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Städtebaulicher Denkmaldiskurs. Der Neupfarrplatz in Regensburg

Hausarbeit 2019 10 Seiten

Kunst - Architektur, Baugeschichte, Denkmalpflege

Leseprobe

1. Einleitung

Die Geschichte Regensburgs lässt sich bis in das 2. Jahrhundert nach Christus zurückverfolgen. In dieser Zeit fanden vermehrt Angriffe der Germanen auf die nördlichste Grenze des römischen Reichs statt. Daraufhin wurde von Kaiser Marc Aurel ein neues Kastell aus Stein an der Mündung zwischen Donau und Regen erbaut. Genannt wurde es Castra Regina, aus dem sich der spätere Begriff Regensburg ableitete.[1] Im Jahre 1873 wurde bei Bauarbeiten eine steinerne Inschrift gefunden, anhand derer sich die Fertigstellung des Kastells auf das Jahr 179 nach Christus datieren lässt. Damit handelt es sich um die älteste Gründungsurkunde einer deutschen Stadt und ist die eigentliche Geburtsstunde der Stadt Regensburg. Die Lage des Legionslagers als auch die angeschlossene Zivilsiedlung waren der ursprüngliche Ausgangspunktfür alle in den darauffolgenden Jahrhunderten stattfindenden städtebaulichen Umgestaltungen.

Auch der heutige Neupfarrplatz lag innerhalb dieses Kastells in der Nähe des westlichen der vier Toranlagen. Auf der nachfolgenden Darstellung ist die Lage des Legionslagers mit einer roten Linie nachgezeichnet. Gelb markiert die Lage des Neupfarrplatzes. Die gräulichen Linien folgen dem heutigen Straßenverlauf, während die Gebäudekomplexe im Hintergrund die ungefähre Lage dervon den Römern genutzten militärischen Einrichtungen visualisiert (sieheAbbildung 1).

Die weitere Entwicklung Regensburgs in den nachfolgenden Jahrhunderten liegt weitestgehend im Dunkeln. Fakt istjedoch, dass die Römer bis spätestens zum Jahre 488 vertrieben waren und die Bevölkerung sich aus verschiedensten Stämmen zusammensetzte. Der heutige Neupfarrplatz gelangte erst mit der Entstehung einer der ältesten jüdischen Gemeinden Deutschlands zu historischer Bedeutsamkeit. Aufgrund der äußerst vorteilhaften Lage an der Donau und verzweigter Handelbeziehungen gelangten die Regensburger juden ab den 11. Jahrhundert zu großem Reichtum und es bildete sich ein theologisch bedeutendes Zentrum des Judaismus.[2] Im Zuge der Neugestaltung des Neupfarrplatzes 1995 ließ sich die Lage des Judenviertels, anhand von Grabungen, relativ genau lokalisieren. So war dieses Viertel durch eine Mauer von der restlichen Stadt getrennt und beinhaltete neben öffentlichen Gebäuden auch eine Synagoge. Die vermeintliche sichere Situation der Regensburger Juden änderte sich im Jahre 1519 mit dem Tode Kaiser Maximilians unter dessen Schutz sie gestanden hatten. Innerhalb weniger Tage mussten die jüdischen Bewohner die Stadt verlassen, das Ghetto und die Synagoge wurde zerstört. An dieser Stelle wurde daraufhin die Neupfarrkirche errichtet.[3]

2 Platzarchitektur

Wie begründet sich die städtebauliche Sonderstellung des Neupfarrplatzes im Vergleich zu anderen Plätzen innerhalb Regensburgs und was sind ihre Besonderheiten?

