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Die langfristigen Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise auf das politische System von El Salvador

Hausarbeit (Hauptseminar) 2003 19 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Mittel- und Südamerika

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Gesellschaftliche Situation in El Salvador vor der Weltwirtschaftskrise
a. Wirtschaft
b. Politisches System und Gesellschaftsstruktur

3. Unmittelbare Folgen der Weltwirtschaftskrise in El Salvador
a. Einfluss auf Wirtschaft und Politik von 1929- 1931
b. Entwicklung von den ersten freien Präsidentschaftswahlen bis zur „Matanza“
c. Aufkommen und Konsolidierung des Martinez- Regimes

4. Langfristige Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise in El Salvador

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Weltwirtschaftskrise, die mit dem grossen Börsencrash in New York am 24.10.1929 dem sogenannten „Black Thursday“ einsetzte, hatte immense Auswirkungen auf die nationalen Ökonomien aber auch auf den internationalen Handel.

Die Folgen für die jeweilige Volkswirtschaft resultierten aus deren Strukturen. Faktoren wie hoch der Grad der Abhängigkeit der Nachfrage vom Ausland, also vom Export gewesen ist, welche Güter bzw. welches Gut primär exportiert wurde und ob diese Güterproduktion eher landwirtschaftlich oder industriell geprägt war, spielen eine zentrale Rolle, denn sie determinieren die Stärke der Konsequenzen der Krise auf die nationale Ökonomie.

In Lateinamerika war die Wirkung der „Grossen Depression“ stark zu spüren, da die Produktion in erster Linie auf Export landwirtschaftlicher Waren ausgerichtet war und diese Preise schneller verfielen als jene für Industriegüter, was die Anfälligkeit des exportorientierten Entwicklungsmodells, mit einseitiger Ausrichtung, d.h. ohne Diversifikation, demonstriert.[1]

„By the first months of 1930 the colllapse of international trade and finance had undermined all Latin

American economies. The fragility of the traditional export model of development became evident as the

principal commodity markets in the United States and Europe closed their doors to coffee, sugar, beef

etc.The economic downturn generated enormous social and political tensions throughout the subcontnent.

In the space of two years every state in the region suffered a coup d’ etat or revolution“[2]

Um die von Carlos Marichal in seinem Buch „ A century of debt crises in Latin America“ beschriebenen Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise, also von den ökonomischen Folgen auf das politisch und gesellschaftlich- soziale System handelt vorliegende Arbeit.

Ziel ist, die strukturellen Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise auf Wirtschaft, Politik und Gesellschaft in El Salvador zu analysieren, sowie zu klären ob die Grosse Depression als zentrale Ursache für die Entstehung der Militärdiktatur in El Salvador betrachtet werden kann

Einleitend werde ich zunächst darstellen, wie sich die Strukturen der Wirtschaft vom Ende des 19. Jahrhunderts bis ins Jahr 1929 verändert hat und integrierend auf die Entwicklung des politischen sowie gesellschaftlichen Systems eingehen, ohne welche die Folgen der Weltwirtschaftskrise nicht verständlich gemacht werden könnten.

Im Zentrum meiner Ausführungen stehen die unmittelbaren, also eher kurz- und mittelfristigen Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise auf die Ökonomie sowie deren Konsequenzen auf die anderen Subsysteme in El Salvador. Dabei soll geklärt werden, wie stark die Volkswirtschaft des kleinsten Landes Zentralamerikas tatsächlich tangiert wurde und welche unmittelbaren Konsequenzen dies für Gesellschaft und Politik bedeutete.

Abschließend werde ich eine kurze Betrachtung der Langzeitfolgen der „Grossen Depression“ auf das politische System vornehmen und klären, welche Determinanten diese Entwicklung wie stark mitbedingt haben.

Aufgrund des begrenzten Befassens der Literatur mit dem Land El Salvador, vor allem in der Zeit um die Weltwirtschaftskrise, stellt das Buch „Prosperität und Krise in einer Kaffeerepublik“ von Jan Suter, sowie der Aufsatz von Hans Werner Tobler „Depressionsdiktaturen in Zentralamerika“ tragende Rollen bei der Bearbeitung der Fragestellung nach den unmittelbaren Konsequenzen der „Grossen Depression“ auf das politische System dar. Ich habe versucht dies durch vermehrten Gebrauch von Literatur zu den allgemeinen Wirkungen der Krise auf Latein- und Zentralamerika zu kompensieren und denke meine Fragestellung mit der verwendeten Literatur adäquat beantworten zu können.

2. Gesellschaftliche Situation in El Salvador vor der Weltwirtschaftskrise

Primäres Ziel der folgenden Ausführungen ist es einen groben Überblick über die Situation der salvadorianischen Gesellschaft vor Beginn der Weltwirtschaftskrise zu liefern.

