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Das Telefoninterview

Seminararbeit 2001 13 Seiten

Politik - Methoden, Forschung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil
II.1. Entwicklungsprozess des Telefoninterviews in der BRD und in den USA
II.2. Methodik
II.2.1. Telefondichte
II.2.2. Telefonstichprobe und Probleme bei der Telefonstichprobe
II.2.2.1. Telefonstichprobe
II.2.2.2. Probleme bei der Telefonstichprobe
II.2.3. Auswahlverfahren
II.3. Organisation und Durchführung
II.3.1. Unterschied zentrale und dezentrale Administrationsform
II.3.2. Computer Assisted Telephone Interview
II.3.3. Vorgehensweise im Interview
II.4. Vergleich Telefoninterview und persönliches Interview

III. Schluss

IV. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

„Keine Methode der Datenerhebung hat sich in der Markt- und Meinungsforschung

so rapide verbreitet wie das telephonische Interview in den vergangenen zehn Jahren“. (Diekmann: S.429)

Diese Aussage illustriert den Siegeszug des Telefoninterviews in der empirischen Sozialforschung. Galt jene Befragungsart von ihren Anfängen in den 40er Jahren in den USA bis in die 70er Jahre hinein als schnelle, billige und qualitativ minder- wertige, kurz „quick and dirty“- Methode, so ist sie heute als Datenerhebungs- instrument in der empirischen Sozialforschung nicht nur allgemein akzeptiert, sondern sogar vorherrschend.

Wo liegen die Gründe für diesen Trend? Folgende Punkte erweisen sich als besonders relevant: Zum einen können Daten, durch die Befragung am Telefon , schneller erhoben werden, d.h. das Institut spart durch jene Befragungsart Zeit und somit auch Geld. Die mündlichen Interviews bringen neben steigenden Kosten, vor allem im Personalbereich, auch sinkende Teilnahmequoten mit sich. Der entscheidende Grund für die Durchsetzung des Telefoninterviews ist, dass sich das Telefon als Kommunikationsmittel etabliert hat und dass fast die gesamte Bevölkerung via Telefon erreichbar ist (Schnell/ Hill/ Esser: S.341).

Im Folgendem möchte ich einleitend einen kurzen Ländervergleich zwischen den USA und der BRD, anhand des unterschiedlichen Entwicklungsprozesses des Telefoninterviews, vornehmen. Ferner werde ich auf die Methodik beim und während des Telefoninterviews eingehen. Es folgt die Analyse der Organisation und der Durchführung von Telefonbefragungen und ich schliesse den Hauptteil in einem Vergleich zwischen telephonischen und persönlichen Interview ab, in dem ich deren Vor- und Nachteile resümiere.

II. Hauptteil

II.1. Entwicklungsprozeß des Telefoninterviews in der BRD und in den USA

Wie in der Einleitung schon kurz erwähnt, hatte das am Telefon durchgeführte Interview seinen Ursprung in den 40er Jahren in den USA. Doch welche Faktoren verursachten die differente Dauer des Siegeszuges des Telefoninterviews zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Bundesrepublik Deutschland?

Zum einen lag das an dem, in der empirischen Sozialforschung in den USA, wesentlich früher einsetzendem Streit über die Methodik, als in der BRD, die erst mit „erheblicher Zeitverzögerung in diese methodische Diskussion eintrat“ (Brückner: 1985).

Das Telefoninterview setzte sich in den USA auch aus Kostengründen gegenüber dem persönlichem Interview durch: Aufgrund des offenen Telefonmarkts in den Vereinigten Staaten waren die Gebühren dort um einiges geringer als auf dem monopolisierten Telefonmarkt in der BRD, was für die deutschen Institute nicht zu vernachlässigende Mehrkosten bedeutete.

Ausserdem waren die Vorbehalte gegenüber dem Telefoninterview in Europa größer als in den USA (Frey/ Kunz/ Lüschen: S.24). Ferner war die Telefondichte in BRD, auf die ich im folgenden Kapitel noch genauer eingehen will, lange nicht auf so hohem Niveau, wie in den USA. Im damaligen Westdeutschland kann man erst um 1990 von Vollversorgung, einer Telefondichte von mehr als 95%, sprechen (Roth: S.64). In den USA gab es schon ab Mitte der 80er Jahre eine Telefondichte von 96% und mehr (Frey/ Kunz/ Lüschen: S.35).

Die genannten Gründe und eine höhere gesellschaftliche Akzeptanz des Telefons in den Vereinigten Staaten haben dazu geführt, dass in den USA mittlerweile 50 bis 90% aller Interviews telefonisch durchgeführt werden. In Deutschland beträgt diese Quote nur ca. 40%, wobei der Trend auch bei uns ganz klar in Richtung Vormachtstellung der telefonischen Befragung läuft (Schnell/Hill/ Esser: S.341).

II. 2. Methodik

Im Folgenden möchte ich die Rahmenbedingungen für die Durchführung von Telefoninterviews vorstellen, danach werde ich das methodische Vorgehen bei der Stichprobenkonstruktion sowie der Auswahlrealisierung erläutern und erörtern, welche Probleme dabei auftreten können.

II. 2. 1. Telefondichte

Die geringe Telefondichte und die damit verbundene mangelnde Repräsentativität der Daten waren in der empirischen Sozialforschung lange Zeit das Hauptargument gegen die Datenerhebung am Telefon.

Der Vorwurf der mangelnden Repräsentativität stammt aus den 30er Jahren, als in einer Telefonumfrage des Literary Digest 1936 fälschlicherweise ein hoher Sieg des Republikaners Landon über den Demokraten Roosevelt prognostiziert worden war. Die Untersuchungsgesamtheit dieser Untersuchung waren Teilnehmer im Telefon- buch sowie Autozulassungen, wodurch zum damaligen Zeitpunkt Angehörige höherer Einkommensgruppen deutlich bevorzugt waren (Frey/ Kunz/ Lüschen S. 24).

Heutzutage ist das Problem der geringen Telefondichte nahezu gelöst: Wie im Kapitel II. 1. erwähnt, kann man in den alten Bundesländern der BRD ab 1990 von einer Telefondichte von über 95%, also Vollversorgung, sprechen. Ab einer Telefon- dichte von 95% kann man als Grundlage das Telefonbuch zur Rekrutierung einer Stichprobe verwenden. Dies gilt als verlässliche Basis zur Ermittlung von validen und repräsentativen Daten (Roth S.64).

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Details

Seiten
13
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638498739
ISBN (Buch)
9783638752015
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v54750
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg – Institut für Politische Wissenschaft
Note
2,3
Schlagworte
Telefoninterview Politische Stimmung Wählerverhalten Methoden Erkenntnisse Politbarometer

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Titel: Das Telefoninterview