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Die Zeitdarstellung und die Erzählperspektiven im Roman "La coscienza di Zeno"

Hausarbeit (Hauptseminar) 2020 15 Seiten

Romanistik - Italienische u. Sardische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Biografie Italo Svevos

Inhalt La coscienza di zeno

Typenkreis der Erzählsituationen nach Stanzel

Erzähltheorie nach G. Genette

Allgemeine Analyse

Analyse Prefazione und Preambolo

Analyse Il fumo

Fazit S.

Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Einleitung

Im Rahmen dieser Hausarbeit möchte ich die Zeitdarstellung in Italo Svevos Roman La coscienza di Zeno analysieren und mit der Erzählperspektive bzw. den Perspektivwechseln innerhalb des Romans verknüpfen.

Für die Analyse habe ich die italienische Ausgabe verwendet und zusätzlich mit der deutschen Ausgabe Zenos Gewissen aus dem Jahr 2011 gearbeitet.

Nach einem kurzen Überblick über Italo Svevos Biografie und seine weiteren Werke, erläutere ich die in dieser Hausarbeit zur Analyse verwendeten Erzähltheorien nach Gérard Genette und Franz Karl Stanzel.

Die sich anschließende allgemeine Analyse bezieht sich auf alle Kapitel des Buches. In meiner Analyse möchte ich den Schwerpunkt auf die zeitliche Strukturierung des Romans legen und anhand von Genettes Theorie erfassen. Eine sehr detaillierte Analyse nehme ich jedoch nur für die Kapitel Prefazione, Preambolo und Il fumo vor. Im Rahmen dieser Analyse wird die Erzählsituation innerhalb der Kapitel anhand Stanzels Erzähltheorie erörtert.

Biografie Italo Svevos

Italo Svevo wurde am 19. Dezember 1861 in Triest geboren. Sein eigentlicher Name war Hector Aaron Schmitz, genannt wurde er jedoch nur Ettore Schmitz. Seine literarischen Veröffentlichungen erfolgten unter dem Pseudonym Italo Svevo, welches übersetzt “italienischer Schabe” bedeutet.

Als Kind besuchte er ein deutsches Internat. Später studierte er an der Handelsschule in Triest. Als das Unternehmen seines Vaters zusammenbrach, begann er, um Geld zu verdienen, in einer Bank zu arbeiten. Sein Wunsch war jedoch schon immer eine Laufbahn als Schriftsteller gewesen, weshalb er einige Jahre später eine Reise nach Florenz antrat, um dort das florentinische Italienisch zu lernen. Bereits früh begann er neben seiner Arbeit Theaterstücke und für verschiedene Zeitungen zu schreiben.1

Sein erster Roman Una vita erschien 1882, blieb jedoch eher unbemerkt und erfolglos. Bald folgte 1898 sein zweiter Roman La senilità, doch auch danach blieb der erhoffte Erfolg aus. Als Svevo einige Jahre später in der Berlitz School in Triest sein Englisch verbessern wollte, traf er dort auf James Joyce. Es stellte sich heraus, dass dieser begeistert war von seinen Werken. Schon in seiner Jugend entwickelte Svevo ein starkes Interesse für die Philosophie Schopenhauers und für Kafkas und Freuds Werke. Nach dem ersten Weltkrieg übersetzte er Die Traumdeutung von Freud ins Italienische, wodurch er zum erstes Mal Kontakt mit der Psychoanalyse erhielt. Daraufhin folgte 1923 sein dritter Roman La coscienza di Zeno. Zunächst blieb auch hier der Erfolg aus. Erst durch den Einsatz von James Joyce erlangte dieser Roman Bekanntheit, da dieser eine französische Ausgabe vorschlug, die schlussendlich erfolgreich wurde und Svevo zu mehr Erfolg verhalf. Am 13. September 1928 verstarb er an den Folgen eines Autounfalls, weshalb sein vierter Roman unvollendet blieb. Viele Jahre nach seinem Tod wurden seine Werke sehr bekannt, erfreuten sich großer Beliebtheit und übten einen wichtigen Einfluss auf die italienische Literatur aus.[2]

Inhalt La coscienza di Zeno

Der Protagonist dieses Romans ist Zeno Cosini, ein Familienvater und erfolgreicher Unternehmer in seinen Fünfzigern. Im Rahmen einer Psychotherapie wird er von seinem Arzt dazu veranlasst, sein Leben als Autobiographie niederzuschreiben. Nach einigen Versuchen gelingt ihm der Rückblick auf seine Kindheit und er beginnt sein Leben „aufzurollen“.

Zeno war in jungen Jahren ein Student, der verschiedene Fächer ausprobiert, nie ein Studium beendete und vom Geld seines Vaters, eines erfolgreichen Unternehmers, lebte. Er ist der Meinung sein Leben nicht selbst in der Hand zu haben, sondern offenbart das Gefühl einer Fremdbestimmung. Dieses Lebensgefühl bringt er in sechs Kapiteln zum Ausdruck.

Das erste Kapitel Il fumo erzählt von den vergeblichen Versuchen, sich das Rauchen abzugewöhnen. Immer wieder ist Zeno davon überzeugt, seine ultima sigaretta zu rauchen, doch jedes Mal hat er eine Entschuldigung dafür, wieder rückfällig geworden zu sein.

