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Die Staatssicherheit in E. Loest 'Nikolaikirche' und Th. Brussigs 'Helden wie wir'

Examensarbeit 2005 74 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

INHALT

A. GEGENSTAND UND AUFBAU DER ARBEIT

B. DAS THEMA »DDR-STAATSSICHERHEIT« IN DER DEUTSCHEN LITERATUR VOR UND NACH DER »WENDE«
I. Exkurs:
1. Das MfS - „Schild und Schwert“ - Wer oder was war die ‚Stasi’
2. Sprache der Spitzel - »lingua securitatis«
II. Der Themenkomplex ‚Stasi’ - von der Tabuisierung zur Literarisierung

C. TEXTANALYSE
I. Erich Loest: Nikolaikirche - Dokumentation und Fiktion
1. Erich Loest: Ein deutscher Chronist
2. Aufbau und Erzählhaltung - Fiktionalität und historische Wirklichkeit
3. Die Staatssicherheit auf der Verliererseite
a). Die Staatssicherheit als ‚Kind’ der Gründergeneration
b) »operative Bearbeitung« und Geruchslappen
c) Sprache der ‚Stasi’ - Akkuratesse vs. Zerfall
4. Fazit
II. Thomas Brussig: Helden wie wir - Klischee und Relativierung
1. Thomas Brussig: Die ‚Spätlingsgeneration’
2. Der biographische Rückblick im Interview
3. Staatssicherheit
a) Die ‚Stasi’ um die Ecke
b) Klaus und seine Kollegen: Die ‚Stasi’ als Klischee
4. Fazit: Relativierung mittels Erzählstrategie

D. SCHLUSSBETRACHTUNG

E. LITERATUR

Die Stasi Ballade 1967

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten1

A. Gegenstand und Aufbau der Arbeit

In der DDR der Vor-Wendezeit existierte eine Institution, deren Präsenz den DDR-Bürgern stets bewußt war, mit der „Andersdenkende“ ihre Erfahrungen machen mußten und über deren Einflußnahme auf das Leben der DDR dennoch nur wenig an die Öffentlichkeit drang: das Ministerium für Staatsicherheit der DDR.2

Mit dem Untergang der DDR lief 1990 eine „Maschinerie der Vergangenheits- bewältigung“3 an, deren unterschiedliche Bearbeitungsformen in allen Medien einen kaum überschaubares Ausmaß erreichte. Das Ministerium für Staatssicherheit4 und dessen Wirkungsmechanismen nahmen dabei bald eine exponierte Stelle ein. Wurden in den Vor-Wendejahren die Institution selbst und die mit ihr verbundene Problematik in der öffentlichen Kommunikation sowohl in der Bundesrepublik als auch in der DDR weitgehend gemieden, rückten sie in der »Wendezeit«5 zunehmend in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses und der öffentlichen Kommunikation. Thematisiert wurde dabei vor allem die nach innen gerichtete Tätigkeit dieser Behörde. Jedoch wurde die so genannte ‚Stasi’6 durch die inflationäre Thematisierung in den Massen- und publizistischen Printmedien zu einem fast beliebigen Klischee, dessen simplifizierende Darstellung sich entweder in „perverser Monstrosität“ - als gewaltige Krake, der das gesamte gesellschaftliche Leben bestimmte - oder „lächerlicher Kleinbürgerlichkeit“7 erschöpfte. Inzwischen werden die Massenmedien von anderen gesellschafts-politischen Schwierigkeiten bestimmt und das Thema DDR-Staatsicherheit hat an Präsenz soweit abgenommen, dass es lediglich im Rahmen der Debatte um die mögliche Schließung der Birthler-Behörde8 bzw. die Überführung des Aktenbestandes in das Bundesarchiv peripher Beachtung findet. Doch scheint gerade hierin - fern von jedweder falscher Dämonisierung, Gereiztheit und Empfindlichkeit und vergleichsweise frei von emotionaler Betroffenheit - die Chance in der fundierten Auseinandersetzung mit diesem diffizilen Thema zu bestehen, welche die vorliegende Arbeit im Rahmen einer literaturwissenschaftlichen Betrachtung wahrnehmen möchte.

Die Literatur hat schon immer historische Ereignisse, Personen und Institutionen in Fiktion überführt. Diese Transformationsleistung macht sie jenseits aller ästhetischen Qualitäten zu einem Archiv unseres kulturellen Gedächtnisses.9

Gedächtnis stiften ist nicht die einzige, aber eines der wichtigsten Aufgaben der Literatur. Die literarische Auseinadersetzung mit zeitgeschichtlichen Ereignissen ist nicht nur mimetische Erinnerung, sie schließt Differenzierung, Erörterungen und zuweilen Kritik und Stellungnahme, d.h. einen Erkenntnisgewinn auf der Rezeptionseben ein. Diesem Gedanken folgend schließt sich die Frage nach dem literarästhetischen Umgang mit dem Thema DDR-Staatssicherheit an. Wie hat die ‚Stasi’, als Teil der deutsch-deutschen Geschichte, Eingang in die Literatur gefunden und in welcher Form wurde dieses Thema narrativ umgesetzt?

In der deutschen Literatur lässt sich ein gewandelter Umgang mit dem Thema „DDRStaatssicherheit“ erkennen: von einer Tabuisierung innerhalb der DDR-Literatur bis zur verstärkten Literarisierung in den Romanen der „Wende-“ und „Nach-Wendezeit“. Dabei verändert sich die Signifikanz des Themas. Das zweite Kapitel versucht daher, diese Wandlung darzustellen und anhand relevanter Texte aus dem literarischfiktionalen Bereich zu illustrieren.

Die Forderung nach einer dem Themenkomplex gebotenen Sensibilität und Seriosität stößt auf die Notwendigkeit nach dem Verständnis komplexer differenzierter Kohärenzen. Dies macht einen vorangestellten Exkurs zum Ministerium für Staatssicherheit plausibel und hilfreich, der wiederum niemals die aufschlussreiche Lektüre einer der vielen, umfangreichen und detaillierten Sachanalysen ersetzen kann. Im Rahmen der Arbeit trägt dieser Exkurs eine erläuternde und stützende Funktion inne.

1995 war das Erscheinungsjahr der drei großen ‚Wenderomane’ von den Autoren Günter Grass, Erich Loest und Thomas Brussig: Ein weites Feld, Nikolaikirche und Helden wie wir. Die verschiedenartigen Romane verfolgen unterschiedliche Ansprüche und Ziele. Insbesondere die beiden letztgenannten Romane differieren so auffallend in ihrer literarästhetischen Umsetzung, dass eine Textanalyse eigens im Hinblick auf die literarisch-fiktionale Verarbeitung des Themenkomplexes ‚Stasi’ zu bemerkenswerten Resultaten führt. Die Textanalyse versucht die Frage nach der Funktionalität der augenscheinlich disparaten ästhetischen Verarbeitung des Themas zu beantworten. Dabei wird deutlich werden, dass beide Texte die Staatssicherheit, ihre Mitarbeiter und Methoden nicht als etwas Dämonisches darstellen, sondern relativieren. Es gilt daher ebenso aufzuzeigen, mit welchen poetischen Mitteln dies realisiert wird.

