Lade Inhalt...

Zweijährige vs. drei- bis dreieinhalbjährige Ausbildung. Das Potential vereinfachter Berufsausbildungen am Beispiel Kfz-Servicemechaniker/in

Eine Untersuchung

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 29 Seiten

Pädagogik - Berufserziehung, Berufsbildung, Weiterbildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Bemerkungen

1 Einleitung

2 Verkürzte Berufsausbildungen
2.1 Hintergründe
2.2 Ziele und Spannungsfelder
2.3 Kurzausbildungen im berufswissenschaftlichen und bildungspolitischen Dialog
2.4 Aktuelle Diskussion

3 Verkürzte Berufsausbildungen: Eine Alternative mit Potential?
3.1 Die qualitative Befragung mit quantitativer Auswertung
3.1.1 Darstellung der Umfrageergebnisse
3.2 Die qualitative Untersuchung mittels Fallstudien
3.2.1 Darstellung der erfassten Fälle
3.2.2 Auswertung der Ergebnisse in der qualitativen Untersuchung

4 Ergebnisbetrachtung der Untersuchung
4.1 Kritische Betrachtung der quantitativen Untersuchung
4.2 Kritische Betrachtung der qualitativen Untersuchung

5 Fazit

6 Literatur- und Quellenverzeichnis

Anhang

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bemerkungen

Die Arbeitsstudie ist nach der neuen deutschen Rechtschreibung geschrieben.

Ich versichere hiermit, dass ich die vorgelegte Arbeitsstudie für das Berufsbildungsinstitut für Arbeit und Technik (BIAT) an der Universität Flensburg noch nicht anderweitig vorgelegt, keine anderen Quellen und Hilfsmittel verwendet, wörtliche und sinngemäße Zitate als solche gekennzeichnet und die Arbeit selbständig und ohne fremdes inhaltlich relevantes Einwirken erstellt habe.

Ort, Datum, Unterschrift: Flensburg, den

1 Einleitung

Im März 2000 hat der EU-Rat beschlossen, den Anteil der Jugendlichen ohne Ausbildung innerhalb von zehn Jahren in den Mitgliedsstaaten der europäischen Union deutlich zu senken[1]. Dieses Ziel ist nicht nur für Europa sehr ehrgeizig, sondern erfordert auch insbesondere für Deutschland große Anstrengungen. Für Jugendliche mit einer abgebrochenen Berufsausbildung und / oder ohne Berufsabschluss sind die Chancen auf dem Arbeitsmarkt und auch die Möglichkeiten der Weiterbildung am schlechtesten. Da die Beschäftigungsproblematik auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland eine neue ungekannte Dramatik erreicht hat, wird nach einer ersten Reform des Sozialsystems mit Hartz IV, über weitergehende Schritte nachgedacht, um den Arbeitsmarkt neu zu beleben. Vieles steht dabei auf dem Prüfstand, was in der Vergangenheit als ein kontinuierliches Optimum gegolten hat. Somit wird auch in der deutschen dualen Berufsausbildung nach Optimierungsmöglichkeiten und Auswegen aus der Arbeitslosigkeit gesucht. Es wird über die Verbesserung der Berufsqualifizierung zur Erhöhung der Chancen von Auszubildenden auf dem Arbeitsmarkt nachgedacht. Man sucht deshalb vor allem nach Lösungen zur Qualifikation von benachteiligten Jugendlichen ohne oder mit schlechtem Schulabschluss.

Erste Ansätze einer Reformierung, wie z.B. der Trend zu einem erweiterten Angebot von verkürzten Berufsausbildungen zur Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen und einem schnelleren Einstieg in den Beruf sind bereits zu beobachten.

Im Auftrag vom BMWA ist im Juni 2003 eine Studie von der Münchner Unternehmensberatung Economix erarbeitet worden, in der das Potential für Berufsausbildungen mit verkürzten Ausbildungszeiten untersucht wurde. Diese ist zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Verkürzung der Ausbildung bei bestimmten Ausbildungen in Frage kommt und empfohlen werden kann.

Im Zuge der Ausbildungsplatzproblematik ist die Politik diesem Trend nachgekommen und hat sich für ein neues Angebot verkürzter Ausbildungen in bestimmten Segmenten entschieden. Die Reaktionen auf diese Idee reichen von deutlicher Ablehnung bis zu großer Zustimmung.

