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Soziale Ungleichheit und Prozesse der Statusbildung anhand der Methode "Schritt nach Vorne"

Hausarbeit 2019 20 Seiten

Pädagogik - Interkulturelle Pädagogik

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Humandifferenzierung und Kategorisierung
2.1. Arten der Kategorisierungen
2.2. Die Bedeutungen von Kategorisierungen

3. Kategorisierungen als Determinanten sozialer Ungleichheiten
3.1. Der Begriff der sozialen Ungleichheit
3.2. Dimensionen sozialer Ungleichheit in Korrelation zum „Status“

4. systematische Zusammenfassung

5. Methode: Schritt nach Vorn
5.1. Analyse der Methode
5.1.1. Analyse der Kategorisierungen
5.1.2. Analyse der Situationen und Ereignisse
5.1.3. Zusammenwirken von Kategorisierungen und Zugang zu wertvollen Gütern

6. Fazit: Potential und Kritik an der Methode Schritt nach Vorn

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung:

„Alle sind gleich, doch manche sind gleicher als andere. In dieser Übung erfahren die Teilnehmenden, wie es in ihrer Gesellschaft ist, ‚anders‘ zu sein.“ (Brander 2005, S. 132)

Diese Beschreibung wurde von Brander für die Übung „Schritt nach Vorn“ gewählt und verweist auf zweierlei.

Zunächst gibt es den Verweis darauf, was es bedeutet in einer Gesellschaft „anders“ zu sein. Diese Frage führt zu weiteren Fragen: „Anders als wer? Und welche Determinanten sorgen dafür, dass ich anders bin oder anders gemacht werde?“ Der Frage nach dem Anders-Sein soll sich der erste Teil dieser Arbeit widmen. Dazu sollen zunächst exemplarisch Möglichkeiten der Humandifferenzierung vorgestellt werden. Danach wird die Bedeutung dieser Kategorisierung für die Herstellung von Ordnung und Verortung herausgearbeitet, welche Grundlage dafür ist, warum aus zunächst neutralen Unterscheidungen Determinanten sozialer Ungleichheit werden. Dies verweist auf den ersten Teil des Zitats „Alle sind gleich, doch manche sind gleicher als andere“.

Die sozialwissenschaftliche und politische Auseinandersetzung in Bezug auf soziale Ungleichheit und Diskriminierung lassen sich darin zusammenfassen, dass es eine deutliche Diskrepanz gibt zwischen dem Selbstverständnis moderner Gesellschaften, die in Anlehnung an aufklärerische Gedanken aus freien und gleichen Individuen besteht und der Realität ungleicher Lebensbedingungen und Lebenschancen (vgl. Scherr 2014, S. 1).

Im zweiten Theorieblock soll sich darum an das Phänomen der sozialen Ungleichheit angenähert werden. Nach einer begrifflichen Bestimmung werden die Basisdimensionen der sozialen Ungleichheit vorgestellt. Die Ergebnisse der beiden Theorieblöcke werden systematisiert und mit dem Prinzip der Statusbildung verknüpft.

Nach der theoretischen Auseinandersetzung wird die Methode „Schritt nach Vorn“ vorgestellt und nach dem oben genannten Prinzip von Aspekten der Kategorisierung dem ungleichen Zugang zu wertvollen Gütern und deren Zusammenwirken analysiert. Dies soll dem vorangestellten Prinzip als Veranschaulichung dienen. Dabei soll die Frage beantwortet werden, wie es im Verlauf der Methode zu einer heterogenen Statusverteilung kommt. Im Fazit wird darüber hinaus noch auf das Potential und die Schwierigkeiten der Übung eingegangen.