Den jeweiligen Einzelanalysen wird eine knappe Präsentation des Autors vorangestellt. Dieses Vorgehen dient allerdings nicht dem Zweck, die literarische Leistung allein anhand des biographischen Hintergrundes oder der moralischen Gesinnung der Autoren zu beurteilen, ferner wird hiermit erneut die Textauswahl plausibel, die der vorliegenden Ausarbeitung als Gegenstand zugrunde liegt. Sowohl Erich Loest als auch Thomas Brussig lebten in der DDR, haben somit beide deren gesellschaftliches Leben und System erlebt. Jedoch greifen sie auf einen unterschiedlichen Erfahrungs raum zurück. Ihre unterschiedlichen Ansprüche an die Literatur zum Thema DDRVergangenheit spiegeln sich nicht nur in der Umsetzung des Stoffes „Wende“ sondern auch des hier im Focus stehenden Themenkomplexes wider.

Erich Loest, 1926 in der Nähe von Leipzig geboren, hat die gesamte DDR bewusst als Erwachsener miterlebt. Als zunächst überzeugter Sozialist machte er dennoch recht früh schmerzliche ‚Bekanntschaft’ mit den Methoden des MfS und schreibt besonders nach seiner Ausreise in die Bundesrepublik 1981 bewusst gegen die Verschleierung der Vergangenheit an. Er hat sich einem verantwortlichen Schreiben und einem Geschichtsbewusstsein verschrieben, das ebenso sein Roman Nikolaikirche verdeutlicht, in dem der Zerfall des Staates, an dem das MfS über Jahrzehnte maßgeblich beteiligt war, auf die Mikroebene der Leipziger Familie Bacher übertragen wird. Der Untergang des DDR-Systems geht einher mit dem Niedergang der MfS. Die Einbindung der ‚Stasi’ findet hier inhaltlich und symbolisch innerhalb des Romanplots statt, in dessen narrativem Mittelpunkt eine komplexe Figurenkonstellation steht, mittels derer das Spannungsfeld zwischen Staatssicherheit und kirchlicher Opposition im Leipzig der letzten DDR-Jahre konstruieren wird, und dessen Handlung mit der gewaltigen Leipziger Montagsdemonstration am 9. Oktober 1989 endet. Im Mittelpunkt der Romanhandlung steht die Familie Bacher/Protter, deren Mitglieder am Ende auf verschiedenen Seiten stehen: „Der Riß, der die DDR bersten ließ, geht mitten durch eine Leipziger Familie.“

Der Autor Thomas Brussig erlebte ebenfalls die DDR von innen, gleichwohl könnte man ihn, 1965 in Ost-Berlin geboren, zu der Generation der „Hineingeborenen“10 zählen. Das geteilte Berlin als Handlungsort und der 9. November 1989 als konstitutive zeitliche Komponente seines Romans Helden wie wir signalisieren bereits eine von Loest abweichende Akzentuierung in der Lokalisierung und Datierung der „Wende“ innerhalb der DDR. Der Roman erzählt vielfach die gebrochene, groteske Lebensgeschichte des inzwischen größenwahnsinnigen Ost-Berliners Klaus Uhltzscht. Schenkt man dem Ich-Erzähler Glauben, war die Öffnung der Berliner Mauer lediglich die Folge seines exhibitionistischen Aktes. Der Protagonist Klaus Uhltzscht gehört der gleichen jüngeren Generation wie sein ‚Schöpfer’ an und macht - zuletzt selbst Mitarbeiter dieser Institution - Erfahrungen mit der DDR-Staatssicherheit. Der Roman ist dominiert von einer grotesk, ironischen bis sarkastischen Erzählweise, in der ebenso die Staatssicherheit problematisiert wird. Er kann als „provozierende Politposse über den Untergang der DDR“11 gelesen werden.

Brussigs Debütroman wurde ein Publikumserfolg12, der durch eine ebenso große Begeisterung der Kritik begleitet wurde.13 Es wurde als das „Erfolgsbuch zur großen deutschen Wende“14 bezeichnet, jedoch begleiteten den Enthusiasmus auch leise Töne der Kritik: einige Vorwürfe betrafen die frivole, fast verniedlichende Behandlung des Themenkomplexes ‚Stasi’. So kommentierte Wolf Biermann am Ende seines Artikels „Die Staatssicherheit wird in diesem Roman stark verharmlost. […] Es gab im MfS mehr als genug hochintellektuelle und effektive Menschenverächter.“15

Um zu unterscheiden, in welchem Rahmen das Thema ‚Stasi’ jeweils umgesetzt wird, setzten die Textanalysen mit der Betrachtung der Form, d.h. des Aufbaus und der Struktur der Texte ein, dabei spielt die gewählte Erzählperspektive eine kennzeichnende Rolle. Weiterhin wird die Darstellung des MfS anhand ihres Personals, der Methoden und Arbeitsweis en zu betrachten sein. Beide Romane versuchen den ‚Stasi’-Jargon nicht nur realistisch im wahrheitsgemäßen Sinne abzubilden, sondern darüber hinaus findet auf der literarischen Ebene eine Auseinandersetzung klischeehaften Vorstellungen statt.

B. Das Thema »DDR-Staatssicherheit« in der deutschen Literatur vor und nach der »Wende«

I. Exkurs:

Merkwürdig indes ist, wie wenig konkret nach 40 Jahren unmittelbar erlebter DDR-Geschichte mein Wissen um die inneren Funktionsmechanismen dieser modernen Diktatur war. Wie die meisten der Zeitzeugen hatte ich zwar die unsichtbare Allgegenwart des Überwachungsapparates gespürt, konnte dessen Umfang jedoch lediglich vage als „riesig“ ahnen und wußte so gut wie nichts von dessen Methoden.16

Will man über die literarisch-fiktionale Realisierung einer Behörde wie des Ministeriums für Staatsicherheit der DDR sprechen, ist es erforderlich, das Referenzobjekt näher zu betrachten. Jedoch kann in diesem Rahmen die Institution lediglich schlaglichtartig beleuchtet werden. Die Darstellung kann weder die wünschbare Vollständigkeit im ganzen noch die erstrebenswerte Detailschärfe im einzelnen erreichen. Für das Verständnis des facettenreichen Themas Staatssicherheit sollen dennoch im Folgenden die vorgestellten Zusammenhänge einige Einblicke in die Hintergründe und die spezifischen Phänomene bieten.17 Die Überlegung, dass Sprache instrumentalisiert werden und der Sprachduktus das spezifische Welt- und Menschenbild der Sprecher aufdecken kann,18 erlaubt einen Blick auf den Sprachduktus innerhalb des Staatssicherheitsdienstes, auf den sich der zweite Teil des Exkurses konzentriert.

1. Das MfS - „Schild und Schwert“ - Wer oder was war die ‚Stasi’

Mit dem MfS entstand ein spezielles Organ der Diktatur des Proletariats, das in der Lage ist und über alle Mittel verfügt, unter der Führung der SED gemeinsam mit den anderen staatlichen Organen und bewaffneten Kräften und in enger Verbundenheit mit den Werktätigen die Arbeiter-und-Bauern-Macht und die revolutionäre Entwicklung zuverlässig gegen jede konterrevolutionäre Tätigkeit äußerer und innerer Feinde der DDR zu schützen sowie die innere Sicherheit und Ordnung allseitig zu gewährleisten.

