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Exegese der Kainerzählung Genesis 4, 1-16

Hausarbeit 2004 29 Seiten

Theologie - Biblische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Textkritik

Literarkritik

Redaktionsgeschichte

Überlieferungsgeschichte

Formgeschichte

Historischer Ort

Traditionsgeschichte

Wirkungsgeschichte

Interpretation

Anhang

Literaturverzeichnis

Einleitung

Der Wortlaut der Bibelstelle Genesis 41-16 stimmt in verschiedenen Bibelausgaben – wie andere Bibeltexte auch –

nicht wörtlich überein. Im Folgenden wird die Übersetzung,

die der ursprünglichen Lesart am nächsten kommt ermittelt, um damit die genannte Bibelstelle in weiteren Schritten zu analysieren und schlussendlich zu interpretieren.

Textkritik

Im ersten Arbeitsschritt werden sechs verschiedene Übersetzungen der oben angeführten Bibelstelle verglichen und die Unterschiede bewertet. Ziel der Textkritik ist es, aus den verschiedenen Textquellen die ursprünglichste Lesart herauszufinden, mit der weiter gearbeitet wird. Zum Vergleich wurden die Luther-, Zürcher-, Jerusalemer-, Elberfelder-Bibel, die Bibel von Rosenzweig und Buber und die Bibelstelle des Echter-Bibel Kommentars herangezogen.

Bei genauer Betrachtung der verschiedenen Textquellen zeichnen sich viele Unterschiede ab. Die meisten dieser Unterschiede gehen auf die Übersetzer zurück, sind also stilistischer Natur. Vers eins beispielsweise beginnt in der Luther- und Jerusalemer-Bibel mit „[...] Adam“, dagegen beginnt in der Zürcher-, Elberfelder-, Rosenzweig-Bibel und dem schon genannten Kommentar derselbe Vers mit „[...] der Mensch“.

In Vers zwei wird Abel in der Luther- und Zürcher Bibel als „Schäfer“, in den anderen genannten Bibeln als „Schafhirt“ beschrieben. Kain wird in der Lutherbibel als „Ackermann“, in der Rosenzweig-Bibel als „Diener des Ackers“ und in den anderen Bibeln als „Ackerbauer“ bezeichnet.

Nachdem Kain den Abel getötet hat, spricht der Herr in Vers zehn in der Lutherbibel mit Kain und sagt, „Die Stimme des Blutes deines Bruders schreit zu mir von der Erde“. „Horch, das Blut deines Bruders schreit zu mir empor vom Ackerland“ heißt es in der Zürcher Bibel und fast denselben Wortlaut, „[...] schreit zu mir vom Ackerboden her“, findet man in der Elberfelder Bibel. Auch in der Jerusalemer Bibel „[...]schreit [das Blut] zu mir vom Ackerboden.“ In der Bibel von Rosenzweig heißt es „[...]die Stimme des Geblüts deines Bruders schreit zu mir aus dem Acker“ und in dem Kommentar „[...] ruft [die Stimme des Blutes deines Bruders] zu mir vom Erdboden her“.

Es gibt aber auch inhaltliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Textquellen. Zum Beispiel findet sich in Vers acht in der Luther- und in der Zürcher Bibel der Satz „Laß uns aufs Feld gehen!“, der dem Ausruf in der Jerusalemer Bibel „Gehen wir aufs Feld!“ entspricht. Sowohl in der Elberfelder-, als auch in der Bibel von Rosenzweig und in der Bibelstelle des Kommentars wurde in Vers acht diese Aufforderung Kains gänzlich ausgelassen. An dieser Stelle sollte festgehalten werden, dass nach der Regel lectio brevior lectio potior [1] eine der zuletzt genannten Übersetzungen die ursprüngliche Lesart sein könnte. Und auch laut dem Echter Bibel Kommentar kann durchaus „[...] die kürzere Ausdrucksweise [...] ursprünglich sein“[2].

