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Die Theorie des Rollenkonflikts nach Robert K. Merton

Hausarbeit 2002 20 Seiten

Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen

Leseprobe

Inhalt

1.) Einleitung

2.) Soziale Position

3.) Soziale Rolle
3.1) Rollentheorie nach Parsons
3.2) Die erweiterte Rollentheorie nach Merton

4.) Rollenkonflikte
4.1) Der Intrarollenkonflikt
4.2) Der Interrollenkonflikt

5.) Lösungsansätze
5.1) Lösung für den Intrarollenkonflikt
5.1.1) „Der Mechanismus der unterschiedlichen Intensität des Rollenengagements der Personen im Rollenset“
5.1.2) „Der Mechanismus der Machtunterschiede der zum Rollenset gehörenden Personen“
5.1.3) „Der Mechanismus des Schutzes der Rollenaktivitäten vor der Übersehbarkeit für die Mitglieder des Rollensets“
5.1.4) „Der Mechanismus der den Mitgliedern des Rollensets gebotenen Übersehbarkeit der an die Inhaber eines sozialen Status gerichteten widersprüchlichen Anforderungen“
5.1.5) „Der Mechanismus der sozialen Unterstützung durch andere Personen mit gleichem sozialen Status und gleichen Schwierigkeiten im Umgang mit einem schlecht integrierten Rollenset“
5.1.6) „Verkleinerung des Rollensets: Abbruch von Rollenbeziehungen“
5.2) Lösung für den Interrollenkonflikt

6.) Schlussbetrachtung

1.)Einleitung

Die Rollentheorien haben in der Soziologie eine wichtige Stellung. Hillmann erläutert den Begriff der Rollentheorien als eine „Sammelbezeichnung für eigenständige oder in umfassendere Theorien (Handlungs-, Verhaltens- oder Systemtheorie) eingebundene theoretische Ansätze, in denen mit Hilfe des Konzepts der soz. Rolle Hypothesen und Modelle für die Erklärung von soz. Verhaltensweisen und Konflikten in verschiedenartigen Interaktions- bzw. Beziehungssystemen formuliert und konstruiert worden sind“. (HILLMANN 1994, Seite 747).

Von großer Wichtigkeit sind die Theorien für die Soziologie, da sie eine gewissen Voraussagbarkeit der Handlungen implizieren. OPP stellt in „Soziales Handeln Rollen und soziale Systeme“ über Rollentheorien fest, dass diese eine äußerst wirksame Strategie darstellen, mit der die Sozialwissenschaft neues Wissen über Bedingungen, die konkretes Verhalten auslösen akkumulieren kann. (OPP 1970, Seite 2).

Anwendung finden die Rollentheorien in der Soziologie in verschiedenen Bereichen. So kann man sie in Schichtmodellen wie z.B. der von Hartfiel finden, in der es um die Rollenorientierung in Familien geht, (HARTFIL 1981, Seite 89) oder auch im „Theoretischen Modell sozialer Strukturdynamik“ von Schimank. Hier soll die Erwartbarkeit, die an eine Rollen geknüpft wird, erläutert werden. (SCHIMANK, 1999, Seite 11 und Seite 142)

Ebenso finden diese Theorien auch immer wieder im täglichen Leben Aktualität, z.B. das Handeln der Individuen und hier speziell bei unerwarteten Handlungsmustern. Solche Zuwiderhandlungen werden häufig mit dem Konzept der Rollenkonflikte versucht zu erklären. Ein Beispiel hierfür ist der Amoklauf eines 19 Jahre alten Schülers in Erfurt, der 16 Menschen in seiner ehemaligen Schule erschossen hat. Nach solchen Ereignissen wird häufig die Frage gestellt warum Menschen nicht in die an ihre Rolle Handlungsmustern agieren? Die Theorie der Rollenkonflikte kann bei einer solchen Frage versuchen Lösungsansätze zu liefern. So wird in dem oben genannten Beispiel des Schülers von einer Überlastung gesprochen die er in seiner Rolle des Schülers empfunden hat und die ihn zu einem nicht seiner Rolle entsprechenden Handeln gebracht hat.

Als erster Schritt in dieser Arbeit sollen die zum besseren Verständnis der Rollentheorie wichtigen Begriffe der „Sozialen Position“ und der „Sozialen Rolle“ definiert werden.

Im Anschluss daran soll die für die Rollentheorie der Soziologie grundlegende struktur- funktionale Theorie Parons erläutert werden. Die Darstellung der Rollentheorie Parsons ist für diese Arbeit von Wichtigkeit, da sie Merton als Grundlage seiner Theorie diente. Merton war um die „Weiterentwicklung und die praktische Anwendung der strukturell-funktionalen Theorie bemüht“. (HILLMANN 1994, Seite547).

Im Anschluss an diese Darstellung soll dann auf die erweiterte Rollentheorie von Robert K. Merton eingegangen werden. Die Darstellung der Erweiterungen sind für die daraus abzuleitenden Konflikte wichtig. Anhand dieser Erweiterung können die sich daraus ergebenden Konflikte und die in der Soziologie erörterten Lösungsansätze dargestellt werde.

2.)Soziale Position

Die soziale Position gibt das Handeln der Person vor. Sie wird als „der statische Aspekt“ (SCHÄFER 2000, Seite 34) angesehen.

Dahrendorf versteht unter sozialen Positionen, „die Menge von Positionssegemten“. (DAHRENDORF 1974, Seite 142). Er führt das Beispiel des Studienrates an, dessen soziale Position aus den Segmenten des „Studienrat-Schüler“, „Studienrat-Eltern“, „Studienrat-Kollege“ und „Studienrat-Vorgesetzter“ besteht. (vgl. DAHRENDORF 1974, Seite 142). Hier sind deutlich die verschiedenen Handlungspartner der Position des Studienrates zu sehen.