Der revolutionäre Prozess musste im harten Klassenkampf gegen Feinde durchgesetzt werden, die eine umfangreiche, gegen die DDR gerichtete subversive, konterrevolutionäre Tätigkeit entfalteten19

Am 8. Februar 1950 verabschiedete die DDR-Volkskammer das »Gesetz über die Bildung eines Ministeriums für Staatssicherheit«.20 Das Ministerium stellte das wichtigste Machtinstrument der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) dar. Es galt formaliter als »ein Organ des Ministerrates«, aber spätestens seit 1953 war es realiter zum unverzichtbaren Herrschaftsinstrument der Parteiführung geworden. Die Instrumentalisierung des MfS als »Schild und Schwert der Partei« entsprach stalinistischer Logik. Wiederholt wurde im Zusammenhang mit dem »Aufbau des Sozialismus« in der DDR eine »Verschärfung des Klassenkampfes« proklamiert und die Funktion des MfS als ‚Schützer’ und ‚Krieger’ der Einheitspartei akzentuiert.21 Betont werden muss, dass der Staatssicherheitsdienst kein Staat im Staate, sondern unmissverständlich als »Schild und Schwert« definiert war und als solcher funktionierte; die Verantwortung lag bei der Partei. Die Verpflichtung des MfS auf die Politik der SED fand in internen Dienstbestimmungen ihren Niederschlag: z. B. in der 1958 erlassenen Richtlinie Nr. 1/58 über die »politisch-operative« Bedeutung der Arbeit des Ministeriums wird ausdrücklich hervorgehoben, dass das MfS seine Arbeit »auf der Grundlage der von Partei und Regierung gefassten Beschlüsse und der vom Volk gegebenen Gesetze« ausübe. »Das Ministerium für Staatssicherheit ist beauftragt, alle Versuche, den Sieg des Sozialismus aufzuhalten oder zu verhindern - mit welchen Mitteln und Methoden es auch sei -, vorbeugend und im Keim zu ersticken.«22 Konsequent erweise ergab sich aus der führenden Rolle der Partei die Konsequenz, dass jede Opposition gegen die Politik als staatsfeindliche Aktion interpretiert wurde und das MfS als Repressionsapparat fungierte. Ihren Führungsanspruch gegenüber dem MfS realisierte die Einheitspartei durch die Besetzung aller Leitungsfunktionen in der Staatssicherheit mit zuverlässigen Parteikadern.23

Das MfS war seit seiner Existenz »konspirativ« streng abgeschirmt und seine Aktivitäten jeder öffentlichen Kontrolle entzogen. Obwohl den DDR-Bürgern die Omnipräsenz der Staatssicherheit stets spürbar war, konnten Ausmaß, Wirkungsmechanismen, Strukturen und Methoden der Staatssicherheit erst mit dem Zugang zu ihren Unterlagen und Akten aufgedeckt werden. Trotz massiver Vernichtung der MfS- internen Aufzeichnungen durch die eigenen Mitarbeiter und des Amtes für Nationale Sicherheit (AfNS)24 gelang es infolge massiver Proteste der Aktivisten der Bürgerbewegung einen umfangreichen Teil der Aktenberge vor dem Reißwolf zu bewahren.25 Erst die Lektüre dieser Aktenstöße,26 die zwar sehr heterogen sind und unter einem vorgezeichneten, ideologisch geprägten Focus verfasst wurden, ermöglicht einen Einblick in die Strukturen, Strategien und Ziele der Staatssicherheit. Sie stellen für Historiker wichtiges Quellenmaterial dar und dienen Schriftstellern - neben der Aufarbeitung ihrer eigenen Vergangenheit - zuweilen als Inspiration.

Im MfS bündelten sich die Kompetenzen einer „politischen Geheimpolizei, einer mit exekutiven Befugnissen ausgestatteten Untersuchungsbehörde für politische Strafsachen und eines geheimen Nachrichtendienstes im Ausland“.27 Der Staatssicherheitsdienst sah sich selbst als Teil des globalen Systemkonflikts zwischen Sozialismus und »Imperialismus«28 an. Darüber hinaus bildete das „Konzept einer permanenten Revolution“29 die Legitimationsgrundlage dieser Institution, der seit 1957 Erich Mielke als Minister für Staatssicherheit vorstand. Sie überwachte und bekämpfte Gegner und »Feinde« der Parteidiktatur bzw. wen sie als Gegner deklarierte, konnte diese eigenständig verhaften und bis zum Prozess in eigenen Untersuchungshaftanstalten festhalten. Der nach innen und außen gerichtete Geheimdienst betrieb einerseits Spionage gegen »westlich-kapitalistische Staatsfeinde« und andererseits sollte er »feindliche Gruppen« im eigenen Land erkennen und »zerschlagen«. Somit forcierte das Argument, die vom »Feind« initiierte und geförderte staatsfeindliche Arbeit aufspüren und beseitigen zu müssen, die umfangreiche »Observation« der eigenen Bevölkerung und die innere Repression.

Das MfS war eine paramilitärische Einrichtung mit streng hierarchischem Aufbau und großem Verwaltungsapparat. Es existierten Hauptverwaltungen, Hauptabteilungen und ihnen zugeordnete Abteilungen. Analog der Zentrale in Berlin- Lichtenberg waren die Bezirksverwaltungen (BVfS) strukturiert. Ihnen waren Objektdienststellen in Stadt- und Landkreisen, Betrieben und Behörden unterstellt.30

Die »Hauptabteilung XX« war beispielsweise für die Bekämpfung »politischer Untergrundtätigkeit« und »politisch- ideologischer Diversion« zuständig. Dies schloss vor allem die Bearbeitung des »Sicherungsbereich Literatur«31 ein. Sie war verantwortlich für die Bereiche Kirche, Jugend, Volksbildung, Staatsapparat, Gesundheitswesen, Kunst, Kulturbetrieb, Sport, Einschleusen von Spitzeln in die »Untergrundszene« - in oppositionelle Gruppen und Bewegungen. Das heißt, sie war das eigentliche Zentrum der Staatssicherheit.32

Die Mitarbeiter waren je zur Hälfte Hoch- oder Fachschulabsolventen und Meister oder Facharbeiter, für die Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) war ein Hochschulabschluss obligatorisch. Die Zahl der hauptamtlichen Mitarbeiter stieg von 55.000 1974 auf ca. 85.000 1983 und geschätzte 90-100.000 im Jahre 1989.33 Zu den offiziellen Mitarbeitern, deren Berufsbezeichnungen militärischen Rängen entsprach, kam ein Heer von »Inoffiziellen Mitarbeitern« (IM). 1989 belief sich deren Zahl auf ca. 180.000, für die gesamten 40 Jahre auf ca. 600.000. Die verschiedenen Abstufungen (GMS, IMB usw.) müssen an dieser Stelle nicht weiter aufgeführt werden.34

Dem legendenumwobenen Status der Staatssicherheit und solchen immer wieder zu lesenden Aussagen wie „Die Überwachung war nahezu lückenlos“ oder „Die Stasi überwachte alles“ oder einer Schätzung von vier Millionen Spitzeln müssen fortwährend korrigierende Zahlen entgegengesetzt werden. Hinsichtlich des Tätigkeitsumfangs konstatiert Franz Huberth, dass ein bis zwei Prozent der DDR- Bevölkerung von einem bis zwei Prozent bespitzelt wurden, diese ihre Informationen einem Apparat zuspielten, der personell ein weiteres Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachte. Wenn man das Umfeld der ‚Informationszuträger’ hinzuzähle, erhöhe sich die Zahl auf insgesamt fünf Prozent. Doch schließt er an: „Als Zahl klingt das relativ gering, als staatliches und zwischenmenschliches Verhalten betrachtet, drücken diese zwei Prozent eine Ungeheuerlichkeit aus.“35

