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Die Bilanzierung von Fußballspielern. Bilanzierungsfähigkeit, Zugangsbewertung und Folgebewertung

Bachelorarbeit 2019 53 Seiten

BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Einleitung

1. Bilanzen von Fußballvereinen im kurzen Überblick

2. Spielerwerte
2.1. Fußballspieler: Materieller oder immaterieller Vermögensgegenstand
2.2. Bedeutung der Spielerwerte

3. Immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens
3.1. Ansatzkriterien
3.2. Zugangsbewertung
3.3. Folgebewertung
3.4. Abgangsbewertung

4. Bilanzierungsfähigkeit von Spielerwerten
4.1. Abstrakte Bilanzierungsfähigkeit
4.2. Konkrete Bilanzierungsfähigkeit

5. Zugangsbewertung von Spielerwerten
5.1. Erwerb von Fußballspielern
5.2. Nachwuchsspieler
5.3. Leihgeschäfte

6. Folgebewertung von Spielerwerten
6.1. Planmäßige Abschreibung
6.2. Außerplanmäßige Abschreibung

7. Gestaltungsmöglichkeiten von Fußballvereinen

8. Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Rechtsformen der Fußballbundesligavereine

Abb. 2: Bilanzgliederung gem. § 266 HBG mit Berücksichtigung der fußballspezifischen Posten gem. Anhang VII LO

Abb. 3: Kumulierte Bilanz der 18 Bundesligafußballvereine

Abb. 4: Zusammensetzung der Aktiva der 1. Fußball-Bundesliga von 2009 bis 2017 (in Millionen Euro)

Abb. 5: Spielervermögen (bilanzieller Wert der Spieler) in der 1. Fußball-Bundesliga von 2005 bis 2017 (in Millionen Euro)

Abb. 6: Strukturierung der Leistungszentren

Einleitung

Deutschlands liebstes Kind, der Fußball,1 bewegt nicht nur Millionen Menschen ins Fußballstadion und vor den Fernseher, sondern auch Transferentschädigungen für Fußballspieler. Zur Fußballbundesligasaison 2018/2019 verausgabten die Fußballbundesligavereine zusammen 490.250.000 € für neue Spieler. Aufgrund von Spielerverkäufen wurden dagegen 492.475.000 € eingenommen.2 Von einem reinen Sportverein kann im professionellen Fußball mittlerweile keine Rede mehr sein. Durch die Einnahmen und Ausgaben, in zum Teil dreistelliger Millionenhöhe, muss eher von einem gewinnorientierten Wirtschaftsunternehmen gesprochen werden.3 Schaut man sich die Jahresabschlüsse der Vereine an, offenbart sich dabei eine Besonderheit. Diese Besonderheit stellt mitunter den wichtigsten Vermögensposten in der Welt der Bilanzen der Fußballvereine dar. Bei diesem Vermögensposten handelt es sich um die fußballspezifische Bilanzposition „Spielerwerte“. Dahinter verbergen sich die Werte der Fußballspieler. Seit dem Jahr 2005 stieg der Wert der Spielerwerte um beträchtliche 490,59 % an.4 Durch die immer höher werdenden Transferentschädigungen ist ein weiterer Anstieg mehr als sicher.5 Vor diesem Hintergrund wird der Bilanzpositionen „Spielerwerte“ daher eine bedeutende Rolle zugesprochen. Gleichzeitig stellt sich die bilanzielle Behandlung von Transferentschädigungen als einer der diffizilsten und umstrittensten Problemkreise im Rahmen des externen Rechnungswesens im Profifußball dar.6

Gegenstand dieser Arbeit soll die handels- sowie steuerrechtliche Betrachtung der Bilanzierung von Fußballspielern in den Bilanzen der deutschen Fußballbundesligisten sein. Angefangen von der Bilanzierungsfähigkeit, über die Zugangsbewertung bis hin zur Folgebewertung.

Vorab als Einführung wird im ersten Kapitel ein kurzer Überblick über die Bilanzen der Fußballbundesligavereine gegeben. Es wird gleichfalls dargestellt, aufgrund welcher Vorschriften überhaupt Rechnung zu legen ist.

