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Gedichtanalyse in der 5. Klasse der Mittelschule in Bayern. Hugo von Hofmannsthals "Über Vergänglichkeit"

Unterrichtsentwurf 2020 9 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Inhalt

1. Sachanalyse: Gedichtanalyse „Über Vergänglichkeit“ Hugo von Hofmannsthal, 1. Strophe

2. Didaktische Analyse nach Haubrich

3. Stundenmatrix

4. Methodische Analyse

5. Arbeitsblatt

6. Quellenverzeichnis

1. Sachanalyse: Gedichtanalyse „Über Vergänglichkeit“ Hugo von Hofmannsthal, 1. Strophe

Terzinen über Vergänglichkeit (Hugo von Hofmannsthal)

Noch spür ich ihren Atem auf den Wangen:

Wie kann das sein, daß diese nahen Tage

Fort sind, für immer fort, und ganz vergangen?

Dies ist ein Ding, das keiner voll aussinnt,

Und viel zu grauenvoll, als daß man klage:

Daß alles gleitet und vorüberrinnt.

Und daß mein eignes Ich, durch nichts gehemmt,

Herüberglitt aus einem kleinen Kind

Mir wie ein Hund unheimlich stumm und fremd.

Dann: daß ich auch vor hundert Jahren war

Und meine Ahnen, die im Totenhemd,

Mit mir verwandt sind wie mein eignes Haar,

So eins mit mir als wie mein eignes Haar.

(vgl. Brode 2017: 258)

Die 1. Strophe des Gedichts „Über Vergänglichkeit“ von Hugo von Hofmannsthal ist ein Werk aus vier Terzinen und einem Einzelvers. Es handelt sich um ein Gedicht, welches in den Terzinen Sinnabschnitte über die Vergänglichkeit behandelt. Das Versmaß ist durchgehend der Jambus. Das Reimschema der für die Terzine typische Kettenreim. Es wurde in der Epoche fine de Siécle geschrieben.

Beachtlich ist, dass auf der primären Bildebene des Gedichts vier verschiedene Motive behandelt werden, die in der ersten Terzine mit der Gegenwart beginnen, diese mit der Vergangenheit in Verbindung setzen, in den folgenden Terzine die Vergangenheit behandeln ehe schließlich in der letzten Terzine erneut auf die Gegenwart Bezug genommen wird. In der ersten Terzine zeigt sich dies direkt im ersten Vers, der im Präsens beschreibt, dass die Sprechinstanz noch den Atem einer Frau auf den Wangen spürt, die verabschiedet wurde. In den folgenden beiden Versen wird beklagt, dass dieser Moment vergangen ist und dies als sehr grausam empfunden wird (V.6). Der erste Vers der letzten Strophe beginnt ebenso mit dem Verweis auf die Gegenwart, die in der nach obigem Verständnis Vergangenheit enthalten ist: „Dann: Dass ich auch vor hundert Jahren war“ (V.11). Die Sprechinstanz spricht hier von den vergangenen Verwandten, die mit ihm verwandt sind. Die Verwandten sind letztendlich „So eins mit mir als wie mein eignes Haar.“ (V. 14). Das Gedicht verweist auf die Vergänglichkeit als etwas grausames. Die Vergänglichkeit geschieht zu schnell. Sie ist ein Begriff für den Zusammenhang zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart.

Der Verweis auf die zweite Bildhaftigkeit geschieht durch verschiedene rhetorische Mittel. Das Gedicht ist nicht in Standardsprache geschrieben, sondern vielmehr, der Gattung des Gedichtes entsprechend, in Form von äußerer und innerer Kürze. Das heißt, es besteht aus vielen stilistischen Mitteln und weniger aus vollständigen Sätzen. Auf diese Weise wird auf die sogenannte sekundäre Bildhaftigkeit des Gedichtes verwiesen. Somit wird die tiefergehende Bedeutung analysiert. In Form der kurzen Sinnpassagen haben wir es mit Metaphern zu tun, welche auf die Vergänglichkeit verweisen. Beispielhaft sei auch hier die erste Terzine genannt, welche zwar von einer Begegnung mit einem Mädchen spricht, aber einen verallgemeinerten vergangenen Augenblick meint, der mit Hilfe der Metapher „Noch spür ich ihren Atem auf den Wangen“ (V.1) den Fortbestand des vergangenen Augenblicks bis in die Gegenwart repräsentiert. Im gleichen Moment wird aber auch der Schmerz der Vergänglichkeit ausgedrückt, indem eine klagende Frage der Sprechinstanz an die Welt oder die Allgemeinheit gesprochen wird: „Wie kann das sein, dass diese nahen Tage / Fort sind, für immer fort, und ganz vergangen?“ (V. 2/3). Es wird die Vergangenheit betrauert. Durch die direkte Kommunikationssituation kann der Leser an der Emotionalität der Sprechinstanz teilhaben. Die Vergänglichkeit, die auch laut der Überschrift das Motiv des Gedichtes ist, ist also ein negativ konnotierter Begriff. Dies führt sich auch in der darauffolgenden Terzine fort.