Die Auflösung des MfS und die Aktensicherung durch Bürgerrechtler, ermöglichten nicht nur Schlüsse hinsichtlich der Arbeitsweisen und Mechanismen der Behörde und seiner Spitzel. Des Weiteren wird anhand des umfangreichen überlieferten Materials die ungeheuerliche Ansammlung von Banalitäten deutlich und zugleich die Zerstörung der Intimsphäre der Opfer dokumentiert.36 Letztendlich erweisen sich diese Archivalien der Staatssicherheit ebenso als außerordentliche Fundgrube hinsichtlich der Sprache der Staatssicherheit.37

2. Sprache der Spitzel - »lingua securitatis«

Über tausende von Seiten das Deutsch des Staatssicherheitsdienstes lesen zu müssen, war Folter.38

So wie sich die Aktivitäten der Staatssicherheit der öffentlichen Kontrolle entzogen, war auch ihre Sprache, wie sie uns in den Befehlen, Dienstanweisungen, Informationen, den Treffberichten der IM- führenden Offiziere, den Operativplänen, Jahresanalysen und nicht zuletzt im MfS- internen »Wörterbuch der politisch-operativen Arbeit«39 tradiert ist, nur den Eingeweihten und unmittelbar Beteiligten zugänglich. Bedingt durch diesen

Umstand und die Verwendung einer Vielzahl für den Laien unverständlichen Fachtermini40, lässt sich die Sprache des MfS als eine Gruppensprache identifizieren. Diese Sprache, die selbst eine Gruppensprache darstellt, war wiederum dem Einfluss anderer gruppensprachlicher Redeweisungen ausgesetzt. Vor allem die zahlreichen Abkürzungen, die fast schon einem Geheimcode gleichkommen,41 und die verwendeten Decknamen sowohl für Spitzel - so genannte »Informelle Mitarbeiter« als auch für »operative Vorgänge«42 - lassen sich geheimsprachlichen Kennzeichen zuordnen. Jedoch liegt die Spezifik dieser Sprache, die von Walther als „lingua securitatis“43, als Sprache des DDR-Geheimdienstes charakterisieren wird, weniger in der Schöpfung neuer Wörter, sondern in der Zuordnung neuer Bedeutungen zu bereits vorhandenen Wortkörpern.44

Gerade die politische Sprache des MfS war in ihrem Ursprung wie in ihrem Charakter keine von den »Tschekisten«45 selbst entwickelte Spezialsprache, vielmehr kann sie als eine „geheimdienstlich spezialisierte Ausprägung der DDR-offiziellen Parteisprache“46 charakterisiert werden. Zu den auffälligsten stilistischen Ähnlichkeiten gehört die bürokratische Verwaltungssprache, die sich im substantivischen Satzbau und der intensiven Verwendung von auf „-ung“ endenden Nominalformen wie »Bekämpfung«, »Durchführung« und » Zielsetzung« äußerst.

Zum einen ist diese bürokratisch formalisierte Sprache geprägt von Inhumanität. Personen wurden verdinglicht, indem sie in der Sprache des MfS zu »Elementen« oder »Objekten« gemacht wurden. Das Vorgehen gegen Menschen bezeichnete man als »Maßnahmen«. Begriffe wie »zersetzen«, »neutralisieren«, »ausschalten« oder »destabilisieren« sind Entlehnungen aus der technokratischen Sprache, also eher auf chemische und physikalische Vorgänge bezogen.47 Bedenkt man, dass sich diese teilweise technokratisierte, Amtssprache48 in den MfS-Akten auf lebende Menschen, auf Individuen, bezieht, wird das wenig menschenfreundliche ja geradezu -feindliche Denken der Staatssicherheit evident. Verhaltenspsychologisch ist die Entmenschlichung auf der sprachlichen Ebene elementare Voraussetzung für die Schaffung eines Feindbildes.49

Zum anderen spiegelt sich die militärisch organisierte Struktur - Generalität und Offiziere; IMs wurden als »operative Basis« bezeichnet, selbst Chauffeure und Raumpfleger bekleideten militärische Dienstränge50 - in der kriegerischen Sprache wieder.

Unübersehbar ist zudem die Militanz der Sprache, so als habe man sich permanent im latenten Kriegszustand befunden. Häufig benutzt wurden Worte wie „gezielt“, „zielsicher“, „Zielobjekt“, „Zielperson“ oder, „zerschlagen“, „vernichten“, „liquidieren“, „ins Visier nehmen“, alles ist „Kampf“ und „Kampfauftrag“, auch die „Stoßrichtung“ ist klar, und an deren Ende steht der „Feind“ oder auch nur das „tschekistische Feindbild“, dessen Bosheit die „Kämpfer an der unsichtbaren Front“ offenbar bedurften, um auf den Gegner das eigene Böse zu projizieren und mögliche moralische Skrupel von vornherein fernzuhalten.51

Gleichwohl darf nicht übersehen werden, dass bereits die offizielle Sprache der DDR von einem Kampfwortschatz durchsetzt war: so wurde jeder Arbeitsplatz zu einem »Kampfplatz«, die marxistisch- leninistische Einheitspartei im Sinne Stalins als »Vortrupp oder Vorhut der Arbeiterklasse«, der Jugendverband (die FDJ)52 als »Kampfreserve« der Partei bezeichnet und Jugendliche als »Kämpfer für den gesellschaftlichen Fortschritt« herangezogen. In allen gesellschaftlichen Bereichen, ob Politik, Betrieb oder Schule, wurde »für Frieden und Sozialismus gekämpft«. Jene offizielle Sprache - zudem voller Elative und Superlative -, wie sie in den DDR-Medien und von Parteikadern ritualisiert wiederholt wurde, lässt sich als Akkumulation leerer Worthülsen entlarven und wirkt für den heutigen Betrachter mehr als lächerlich und bizarr.53

Der Parteisprache liegt eine marxistisch fundierte Gesellschaftstheorie zugrunde, die vom MfS, das sich insbesondere als »Schild und Schwert« der SED definierte, übernommen wurde und in eine aggressiv kämpferischen Ausdrucksweise kulminierte. Das dichotome Weltbild der Staatssicherheit fixierte alle Aktivitäten auf einen imaginären Krieg. Doch erweist sich ihr Feindbegriff als diffus und verschwommen. Der Feind wird als »Klassenfeind« definiert: Feinde sind die der »Arbeiterklasse und dem Sozialismus antagonistisch gegenüberstehenden Klassenkräfte«.54 Demzufolge können Feinde sowohl innerhalb als auch außerhalb des Landes ausgemacht werden. Dies führte zu einer Differenzierung zwischen »inneren« und »äußeren« Feinden, wobei insbesondere die Unschärfe hinsichtlich der Festlegung des »inneren« Feindes dem MfS gestattete, jeden, der nicht mit dem System konform ging, zu kriminalisieren. Die Angst vor oppositionellen Strömungen innerhalb des Landes verdeutlicht die lexikalische Bestimmung des Begriffs »Untergrundtätigkeit«; sie wird bestimmt als:55

Gesamtheit der im engen Zusammenwirken von inneren und äußeren feindlichen Kräften gegen die sozialistische Staats- und Gesellschaftsordnung gerichteten untergrundspezifischen Handlungen und Aktivitäten, wie die Ausarbeitung und Verbreitung von feindlichen Plattformen, die Bildung von verfassungsfeindlichen Personenzusammenschlüssen und die Versuche der antisozialistischen Kräfte, auch unter Ausnutzung legaler Möglichkeiten öffentlichkeitswirksam zu werden und weitere Personen gegen die Politik von Partei und Regierung zu mobilisieren.56