1. Bilanzen von Fußballvereinen im kurzen Überblick

Deutsche Fußballprofivereine unterliegen unterschiedlichen Rechnungslegungspflichten. Welche davon zu erfüllen sind, hängt u.a. von der Kapitalmarktorientierung, der Teilnahme an europäischen Vereinswettbewerben, der Bilanzsumme, dem Gewinn sowie ganz besonders von der Rechtsform ab. Als grundlegende Vorschrift zur Rechnungslegung ist das Handelsgesetzbuch (§§ 238 Abs. 1 & 242 Abs. 1-3 HGB) zu nennen. Weitere einschlägige Rechnungslegungsvorschriften befinden sich im Publizitätsgesetz, in der Abgabenordnung (§§ 140-141 AO), im Bürgerlichen Gesetzbuch und in verbandsrechtlichen Bestimmungen der Deutschen Fußball Liga GmbH (DFL) und der UEFA.7 Welche Rechtsform von den aktuellen Bundesligafußballvereinen gewählt wurde, ist in der Abb. 1 ersichtlich.

Abb. 1: Rechtsformen der Fußballbundesligavereine

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Da die meisten Bundesligafußballvereine in Rechtsform einer Kapitalgesellschaft bestehen, unterliegen sie als Formkaufmann nach § 6 Abs. 1 HGB allein schon wegen ihrer Rechtsform der Rechnungslegung des Handelsgesetzbuches. Gem. § 242 Abs. 1 S. 1 HGB hat der Kaufmann demnach zu Beginn seines Handelsgewerbes und für den Schluss eines jeden Geschäftsjahres einen das Verhältnis seines Vermögens und seiner Schulden darstellenden Abschluss (Eröffnungsbilanz, Bilanz) aufzustellen. Die eingetragenen Vereine als Gesamtverein dagegen unterliegen aufgrund Ermangelung einer Kaufmannseigenschaft keiner handelsrechtlichen Pflicht. Den Vereinen obliegt u.a. gem. §§ 27 Abs. 3, 259 Abs. 1, 260 Abs. 1 und 666 BGB die Pflicht zur geordneten Zusammenstellung von Einnahmen und Ausgaben, damit der Vorstand seine Auskunftspflichten gegenüber seinen Mitgliedern erfüllen kann.8 Für die Lizenzspielerabteilungen als wirtschaftliche Geschäftsbetriebe ist dagegen durch die Erfüllung der Kaufmannseigenschaft des § 1 HGB allerdings nach den Vorschriften des HGB Rechnung zu legen.9

Der Ligaverband verlangt im Rahmen eines im internationalen Vergleich strengen Lizenzierungsprozesses in § 2 Nr. 1 LO die rechtsformunabhängige Erfüllung verschiedenster Voraussetzungen zur Teilnahme am Bundesligabetrieb. Unter anderem muss der Nachweis über die finanzielle Leistungsfähigkeit anhand sämtlicher Unterlagen gem. § 8 LO sowie § 8a LO erbracht werden. Der Nachweis der vorzulegenden Unterlagen aus § 8 Nr. 1.1 und 1.2 LO orientiert sich an den Rechnungslegungsgrundsätzen des HGB für Kapitalgesellschaften gem. Anhang VII LO. Auch Fußballvereine, die als eingetragene Vereine geführt werden, müssen dementsprechend neben anderem auch eine Bilanz erstellen.10 Gem. Anhang VII LO erfolgt die Rechnungslegung nach den Vorschriften des ersten und zweiten Abschnitts des dritten Buches des HGB, unter Berücksichtigung der Vorschrift des § 315a HGB sowie nach den aktuellen Fassungen der Satzung, der Ordnungen und der Bestimmungen des DFL e.V.. Auf Grundlage der Bestimmungen gem. § 266 HGB und den zusätzlichen zu berücksichtigenden fußballspezifischen Posten gem. der Lizenzierungsordnung ist nachfolgend in Abb. 2 eine typische Bilanzgliederung eines Bundesligafußballvereins zu sehen. Die zusätzlich zu berücksichtigenden fußballspezifischen Posten gem. der Lizensierungsordnung sind dabei in Fettschrift und unterstrichen zu sehen.