Eine dieser Berufsausbildungen ist die Ausbildung zum Kfz-Servicemechaniker/in[2] als verkürzte Variante der Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker/in[3]. Diese Arbeitsstudie soll das Potential verkürzter Berufsausbildungen am Beispiel des/der Kfz-Servicemechanikers/in untersuchen und diskutieren. Die von den Initiatoren definierten Ziele und Rahmenbedingungen sollen mit der Praxis verglichen und ein Stimmungsbild der Auszubildenden und Ausbildungsbetriebe zu dem Vorhaben gewonnen werden. Ziel ist es, zu einem realistischen Bild des Potentials verkürzter Berufsausbildungen, mit Blick auf die Initiative zur Senkung der Jugendarbeitslosigkeit und Verbesserung der Benachteiligtenförderung, in der Berufswelt beizutragen.

2 Verkürzte Berufsausbildungen

Die Idee der verkürzten Berufsausbildungen ist nicht neu. Bereits 1940 wurde, um auf die in der Industrie veränderten Produktionsbedingungen zu reagieren, mit dem Angebot verkürzter Berufsausbildungen begonnen. Besonders in Zeiten des Facharbeitermangels ist mit diesem Vorgehen versucht worden zügig Facharbeiter auszubilden, um dem Bedarf befriedigen zu können. Man war der Ansicht, dass durch eine Berufsausbildung, im Gegensatz zur Tätigkeit als Ungelernter, mit der Zertifizierung von Fähigkeiten eine solide Bildungsgrundlage geschaffen wird und sich damit Wege der Weiterbildung eröffnen.

Die Situation heute ist allerdings anders. Die Stellenangebote sind begrenzt und die Arbeitgeber können eine Bestenauslese praktizieren (vgl. Ehrke 2003, S.1).

Das BBiG und die HwO (§§25,26) regeln die Dauer und den Inhalt aller staatlich anerkannten Berufsausbildungen und somit auch den Rahmen der verkürzten und gestuften Berufsausbildungen. In § 25, Abs. 2 BBiG wurde festgelegt, dass die Berufsausbildungsdauer im dualen System nicht mehr als drei Jahre und nicht weniger als zwei Jahre betragen soll. In § 1, Abs. 2 BBiG wird außerdem betont, dass eine Berufsausbildung eine breit angelegte Grundbildung, notwendige fachliche Fertigkeiten und Kenntnisse und den Erwerb erforderlicher Berufserfahrung ermöglichen soll.

Die auf zwei Jahre verkürzte Berufsausbildung ist somit nach dem BBiG die kürzest mögliche Ausbildung und ist wie die dreieinhalb jährige Ausbildung gesetzeskonform.

2.1 Hintergründe

Die fachlichen Inhalte der verkürzten und der dreieinhalb jährigen Ausbildung ähneln sich. Am Beispiel der zweijährigen Ausbildung zum Kfz-Servicemechaniker/in und der dreieinhalb jährigen Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker/in kann dies deutlich gemacht werden (Abb.1). In den ersten beiden Lehrjahren werden grundlegende unspezifische Ausbildungsinhalte in beiden Ausbildungsvarianten vermittelt.

Entgegen dem Kfz-Servicemechaniker, der nach zwei Jahren mit der Abschlussprüfung eine Gesellenprüfung ablegt, fährt der Kfz-Mechatroniker/in in der Ausbildung mit der Vertiefung, z.B. mit dem Schwerpunkt PKW-Technik, Nutzfahrzeugtechnik, Motorrad-Technik und Fahrzeugkommunikation fort.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Übersicht der KFZ-Ausbildungsberufe (Quelle: Kfz-Gewerbe Nordrhein-Westfalen e.V. URL: http://www.kfz-servicemechaniker.de/index1.htm [25.05.2005])

Hier sieht man allerdings bei der Schaffung verkürzter Berufsausbildungen eine Gefahr darin, die Berufs- und Praxisfähigkeit in „theoriegeminderten“ Berufen für eher praktisch[4] veranlagte Jugendliche herabzusetzen (vgl. Brötz/Schwarz 2004, S. 5).

Weiterhin sind die Ziele der Einführung von Ausbildungsberufen in der Tradition der Anlernberufe, im Konfliktfeld mit dem bildungspolitisch akzentuierten Ziel des Rechtes auf eine vollständige (dreijährige) umfassende Berufsausbildung (vgl. Rauner 2004, S. 17) zu sehen. Die Dauer verkürzter Berufsausbildungen ist, je nach Branche und Berufszweig, gesetzkonform auf 2 bis 3 Jahre angelegt.