Somit verschwimmen die Grenzen zwischen den »imperialistischen […] Kräften außerhalb der DDR« und den im Untergrund wirkenden - vermeintlichen - »Gegnern« der DDR, zwischen kritischen Bürgern und »feindlich-negativen Kräften«. Was den Feind zum Gegner macht, ist seine unangepasste Gesinnung, denn ferner wird die »politische Untergrundtätigkeit« definiert als: »Gesamtheit negativer politisch- ideologischer Grundhaltungen, gesellschaftswidriger, oppositioneller sowie feindlich- negativer Verhaltensweisen und Handlungen«, die das MfS »zu verhindern, aufzudecken und zu bekämpfen«57 habe. Hinzugezählt wurden schon »Diskussionen negativen feindlichen Inhalts«.58

Zudem wird die „ideologisch motivierte Schwarzweißmalerei“ der Staatssicherheit anhand der Wörter deutlich, mit denen die Tätigkeit des »Feindes« und die eigene beschrieben werden. Der »Feind« wird als »aggressiv«, »gefährlich« und »raffiniert« geschildert, er arbeite »kriminell« und »tückisch«, mit »Erpressung« und »Drohung«, »Täuschung«, »Terror« und »List«.59 Das eigene Tun hingegen wird mit Attributen wie »revolutionär«, »wissenschaftlich«, »vertrauensvoll«, »differenziert«, »schöpferisch«, »effektiv«, »stetig wachsend« und »progressiv« ausgezeichnet. Eine positive Konnotation erhalten demgemäß die entsprechenden Verben wie »aufklären«, »durchkreuzen«, »zersetzen«, »liquidieren« und »bekämpfen«.60

In der Sprache der Staatssicherheit finden sich zudem häufig Euphemismen, wobei negativ konnotierte Wortbedeutungen positiv umfunktioniert wurden. So hieß Erpressung im ‚Stasi’-Deutsch »Wiedergutmachungs- und Rückversicherungsmotive«.61 Ferner mutierte der negativ besetzte Terminus »Haß« zu einer durchaus »wertvollen und erhabenen« menschlichen Gefühlsregung, wenn er Bestandteil eines »tschekistischen Gefühls« war. Definitorisch wird »Haß« als etwas Erstrebenswertes, Erhabenes und Produktives, ja sogar als Erziehungsideal angesehen. Der »Klassenhaß« adelt die Arbeiterklasse, macht ihren »Haß« wertvoll und erhaben, den des »Klassenfeindes« - der Bourgeoisie - kleinlich und niedrig:62

»Er ist im gesellschaftlichen Leben der emotionale Ausdruck der unversöhnlichen Klassen- und Interessensgegensätze zwischen der Arbeiterklasse und der Bourgeoisie. […] H. ist […] eine der entscheidenden Grundlagen für den leidenschaftlichen und unversöhnlichen Kampf gegen den Feind. […] H. ist zugleich ein dauerhaftes und stark wirkendes Motiv für das Handeln. Er muß daher auch in der konspirativen Arbeit als Antrieb schwierige operative Aufgaben bewußt eingesetzt und verstärkt werden.«63

Somit wird der Terminus »Haß« zum Schlüsselbegriff, wenn der Staatssicherheitsdienst das Persönlichkeitsbild eines guten Geheimdienstoffiziers skizziert. Gleichwohl darf nicht übersehen werden, dass die Termini »Hass« und »Feindbild« - wie sie selbst noch im Mitte der achtziger Jahre überarbeiteten Wörterbuch der Staatssicherheit zu finden waren - in themenverwandten Wörterbüchern nicht vorkamen. Im „Kleinen Wörterbuch der marxistisch- leninistischen Philosophie“ sucht man diese Wörter vergeblich und die Definition von »Klassenkampf« unterscheidet sich maßgeblich von den Forderungen des MfS. So kann man dort nachlesen, dass das „Kräfteverhältnis ständig zugunsten der sozialistischen Staaten“ auf der Basis der „friedlichen Koexistenz“ zu verändern sei.64 Während die Partei seit den sechziger Jahren den kämpferischen Ton zurücknahm, verharrte die Staatssicherheit im Vokabular der frühen Jahre.65 Insbesondere die Sprache des MfS-Wörterbuches, größtenteils von Studenten der JHS66 verfasst, zeugt von Engstirnigkeit, Intoleranz und Zynismus.

Insbesondere in den mündlichen Äußerungen manifestiert sich diese viel drastischere und militantere Ausdrucksweise. So offenbart sich in den gesprochenen Worten Erich Mielkes, der als Armeegeneral und Minister für Staatssicherheit der DDR den Staatssicherheitsdienst prägte, zum einen die Militanz und zum anderen die Missachtung des Menschen durch das MfS:67

Nehmen wir eine solche Erscheinung wie den Klub der jungen Künstler, wo die Zersetzung auf moralischem Gebiet ist […] Wenn wir nicht gerade jetzt hier in der DDR wären, ich will euch das ganz ehrlich sagen […] sondern in einer glücklichen Lage wie die Sowjetunion, dann würde ich einige erschießen lassen, ohne Gesetzlichkeit, nicht gerade einen Prozess machen, kurzen Prozess machen, so mein’ ich […] All das Geschwafel von wegen nicht hingerichtet und nicht Todesurteil, ist doch alles Käse, Genossen. Hinrichten die Menschen, ohne irgendwelche Gesetze, ohne Gerichtsbarkeit und so weiter […]68

Während seiner Reden legte Mielke häufig im Zustand der Erregung seine ausgearbeiteten Manuskripte beiseite, verlor die Selbstkontrolle und drückte seine Feindseligkeit unbeherrscht aus. So beschimpfte er noch 1988 DDR-Bürger, die einen Ausreiseantrag gestellt hatten als »Banditen«, »Drecksäcke«, »miese Säcke«, »Gesockse«, »Schweinehunde« und »janz miese Elemente«.69 Mielkes Reden, die er vor einem ausgewählten Kreis enger Mitarbeitern hielt, sind „keine einfachen Meinungsäußerungen, sondern sprachlich semantisch normativ“.70 Die Verrohung der Organisation spiegelt sich in der Sprache wieder.

Ebenso lässt sich die Internalisierung der propagandistischen und agitatorischen Sprache durch die MfS-Mitarbeiter anhand eines Erinnerungsberichtes von Günter Fritzsch, der per Vorverurteilung ins Gefängnis kam, verdeutlichen.71 Dieser Auszug aus der Beschreibung der ersten Vernehmung soll abschließend verdeutlichen, wie sich die Sprache des Staatssicherheitsdienstes in ihrer internen Ausformung als menschenverachtend und auf einen Zweck ausgerichtet offenbart. Da dieser Zweck aggressiv ist, bringt die MfS-Sprache negative Emotionen deutlich zum Ausdruck.