Abb. 2: Bilanzgliederung gem. § 266 HBG mit Berücksichtigung der fußballspezifischen Posten gem. Anhang VII LO

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In Abb. 2 ist ersichtlich, dass sich die Bilanzen der Bundesligafußballvereine gemäß Anlage VII zur DFL-Lizenzierungsordnung im Wesentlichen in drei Punkten vom Standardschema gemäß § 266 HGB unterscheiden. Diese Posten betreffen den Ausweis der Spielerwerte innerhalb des immateriellen Vermögens (im Anlagevermögen) sowie den Ausweis der Forderungen und Verbindlichkeiten aus Transfergeschäften.11 Welche Bilanzpositionen bei Bundesligafußballvereinen besonders angesprochen werden und in welchem Größenverhältnis sich die Clubs mittlerweile befinden, zeigt ein Blick in den alljährlich von der Deutschen Fußball Liga GmbH veröffentlichten Reportingbericht. Der zuletzt veröffentlichte Reportingbericht 2018, der zur wirtschaftlichen Situation im Lizenzfußball der Saison 2016/2017 Stellung nimmt, berichtet dabei wie folgt über den Istzustand und über die Entwicklung der Bilanzen der Bundesligafußballvereine:

„Erstmals in der Geschichte der Bundesliga überschritt die kumulierte Bilanzsumme der 18 Clubs die Drei-Milliarden-Euro-Marke. Mit einem Wert von rund 3,2 Milliarden Euro konnten die Clubs ihre Gesamtbilanz um etwa 300 Millionen Euro anheben, was einen Anstieg um 10,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Innerhalb von drei Jahren ist die Bilanzsumme sogar um 40 Prozent angewachsen. Zum vierten Mal flossen in die Bilanzsumme 2017, die sich aus den im Rahmen des Lizenzierungsverfahrens eingereichten Abschlüssen aller 18 Bundesligisten errechnet, auch wieder die Abschlüsse der Clubs mit Konzernstrukturen (im Berechnungszeitraum: acht) ein. Weiterhin lässt sich ein positiver Trend zum Aufbau von Eigenkapital erkennen. Das Eigenkapital wurde erneut um knapp 147 Millionen Euro gesteigert, was eine Erhöhung um 12,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und gar um 62,4 Prozent im Vergleich zu 2014 bedeutet. Mit 1,31 Milliarden Euro ist das Eigenkapital der Bundesliga-Clubs so hoch wie nie zuvor. Da die Verbindlichkeiten gleichzeitig in ähnlicher Höhe anwuchsen, entwickelte sich die Eigenkapitalquote mit 40,9 Prozent leicht positiv und lag zum dritten Mal in Folge über 40 Prozent. Ein deutlicher Zuwachs ist auch beim Spielervermögen festzustellen, das um rund 250 Millionen auf 947 Millionen Euro anstieg und damit einen Höchstwert erreichte. Im Vergleich zum Vorjahr erhöhte sich das Spielervermögen, das den bilanziellen Wert der Profis beziffert, um 36 Prozent und lag sogar um 90 Prozent höher als noch vor drei Jahren“.12

Ebenfalls im Reportingbericht 2018 wurde eine kumulierte Bilanz (Abb. 3) unter Berücksichtigung aller 18 Bundesligafußballvereine veröffentlicht, die einen weiteren Einblick in das Zahlenwerk der Bundesligafußballvereine liefert. Zu berücksichtigen ist dabei aber, dass die dort dargestellte Bilanz nur einen groben Überblick verschafft. Von einer wie in Abb. 2 detaillierten Bilanz, die den dort erwähnten Ansprüchen der verbandrechtlichen Vorschriften entspricht, kann nicht gesprochen werden.

