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Der Weltverbesserungsgedanke in Erich Kästners Werken "Pünktchen und Anton" und "Fabian"

Seminararbeit 2006 15 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. „Pünktchen und Anton“
2.1 Zum Inhalt
2.2 Nachdenkerei „Von der Armut“
2.3 Schlusskapitel „Ende gut, alles gut“
2.4 Schlussfolgerung

3. „Fabian – Die Geschichte eines Moralisten“
3.1 Zum Inhalt
3.2 Fabians Weltverbesserungstheorie
3.3 Labudes Weltverbesserungstheorie
3.4 Der Vergleich

4. Auswertung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Erich Kästner wurde 1899 in Dresden geboren, durchlebte in seiner Jugend den 1. Weltkrieg, beim Militär, jedoch nicht an der Front. Nach einer abgebrochenen Ausbildung zum Volkslehrer studierte er und promovierte in Germanistik. Schon früh verdiente er sein Geld als Journalist und Theaterkritiker. Von 1927 bis 1933 verlebte er seine produktivste und kreativste Zeit in Berlin zu Zeiten der Weimarer Republik. Er arbeitete weiterhin als Theaterkritiker, schrieb für die Weltbühne und veröffentlichte mit Erfolg Romane, Kinderbücher, Glossen und Lyrik. Mit seiner Gebrauchslyrik avancierte Kästner zur wichtigsten Stimme der Neuen Sachlichkeit. Mit dem Kinderbuch „Emil und die Detektive“ feierte Kästner seinen größten Erfolg. Das Buch wurde weltweit in 59 Sprachen veröffentlicht und 1931 ebenfalls verfilmt.

Als das Naziregime die Macht in Deutschland ergriff, gehörte Kästner zu jenen Intellektuellen, die das Land nicht verließen. Er wurde mehrmals von der Gestapo verhört, bekam Publikationsverbot und musste aus nächster Nähe mit ansehen, wie am10. Mai 1933 auch seine Bücher, bis auf „Emil und die Detektive“, verbrannt wurden.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zog Kästner nach München, wo er bis 1948 das Feuilleton der Neuen Zeitung leitete und die Kinder- und Jugendzeitschrift „Pinguin“ herausgab. Er widmete sich verstärkt dem literarischen Kabarett, arbeitete für die Schaubühne und für den Hörfunk. Leider erreichte Kästner seine Höchstform der dreißiger Jahre nicht mehr. Er verfiel immer mehr dem Alkoholismus und fand den Anschluss an die Nachkriegsliteratur nicht. Am 29. Juli 1974 starb Kästner in München.

Dies sind die Informationen, die man jeder Kästner-Biographie und auch dem Internet mühelos entnehmen kann. Als etwas tiefer gehende Information erhält man dann die Geschichte der sehr komplexen und innigen Beziehung Kästners zu seiner Mutter, die zu einem Motiv in fast all seinen Büchern, vor allem Kinderbüchern, geworden ist. Auch erfährt man, dass Kästners innere Emigration während des zweiten Weltkrieges recht kritisch von seinen Zeitgenossen gesehen wurde.

Ich persönlich fand diese Informationen recht unbefriedigend. Sie verrieten mir nichts über den Menschen Kästner, über seine Gedankenwelt, seine Hoffnungen und Ängste. Ich beschloss mich nicht auf Biographien zu stützen und fing an, Kästner als Person in seinen Werken zu suchen. Bei dieser Arbeit widme ich mich dem Weltverbesserungsgedanken Kästners, den ich glaube in seinem Roman „Fabian – Die Geschichte eines Moralisten“ und dem Kinderbuch „Pünktchen und Anton“ gefunden zu haben. Beide Bücher schrieb der Autor im Jahr 1931. Deswegen erschien es mir sinnvoll, gerade die zwei Werke im Vergleich einander gegenüberzustellen, was ich im Folgenden tun werde. Dabei werde ich den Weltverbesserungsgedanken in beiden Büchern separat zu erfassen versuchen und ihn auf die Person Kästner beziehen. Anschließend werde ich einen Vergleich wagen, um zu erfahren, was Kästners persönlicher Weltverbesserungsplan war.