„Nein“ brüllte mich der Major an, sein Blick irrte wild umher, „Sie täuschen sich, hier drinnen herrscht keine Demokratie, bei uns herrscht Diktatur, die Diktatur des Proletariats. Das ist unversöhnlicher Klassenkampf. Sie sind unser Klassengegner. Mit ihnen verhandeln wir nicht über Recht und Demokratie. Welche Rechte sie haben, bestimmen wir. Wagen sie nicht noch einmal hier Fragen zu stellen. Sonst lernen sie uns von einer anderen Seite kennen.“ […] „Hier kommt Politik vor Recht!“ […] „Der Klassenfeind hat bei uns kein Recht.“72

Festzuhalten ist zum einen die relative Gesetzesunabhängigkeit der MfS-Mitarbeiter und zum anderen der drastische Unterschied zwischen mündlichem und schriftlichem Sprachgebrauch: der Emotionslosigkeit der geschriebenen Sprache steht eine gesprochene Diktion gegenüber, die wertet, Gefühle ausdrückt und sich als direkter und unverschlüsselter offenbart.73

Zur Frage nach dem Spezifikum des Sprachgebrauchs- und -duktus der Staatssicherheit lässt sich zusammenfassend festhalten:

Das aus der kommunistischen Arbeiterbewegung tradierte Kampfvokabular, die Intoleranz - von den Ideologen gern als ‚Parteilichkeit’ ins Positive gewendet -, die manichäische Weltsicht, die allein zwischen Freund und Feind unterscheidet, aber keine Zwischentöne kannte, die Vorliebe für militärische Ausdrücke und das aktivistische ‚Bewegungs’- Vokabular - all das war zugleich typisch für die Sprache der SED, insbesondere in den Jahren des Kalten Krieges.“74

[...]


1 Zit.n. Huberth (2003 Uni Tübingen): Stasi in der Literatur, S. 22f. // Wolf Biermann: Die Stasi-Ballade. – In: Alle Lieder. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 1991, S. 204-207.

2 Herberg: Schlüsselwörter, S. 236.

3 Huberth: Aufklärung, S. 4.

4 Im Folgenden auch mit dem offiziellen Akronym MfS benannt.

5 Der Begriff „Wende“ bezeichnet hier primär den Prozess des politisch-gesellschaftlichen Umbruchs in der DDR bis hin zur Vereinigung beider deutscher Staaten im Oktober 1990 und schließt weiterhin den Transformationsprozess ein. Obgleich eine detaillierter Abriss der kontroversen Diskussion um diese Begrifflichkeit und der möglichen zeitlichen und lokalen Definition in diesem Zusammenhang nicht notwendig ist, soll dennoch darauf verwiesen werden, dass der Staatssekretär Egon Krenz diesen Begriff bei seiner Antrittsrede prägte, ihn jedoch in diesem Kontext anders verstand und jenes Lexem indes erst im Laufe der damaligen zeitgeschichtlichen Ereignisse eine weitere Konnotation erhielt. Vgl. Rutschky: Das große Ereignis, S. 300; Vgl. Herberg: Schlüsselwörter, S. 17-23; Vgl. Soldat: Wende in Deutschland, S. 133f. Soldat verweist ebenfalls darauf, dass die Wende vor allem in der Literatur eine enorme Spanne umfasst; somit wird die Wende eher als Prozess denn als etwas Punktuelles empfunden.

6 Der Begriff ‚Stasi’ steht außer in Zitaten immer in Anführungszeichen. Damit soll nicht die Institution in Frage gestellt, sondern die Abkürzung als eine problematische gekennzeichnet werden. Dieses aus mehreren Anfangsbuchstaben der Konstituente Staatssicherheit gebildete Silbenwort wurde bereits in der Vor-Wendezeit im nichtöffentlichen Sprachgebrauch verwendet. ‚Stasi’ stellt aber keine positive Verniedlichung der Institution dar, sondern weist wie andere auf -i endende Lexeme (Vgl. Nazi, Sozi) auf eine pejorative Konnotation. Problematisch wurde der inflationäre Gebrauch des Lexems im öffentlichen Raum in der Nach-Wendezeit, da einerseits jeder glaubte, über die Institution genauestens informiert zu sein und andererseits der Begriff gleichzeitig von vornherein staatliche Repressionen in einem diktatorischen System transportiert werden sollte. Zudem wurde das Lexem von ehemaligen Angehörigen später häufig in einer nivellierenden Funktion verwendet. Vgl. Herberg: Schlüsselwörter, S. 245-248.

7 Huberth: Aufklärung, S. 4.

8 Ehemals nach dem Leiter Joachim Gauck benannte Bundesbehörde für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik. Seit 2000 führt Marianne Birthler als Bundesbeauftragte die Behörde.

9 Huberth: Stasi in der deutschen Literatur, S. 7.

10 Zachau, Reinhard K.: «Das Volk jedenfalls war’s nicht!», S. 393.

11 Hollmer: Thomas Brussig, S. 3.

12 Zu seinem enormen Medienerfolg trugen gewiss auch die zeitnahe Umsetzung des Romans in ein Theaterstück (1996) sowie die anschließende Verfilmung (1999) bei.

13 Vgl. exemplarisch: Dieckmann, Christoph: Klaus und wie er die Welt sah, Löhndorf: Wer hat die Mauer umgerissen?, Franke: Der Sieger der Geschichte.

14 Vgl. Wille: Wenderoman als Melodram, S. 106.

15 Biermann: Wenig Wahrheit und viel Witz, S. 189.

16 Walther: Sicherungsbereich, S. 14.

17 Einige wenige Titel aus der Masse der weiterführenden Literatur seien stellvertretend genannt: Brodersen: Joachim Gauck. Die Stasi-Akten. 1991; Stasi intern. Macht und Banalität. Hrsg. v. Bürgerkomitee Leipzig. 1991; Behnke: Zersetzung der Seele. 1995; Fricke: MfS intern. 1991; Gieseke: Die DDR-Staatssicherheit. Schild und Schwert der Partei. 2000; Mampel: Das Ministerium für Staatssicherheit. 1996.

18 Dies sind die einige Grundannahmen der Analysen der Sprache des Dritten Reiches - LTI (Lingua Tertii Imperii). Einen Überblick zur Entwicklung dieses wissenschaftlichen Feldes bietet Christoph Sauer. Vgl. Sauer: Sprachwissenschaft und NS-Faschismus, S. 9-81. Dennoch muss vor voreiligen Analogien zwischen dem Sprachgebrauch des MfS und des Dritten Reiches gewarnt werden. Vgl. Suckut: Wörterbuch der Staatssicherheit, S. 28-31.

19 Erich Mielke - Auszug aus seiner Rede zum 25. Jahrestag der Bildung des MfS, 1975. Zit. n. Gieseke: Die DDR-Staatssicherheit. Schild und Schwert der Partei, S. 6.

20 In den fünf Jahren vor der offiziellen Bildung des Ministeriums hatten die sowjetische Besatzungsmacht und die KPD/SED bereits in mehreren Etappen einen polizeistaatlichen Apparat in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) bzw. der 1949 gegründeten DDR aufgebaut. Vgl. . Gieseke: Die DDR-Staatssicherheit. Schild und Schwert der Partei, S. 9. Der Wortlaut des Gesetzestext ist dokumentiert in: Fricke: MfS intern, S. 78.

21 Aus der Rede von Armeegeneral Erich Mielke auf einem Kampfmeeting des MfS zum 35. Jahrestag seiner Gründung: »Die Staatssicherheit wird sich jederzeit als zuverlässiger Schild und scharfes Schwert der Partei und der Arbeiter-und-Bauern-Macht erweisen.« Zit. n. Fricke: MfS intern, S. 12.