Abb. 3: Kumulierte Bilanz der 18 Bundesligafußballvereine

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aufgrund der Abbildung kann eindeutig festgehalten werden, dass die Bilanzposition „Spielervermögen“, die lt. LO richtigerweise „Spielerwerte“ genannt werden muss, in der Welt der Bilanzen der Bundesligafußballvereine einen hohen Stellenwert einnimmt. Neben der Bilanzposition „Sachanlagevermögen“, spiegelt die Position „Spielerwerte“ den zweithöchsten Wert auf der Aktivseite wieder. Mit 696 Mio. zum 30.06.2016 und 947 Mio. zum 30.06.2017 ist, aufgrund der immer höher werdenden Ablösesummen für Fußballspieler,13 noch lange kein Ende der Fahnenstange in Sicht. Aus diesem Grund wird in den nachfolgenden Kapiteln eine nähere Beleuchtung dieser fußballspezifischen Bilanzposition vorgenommen.

2. Spielerwerte

Dieses Kapitel erläutert, was hinter der Bilanzposition „Spielerwerte“ zu verstehen ist. Es wird insbesondere auf die Frage eingegangen, um was für eine Art von Vermögensgegenstand bzw. Wirtschaftsgut es sich handelt. Materielle und immaterielle Vermögensgegenstände sind in diesem Zusammenhang zu unterscheiden. Weiter wird beleuchtet, welche Bedeutung der Bilanzposition „Spielerwerte“ zu schenken ist.

2.1. Fußballspieler: Materieller oder immaterieller Vermögensgegenstand

Vorab ist klarzustellen, dass sich der im Bilanzsteuerrecht geltende Begriff „Wirtschaftsgut“ vom Grundsatz her nicht von dem handelsrechtlichen Begriff „Vermögensgegenstand“ unterscheidet. Dies folgt aufgrund des Maßgeblichkeitsgrundsatzes aus § 5 Abs. 1 S. 1 HS. 1 EStG, wonach sich das Betriebsvermögen in der Steuerbilanz nach den handelsrechtlichen Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung richtet. Folge ist, dass in der Steuerbilanz nicht mehr und nicht weniger als in der Handelsbilanz angesetzt werden darf.14

Im Rahmen einer wörtlichen Auslegung handelt es sich bei immateriellen Wirtschaftsgütern um unkörperliche Werte, bei materiellen Wirtschaftsgütern dagegen um körperliche Werte (vgl. BFH, Urteil vom 05. Oktober 1979 - III R 78/75 BStBl. 1980 II S. 16). Aufgrund dieser Auslegung würde man annehmen, dass z.B. Forderungen oder Beteiligungen als immaterielle Vermögensgegenstände zu qualifizieren wären, da ein körperlicher Wert zu verneinen ist. Ein Blick auf das Schema in § 266 HGB verrät uns aber das Gegenteil. Folglich kommt einer wörtlichen Auslegung keine große Bedeutung zu.15

Laut BFH-Beschluss vom 04.12.2006 ist es für die Qualifizierung eines materiellen Wirtschaftsguts ohne Bedeutung, ob es sich dabei um Sachen i.S. des § 90 des Bürgerlichen Gesetzbuchs, Bestandteile von Sachen gemäß § 93 BGB oder Zubehör nach § 97 BGB handelt. Aus diesem Grund werden auch die sog. Finanzwerte (vgl. § 266 Abs. 2 A. III. des Handelsgesetzbuchs) als Wirtschaftsgüter materieller Art behandelt, weil sich ihr Gegenstand auf konkrete materielle Werte richtet. Außerdem führt der BFH weiter aus, dass sich die immateriellen Wirtschaftsgüter durch ihre „Unkörperlichkeit” von den materiellen Wirtschaftsgütern unterscheiden. Es handelt sich bei den immateriellen Wirtschaftsgütern zumeist um „geistige Werte” (z.B. Ideen) und „Rechte“ (Berechtigungen). Sie sind z.B. Konzessionen, gewerbliche Schutzrechte, Urheberrechte, Lizenzrechte, aber auch ungeschützte Erfindungen (BFH, Urteil vom 2. Juni 1976 - I R 20/74, BFHE 119, 410, BStBl. II 1976, 666), Know-how (BFH, Urteil vom 23. November 1988 - II R 209/82, BFHE 155, 132, BStBl. II 1989, 82), Software (BFH, Urteil vom 3. Juli 1987 - III R 7/86, BFHE 150, 259, BStBl. II 1987, 728), Rechte aus vertraglichen Wettbewerbsverboten, Belieferungsrechte, Kauf- und Verkaufsoptionen sowie der Geschäftswert (BFH, Urteil vom 04. Dezember 2006 - GrS 1/05 BStBl. 2007 II S. 508).