Ich werde dabei zunächst auf die ökonomische Seite eingehen und darstellen, wie sich das (kaffee-) exportorientierte Wirtschaftsmodell in El Salvador durchgesetzt hat, sowie dessen Konsequenzen auf das politische System, das in der Herrschaft einer Oligarchie, die Literatur spricht von der Herrschaft der „14 Familien“, mündet. Ferner illustriere ich die Gesellschaftsstruktur sowie die sich ergebenden sozialen Disparitäten innerhalb der salvadorianischen Gesellschaft.

a. Wirtschaft

Die Wirtschaft El Salvadors entwickelte sich in den ersten drei Dekaden des 20. Jahrhunderts zu der „most dynamic in Central America“.[3]

Doch wie kam dieser Aufschwung der Volkswirtschaft des kleinsten Landes Zentralamerikas zustande? Um diese Frage zu beantworten muss man einen Blick auf die Struktur der Wirtschaft und vor allem des Exports werfen:

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erhöhte sich die Nachfrage auf den europäischen Märkten nach salvadorianischen Produkten wie z.B. dem Farbstoff Indigo. Es kann davon gesprochen werden, dass die salvadorianische Wirtschaft sehr früh vom Exportsektor, und somit von den konjunkturellen Schwankungen der Weltwirtschaft, abhängig war, da der Exportsektor bei der Erwirtschaftung des Bruttoinlandsprodukts[4] kontinuierlich an Bedeutung gewann. An der Exportabhängigkeit der salvadorianischen Wirtschaft änderte sich auch bis zum Beginn der Weltwirtschaftskrise nichts, nur das Hauptexportgut wurde ein anderes: Indigo wurde durch vermehrten Kaffeeanbau substituiert. Noch 1865 hatte der Anteil des Kaffees in Anteilen von den Gesamtexporten nur 5% betragen, durch politischen Protektionismus waren es 1879 schon 50%, ehe 1930 >95% aller Gesamtausfuhren Kaffee waren.[5] Die Abhängigkeit El Salvadors von einem Exportgut und somit von dem Weltmarktpreis für Kaffee barg sowohl enorme Chancen, als auch Risiken für die Gesamtwirtschaft in sich. Die Wirtschaft war quasi nur auf den Export (von Kaffee) ausgerichtet, Aufschwungs- und Wachstumsimpulse entstammten nahezu ausschließlich aus jenem Sektor.[6] Die Wirtschaft El Salvadors entwickelte sich zur dynamischsten Lateinamerikas, weil der Exportsektor stark boomte. Die Weltmarktpreise für Kaffee waren von 1922 an und auch in den Jahren vor dem ersten Weltkrieg kontinuierlich gestiegen, was höhere Umsatzerlöse und höhere Gewinne für die Kaffeewirtschaft bedeutete und aufgrund der Abhängigkeit der salvadorianischen Gesamtwirtschaft von jenem Preis, waren auch insgesamt Wachstumsraten zu konstatieren, die jedoch nur auf die effiziente Kaffeewirtschaft zurückzuführen waren[7].

Die hohen Gewinne, die die (Kaffee-) Wirtschaft in jenen Jahren hervorbrachte, wurden jedoch ungerecht, d.h. nicht proportional verteilt, was Folgen auf das politische und gesellschaftliche System hatte, auf die ich im folgendem Kapitel näher eingehen möchte.

b. Politisches System und Gesellschaftsstruktur

Wie zu Beginn des Kapitels 2. erwähnt, spricht man in El Salvador von einer oligarchischen Herrschaft, der Herrschaft von den „14 Familien“. Diese entstand gegen Ende des 19. Jahrhunderts durch zwei Teilaspekte:

Zum einen durch den Übergang von Indigo- zur Kaffeeproduktion. Dies brachte eine Kaffeeoligarchie, bestehend aus europäischen Immigranten sowie alteingesessenen Pflanzerfamilien hervor. Die Monopolisierung der Macht zugunsten der Kaffeeoligarchie wurde durch die „Liberale Reform“ von 1886 entscheidend gestärkt, da diese den liberalen Nachtwächterstaat propagierte und die Privatisierung des Bodenbesitzes forcierte, indem gemeinschaftlicher Landbesitz abgeschafft und verboten wurde.[8]

Die Liberale Reform leitete somit eine Entwicklung ein, welche die ökonomische und politische Macht in El Salvador auf Jahrzehnte monopolisieren sollte. In der Regierungspraxis stellte sich dies derart dar, dass das Präsidentenamt innerhalb der Kaffeeoligarchie „weitergereicht“ wurde, da der Präsident nur auf vier Jahre gewählt und nicht (direkt) wiedergewählt werden konnte. Von 1911- 1927 „regierte“ eine Familiendynastie, da alle Präsidenten die einander folgten, miteinander verwandt waren, die Melendez- Quinonez Dynastie.

Diese Zeit zeichnete sich , vor allem nach Ende des ersten Weltkrieges, durch enormes ökonomisches Wachstum der exportorientierten Kaffeeindustrie und damit verbunden der Gesamtwirtschaft aus.[9]

[...]


[1] Vgl. Tobler S. 221

[2] Vgl. Marichal S. 201ff

[3] Vgl. Cambridge History of Latin America Bd. VII S. 252

[4] Im folgenden als BIP bezeichnet.

[5] Daten aus Boris/ Rausch S. 132ff

[6] Vgl. hierzu im Anhang die Tabelle „BIP und Wertschöpfung nach Sektoren von 1920-1930“

[7] Vgl. im Anhang hierzu die Entwicklung der Kaffeepreise von 1910- 1930

[8] Vgl. Suter S.16

[9] Alleine 29,5% des BIP wurde vom Exportsektor erwirtschaftet. Vgl. Suter S.132

Details

Seiten
19
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638498722
ISBN (Buch)
9783638752008
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v54749
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg – Institut für Politische Wissenschaft
Note
2,3
Schlagworte
Auswirkungen Weltwirtschaftskrise System Salvador Große Depression Transformation Systeme

Autor

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