22 Auszug aus der Richtlinie Nr. 1/58 zit. n. Fricke: MfS intern, S. 13.

23 Vgl. Fricke: MfS intern, S. 11-16.

24 Das AfNS stellte für kurze Zeit die Nachfolgebehörde des MfS unter der Regierung Modrow dar.

25 Bereits im Dezember 1989 wurden MfS-Kreis- und Bezirksdienststellen besetzt. Am 15. Januar 1990 belagerten Bürgerrechtler das weitläufige Geländer der MfS-Zentrale in der Berliner Normannenstraße. Insgesamt hinterließen die Dienststellen 180 km Aktenmaterial und weiter Datenträger.

26 Im Februar 1990 erfolgte die Bildung des »Sonderausschusses zur Kontrolle der Auflösung des MfS/AfNS«. Es wurde ein »Gesetz über die Sicherung und Nutzung der personenbezogenen Daten des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit / Amtes für Nationale Sicherheit« verabschiedet, das der politischen, historischen und juristischen Aufarbeitung dieses Ministeriums diente. Somit wurden weitgehende Zugangsmöglichkeiten geschaffen, die nicht nur den Opfern, sondern auch den Tätern (bei Vorliegen eines „rechtlichen Interesses“) sowie Wissenschaftlern, ja sogar Journalisten den Einblick in diese Dokumente ermöglichte. Vgl. Emmerich: Kleine Literaturgeschichte, S. 470.

27 Ahrends, Martin: Allseitig gefestigt. Stichwörter zum Sprachgebrauch der DDR. München: 1989. zit.n. Herberg: Schlüsselwörter, S. 236.

28 Vgl. dazu MfS-Richtlinie Nr. 1/76: »Die Bearbeitung Operativer Vorgänge«. In: Fricke: MfS intern, S. 93.

29 Domdey, Horst: Staatsicherheit, Bürgerrechtler und das Feindbild „Westen“. - In: Steinke (Hrsg.): Die Sprache der Diktaturen, S. 99-100.

30 Vgl. Gieseke: DDR-Staatssicherheit, S. 7, 15 Bezirksverwaltungen und 209 Kreisdienststellen. Die Zentrale umfasste ein Gebäudekomplex mit mehreren Häuserblöcken.

31 So die offizielle Benennung des Bearbeitungsfeldes durch den Staatssicherheitsdienst. Aus Angst vor Wort und freier Meinungsäußerung überschätzte das MfS weit das gefährliche Potential der Schriftsteller, Kulturschaffenden und Intellektuellen und konzentrierte sich aus heutiger Sicht mit übertriebener Manier darauf. Die »Sicherungsmaßnahmen« waren demzufolge vielfältig. Die Literatur wurde als Platz der Metaphorik, der Doppel- und Mehrdeutigkeiten, als Raum für Interpretation svarianten gesehen und musste einem System, das auf Konformität und Homogenität statt Individualismus gründete, Angst machen. Vgl. Walther: Sicherungsbereich Literatur, S. 268ff.

32 Umfangreiche Strukturdiagramme finden sich in vielen Arbeiten über das MfS. Z. B. in: D. Grill/U. Schröter: Das Ministerium für Staatssicherheit, S. 38f.; Stasi intern . Macht und Banalität. Hrsg v. Bürgerkomitee Leipzig, Anhang. (FN 45); Gieseke: DDR-Staatssicherheit. Schild und Schwert der Partei, S. 55; Richter, Michael: Die Staatssicherheit im letzten Jahr der DDR. Weimar/Köln/Wien: Böhlau, S. 302-307; Homepage der BStU / Struktur des MfS URL: http://www.bstu.de/mfs/MfSorg/index.htm (06.08.2005).

33 Vgl. Huberth: Aufklärung, S. 45; Gieseke: DDR-Staatssicherheit, S. 7f.

34 Vgl. Fricke: MfS intern, S. 44. Huberths konstatiert, dass, wenn man die hohe Zahl der vernichteten Akten und die Erkenntnis, dass IMs sich fast immer erst nach einer Aufdeckung bekennen (wenn

35 Huberth: Aufklärung, S. 37.

36 Vgl. Emmerich: Kleine Literaturgeschichte, S. 470.

37 Vor allem das seit 1970 als Loseblattsammlung von der MfS-eigenen »Juristischen Hochschule« (JHS) herausgegebene » Wörterbuch der politisch-operativen Arbeit «, das nicht öffentlich zugänglich, sondern »Geheime Verschlusssache« und nur auf Bestellung in den Bezirks- und Kreisdienststellen auszuleihen war, spiegelt nicht nur das Selbstverständnis der Staatssicherheit wieder, sondern auch dessen Besonderheiten der Sprache. Inzwischen wurde es vom BStU veröffentlicht: Dokumente Reihe A 1/93 und Suckut (Hrsg.): Wörterbuch der Staatssicherheit.

38 Vorbemerkung von Reiner Kunze, der einer der ersten war, der Auszüge seiner Akte, fast unkommentiert, veröffentlichte. Kunze, Reiner: Deckname ‚Lyrik’, S. 13.

39 Vgl. Walther: Sicherungsbereich Literatur, S. 21. Zu den unterschiedlichen Formen der archivierten Dokumente ebenfalls Huberth: Aufklärung, S. 60-62.

40 Man denke dabei an »Kompromat«, »Schweigefunker«, »operative Legende« oder »lebender Briefkasten«. Vgl. Suckut: Wörterbuch der Staatssicherheit, S. 18.

41 Bisher konnten 1500 Abkürzungen erfasst und identifiziert werden. Eine dieser Abkürzungen erreichte nach der „Wende“ traurige Popularität: »IM«. In der Öffentlichkeit war die Abkürzung für »Inoffizieller Mitarbeiter« und deren weitere Ergänzungen wie »IME« »Inoffizieller Mitarbeiter im bzw. für einen besonderen Einsatz« bis dahin unbekannt. Noch heute benötigt man für die Lektüre der MfS-Dokumente Abkürzungsverzeichnisse wie sie oft in Anhängen von Publikationen zu diesem Thema zu finden sind. Exemplarisch: Krone u. Schult: Seid untertan der Obrigkeit. Originaldokumente der Stasi- Kirchenabteilung XX/4., S. 199-205; Suckut: Wörterbuch der Staatssicherheit, S. 465-467; Walther: Sicherungsbereich Literatur, S.858-863; Gieseke: Die hauptamtlichen Mitarbeiter der Staatssicherheit. Personalstruktur und Lebenswelt 1950-1989/90, S. 559-562; Abkürzungsverzeichnis hrsg. vom BStU, zugänglich auf der Webseite der BStU / Abkürzungsverzeichnis URL: http://www.bstu.de/mfs/abk/index.htm (06.08.2005).

42 »OV« bezeichnet die höchste und intensivste Form, in der das MfS gegen die Bürger vorging. Ziel war es immer, eine vermutete Straftat zu erarbeiten und die jeweiligen Handlungen zu unterbinden. Die streng geheime Richtlinie 1/76 legte fest, wie, wann und wozu Personen in einem »OV« ausspioniert - ‚geheimdienstlich bearbeitet’ - wurden. Der vollständige Wortlaut der MfS-Richtlinie 1/76 ist in Fricke: MfS intern, S. 93-136 dokumentiert. In der Wahl der Namen für »Operative Vorgänge« wird der Zynismus der MfS-Mitarbeiter offensichtlich. Die Namen waren oft grausig-makaber. Einige Beispiele aus dem »Sicherungsbereich Literatur«: »Schreiberling«, »Wildsau«, »Diversant«, »Besserwisser«, »Doppelzüngler«, »Hydra«, »Bleistift« etc. Die Decknamen der IM stammen meist aus dem Bereich des Geistigen und Edlen. Einige Beispiele für Literaten-Decknamen: »Villon«, »Hölderlin«, »Büchner«, »Hegel«, »Mozart« etc. Vgl. Walther: Sicherungsbereich Literatur, S. 24f.

