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Die Kunst der Karriere - aus politikwissenschaftlicher Sicht

Hausarbeit (Hauptseminar) 2003 26 Seiten

Politik - Sonstige Themen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichtlicher Überblick

3. Politikerkarrieren

4. Fazit

5. Quellen

1. Einleitung

Eine Karriere in der Politik ist heute für viele eine attraktive Alternative, um an Geld und Einfluss zu kommen. Manche sehen in der Arbeit des Politikers einen Lebenstraum, den es zu verwirklichen gilt. Doch für eine Karriere in der Politik gibt es jede Menge Dinge, die man berücksichtigen sollte. Im Laufe dieser Arbeit möchte ich nun entwickeln, unter welche Kategorien eine Politikerkarriere zu fassen ist. Hierzu bemühe ich die Vergangenheit, um Vergleichsmöglichkeiten zu haben. Schon bei Machiavelli gab es unterschiedliche Wege, um Karriere in der Politik zu machen. Jede Ära hatte unterschiedliche Voraussetzungen und brachte unterschiedliche Karrieretypen hervor. Um den Rahmen nicht zu sprengen, gehe ich nur exemplarisch auf einzelne Hintergründe ein, um zu beleuchten, wie Karrieren in den verschiedenen Epochen idealtypisch abliefen. Am Ende dieser Hausarbeit werde ich zwei Politiker – George W. Bush und Junichiro Koizumi – unter die Kategorien, die ich erarbeitet habe, zusammenfassen, um so den praktischen Bezug herzustellen und zu zeigen, was sie bisher richtig oder falsch gemacht haben. Für den Einstieg ist es erst notwendig, einige Begriffe zu erläutern.

So wird Karriere allgemein assoziiert mit dem Aufstieg im Berufsleben. Karriere stammt ursprünglich aus dem lateinischen und dem französischen und bedeutet übersetzt soviel wie Beförderung oder Laufbahn. Carrière war im 18. Jahrhundert in Frankreich eine Pferderennbahn und noch heute heißt so die schnellste Gangart bei Pferden, die man nur unter Einsatz der Peitsche erreicht. Im 19. Jahrhundert nannten die Kavalleristen ihre Reiterattacke Karriere. Kennzeichnend dafür ist die Schnelligkeit und Aggressivität des Vorrückens. Im Französischen bezeichnet Carrière auch Steinbruch. Durch die verschiedenen Bedeutungen entsteht ein genaueres Bild von Karriere. Das Besondere an der Karriere ist die Schnelligkeit und die Art und Weise des Aufstiegs. Um das Ziel von Karriere – Macht – zu erreichen, ist es wichtig vorbereitet zu sein und eine Taktik und eine Strategie zu haben.

Taktik kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Kunst der Anordnung und Aufstellung“[1]. Eine berechnende Art und Weise des Vorgehens, um ein Ziel zu erreichen. Nach Carl von Clausewitz ist die Taktik „die Lehre vom Gebrauch der Streitkräfte im Gefecht“[2]. Dies bedeutet, dass von Clausewitz in den Streitkräften ein Mittel sieht, um den Zweck des Krieges, nämlich den Sieg, zu erreichen. Auf die Karriere zurückgeführt, bedeutet das, dass der Gebrauch meiner Fähigkeiten und meines Wissens ein Mittel ist, um überhaupt Karriere zu machen. Wann ich welche Informationen über mich oder andere preisgebe, ist zum Beispiel schon ein taktischer Schachzug, der der Karriere dienlich sein könnte.

