. Das hauptsächliche Forschungsinteresse ist hierbei die Veränderung des Ausgangstextes infolge seines Transfers.7

In der Studie „Filmologie et ésthetique comparée“ erklärt der französische Kunstphilosoph Etienne Souriau, dass der Roman vier formale Eigenschaften besitzt, die seine Übertragung in die Sprache des Film Probleme bereitet. Es sind die Elemente der Zeit, des Tempos, des Raumes und des Gesichtswinkels (point de vue)8.

Trotzdem darf man die Möglichkeiten des Filmes nicht unterschätzen, denn die Arbeit, die der Filmregisseur leisten muss, um dem Roman einigermaßen gerecht zu werden, ist nicht gerade leicht, wenn man dabei bedenkt wie schnell Kritiker sich ein negatives Urteil über Literaturverfilmungen bilden.

Der Roman ist keine filmgerechte literarische Form.

Die Tatsache, dass sich die Gegenüberstellung von Film und Literatur sich als problematisch erweist, ist offensichtlich und wegen der Komplexität dieses Themas, kann man nur wenige Aspekte ansprechen.

3. Madame Bovary im Roman von Gustave Flaubert

3.1. Persönliche Entwicklung von Madame Bovary

Wer ist Madame Bovary?

Emma Bovary ist eine Bauerntochter, erzogen in einem Klosterpensionat, in dem sie Sticken, Klavier spielen und sich fromm unterzuwerfen lernt. Besonders gerne verträumt sie ihre Zeit mit romantischen Liebeslektüren. Sie heiratet einen Landarzt, namens Charles. Seit der Geburt ihrer Tochter Berthe ist sie zutiefst unzufrieden.

Unmengen von Geld gibt sie für kostbare Teppiche, Möbel und Stoffe aus. Ihr treuer Ehemann langweilt sie zu Tode. Sie fängt eine Affäre mit dem Edelmann Rodolphe an, plant mit im zu fliehen, der sie aber dann enttäuscht, als er ihren Plan zur gemeinsamen Flucht ablehnt.

Zutiefst verletzt und verzweifelt wird Emma krank. Nach ihrer Genesung gibt sie fleißig weiter das Geld ihres ahnungslosen Mannes aus und beginnt eine Affäre mit dem jungen Anwalt Léon.

Durch ihre Verschwendung und der Gier nach Luxusartikeln, hat das Ehepaar Bovary hohe Schulden, die sie nicht zurückzahlen können.

Emma vergiftet sich in dieser auswegslosen Situation mit einem Fläschchen Arsen und stirbt vor den Augen ihres vor Kummer zerstörten Ehemanns.

Emma Bovary wird von Gustave Flaubert als eine junge Frau mit schwarzen Haaren, schönen braunen Augen, die durch die Wimpern fast schwarz wirken, beschrieben.

„Ce qu’elle avait de beau, c’étaient les yeux ; quoiqu’ils fussent bruns, ils semblaient noirs à cause des cils, et son regard arrivait franchement à vous avec une hardiesse candide.“9

Ihre Jugend verbringt sie in einem Kloster, wo man sie nach wirklichkeitsfremden

Vorstellungen und Bedürfnissen bildet. Als junges naives Mädchen denkt sie, dass ihr die Zukunft nur Schönheit und Glück bieten werde. Nachdem Tod ihrer Mutter holt ihr Vater sie wieder zurück auf den Hof. Dort beginnt sie das Personal, wie eine Hausherrin herumzukommandieren und genießt diese Macht. Trotzdem ist Emma unzufrieden mit ihrem Leben. Dies ändert sich scheinbar, als der Landarzt Charles Bovary kommt, um ihren kranken Vater zu behandeln.

[...]


1 Wolfgang Gast: Literaturverfilmung. Bamberg, C.C. Buchners 1999

2 Washington Post Verfasser: Hal Hinston,1991, (aus d. engl. übersetzt)

3 vgl. http:// www.uni-erfurt.de/kommunikationswissenschaft/ konzeption/Intermed.htm. (27.11.2003)

4 vgl. Metzler Lexikon: Literatur- und Kulturwissenschaft /Medientheorien

5 Zit. n Faulstich, Werner Medientheorien: Einführung und Überblick, Göttingen 1991, (Seite 13)

6 Zit. n Metzler Lexikon: Literatur- und Kulturwissenschaft /Medienwechsel

7 vgl. Metzler Lexikon: Literatur- und Kulturwissenschaft /Medienwechsel

8 vgl. Kracauer, Friedrich: Theorie des Films, Frankfurt/Main, 1973

9 Flaubert, Madame Bovary, Moers de province, texte & contextes, Magnard 1992, (S.59/62)

Details

Seiten
18
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638499255
ISBN (Buch)
9783638779296
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v54812
Institution / Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf – Romanistisches Institut
Note
2,0
Schlagworte
Madame Bovary Roman Film Vergleich Literaturverfilmung

Autor

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