43 Walther: Sicherungsbereich Literatur, S. 21.

44 Vgl. Bergmann: Sprache der Stasi. Der Linguist geht in seiner Analyse vor allem lexikalischen Besonderheiten nach, wie Bedeutungsverschiebungen oder Wortfeldern. Dieser Analyse liegt die Annahme zugrunde, dass Denken und Sprechen zwar nicht identisch sind, sie aber zusammengehören und eine Einheit bilden. Demzufolge ist es ihm möglich, über die Sprache das darin liegende Denken und das den Formulierungen zugrunde liegende Menschen- und Weltbild der Staatssicherheit zu erschließen.

45 Gieseke: DDR-Staatssicherheit. Schild und Schwert, S. 6. Russisch abgekürzt: Tscheka („Außerordentliche Kommission zur Bekämpfung von Konterrevolution und Sabotage“) wurde 1917 mit Machtergreifung der Bolschewiki gegründet und war ursprünglich als zeitweiliges Instrument gedacht. Die Tscheka und ihrer Nachfolgerinnen (GPU, OGPU, NKWD, NKGB) entwickelten sich unter Stalin zu Institutionen des gesellschaftlichen und innerparteilichen Massenterrors. MfS Mitarbeiter bezeichneten sich im Geiste dieses revolutionären Mythos gerne als „Tschekisten“. Der sowjetische KGB war bis zu letzt in der DDR mit einem eigenen Apparat und im MfS mit einem Netz von Verbindungsoffizieren vertreten.

46 Walther: Sicherungsbereich Literatur, S. 21.

47 Franz Huberth erarbeitet ausführlich den speziellen Sprchduktus und die Intention der MfS-‚Akten- Texte’ anhand der Akt, die dem »Operativ-Vorgang ‚Lyrik’« entstammt. Zunächst weist er darauf hin, dass sich die ‚Akten’ des MfS kaum von Polizeiberichten oder aus anderen Verwaltungsbereichen unterscheiden. Allen sei das Festhalten von Grundinformationen, eine eindeutige Zuordnung, Vergleichbarkeit und Archivierbarkeit als Wesensmerkmal zueigen. Auch die ‚Sammelwut’ des MfS sei vergleichbar mit anderen Geheimdiensten wie CIA oder KGB. Jedoch, so konstatiert er, geben die Akten, sobald sie sich von der reinen Datenerfassung entfernen, viel mehr Auskunft über den Verfasser als über den eigentlichen Gegenstand. Vgl. Huberth: Aufklärung, S. 60-71.

48 Nähere Erläuterung zu den Einflüssen der Amtssprache vgl. Bergmann: Sprache der Stasi, S. 86-97. Es wurden der stereotype Gebrauch von Partizipien wie »entsprechend« und »gemäß« als amtssprachliche Präpositionen, Endlos-Sätze und Genitivgirlanden etc. in die Sprache des MfS transformiert.

49 Christian Bergmann identifiziert einen hohen Abstraktionsgrad der Personenbezeichnungen wie »feindliche Elemente«. Darüber hinaus bemerkt er das gänzliche Fehlen des Wortes „Mensch“ in den Materialien, was die Missachtung des Menschen durch die Organisation zusätzlich dokumentiert. Vgl. Ebd., S. 51.

50 Vgl. Ullmann: Ort der Staatssicherheit im System der SED-Ditktatur, S. 14f.

51 Walther: Sicherungsbereich Literatur, S. 24.

52 „Freie Deutsche Jugend“.

53 Vgl. Bergmann: Sprache der Stasi, S. 97f

54 Wörterbuch der Staatssicherheit, S. 121.

55 Suckut: Wörterbuch der Staatssicherheit, S. 17f

56 Wörterbuch der Staatssicherheit, S. 377f.

57 MfS-Dienstanweisung Nr. 2/85: »Bekämpfung politischer Untergrundtätigkeit« zit.n. Fircke: MfS intern, S. 146-164; 149.

58 Wörterbuch der Staatssicherheit, S. 378. Vgl. Bergmann: Sprache der Stasi, S. 46-61.

59 Vgl. Erich Mielke über Entspannung und Klassenkampf: Referat für die Dienstkonferenz, 1972. Zit. n. Gieseke: Die DDR-Staatssicherheit, S. 50.

60 Vgl. Siegfried Suckut: Das Wörterbuch der Staatssicherheit. S. 18.

61 Definition des Terminus vgl. Wörterbuch der Staatssicherheit, S. 194.

62 Vgl. Huberth: Aufklärung, S. 50f.

63 Wörterbuch der Staatssicherheit, S. 168.

64 Buhr / Kosing: Kleines Wörterbuch der marxistisch-leninistischen Philosophie, S. 159.

65 Vgl. Wörterbuch der Staatssicherheit, S. 19.

66 Juristische Hochschule des MfS - frühere Bezeichnungen: Schule Eiche, Schule Potsdam-Eiche, Juristische Hochschule Potsdam. Gegründet 1951 mit Sitz in Golm bei Potsdam; 1984 umbenannt in: Hochschule des MfS.

67 Vgl. Eingangszitat zu diesem Kapitel von Erich Mielke zum 25. Jahrestag zur Bildung des MfS.

68 Erich Mielke auf MfS-internen Dienstkonferenzen; Auszüge aus den Privataufzeichnungen aus der Zeit um 1980. Zitate wurden von Huberth übertragen aus der CD: Erich Mielke. Ein deutscher Jäger; ein Feature von Joachim Walther, München: Der Hörverlag, Zit. n. Huberth: Aufklärung, S. 71f.

69 Zit.n. Bergmann: Sprache der Stasi, S. 51f.

70 Huberth: Aufklärung, S. 73. Huberth konstatiert, dass die ständigen Wiederholungen in den internen und öffentlichen Sprachakten Mielkes seine intellektuelle Beschränktheit und seine fehlende Eloquenz entlarven. Doch als Minister der Staatssicherheit war er die entscheidende Person dieser Institution und hat diese nach seinen Vorstellungen aufgebaut und geprägt.

71 Der Leipziger Physiker Günter Fritzsch wurde ahnungslos, ohne Verschulden aufgrund eines Zeugniseintrages seines Schuldirektors auf offener Straße verhaftet. Vgl. Ebd., S. 75.

72 Fritzsch, Günter: Gesicht zur Wand. Willkür und Erpressung hinter Mielkes Mauern. Leipzig: BennoVerlag, 3. Aufl. 1996, S. 12f. zit. n. Ebd., S. 75.

73 Vgl. Bergmann: Sprache der Stasi, S. 52.

74 Suckut: Wörterbuch der Staatssicherheit, S. 19.

Details

Seiten
74
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638489874
Dateigröße
623 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v53573
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Institut für Deutsche Sprache und Literatur
Note
1,3
Schlagworte
Staatssicherheit Loest Nikolaikirche Brussigs Helden

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Titel: Die Staatssicherheit in E. Loest 'Nikolaikirche' und Th. Brussigs 'Helden wie wir'