Das zweite Kapitel La morte di mio padre ist der Beziehung zu seinem Vater gewidmet. Zeno beschäftigt sich mit dem Tod des Vaters, der ohne ein weiteres Wort stirbt, nachdem er ihn ohne ersichtlichen Grund geohrfeigt hat.

In La storia del mio matrimonio beschreibt er, dass er gerade die Tochter des befreundeten Unternehmers Malfenti als Ehefrau erhält, die er nicht wollte. Dennoch entwickelt sich die Ehe mit der zielstrebigen und selbstbewussten Augusta gut.

Das hindert Zeno nicht daran, in La moglie e l´amante eine Geliebte zu haben. Diese ist ein Mädchen aus ärmlichen Verhältnissen und verkörpert somit eine Abwechslung zur großbürgerlichen Eintönigkeit seines Lebens. Am Ende verlässt sie Zeno jedoch.

Kapitel fünf Storia di un ´associazione commerciale erzählt die Geschichte des Unternehmens, das Zeno mit seinem Schwager Guido gegründet hatte. Nachdem dieser sich aus Versehen umbringt, übernimmt Zeno die Leitung des väterlichen Unternehmens.

Auch wenn Zeno selbst der Meinung ist, er habe im Leben nichts erreicht, hat er zu diesem Zeitpunkt seinen Konkurrenten Guido ausgeschaltet, das Geschäft übernommen, hat einen Sohn und führt eine glückliche Ehe.

Im letzte Kapitel Psico-analisi schreibt Zeno in Tagebuch-Form die Ereignisse, die bis zu dem jeweiligen Eintrag geschehen sind. Er hat die Psychotherapie abgebrochen und möchte nach ungefähr einem Jahr Pause wieder mit Schreiben beginnen, allerdings nicht mehr für den Doktor S., denn er ist mit dessen Analyse und dem Ergebnis der Therapie nicht zufrieden. Seine eigenes Fazit besteht darin, dass die ganze Gesellschaft krank sei.

Die gesamte Geschichte zeigt, dass Zeno ein wankelmütiger und wenig selbstbewusster Mensch ist. Er hat mit vielen Dingen im Leben zu kämpfen und hat stets das Gefühl, seine Mitmenschen wollten ihm nichts Gutes und das Leben wäre immer gegen ihn. Dies führt dazu, dass er sich immer wieder Krankheiten einbildet, wobei jedoch nie eine körperliche Ursache festgestellt wird. Um dem weiter nachzugehen, beginnt er die Psychotherapie und erhofft sich dort Antworten.

Typenkreis der Erzählsituationen nach Stanzel

Franz Karl Stanzel wurde 1923 in Österreich geboren. Er ist ein bekannter Literaturwissenschaftler und Anglist, der sich vornehmlich auf englische Literatur beschränkte. Seit den 1950er Jahren arbeitete er an einer Typologie der Erzählperspektive und veröffentlichte zu diesem Thema mehrere Bücher.[3]

In einem fiktionalen Text schaltet sich sowohl zwischen Autor und die erzählte Geschichte als auch zwischen die Geschichte und den Leser eine vermittelnde Instanz: Der Erzähler oder die Erzählinstanz.[4]

Stanzel unterscheidet zwischen Ich-Erzähler, personalem Erzähler und auktorialem Erzähler. Der Ich-Erzähler berichtet nur als eine einzige Person und spricht in der ersten Person Singular. Zum Ausdruck kommen vor allem das Innerste dieser Person: Emotionen, Gedanken, Meinungen. Bei dieser Form des Erzählens scheinen Figur und Erzähler miteinander zu verschmelzen, denn die Figur befindet sich mitten in der Geschichte und ist ein Teil von ihr. Der Erzähler kann dabei nur wahrnehmen und wiedergeben was die Figur sieht und erlebt. Die Perspektive des personalen Erzählers entspricht nur der Wahrnehmung einer einzigen Person. Er ist durch die Sicht und den Aufenthaltsort dieser Person eingeschränkt, denn darüber hinaus kann er nichts erzählen. Dies erweckt für den Leser den Eindruck, der Erzähler wäre am Geschehen beteiligt. Der auktoriale Erzähler schließlich ist allwissend. Aus einer der Geschichte übergeordneten Position kann er alles sehen und berichten. Er ist dabei weder zeitlich, örtlich noch an eine bestimmte Figur gebunden. Er kann seine Sicht und seinen Aufenthaltsort jederzeit wechseln. Oft führen diese Kriterien dazu, dass der Leser ihn für den Autor hält. Dies ist jedoch nicht der Fall, denn auch der auktoriale Erzähler ist reine Fiktion und wird erst durch den Autor kreiert.[5]

Des Weiteren unterscheidet Stanzel in seiner Typologie zwischen verschiedenen Elementen, die für die Stellung des Erzählers in und zu seiner Geschichte bestimmt sind.

[...]


[1] Vgl.: Wunderlich, Dieter: S. 1

[2] Vgl.: Linder, 2011, S. 1

[3] Vgl.: Silmarien, S. 1

[4] Vgl.: Ebenda, S. 1

[5] Vgl.: Gorzolla, 2013, S. 68-69

Details

Seiten
15
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783346143105
ISBN (Buch)
9783346143112
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v537757
Note
Schlagworte
zeitdarstellung erzählperspektiven roman zeno

Autor

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Titel: Die Zeitdarstellung und die Erzählperspektiven im Roman "La coscienza di Zeno"