2. Humandifferenzierung und Kategorisierung

Hirschauer unterscheidet kulturelle Phänomene im Gegensatz zu naturhaft gegebenen Unterschieden darin, dass sie aus „kontingenten sinnhaften Unterscheidungen bestehen, die von historisch und geografisch spezifischen Kontexten geprägt sind.“ (Hirschauer 2014, S. 170). Die Unterscheidungen können wie beim Geschlecht oder beim Alter an quasi-biologische Merkmale anknüpfen oder können auch von vornherein menschengemachte Kategorien sein, wie der Beruf oder die ethnische Zugehörigkeit (vgl. Hradil 2001, 34 f.). Der erste Teil der Arbeit soll sich mit den wichtigsten dieser Differenzierungen auseinandersetzen: Mit jenen, mit denen sich die Unterscheider selbst voneinander unterscheiden. Diese markieren soziale Zugehörigkeiten, bestimmen über die Zusammensetzung von Gruppen, schreiben Individuen Mitgliedschaften zu und subjektivieren sie in spezifischen kulturellen Kategorien (vgl. Hirschauer 2014, S. 170). Diese, im Alltag als „individuelle Eigenschaften“ wahrgenommen Effekte werden soziologisch als Mitgliedschaften gefasst, die auf den Zugehörigkeiten zu Kollektiven beruhen (vgl. ebd.). Die Wahrnehmung von Individualität ist daher als Resultat aus vielfältigen, heterogenen Zugehörigkeiten zu Kollektiven zu verstehen.

2.1. Arten der Kategorisierungen

Die sozialwissenschaftliche Beobachtung zeigt, dass es eine enorme Heterogenität und Varianz von Kategorisierungen gibt, die Grundlage von Humandifferenzierung sind (vgl. Hirschauer 2014, S. 171). Neben den traditionsreichen kulturgeschichtlichen Kategorisierungen wie Alter und Geschlecht gibt es stratifikatorische Differenzierungen wie Klassen und Statusgruppen sowie Unterscheidungen in Bezug auf Generationen, Milieus und Berufsgruppen, aber auch Differenzierungen nach Dialekt oder Attraktivität (vgl. Hirschauer 2014, S. 171)1. Exemplarisch seien an dieser Stelle einige entscheidende Leitdifferenzen vorgestellt.

Die Geschlechtsdifferenz ist eine der ältesten Formen der Humandifferenzierung. Dabei handelt es sich meist um eine binäre Kategorisierung. Neben der biologischen Unterscheidung, die als „natürliche Unterscheidung“2 (Sex) zu verstehen ist, gibt es auch das soziale Geschlecht (Gender), welches die Individuen mit geschlechtsspezifischen Zuschreibungen und damit mit essenzieller Verschiedenartigkeit ausstattet. Kessler/McKenna (1978) sprechen in diesem Zusammenhang auch von „kulturellen Genitalien“. Ethnizität ist als imaginierte Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft zu verstehen, deren Mitglieder an eine Vorstellung von gemeinsamer Kultur und Abstammung glauben. Diese Vorstellung beruht bspw. auf kulturellen Praktiken, Ursprungsmythen oder körperlichen Ähnlichkeiten (vgl. Hirschauer 2014, S. 171). Religiöse Zugehörigkeit beruft sich nicht nur auf Gemeinsamkeitsvorstellungen, sondern setzt an einem gemeinsamen Glauben, bzw. an gemeinsamen Überzeugungen, an. Diese können der Veränderung unterworfen sein (vgl. ebd.). Nationale Differenzierung verbindet die „vorgestellte Gemeinschaft“ mit einem Anspruch auf politisch-territoriale Souveränität. Kollektividentitäten sollen hierbei an ein staatliches Bewusstsein geknüpft werden, welches zwischen Einheimischen und Ausländern unterscheidet (vgl. ebd.). In der Unterscheidung von „Normalität und Devianz“ findet sich die Kategorisierung der Kriminalität, die als abweichendes Verhalten von Normen und im Sinne des ‚labeling approach‘ als soziale Zuschreibung verstanden wird (Hess und Scheerer 2014, S. 17–46). Auch Gesundheit und Krankheit sind als Differenzkategorie zu betrachten. Die Vorstellung von Krankheit und Körper ist dabei als gewachsene gesellschaftliche Konstruktion zu verstehen (vgl. Hanses und Richter 2011, S. 137). Dies hat insbesondere Foucault (1976) in seiner Analyse des „klinischen Blicks“ herausgearbeitet.

[...]


1 Auf eine nähere Ausführung zur Schicht, Klassen und Milieu-Unterscheidung wird an dieser Stelle verzichtet. Dazu sei auf den Beitrag von Stefan Hradil in „soziale Ungleichheit in Deutschland hingewiesen (2001, S. 36 – 46).

2 Auch beim biologischen Geschlecht sind die Differenzen nicht immer eindeutig. Siehe dazu auch: Meuser 2010 „Geschlechtersoziologie“

Details

Seiten
20
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783346174956
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v537641
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,0
Schlagworte
methode prozesse schritt soziale statusbildung ungleichheit vorne

Autor

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