Gem. R 5.5 Abs. 1 S. 1 EStR kommen als immaterielle (unkörperliche) Wirtschaftsgüter Rechte, rechtsähnliche Werte und sonstige Vorteile in Betracht.

Nachdem im Vorlauf eine allgemeine Abgrenzung zwischen materiellen und immateriellen Vermögensgegenständen getroffen wurde, ist nun zu untersuchen, worunter die Bilanzposition „Spielerwerte“ zu subsummieren ist. Die Fußballprofispieler stellen Humanvermögen der Bundesligafußballvereine dar. Sie geben den entscheidenden Produktionsfaktor des Produktes Fußballbundesliga wieder.16 In der Literatur geht es beim Thema Humanvermögen um die Bilanzierung von immateriellen Vermögensgegenständen.17 Darunter versteht man unter anderem Wissen (z. B. Ausbildung und Experten-Know-how), deren Kompetenz (z. B. Führungsqualität) sowie sonstige immaterielle Werte im Personalbereich, wie etwa ein gutes Betriebsklima.18 Auf der anderen Seite besitzt der Fußballprofispieler mit seinem Körper eine physische Substanz, die tagtäglich beansprucht wird. An diesem Punkt wird deutlich, dass der Spieler in einem Spannungsverhältnis zwischen Materialität und Immaterialität steht.19 Aufgrund des Art. 1 Abs. 1 S. 1 GG scheidet aber jeglicher Ansatz von Humankapital in Form eines Fußballspielers wegen des Grundsatzes der Menschenwürde aus. In Art. 1 Abs. 1 S.1 GG heißt es, dass die Würde eines Menschen unantastbar ist. Somit ist der Handel mit Menschen sowie Käuflichkeit von Menschen ausgeschlossen.20 Demnach scheidet auch der Ansatz der physischen Substanz eines Fußballspielers aus.

Durch die Spielerlaubnis, wodurch der aufnehmende Fußballverein die gesicherte Möglichkeit besitzt, die zu ihm gewechselten Spieler exklusiv im Lizenzspielbetrieb einsetzen zu können, sieht der BFH die Erfüllung der Voraussetzung eines Wirtschaftsguts an. Nach gefestigter Rechtsprechung des BFH sind Wirtschaftsgüter alle Sachen, Rechte, tatsächlichen Zustände und konkreten Möglichkeiten, die entweder einzeln oder zusammen mit dem Betrieb übertragen werden können und aus der Sicht eines potentiellen Betriebserwerbers einen eigenständigen Wert haben (BFH, Beschluss vom 05. Oktober 2011 – I R 94/10 –, BFHE 235, 367, BStBl. II 2012, 244; BFH, Urteil vom 30. September 2010 – IV R 28/08 –, BFHE 231, 144, BStBl. II 2011, 406). Ebenfalls ist der BFH der Meinung, dass es sich bei der Spielerlaubnis um ein konzessionsähnliches Recht und folglich um einen immateriellen Vermögensgegenstand handelt. Mit diesem Urteil bestätigte der BFH seine Rechtsprechung vom 26.08.1992. Nach diesem Urteil waren die Transferentschädigungen, zu deren Zahlung an den abgebenden Verein der Fußballverein nach damaliger Rechtslage verpflichtet war, als aktivierungspflichtige Anschaffungskosten für die vom DFB zu erteilende Spielerlaubnis anzusehen (BFH, Urteil vom 26. August 1992 – I R 24/91 –, BFHE 169, 163, BStBl. II 1992, 977). Dadurch erfolgt keine Aktivierung eines Werts eines Menschen, welche verfassungsrechtlich ausgeschlossen wäre. Aktiviert wird vielmehr ein vermögensmäßiger Vorteil, der dem Verein daraus entsteht, dass er den jeweiligen Spieler in der Laufzeit des Arbeitsvertrags als Fußballspieler exklusiv in seiner Mannschaft einsetzen kann. Das ist nicht einer Bewertung des jeweiligen Spielers als Mensch gleichzusetzen (BFH, Urteil vom 14. Dezember 2011 – I R 108/10 –, BFHE 236, 117, BStBl. II 2012, 238).