2. „Pünktchen und Anton“

2.1. Zum Inhalt

Erich Kästners Kinderbuch „Pünktchen und Anton“ entstand im Jahr 1931 und spielt in einer Großstadt, was typisch für Kästners Kinderbücher ist, und zwar in Berlin. Die zwei Titelfiguren, Pünktchen und Anton, sind auch die Hauptfiguren der Geschichte. Pünktchen ist ein Mädchen reicher Eltern, ihr Vater ist Industrieller und ihre Mutter ist eine so genannte Hausfrau, die sich jedoch dank Bediensteter nicht um den Haushalt zu kümmern braucht, sondern sich stattdessen den Alltag mit Einkaufen, Empfängen und Theaterbesuchen versüßt. Pünktchen, Luise mit richtigem Namen, ist ein sehr fröhliches Mädchen, mit viel Witz und Phantasie. Die meiste Zeit verbringt sie mit ihrem Kindermädchen Fräulein Andacht, die sie nachts mit auf die Weidendammer Brücke begleitet, wo die beiden eine blinde Mutter mit einer armen Tochter mimen und Streichhölzer an Passanten verkaufen. Dieses Geld sammelt Fräulein Andacht für ihren zwielichtigen Verlobten. Auf derselben Brücke verkauft Pünktchens Freund Anton Schnürsenkel, um für seine arme kranke Mutter sorgen zu können. Er ist etwa in demselben Alter wie Pünktchen, muss jedoch mit der Armut kämpfen, tagsüber zur Schule gehen und bis spät in die Nacht Schnürsenkel verkaufen. Anton ist trotz der Probleme ein guter und fleißiger Junge und beschwert sich nicht über sein Schicksal, denn er liebt seine kranke Mutter und übernimmt gern mehr Verantwortung, um ihr das Leben zu erleichtern.

Schnell stellt sich heraus, dass Anton der Held der Erzählung ist. Zwar beweist Pünktchen, dass sie eine gute Freundin ist, weil sie mit Antons Lehrer über seine Probleme redet um ihm das Leben wenigstens etwas einfacher zu machen, doch Anton ist derjenige, der sich gegen den gemeinen Jungen Gottfried Klepperbein stellt, der droht, Pünktchen und Fräulein Andacht zu verraten. Auch warnt er die Haushälterin Berta vor einem Einbruch in Pünktchens Haus und hilft zum Schluss mit dieser Tat sogar seiner Mutter aus der finanziellen Misere.

Die Figur des Anton hat sehr starke Ähnlichkeit mit der Figur des Emil in Kästners vorangegangenem Kinderbuch „Emil und die Detektive“, was Kästner im Nachwort zu „Pünktchen und Anton“ offen zugibt. „Ich habe von Anton erzählt, obwohl er dem Emil Tischbein so ähnlich ist, weil ich glaube: Von dieser Sorte Jungen kann man gar nicht genug erzählen, und Emile und Antone können wir gar nicht genug kriegen!“[1] Emil und Anton könnte man demnach zu einer Persönlichkeit zusammenfassen, die den Kindern vorleben soll, wie sie nach Erich Kästners Geschmack sein sollten. So schreibt Hans Wegener: „Das pädagogische Element ist am stärksten in der Persönlichkeit der jungen Helden: Sie wollen zeigen, wie man gleichzeitig ein ‚doller Bengel’ sein kann und doch ein Musterknabe.“[2] Diese beiden Jungen verkörpern Eigenschaften wie Fleiß, Besonnenheit, Selbstbeherrschung, Bescheidenheit, Aufrichtigkeit und Gerechtigkeitssinn.[3] Diese scheinen für Kästner ausschlaggebend zu sein bei seiner Vorstellung von einem guten Menschen. Zwar weisen auch seine anderen Figuren wie Pünktchen und Pünktchens Vater durchaus gute Eigenschaften auf, doch sie sind nicht frei von Fehlern. Anton jedoch ist weitgehend frei vom Makel, ist und handelt vernünftig und verkörpert somit eine Vorbildfigur, die Kästner bewusst geschaffen hat, um seinen jungen Lesern auf dem Weg zum Erwachsenwerden zu guten Menschen zu verhelfen.

[...]


[1] Kästner, Erich: „Pünktchen und Anton“, S.155.

[2] Wegener, Hans: „Erich Kästner“, 1973, S. 59.

[3] Vgl. Wegener, Hans: Fußnote Nr.2

Details

Seiten
15
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638489089
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v53456
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
2,1
Schlagworte
Weltverbesserungsgedanke Erich Kästners Werken Pünktchen Anton Fabian

Autor

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