Strategie hat seine etymologischen Wurzeln im antiken Griechenland. Dort wurde ungefähr 550 v. Chr. mit strategos der Heeresführer bezeichnet. Das Wort Strategie setzt sich aus den beiden griechischen Worten stratos (das Heer) und agein (führen) zusammen und kann somit als Heeresführung übersetzt werden. Strategie bedeutet heute, einen genauen Plan des eigenen Vorgehens zu haben, der dazu dienen soll, ein Ziel zu erreichen. Dabei sollten möglichst alle Faktoren und Hindernisse von vorneherein einkalkuliert werden. Carl von Clausewitz definiert Strategie im zweiten Buch seines Werkes „Vom Kriege“[3]. Danach ist Strategie „die Lehre vom Gebrauch der Gefechte zum Zwecke des Krieges“[4]. Dies bedeutet, dass der Sieg des Krieges nur Mittel ist, um den endgültigen Zweck der Strategie, nämlich den Frieden, zu erreichen. Auf die Karriere bezogen, kann eine Strategie sein, einen Partner zu opfern. Ihn also zu entlassen, um die eigene Position zu stärken. Ein japanisches Sprichwort besagt, „ein kluger Falke verbirgt seine Krallen“[5]. Man soll also nicht immer alle Karten, die man in der Hand hält, zeigen muss, sondern alle nacheinander klug ausspielen, um den eigenen Vorteil zu wahren.

2. Geschichtlicher Überblick

In der Vergangenheit gab es unterschiedliche Möglichkeiten, um Karriere zu machen. Ziel war es aber immer, wie ich bereits in der Einleitung geschrieben habe, soviel wie möglich Macht zu erlangen. Dieses Ziel konnte auf den unterschiedlichsten Wegen erreicht werden. Wichtig waren neben dem Weg auch der Erhalt und der Ausbau der Machtposition.

Macht hat, wer will

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Niccolo Machiavelli

Einer der bekanntesten und auch einer der ersten Vertreter, die über Macht und Karriere im Allgemeinen geschrieben haben war Niccolo Machiavelli. Seine Zeit ist von Umwälzungen geprägt. Ab dem Jahre 1500 zerfällt die Welt in einen chaosähnlichen Zustand. Die Kirche verliert an Strahlkraft und einzig ein starker Herrscher kann ein Garant für Sicherheit sein. Machiavelli stellte mit seiner Schrift „Der Fürst“ Regeln für die Karriere, aber auch für den Machterhalt auf. Laut Machiavelli kann derjenige Macht erlangen, der einen geordneten Staat gründen, sichern und garantieren kann. Die Wahl der Mittel zur Durchsetzung von Recht und Ordnung darf dabei nicht durch moralische Bedenken eingeschränkt werden. Politik ist demnach ein Interessens- und Machtkampf. Von hoher Wichtigkeit ist, dass Machiavelli von einem negativen Menschenbild ausgeht. „Denn ein Mensch, der in allen Dingen nur das Gute tun will, muss unter so vielen, die das Schlechte tun, notwendig zugrunde gehen. Daher muss ein Fürst, der sich behaupten will, imstande sein, schlecht zu handeln, wenn die Notwendigkeit es erfordert.“[6] Für Machiavelli ist einzig die Zweckmäßigkeit entscheidend und daher legt er sich auch nicht auf eine bestimmte Staatsform fest. Sie muss funktionieren.

Macht hat, wer handelt

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Jakob Fugger

Im Frühkapitalismus war es die Aufgabe des Familienoberhauptes, das meistens über eine Großfamilie herrschte, die Vermehrung des Familienbesitzes voranzutreiben. Die Entdeckung Amerikas, die Erschließung des Seeweges nach Ostindien und die Erfindung des Buchdrucks schufen gute Voraussetzungen für einen intensiveren Handel. Das Beispiel der Fugger zeigt, dass das Oberhaupt solch einer Großfamilie Sachwissen und jede Menge Energie benötigte.

Die schwäbische Kaufmannsfamilie hatte es im 16. Jahrhundert zu Weltgeltung gebracht. Ihr gehörte das Kupfermonopol in Europa – und somit auch die Zulieferung für die Münzpressen. Der Stammvater des Geschlechts, Jakob Fugger, genannt der Reiche (1459-1525), führte das Fugger´sche Bankhaus an die Spitze in Europa. Zu den Kunden zählten der Papst, Kaiser Maximilian I. und Kaiser Karl V. Letzterer konnte nur dank des Fugger´schen Geldes seine Wahl zum Kaiser finanzieren. In dieser Zeit war es wichtig, sich immer an den Zeitgeist anzupassen und Innovationen nicht zu verpassen. Fleiß wurde durch sozialen Aufstieg belohnt. Diese Kausalitätskette prägt die Geschichte der Fugger, die dazu beitrugen, die Arbeitsteilung weiter zu entwickeln.