Die stark direkte Kommunikationssituation verhindert eine variantenreiche Sprache im Gedicht. Der Höhepunkt der inneren Kürze und der Abweichung zeigt sich in der 3. Terzine. Hier findet man eine Selbstreferenzialität, in welcher die Sprechinstanz das eigene Ich erwähnt und mit sich selbst als kleinem Kind in Verbindung bringt. Aus diesem vergangenen Kind ist der erwachsene Mensch in der Gegenwart geworden. Doch wie geschah diese, doch natürliche Entwicklung? Der Dichter verwendet hierzu folgenden Vergleich: „Mir wie ein Hund unheimlich stumm und fremd.“ (V.10). Auch die eigene Entwicklung von der Vergangenheit zur Gegenwart ist dem Dichter befremdlich. Die letzten beiden Strophen zeigen, wie auch die erste Strophe, die unabdingbare Verwandtschaft der Vergangenheit mit der Gegenwart. Dies erkennt die Sprechinstanz, wenn sie meint, die bereits toten Verwandten sind mit ihm verwandt, wie seine eigenen Haare, welche er in der Gegenwart besitzt (vgl. V.11-14). Die Sprechinstanz geht sogar noch weiter. Im letzten Vers behauptet sie mit Hilfe einer Metapher, dass Vergangenheit und Gegenwart eins sind: Die Ahnen sind „so eins mit mir als wie mein eignes Haar.“ (V. 14).

Dieses Gedicht von von Hofmannsthal, geschrieben 1894, also in der Zeit der Jahrhundertwende/ Symbolismus/Jugendstil, in der die Epoche des Naturalismus zu Ende ging. Das Gedicht könnte also gerade diesen epochalen und zeitgeschichtlichen Zwischenraum thematisieren, also den Zwischenraum zwischen Vergangenheit Naturalismus und der damaligen Gegenwart. Da das Gedicht recht selbstreferenziell ist, könnte diese Deutungsrichtung gar nicht so unwahrscheinlich sein. Die Sprechinstanz beklagt, dass der Naturalismus zu schnell vergangen sei, jedoch in der Gegenwart immer weiterlebe.

2. Didaktische Analyse nach Haubrich

Lehrplanbezug: LehrplanPlus Bayern

Mittelschule: Deutsch 5

D5 2.2 Literarische Texte verstehen und nutzen

„nutzen zur Deutung sprachliche Gestaltungsmittel (z. B. Metapher) sowie Verstehensoperationen (z. B. Gegensätze suchen) und verwenden Fachbegriffe (z. B. Strophe, Vers).“

Gegenwartsbedeutung: Die Gedichtanalyse besitzt für die SuS in der Gegenwart den Mehrwert, dass die SuS Teile der literarischen Kompetenz erwerben. Sie erkennen den Zusammenhang von Epoche und Lyrik/Literatur und können Gedichte, denen sie begegnen, deuten und verstehen. Die SuS kennen die Fachsprache der Lyrik und der Lyrikanalyse.

Zukunftsbedeutung: Die SuS durchschauen die Bedeutung der Lyrik, und auch anderer literarischer Formen, welcher sie in Zukunft begegnen. Sie erkennen die Merkmale der Lyrik und deren Intention schnell und sicher.

Exemplarische Bedeutung: Das analysierte Gedicht steht exemplarisch für andere Gedichte, die mit derselben Methode analysiert werden können.

Thematische Struktur: Die Struktur des Themas richtet sich in dieser Unterrichtsstunde ganz nach dem Schema einer vereinfachten Gedichtanalyse. So werden sowohl Motive als auch Stilistik durchdrungen.

Richtziel: Die SuS führen eine Gedichtanalyse durch.

Grobziel: Die SuS führen eine Gedichtanalyse nach dem gängigen Schema der Gedichtanalysen mit dem Gedicht „Über Vergänglichkeit“ von Hugo von Hofmannsthal durch.

Feinziel: Die SuS kennen die Gattung Lyrik und ihre Eigenschaften

Die SuS kennen das Gedicht „Über Vergänglichkeit“ von Hugo von Hofmannsthal

Die SuS kennen die Methode der Gedichtanalyse

Die SuS analysieren das Gedicht „Über Vergänglichkeit“ von Hugo von Hofmannsthal

3. Stundenmatrix

Klasse: 5

Stundenthema: Die Gedichtanalyse

Arbeit im Vorfeld zur Unterrichtsstunde: Im Vorfeld der Unterrichtsstunde wurde das zu behandelnde Gedicht „Über Vergänglichkeit“ bereits kennengelernt. Ebenso kennen die SuS die Methodik der Gedichtanalyse.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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Details

Seiten
9
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783346142443
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v535767
Institution / Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Note
2,0
Schlagworte
Schule Unterrichtsstunde Gedicht Hofmannsthal Artilulationsschema Fach Deutsch Referendariat Uni Didaktik Unterrichtsentwurf

Autor

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Titel: Gedichtanalyse in der 5. Klasse der Mittelschule in Bayern. Hugo von Hofmannsthals "Über Vergänglichkeit"