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Leseverständnis in der Zweitsprache und Strategien zur Verbesserung der Lesekompetenz für Nicht-Muttersprachler

Seminararbeit 2005 13 Seiten

Deutsch - Deutsch als Fremdsprache / Zweitsprache

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was tun wir, wenn wir lesen?

3. Was ist anders, wenn wir einen fremdsprachlichen Text lesen?

4. Einige ausgewählte Strategien zur Verbesserung des Textverständnisses

5. Bibliographie

1. Einleitung

Lesen ist die Schlüsselqualifikation schlechthin: Es vermittelt Wissen, es bedeutet Welterfahrung, es weitet den Horizont in jeder Hinsicht. Lesen vermittelt Einblicke in unterschiedliche Fachgebiete, Zeiten und Räume – insbesondere in die geistigen Räume und die Vorstellungswelten verschiedenster Autoren. Es fördert Phantasie und Kreativität, denn die Bilder zum Text werden nicht einfach geliefert und passiv konsumiert, sondern sie müssen aus dem abstrakten Medium Schrift individuell und aktiv erzeugt werden. Auf diese Weise trainiert das Lesen die Geduld und das Konzentrationsvermögen. Dass das Lesen auch die eigene „Sprache“ bereichert, dass Wortschatz und Ausdrucksfähigkeit wachsen, versteht sich von selbst. Schließlich wird durch das langsame, reflektierende, kritische Lesen das Denkvermögen und die Urteilskraft in besonderem Maße geschult.[1]

Wer immer etwas über die Bedeutung des (muttersprachlichen) Lesens sagt, stellt einen Aspekt besonders heraus: Lesen ist eine der grundlegendsten Kulturtechniken überhaupt. Auch das fremdsprachliche Lesen kann diese positiven Auswirkungen auf den Leser haben, wenn er es denn beherrscht. Nach der extremen Betonung von mündlicher Sprachfähigkeit im Zuge der kommunikativen Wende der Siebziger Jahre hat in jüngster Zeit vor allem das Lesen literarischer Texte im Deutsch-als-Fremdsprache-Unterricht wieder mehr an Bedeutung gewonnen.

Was kann man also tun, um Schülern mit Deutsch als Zweitsprache das Lesen und Verstehen zu erleichtern? Was bedeutet überhaupt „Verstehen“? Welche Prozesse laufen in uns ab, wenn wir lesen? Das sind die Problemstellungen, mit denen ich mich in dieser Arbeit auseinandersetzen werde. Dabei möchte ich mit der grundlegenden Frage „Was tun wir, wenn wir lesen?“ beginnen. Daran anschließend werde ich die wesentlichen Unterschiede zwischen fremdsprachigem und muttersprachigem Lesen aufzeigen. Aufbauend auf den Erkenntnissen der beiden vorangegangenen Kapitel möchte ich abschließend einige ausgewählte Strategien zur Verbesserung des Leseverstehens vorstellen.

2. Was tun wir, wenn wir lesen?

Hakan: „Hey, hast du die Deutsch-Hausaufgaben gemacht? Ich hab’ gar nichts geblickt.“

Mathias: „Echt? War doch voll leicht, ich habe den Text gut verstanden!“

Solch unterschiedliche Aussagen über die Schwierigkeit eines Textes wie in diesem fiktiven Schülergespräch lassen sich sehr häufig feststellen. Doch woran liegt es, dass ein Schüler keinerlei Probleme bei der Lektüre hat, während den anderen starke Verständnisschwierigkeiten plagen? Schließlich haben doch beide ein und denselben Text gelesen. Und was heißt überhaupt „verstehen“?

Krischer[2] definiert ‚einen Text verstehen’ als die Fähigkeit des Lesers, die einzelnen Aussagen des Textes einschließlich ihrer Konnotationen sofort in einen Zusammenhang einordnen und auf den entsprechenden Kontext beziehen zu können. Damit das Gelesene kohärent gemacht werden kann, braucht der Leser aber verschiedene Fertigkeiten.

Er muss die Fähigkeit besitzen, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen („den roten Faden erkennen“). Beim Lesen filtern wir ständig Informationen, wir selektieren das Wesentliche vom weniger Wesentlichen. Was als wichtig angesehen wird, hängt in entscheidendem Maße von der Zielsetzung bzw. Fragestellung des Lesers beim Lesen ab. Neben der Selektionstätigkeit nehmen wir beim Lesen einen fortwährender Prozess der Abstraktion vor. Ohne diese Leistung würden wir schnell die Kapazitäten unseres Gehirnes sprengen.[3]

Der geübte Leser vollbringt aber noch weitaus mehr als Abstraktions- und Selektionsleistungen. Er denkt untentwegt an das Kommende, d.h. er deutet voraus. Dieses Antizipieren wird auf den verschiedensten Ebenen vollzogen: Auf Buchstaben-, Wort-, Satz- und Textebene. Dazu werden bestimmte Schemata abgerufen.[4] Verdeutlichen wir uns die Funktionsweise eines solchen Schemas einmal anhand eines Beispieles:

Ich habe den Film, den ___________ , __________ .

[...]


[1] Die vorangegangenen Ausführungen zur Bedeutung des Lesens stammen aus der Rede des Staatssekretärs im Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus, Karl Freller, zur Eröffnung der Veranstaltung „Leseforum Bayern“ am 19. November 2002 und wurden leicht adaptiert.

Das Original ist nachzulesen unter: http://www.km.bayern.de/km/asps/archiv/19_11_leseforum.pdf.

[2] Krischer 1998: 373.

[3] Vgl. Ehlers 1992b: 8ff & 20ff.

[4] Für eine genauere Einführung zum Konzept des Schemas vgl. Ehlers 1992b.

Details

Seiten
13
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638488907
Dateigröße
473 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v53435
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Institut für deutsche und niederländische Philologie
Note
ohne Bewertung
Schlagworte
Leseverständnis Zweitsprache Strategien Verbesserung Lesekompetenz Nicht-Muttersprachler Zielsprache Deutsch Didaktik Methodik Deutschen

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