Diese Ansicht des BFH hat in Teilen der Literatur Ablehnung erfahren. Nach Ansicht von Jansen handelt es sich bei der Spielerlaubnis des DFB um kein Wirtschaftsgut. Eine Konzession i.S.d. § 266 Abs. 2 A I 1 HGB liegt nicht vor, da es an der Verkehrsfähigkeit und Entgeltlichkeit fehlt.21 Ähnlicher Meinung sind Steiner und Gross. Ihrer Meinung nach steht die Würde des Menschen einer Bilanzierung von Humanvermögen entgegen. Die Ablöse kann als Schadenersatzleistung betrachtet werden. Folglich wäre eine Aktivierung ebenfalls abzulehnen. Stattdessen kommt gem. § 4 Abs. 4 EStG ein sofortabzugsfähiger Betriebsausgabenabzug in Betracht. Ebenfalls bejahen Steiner und Gross, dass kein immaterieller Vermögensgegenstand vorliegt, da die Spielererlaubnis nicht einzelverkehrsfähig ist. Die Spielerlaubnis kann ohne Zustimmung des Spielers nicht veräußert werden. Ferner geht die Spielererlaubnis nach Ablauf des Arbeitsvertrags unter.22

Die Bilanzierungsfähigkeit der Spielerwerte als immateriellen Vermögensgegenstand ist zwar höchstrichterlich geklärt (BFH, Urteil vom 14. Dezember 2011 – I R 108/10 –, BFHE 236, 117, BStBl. II 2012, 238), dennoch kann die Rechtsprechung des BFH m.E. nur bedingt überzeugen. Aufgrund des Art. 1 Abs. 1 S. 1 GG kommt die Bilanzierung eines Fußballprofispielers als materiellen Vermögengegenstand aber zurecht nicht in Betracht.

Wird nachfolgend von einer Bilanzierung eines Fußballspielers gesprochen, ist die Bilanzierung der Spielerlaubnis, wodurch der aufnehmende Fußballverein die gesicherte Möglichkeit besitzt, die zu ihm gewechselten Spieler exklusiv im Lizenzspielbetrieb einsetzen zu können, gemeint.

2.2. Bedeutung der Spielerwerte

Wie bereits in Kapitel 1 festgehalten, nimmt die Bilanzposition „Spielerwerte“ einen hohen Stellenwert in der Rechnungslegung der Vereine ein. Ein Blick auf Abb. 4 zeigt, dass die Bilanzposition seit dem Geschäftsjahr 2009 regelmäßig den zweithöchsten Wert auf der Aktivseite darstellt.

Abb. 4: Zusammensetzung der Aktiva der 1. Fußball-Bundesliga von 2009 bis 2017 (in Millionen Euro)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: DFL. n. d. Zusammensetzung der Aktiva der 1. Fußball-Bundesliga von 2009 bis 2017 (in Millionen Euro). Statista. Zugriff am 3. Dezember 2018. Verfügbar unter https://de.statista.com/statistik/daten/studie/6462/umfrage/aktiva-der-bundesligavereine/.

Über kurz oder lang werden die Spielerwerte wohl regelmäßig aber den höchsten Aktivposten darstellen. Die Werte in der Abb. 5 veranschaulichen die Entwicklung des Postens „Spielervermögen“ aus der Bilanz der 1. Fußball-Bundesliga von 2005 bis 2017. Es ist seit dem Geschäftsjahr 2005, bis auf einige Ausnahmen, ein kontinuierlicher Anstieg zu registrieren. Der Anstieg zwischen 2005 bis 2017 beträgt stolze 490,59 %. Wobei allein das Geschäftsjahr 2017 einen Anstieg von 251,03 Mio. verzeichnete.

