Lade Inhalt...

EU-Maßnahmen gegen Menschenhandel

Essay 2006 7 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Europäische Union

Leseprobe

I. Was ist Menschenhandel?

Laut der Europäischen Kommission (EK), Generaldirektion Justiz und Inneres, ist Menschenhandel eine Form des organisierten Verbrechens, das nötigende, bedrohende und betrügerische Handlungen ebenso einschließt wie Handlungen, die die Würde einer Person verletzen sowie dem Zweck der sexuellen Ausbeutung (insbesondere von Frauen und Kindern) oder der Ausbeutung von Arbeitskräften dienen.

II. Primär- und sekundärrechtliche Grundlagen

Gemäß Art. 5 Abs. 3 der Grundrechte-Charta der Europäischen Union (EU) ist Menschenhandel unter den Vertragspartnern verboten. Als Legitimationsquelle zum Tätigwerden der EU dienen EGV und EUV: Nach Art. 61 EGV erlässt der Rat „Maßnahmen zur Verhütung und Bekämpfung der Kriminalität“. Explizit erwähnt wird „Menschenhandel“ in Art. 29 EUV, der als Ziel die „Verhütung und Bekämpfung der – organisierten und nichtorganisierten – Kriminalität, insbesondere des Terrorismus, des Menschenhandels und der Straftaten gegenüber Kindern [...]“ nennt. Im Februar 1997 erließ der Rat hierzu eine erste Gemeinsame Maßnahme um gemeinsame Regeln für die Bekämpfung des Menschenhandels festzulegen, ein effizienteres Vorgehen gegen bestimmte Formen der illegalen Einwanderung und eine intensivere Zusammenarbeit der Justizbehörden in Strafsachen zu erreichen. Die Mitgliedsstaaten (MS) müssen seitdem sicherstellen, dass Menschenhandel in ihren Ländern als Straftat geahndet und auch Beteiligung, Versuch oder Anstiftung dazu mit wirksamen, verhältnismäßigen und abschreckenden Strafen bedroht wird. Ferner sollen sie Instrumente und Erträge dieser Straftaten einziehen sowie Einrichtungen schließen, die der Begehung von Straftaten dienen. Hierfür mussten sich die MS angemessene Untersuchungskompetenzen und techniken aneignen, um wirksame Ermittlungen und Strafverfolgung zu gewährleisten. Zusätzlich sollten die MS Maßnahmen treffen, um einen angemessenen Schutz von Informationen liefernden Zeugen und bei Ermittlungen ein Höchstmaß an grenzüberschreitender justizieller Zusammenarbeit zu garantieren. Zusätzlich sind die MS angehalten, eine möglichst rasche Bearbeitung von Rechtshilfeersuchen zu gewährleisten. Seit August 2002 wird die Gemeinsame Maßnahme durch einen in den Zielen verbindlichen Rahmenbeschluss ersetzt, den die MS bis August 2004 umsetzen mussten. Dieser sah die Bekämpfung des Menschenhandels durch die Angleichung der Rechtsvorschriften der MS auf dem Gebiet der polizeilichen und justiziellen Zusammenarbeit in Strafsachen sowie die Einführung gemeinsamer Vorschriften auf europäischer Ebene vor, welche die Themen Anklage, Sanktionen, erschwerende Umstände, Gerichtsbarkeit und Auslieferung umfassten. Hintergrund war die Forderung der Staats- und Regierungschefs („Wiener Aktionsplan“, Gipfeltreffen von Tampere) nach weiteren Vorschriften im Bereich des Menschenhandels. Ergänzt wurde der Rahmenbeschluss 2003 durch eine Entschließung des Rates. Darin wurde u. a. auf die Strukturfonds ESF und EFRE verwiesen, mit denen auch Maßnahmen zur Unterstützung der Opfer zu finanzieren seien. Weiter rief der Rat die MS auf, die internationalen Übereinkünfte wie das Protokoll von Palermo, zu ratifizieren und umzusetzen sowie nationale Berichterstatter und ein Beobachtungssystem zum Menschenhandel zu implementieren.

III. Geförderte Projekte

Erstmals 1996 hat der Rat eine Gemeinsame Maßnahme für die Aufstellung des Mehrjahresprogramms STOP angenommen, in dessen Rahmen von 1996 bis 2000 aus dem allgemeinen Haushalt Informations-, Fortbildungs- und Austauschmaßnahmen sowie Studien und Forschungsarbeiten zum Thema Menschenhandel mit einem Gesamtbudget von 6,5 Mio. – damals noch - ECU - finanziert wurden. Das Programm förderte koordinierte Initiativen zur Bekämpfung des Menschenhandels und zur Auffindung vermisster Minderjähriger. Außerdem wurden damit disziplinenübergreifende Begegnungen für Personen durchgeführt, die für Maßnahmen gegen den Menschenhandel verantwortlich zeichneten. Adressaten waren z. B. Richter, Staatsanwälte, Angehörige von Polizeidiensten und öffentlichen Dienststellen, Beamte, Grenzschützer und Sozialrechtler. Die EK fungierte wie bei den folgenden Programmen als Durchführungsorgan und erstattete dem EU-Parlament und dem Rat jährlich Bericht. Nach einer, wie die Mitglieder des Rates sagten, erfolgreichen Umsetzung verlängerten sie das Programm durch einen Beschluss um weitere zwei Jahre. Ziele von STOP II waren zusätzlich zu jenen aus STOP I die Ausarbeitung und Umsetzung einer europäischen Politik, die Vernetzung und Verbreitung von Informationen, die Beteiligung der Beitrittsländer an den Maßnahmen sowie die Zusammenarbeit mit Drittländern und internationalen Organisationen. Es blieb beim gleichen Adressatenkreis. Bei der Auswahl der Projekte wurde die EK vom neu gegründeten STOP-II-Ausschuss unterstützt. Es standen für STOP II 4 Mio. € zur Verfügung.

[...]

Details

Seiten
7
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638498920
Dateigröße
368 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v54770
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1,9
Schlagworte
EU-Maßnahmen Menschenhandel Haushaltspolitik

Autor

Teilen

Zurück

Titel: EU-Maßnahmen gegen Menschenhandel