Auch wenn Positionen prinzipiell unabhängig von Personen in einer Gesellschaft existieren, so hängt doch ihr Überleben und Funktionieren immer auch von der richtigen Besetzung ab. Eine Person kann mehrere Positionen besitzen. (vgl. HILLMANN 1994, Seite 680).

Soziale Positionen geben den Schnittpunkt verschiedener Beziehungen und den Standpunkt des Individuums in der Gesellschaft wieder.

3.)Soziale Rolle:

Unter diesem unverzichtbaren Analyseinstrument der Soziologie (vgl. GELLER 1994) wird im allgemeinen „die Summe der Erwartungen und Ansprüche von Handlungspartnern, einer Gruppe, umfassender sozialer Beziehungsbereiche oder der gesamten Gesellschaft an das Verhalten und das äußere Erscheinungsbild des Inhaber einer sozialen Position“ bezeichnet. (HILLMANN 1994, Seite 742).

Dahrendorf schreibt jeder sozialen Position die ein Mensch einnimmt gewisse Verhaltensweisen zu, die er zu erfüllen hat. Diese Erwartungen die an ihn gestellt werden, sind die Grundlagen für seine Rolle. Zu jeder sozialen Position gehört eine soziale Rolle. (vgl. DAHRENDORF 1974, Seite 134).

Soziale Rollen sind für die Bildung einer Gesellschaft von grundlegender Wichtigkeit. „Verlässlichkeit, Dauerhaftigkeit und Erwartbarkeit sind die Dimensionen, die soziale Rollen zu einem grundlegenden Element des Sozialen machen, zu einer Kategorie, die die Verschränkung von Individuum und Kultur (Gesellschaft, Sozialkultur) besonders anschaulich zum Ausdruck bringt“ (SCHÄFER 2000, Seite 33)

An den Träger einer bestimmten sozialen Position sind normative Erwartungen geknüpft. Der Rollenbegriff ist immer in Verbindung mit der entsprechenden sozialen Position, die der Handelnde vertritt, zu betrachten.

Bewertet wird das Einhalten der Rollen von der Bezugsgruppe. Diese Gruppe gibt dem Handelnden vor, was er in bestimmten Positionen zu tun hat. Eventuelle Sanktionen, positiver oder negativer Art, erfolgen über diese Bezugsgruppen.

R.Linton, der als Begründer des Rollenbegriffs gesehen wird, bezeichnet die soziale Rolle als den „dynamischen Aspekt“ der sozialen Position. Linton unterscheidet in zugeschriebene Rollen, wie z.b. die Herkunft, Alter und Geschlecht und die erworbenen Rollen. (vgl. SCHÄFER 2000, Seite 34)

Die Rollen sorgen in der Gesellschaft für ein regelmäßig und vorhersagbares Verhalten der Individuen. Interaktionen erhalten durch sie eine gewisse Planbarkeit und somit eine Verlässlichkeit.

3.1) Rollentheorie nach Parsons

Talcott Parsons zählt zu den großen Klassikern der Soziologie. In seiner Strukturell-funktionalen Theorie wurde er von dem Physiologen L.J.Henderson , dem Ökonomen A. Marshall und dem Funktionalismus von Malinowski beeinflusst. (vgl. HILLMANN 1994, Seite 652). Diese Theorie versucht soziale Phänomene zu analysieren. Im Mittelpunkt stehen die Begriffe der Struktur und der Funktion. Es findet bei jedem sozialen Problem ein Rückbezug auf das existierende soziale System als Ganzes statt. (vgl. HILLMANN 1994, Seite 847).

Die grundsätzliche Frage, die Parsons sich in seiner Theorie stellt ist wie in einer Gesellschaft Ordnung entsteht und wie diese Ordnung erhalten werden kann. Elemente die zum Erhalten einer Gesellschaftsstruktur beitragen werden als funktional, solche welche die Wirksamkeit des Systems beeinträchtigen als dysfunktional bezeichnet. (vgl. ABELS 1999, Seite 74).

Wobei jedoch die „Kategorie der Dysfunktion“ als eine „im Grunde residuale Kategorie, die im Rahmen der struktur-funktionalen Theorie keinen Platz findet“ (DAHRENDORF 1974, Seite 239) gesehen wird.

Ein elementarer Teil einer Gesellschaftsstruktur ist das Handeln der Individuen. Jedoch kann dieses Handeln nach Parsons „nicht in seiner Totalität, sondern nur durch einen gegebenen differenzierten Sektor seines Systems sozialer Beziehungen dargestellt, und wird vorwiegend als >Rolle< bezeichnet“ gesehen werden.(vgl. DAHRENDORF 1974, Seite 228).

Handeln wird in Parsons s Theorie immer von drei Systemen beeinflusst.

Dem „kulturellen System“, in diesem System sind Normen und Werte einer Gesellschaft verankert. Handlungen sind immer auch kulturell geprägt und von Gesellschaft zu Gesellschaft unterschiedlich. Jedes kulturelle System hat z.B. seine eigenen Symbole. Dieses System nimmt die höchste Stufe ein, es wird den anderen beiden übergeordnet.

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Details

Seiten
20
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638133135
ISBN (Buch)
9783656058342
Dateigröße
458 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v5444
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen – Soziologie
Note
hervorragend gegliedert
Schlagworte
Rollentheorie Merton Intrarollenkonflikt Interrollenkonflikt Parsons

Autor

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