In Vers dreizehn ist in der Luther-, in der Zürcher-, und in der Elberfelder Bibel von der zu großen oder zu schweren „Strafe“ Kains die Rede. Sowohl in der Jerusalemer Bibel, als auch im Kommentar wird von Kains „Schuld“ und in Rosenzweigs Bibelübersetzung wird von seiner „Verfehlung“ gesprochen. Wenn von der zu großen oder zu schweren Schuld bzw Verfehlung die Rede ist, wird die zu bestrafende Tat bereut und als Fehler anerkannt. Im Gegensatz dazu steht die zu große bzw. zu schwere Strafe. Wird diese als untragbar erachtet, wird nicht die Tat bereut, sondern die Strafe als zu hart und eventuell ungerecht empfunden.

Sowohl in der Luther Bibel als auch in der Zürcher Bibel sagt der Herr „[...] wer [...] Kain totschlägt [...]“, wogegen in der Jerusalemer-, in der Elberfelder Bibel und im Kommentar von „jeder“ und in der Rosenzweig Bibel von „allwer“ gesprochen wird.

In der Luther-, Zürcher- und Elberfelder Bibel wird in Vers sechzehn über Kain gesagt, er „[...] wohnte im Land[e] Nod, [...]“. Die Jerusalemer Bibel und der Kommentar gebrauchen hingegen den Begriff „sich niederlassen“ und in Rosenzweigs Übersetzung „[...] wurde [er] erst seßhaft im Lande Nod, [...]“. Der Unterschied zwischen wohnen und sich niederlassen bzw sesshaft werden liegt darin, dass das Wohnen zeitlich begrenzt sein kann, während jemand, der sich an einem Ort niedergelassen hat bzw seßhaft wurde, nicht mehr von jenem Ort wegziehen wird, sich also auf diesen festgelegt hat.

Meines Erachtens ist die Bibelübersetzung Rosenzweigs die schwierigste Lesart und so laut der Regel lectio difficilior lectio probabilior [3] die ursprüngliche. Damit werden sich die weiteren Schritte ausschließlich auf diese Quelle beziehen.

Literarkritik

Im zweiten Arbeitsschritt soll der Text von seinem Kontext abgegrenzt, der Aufbau analysiert und eine eigene Gliederung erstellt werden. Ziel ist es, herauszufinden, ob der Text von einem Schriftsteller verfasst oder aus verschiedenen schriftlichen Quellen zusammengesetzt wurde.

Die Geschichte von Kains Brudermord in Genesis 41-16 ist innerhalb der Urgeschichte nach dem Sündenfall (Gen 31-324) und vor Kains Nachkommen (Gen 417-24) zu finden.

Der Text beginnt in Vers 1 mit einer festen Anfangsformel („Der Mensch erkannte Chawwa sein Weib, sie wurde schwanger, und sie gebar den Kajin“), die auch an anderen Stellen der Bibel, wie zum Beispiel in Gen 417 („Kajin erkannte sein Weib, sie wurde schwanger und gebar den Chanoch“) zu finden ist.

In Vers 16 endet die Erzählung vom Brudermord(„[...] und wurde erst seßhaft im Lande Nod, [...], östlich von Eden.“) ähnlich wie die Erzählung vom Sündenfall in 324 („Er vertrieb den Menschen und ließ vor dem Garten von Eden ostwärts die Cheruben wohnen“).

In Genesis 41+2 werden Kain und Abel geboren, und somit werden sie in die Erzählung eingeführt. Weiter wird ersichtlich, welche Berufe die beiden ausüben. Ab Vers 3 beginnt die eigentliche Erzählung, die Brüder bringen ihre Opfer dar und Kain wird wütend über die Nichtachtung seines Opfers durch Gott. In den Versen sechs und sieben spricht Gott Kain darauf an und warnt ihn davor, eine Sünde zu begehen. Kain missachtet diese Warnung und bringt im folgenden Vers seinen Bruder Abel um. In Vers neun bis einschließlich fünfzehn unterhält sich Gott mit Kain und dieser nutzt die ihm gebotene Chance, sein Vergehen zu gestehen, nicht. Dafür verflucht ihn Gott und Kain muss schließlich in Vers sechzehn den Ackerboden verlassen.[4]