Die Möglichkeit einer dualen beruflichen Ausbildung nutzten im Jahr 2002 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes, 43.000 Auszubildende in zweijährigen Ausbildungsberufen und 15.000 in der 1. Stufe der gestuften Berufsausbildungen (Friedrich, M. 2004, Daten des statistischen Bundesamts vom 31.12.2002). Diese ergeben zusammen 58.000 und entsprechen 3,6% aller Ausbildungsverhältnisse im dualen System. Im Vergleich zu der Majorität spielen sie also eher eine untergeordnete Rolle in der Berufsausbildung.

Nach einer Untersuchung der Münchner Beratungsagentur Economix Research & Consulting wird das jährliche Potential an Stellenbesetzungen für Bewerber mit einfachen Berufen auf 104.000 und das Ausbildungsplatzpotential auf Arbeitgeberseite auf bis zu 22.000 (Economix 2003, S. 158) geschätzt. Fraglich ist allerdings ob ein Teil der Ausbildungsplätze durch Substitutionseffekte bei anderen dreijährigen Ausbildungsgängen erkauft werden würde und somit die Positiveffekte vermindert werden würden.

Das größere Angebot verkürzter Berufsausbildungen und Einfachberufe entspricht dem Trend der Entberuflichung unter der Annahme, dass zunehmend geforderte Flexibilität, der Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft und wechselnder Einsatz von Arbeitskräften in Zukunft zu einer Abnahme des Bedarfs an traditionell umfangreichen Berufsausbildungen mindern wird. Mehr Flexibilität und Bereitschaft zum Einsatzortswechsel wird von den Arbeitnehmern verlangt und als entscheidender angesehen als fachliche Expertise (vgl. Dostal 2002, S. 467).

2.2 Ziele und Spannungsfelder

Das politische Ziel der zweijährigen Berufsausbildungen ist die Schaffung zusätzlicher Ausbildungsplätze für Jugendliche mit schlechten schulischen Voraussetzungen.

Vor dem Hintergrund des allgemein geringer werdenden Angebots an Lehrstellen und die dadurch bedingte zusätzliche Verschärfung der Situation für Jugendliche mit geringer schulischer Qualifikation ist die Initiative zur Einführung weiterer Kurzausbildungen von dem „Bündnis für Arbeit“, der Hartz Kommission, in der Koalitionsvereinbarung der Bundesregierung, mit Beschluss des Bundesrats und dem Beschluss des BIBB Hauptausschusses unterstützt worden. Man rechnet mit einer Fortsetzung des Trends zur Hochqualifizierung und der damit einhergehenden Verringerung der Arbeitsplätze für ungelernte Arbeitnehmer. Zahlen der BA belegen das Phänomen der größeren Vermittlungsschwierigkeiten bei Ungelernten und damit ein höheres Arbeitslosenrisiko mit statistischer Erfassung.

[...]


[1] URL: http://www.jugendpolitikineuropa.de/europzusammen/pakt/news-185.html [Stand 16.08.2005]

[2] Die zweijährige Berufsausbildung zum Kfz-Servicemechaniker wird im Rahmen eines Modellversuchs seit dem 1.August 2004 in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein angeboten. Nach Abschluss dieser Ausbildung gibt es die Möglichkeit einer Fortsetzung zum Kfz-Mechatroniker, Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker, Mechaniker für Karosserieinstandhaltungstechnik, Mechaniker für Landmaschinentechnik und Mechaniker für Reifen- und Vulkanisationstechnik.

[3] Vormals Kfz-Mechaniker

[4] Dies unter der Annahme, dass Jugendliche mit Lernschwächen bei theoretischen Lerninhalten diese mit praktischem Geschick und Interesse an handwerklicher Arbeit kompensieren können.

Details

Seiten
29
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638490047
ISBN (Buch)
9783638677363
Dateigröße
612 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v53595
Institution / Hochschule
Europa-Universität Flensburg (ehem. Universität Flensburg) – Berufsbildungsinstitut Arbeit und Technik
Note
1,3
Schlagworte
Zweijährige Ausbildung Eine Untersuchung Potential Berufsausbildungen Beispiel Kfz-Servicemechaniker/in Berufsarbeit Gegenstand Fachrichtung

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Zweijährige vs. drei- bis dreieinhalbjährige Ausbildung. Das Potential vereinfachter Berufsausbildungen am Beispiel Kfz-Servicemechaniker/in