Nach dem Abriss des Judenviertels entstand auf dem Neupfarrplatz ein im Vergleich zum restlichen eng bebauten Gefüge der Regensburger Altstadt relativ ausgedehnter Raum. Die nunmehr platzseitig zugewandten Hausseiten bildeten oftmals die ehemaligen Rückgebäude und entbehrten damitjeglichem Repräsentationsanspruch. Der neue verkehrsgünstig gelegene Platz im Herzen der Stadt war daher auch nicht mit historisch gewachsenen Plätzen wie dem alten Kornmarkt oder Haidplatz vergleichbar. So stammen fast alle Gebäude, die jetzt an den Neupfarrplatz grenzen, aus der Neuzeit respektive dem 19. und 20. Jahrhundert. Erst in dieser Zeit wurde der Platz als Gesamtanlage gestaltet und als Geschäftszentrum etabliert.[4] Diese späte Funktionszuordnung begründet sich darin, dass der Neupfarrplatz ein relativ junges und artifizielles Gebilde ist, das sich städtebaulich und stilistisch nur schwer einordnen lässt. Die Besonderheit dieses Platzes, im Vergleich zu anderen Regensburger Plätzen, besteht daher in seiner konstanten Entwicklung, die mit einem ständigen Wandel einherging. So hat jede Generation ihre Spuren hinterlassen und versucht gestalterisch auf das Platzbild einzuwirken. Wichtige Bauten dieser Zeit sind der Löschenkohlpalais und die Hauptwache, auf die unter anderem im Folgenden eingegangen werden soll. Die nachfolgende Abbildung bietet eine Übersicht über die aktuelle städtebauliche Situation am Neupfarrplatz. An dieser Stelle soll nur exemplarisch auf wichtige Bauten eingegangen werden. Die Positionsnummern geben Informationen über einzelne Gebäude (siehe Abbildung 2).

Anmerkung der Redaktion: Abbildung 2 wurde aus urheberrechtlichen Gründen entfernt.

Abbildung 2 HeutigerNeupfarrplatz (Quelle: BayerischerDenkmal-Atlas. http://geoportal.bayern.de/bayernatlasklassik-Zugriffam 16.11.2019)

Als ein bedeutendes Werk des Spätbarocks gilt der sogenannte Löschenkohlpalais an Position 1. Dieser ist ein im Jahre 1733 erbauter viergeschossiger Mansardwalmdachbau mit Ziergiebel.

Die reich verzierte Fassade spiegelte das Selbstbewusstsein der Bankiersfamilie Löschenkohl wider, die ab dem 17. Jahrhundert in Regensburg wirkte. Dieser Bau, der dem Neupfarrplatz erstmalig eine repräsentative Wirkung im profanen Bereich zusprach, sollte ohne Nachfolger bleiben. Die Gründe hierfür lagen in der schwachen Wirtschaftskraft der Bürger zu dieser Zeit.[5]

[...]


[1] Vgl. Dietz, Karlheinz; Fischer, Thomas (1996). Die Römerin Regensburg. Regensburg: Pustet, S.48.

[2] Vgl. Brenner, Michael; Höpfinger, Renate (2009). Die Juden in der Oberpfalz. Berlin: Walterde Gruyter, S.23.

[3] Vgl. Brenner; Höpfinger (2009, S.22).

[4] Vgl. Borgmeyer, Anke (2002). Ein Platz verändert sein Gesicht: Historismus und Jugendstil, in: Dallmeier, Martin; Hage, Hermann; Reidl, Hermann (Hg). DerNeupfarrplatzBrennpunkt-Zeugnis-Denkmal. Regensburg: Filmlithos, S. 69.

[5] Vgl. Gieß, Harald (2002). Augustinerkirche und Löschenkohlpalais, in: Dallmeier, Martin; Hage, Hermann; Reidl, Hermann (Hg). DerNeupfarrplatzBrennpunktZeugnis-Denkmal. Regensburg: Filmlithos, S. 54.

Details

Seiten
10
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783346147455
ISBN (Buch)
9783346147462
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v537247
Institution / Hochschule
Brandenburgische Technische Universität Cottbus
Note
1,3
Schlagworte
städtebaulicher denkmaldiskurs neupfarrplatz regensburg

Autor

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Titel: Städtebaulicher Denkmaldiskurs.  Der Neupfarrplatz in Regensburg