Abb. 5: Spielervermögen (bilanzieller Wert der Spieler) in der 1. Fußball-Bundesliga von 2005 bis 2017 (in Millionen Euro)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: DFL. n. d. Spielervermögen (bilanzieller Wert der Spieler) in der 1. Fußball-Bundesliga von 2005 bis 2017 (in Millionen Euro). Statista. Zugriff am 3. Dezember 2018. Verfügbar unter https://de.statista.com/statistik/daten/studie/6470/umfrage/spielervermoegen-aller-bundesligavereine/.

[...]


1 Vgl. Flohr, Deutschlands liebstes Kind wird 50, https://www.welt.de/print/wams/sport/article108682518/Deutschlands-liebstes-Kind-wird-50.html (zugegriffen am 14.12.2018).

2 Vgl. Transfermarkt, Transfers 18/19, https://www.transfermarkt.de/1-bundesliga/transfers/wettbewerb/L1 (zugegriffen am 14.12.2018).

3 Vgl. Küting/Strauß, Der Betrieb 2010, 793-802.

4 Vgl. DFL Deutsche Fußball Liga GmbH, DFLReport 2018, https://www.dfl.de/dfl/files/dfl-report/DFL_Report_2018_M.pdf (zugegriffen am 29.11.2018).

5 Vgl. Naber, Warum die Millionen (noch) schneller fließen werden, https://www.welt.de/sport/article165267060/Warum-die-Millionen-noch-schneller-fliessen-werden.html (zugegriffen am 29.11.2018).

6 Vgl. Galli, Das Rechnungswesen im Berufsfußball, 1997, S. 36.

7 Vgl. Huwer, Der Jahresabschluss von Fußballunternehmen, 2014, S. 9

8 Vgl. Hierl/Weiß, Bilanzanalyse von Fußballvereinen, 2016, S. 22.

9 Vgl. Küting/Strauß, Der Betrieb 2010, 793-802.

10 Vgl. Müller/Serfas, Bilanzierung im Profifußball, 2017, S. 19.

11 Vgl. Hierl/Weiß, Bilanzanalyse von Fußballvereinen, 2016, S. 71.

12 DFL Deutsche Fußball Liga GmbH, DFLReport 2018, https://www.dfl.de/dfl/files/dfl-report/DFL_Report_2018_M.pdf (zugegriffen am 29.11.2018).

13 Vgl. Naber, Warum die Millionen (noch) schneller fließen werden, https://www.welt.de/sport/article165267060/Warum-die-Millionen-noch-schneller-fliessen-werden.html (zugegriffen am 29.11.2018).

14 Vgl. Schubert/Waubke, in: Beck'scher Bilanz-Kommentar, 2018, § 247 HGB, Rn. 12.

15 Vgl. Prinz/Kanzler, Handbuch Bilanzsteuerrecht, 2018, Rn. 3142.

16 Vgl. Huwer, Der Jahresabschluss von Fußballunternehmen, 2014, S. 137.

17 Vgl. Schmeisser, Modelle zur Humankapitalbewertung, 2011, S. 29.

18 Vgl. Schäfer/Lindenmayer, Externe Rechnungslegung und Bewertung von Humankapital, 2005, S. 16.

19 Vgl. Lang, Rechnungslegung im Profifußball, 2008, S. 104.

20 Vgl. Huwer, Der Jahresabschluss von Fußballunternehmen, 2014, S. 138.

21 Vgl. Jansen, DStR 1992, S. 1785–1789.

22 Vgl. Steiner/Gross, StuB 2005, S. 531–536.

Details

Seiten
53
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783346121547
ISBN (Buch)
9783346121554
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v535584
Institution / Hochschule
Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg; ehem. Fachhochschule Ludwigsburg
Note
14 Punkte
Schlagworte
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Titel: Die Bilanzierung von Fußballspielern. Bilanzierungsfähigkeit, Zugangsbewertung und Folgebewertung