Macht hat, wer plant

In der Zeit des Merkantilismus oder auch Kameralismus wurde der Glaube an die Planbarkeit Mode. Auf den tatenhungrigen Unternehmer folgt im 16. Jahrhundert der Projektor. Unter einem Projektor versteht man einmal soziale und politische Reformer, Erfinder und Erneuerer der Arbeitswelt, aber auch Schwindler, Quacksalber und Alchemisten. Ein Projektor plant, um dann die Mittel richtig einsetzen zu können. Untergebene leitet er an und appelliert an ihren Verstand, an ihr Können und ihre Ausdauer. Bezeichnend für einen Projektor ist, dass er in Abhängigkeit zu seinen Geldgebern steht und dadurch seinen Untergebenen viel Verständnis entgegenbringt. In der Politik muss der Herrscher alle Maßnahmen gut durchdenken und am besten nur sich selbst vertrauen. „Ein System kann nur aus einem Kopfe entspringen; also muss es aus dem des Herrschers hervorgehen“[7]. Den Ministern wirft Friedrich der Große vor, dass sie nur versuchen ihre Macht zu erhalten und nicht an das Wohl aller denken. Deshalb besetzen sie wichtige Stellen mit Günstlingen. Der Herrscher hingegen, besetzt die Posten mit verdienstvollen Leuten, um so den Staat wirtschaftlich und politisch voran zu bringen.

Macht hat, wer frei ist

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Friedrich Krupp

Im ausgehenden 18. Jahrhundert wird dann Freiheit zum Grundbegriff der Aufstrebenden. Auf göttliche Fügung verlässt sich der Bürger ungern, den Mächtigen oder Reichen traut er auch nicht mehr und so nimmt er sein Glück selbst in die Hand. Das Zeitalter steht unter der Aussage Immanuel Kants „Der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“[8]. Bildungssysteme sind entworfen, Bibliotheken und Sammlungen angelegt, barocke Bauten errichtet, Opern und Theater gefördert und eine hohe Musikkultur entwickelt worden. Standesschranken bleiben trotz freier Wirtschaftspolitik erhalten. Der Adel bleibt die staatstragende Schicht. John Locke verteidigt die englische Revolution von 1688 mit der These, dass „alle Menschen von Natur aus die gleichen Rechte besäßen“[9]. Fleiß, Solidarität, Anständigkeit, Treue, Ehrlichkeit und Maßhalten sind die Bestandteile des Arbeitsethos. Am politischen Geschehen nehmen immer mehr Unternehmer teil, für die es lebensnotwendig wird, weil öffentliche Belange auch ihre eigenen sind und weil die Politik über ihre Betriebsführung bestimmt.

[...]


[1] Meyers Taschenlexikon, Mannheim/Wien/Zürich 1990, Seite 315

[2] Clauswitz, Carl von: „Vom Kriege“ Erstes Buch, Berlin 1832, Seite 92

[3] Clausewitz, Carl von: „Vom Kriege“ Zweites Buch, Berlin 1836

[4] Clausewitz, Carl von: „Vom Kriege“ Zweites Buch, Berlin 1836, Seite 157

[5] „Japan auf einen Blick“ Ausgabe 78/2003, Hamburg, Oktober 2003 und auf http://www.hamburg.emb-japan.go.jp/dframe.htm download vom 22. Oktober 2003

[6] Machiavelli, Niccolo: Der Fürst, Insel Verlag, Frankfurt 1990, Seite 77

[7] Friedrich der Große; „Der Herrscher ist der erste Diener“; in Weimer, Alois und Wolfram; „Die Kunst der Karriere“; Frankfurt 1996; Seite 80

[8] Weimer, Alois und Wolfram; s.o.; Seite 101

[9] Weimer, Alois und Wolfram; s.o.; Seite 102

Details

Seiten
26
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638497053
ISBN (Buch)
9783638866408
Dateigröße
961 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v54528
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Institut für Poltikwissenschaft
Note
2,0
Schlagworte
Kunst Karriere Sicht Einführung Strategie Taktik

Autor

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Titel: Die Kunst der Karriere - aus politikwissenschaftlicher Sicht