Die Geschichte von Kain und Abel ist wahrscheinlich eine Parallelerzählung zu der Geschichte vom Sündenfall. Der Mensch begeht eine Sünde, indem er die verbotene Frucht kostet bzw. seinen Bruder tötet. Gott stellt den Menschen zur Rede, gibt ihm eine Chance, seine Schuld zu beichten, doch er schiebt die Schuld dem Partner zu oder, wie in Gen 41-16, leugnet seine Schuld, indem er mit einer Gegenfrage antwortet. Die Konsequenz daraus ist die Verstoßung aus dem Paradies bzw. vom Ackerboden. Besonders durch den Vers 16 („[...] östlich von Eden“) wird die Verknüpfung mit der Paradieserzählung deutlich. Die starke Ähnlichkeit der beiden Erzählungen legt nahe, dass die Kainerzählung bewusst der Paradiesgeschichte angepasst wurde.[5]

Ein Hinweis darauf, dass die Brudermorderzählung nicht von Anfang an als Fortsetzung der Paradiesgeschichte gedacht war, sondern erst nachträglich eingefügt wurde, liefert die Feststellung, dass die Viehzucht in der Paradiesgeschichte noch nicht existiert. Dder Mensch ist hier für den Ackerbau bestimmt, und zwar ausschließlich dafür. Außerdem widerspricht auch Jabal, der Urvater aller Hirten, der erst in Gen 420 als Sohn des Lamech und der Ada auftritt, der Annahme, dass die Kainerzählung von Anfang an als Weiterführung der Gartenerzählung gemeint war, sonst wäre Abel nicht Hirte sondern Ackerbauer gewesen..[6]

Bei genauerer Betrachtung wird weitergehend auffällig, dass an einigen Stellen wesentliche Aussagen im Text fehlen. In Vers fünf beachtet Gott Abels Opfer, doch das des Kain nicht. Woher weiß Kain, dass Gott sein Opfer nicht anerkennt? Hermann Gunkel zufolge fehlt an dieser Stelle die Antwort auf diese Frage. Er ist der Meinung, dass ein guter Erzähler diesen Aspekt „[...] nicht der Phantasie des Lesers überlassen, sondern [...] ihn anschaulich darstellen [muss].“[7] Auch in Vers acht, als Kain zu Abel spricht, fehlt ihm der Dialog als Fortsetzung.[8]

Für Westermann ist der Text ebenfalls nicht einheitlich und sehr knapp. Zusätzlich führt er an, dass das Motiv für den Mord nicht genannt wird und zwischen der Geburt der Brüder und deren Berufsangaben ein harter Sprung vorliegt.[9]

Für Hermann Gunkel ist die Tatsache, dass „[...] eine Motivierung des Namens Abels fehlt, während der des Quain erklärt wird“[10] ein entscheidender Hinweis darauf, dass an der Entstehung des Textes mehrere Hände beteiligt waren.

Redaktionsgeschichte

In diesem Arbeitsschritt wird nach dem theologischen Profil der einzelnen Quellentexte und Redaktionsschichten gefragt. Ziel ist die Erarbeitung des theologischen Profils und die redaktionelle Einbettung des Textes in seinen Kontext.

[...]


[1] Proseminar I: AT, Stuttgart 1999, 45

[2] Echter Bibel, AT, erster Band, Würzburg 1955, 34

[3] Proseminar I: AT, Stuttgart 1999, 45

[4] vergl. Tabelle 2 im Anhang

[5] vergl. Neue Echter Bibel, Würzburg, 1983, 62f

[6] vergl. Genesis,Zwickau,Sachsen 1966,40ff und Bibellexikon,Wien 2004,235

[7] Genesis, Zwickau,Sachsen 1966,43

[8] vergl. Genesis, Zwickau,Sachsen 1966,44

[9] vergl. Biblischer Kommentar, Neukirchen-Vluyn 1974,391

[10] Genesis, Zwickau,Sachsen 1966,41

Details

Seiten
29
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638497480
ISBN (Buch)
9783640917044
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v54579
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
2,2
Schlagworte
Exegese Kainerzählung Genesis

Autor

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Titel: Exegese der Kainerzählung Genesis 4, 1-16